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Das jüdische Literaturblatt · 1893-10-20 · N° 42. (20.10.1893) · p. Seite 164

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 42. (20.10.1893)
Date
1893-10-20
Page
Seite 164 (sequence 2)
Language
German
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164 wirklich der Lehre Gottes gleichzustellen. Es wäre (lies so, als wollte man ein künstlerisch verfertigtes Bild, das wohl nach allen Regeln der Kunst ausgeführt ist, das aber stumm und leblos dasteht, mit einem lebenskräftigen Organismus vergleichen, in dessen Adern Leben fliesst, der von Vernunft und Verstand durchgeistigt ist Alle diese Verfolgungen Israels aber durch die Gewalt der Tyrannei, die Macht der Rechthaberei und die Erscheinungen neuer Lehren sind uns von den Propheten und ganz besonders von Daniel verkündet worden, aber sie haben uns zugleich mit den wärmsten Worten Trost zugesprochen und uns die Versicherung gegeben, dass alle Feinde endlich wie Schaumblasen auf dem Wasser sich verlaufen werden. Daher fordert er ain Schlüsse dieses ersten Teiles in seinem Sendschseiben die wahrhaft Frommen und Besonnenen in Israel auf, als Männer, deren Väter einst um den Hammenden Sinai gestanden, denen der Herr unter Donner und Blitz in seiner ganzen Herrlichkeit und Majestät sich offenbarte und dessen Worte sie mit Beben und Zittern vernommen haben, als Nachkommen solcher Vorfahren an der Lehre des Herrn festzuhalten und nicht ein Haar breit von ihr abzuweichen. Wer aber in seinem Glauben so schwach ist und mit demselben so lose zusammenhängt, dass er sich verleiten lassen kann, von der Lehre Gottes, von dem wahren Lebensquell sich zu trennen, von dem kann mit Sicherheit behauptet werden, er gehöre nicht zu den Nachkommen derer, an die der Ruf des Herrn am Sinai ergangen ist. Im zweiten Teile dieses Sendschreibens sucht Maimonides die Beweise des Apostaten Samuel Ibn-Abas, aus der heiligen Sc,hilft, für die Wahrheit des islamitischen Glaubens und der Sendung Mahomeds zu widerlegen und zu entkräftigen. Er sei, sagt M., nicht der erste Erfinder, der mit solchen Beweisen Augriffe gegen die Juden und das Judentum versucht. Ihm gebührt nicht einmal das Prioritätsrecht in diesem thürichten Unternehmen. Viele vor ihm schon traten mit solchen Thorheiten und Lächerlichkeiten gegen das Judentum auf und diejenigen, welche solche Belegstellen erbrach• ten, waren selbst stets von der Hinfälligkeit und Haltlosigkeit derselben überzeugt. Rabbi Jacob und die gläubigen Juden dürfen auf solchen Tand und auf derartigen Lug und Trug um so weniger Wert lagen, als selbst die Muhamedaner solche kniffige Kunstgriffe wenig beachten, noch ihnen Glauben beimessen. Gegen den Punkt aber von der Fälschung der heiligen Schrift, die der Apostat den Juden zur Last gelegt hatte, wendet sich Maimonides mit der grössten Entrüstung und beweist die Ungereimtheit dieser Verdächtigung durch die verschiedenen Uebersetzungen, die chaldäische, griechische, persische und lateinische, die alle mit den Worten des Textes übereinstimmen. Nur derjenige, der so unwissend ist, nicht zu wissen, welche Genauigkeit und Sorgfalt die jüdischen Gelehrten und Weisen stets auf *die Integrität des Textes verwendet haben, der kann solchen Unsinn sprechen. (Schluss folgt.) Eine alte Synagogenordnung. Von Rabbiner Dr. Goldfahn. (Fortsetzung.) Die palästinensischen Amoräer hatten sich in die Anordnung der Patriarchensteuer gefügt; aber mit der neueingeführten Perikope konnten sich nicht alle befreunden. Während R. Jizchak die Perikope von ״der Kopfsteuer“, dem ״Sühngeld“ acceptiert, meint R, Jochanan, wenn schon der Abschnitt von den ständigen Opfern nicht verlesen werden könne, so sei doch weuigstens eine solche Perikope zu wählen, deren Verlesung auch einen Ersatz für den Opferdienst im Moriatempe biete; dieser Abschnitt wäre die Anordnung über den Bau des Heiligtumes. Ebenso differieren R. Jakob b. Idi und G. Samuel. Welcher der beiden Letzteren die Perikope von der Kopfsteuer acceptiert hat, weiss der babyl. Talmud nicht1). Bacher’s Behauptung, R. Samuel b. Nachmani sage: ״Gott sah das zu erbauende Heiligtum“, bedarf noch eines Beweises. Dieser Beweis kann jedoch sehr leicht geführt werden. Zu der Mischna Anfangs Schekalim, dass am ersten Tage des Monats Adar die Aufforderungen zum Beitrage der Schekalim beginne, tradiert R. Chaggai2) im Namen des R. Samuel b. Nachmani, dass in der Anordnung3) über den Bau des Heiligtums dreierlei Steuern angedeutet seien4 * *): Die allgemeine Bausteuer, die Opfersteuer und die Kopfsteuer, aus deren Ertrage die Fussgestelle des Heiligtums augefertigt worden waien3). Nach meinen obigen Ausfiihrungen erkennt man leicht, dass R. S. b. N damit sagen wollte, dass am Schabbath Paraschath Schekalim nicht die Anordnung über die Kopfsteuer, sondern die über den Bau des Heiligtums verlesen werde; somit ist auch bewiesen, dass R. S. b. N. der Autor der Ansicht sei, dass Gott das zu erbauende Heiligtum gesehen habe, das heisst als Sühnmittel betrachtet hätte8). Hingegen meint R. Abun7), dass auch in dem Abschnitte über die Kopfsteuer die dreierlei Steuern angedeutet seien: Kopf- Steuer, allgemeine Bausteuer und Opfersteuer, somit auch die Verlesung der Perikope über die Kopfsteuer als Ersatz für die Opfer Verrichtungen betrachtet werdenkönne, Der Patriarch Juda II war auch sehr ungehalten darüber, dass die Patriarchensteuer einer- und die liturgische Neuerung andererseits auf so vielen Wider- Spruch gestossen war. , Er rief seinen Gegnern zu8), sie mögen sich schämen, dass sie, die Gegner, an dem alten Uebel kranken, an dem Israel stets gelitten hatte, dass das Böse eine grössere Anziehungskraft aut das Volk ausgeübt als das Gute, was er an drei Antithesen aus den Erzählungen in dem Pentateuche zu zeigen versucht. Zum Bau des Heiligtums spendeten nur die Freigebigen9), zum goldenen Kalbe hingegen gab das ganze Volk seine Ohrringe10), zum Berge Gottes muss Moses das Volk, — ob es das ganze war, bleibt unbestimmt, — hinausführen, hinausziehen, hinauszerreu, wegen der Kundschafter kommen sie zu Moses und zwar alle11), das Danklied stimmt erst Moses allein an und nur dann stimmen die Söhne Israels, ob alle ist unbestimmt, ein12), die Klage über den Bericht der Kundschafter erhebt die Gemeinee von sich selbst und zwar die ganze Gemeinde13). ') Agada der palästin. Amoräer S, 539. 2) Jeruschalmi a, 1. 45d, Bei Bacher 1. 1. S. 509 Anm. 8 teblt der Name des Tradenteu: Chaggal. •) 2. M. 25, 1 ff. 4) 1. c. 25, 2, 3. Beachtenswert ist, dass R. S. b. N. die Opfersteuer 0'Sptr תרומת nennt, während er die Kopfsteuer mit תרומת אדנים bezeichnet s) 8. M. 38.27—25 ־ ף Wenn R. Samuöl b. Nachman im Namen des R. Jonathan (Pesikta ed. Buber 18b) tradirt, dass das ״Kopfgeld“ auch bei der Volkszählung Davids das Stthnmittel gewesen sei, 80_ tradiert er blos die Ansicht seines Lehrers, vou der er, R. S. b, N., auch sonst abweicht. Vgl. Bacher 1. 1: Seite 59 und Seite 69. An letzterer Stelle ist Anm. 1 R. S. b. N. und im Tanchuma ed. Stettin § 9, Seite 307 ed. Venetia» f. 45h namenlos zu ergänzen. ’) Jerus. Schekalim f. 46a. •) Schekalim 45d. Nicht der Patriarch Juda I, wie Bacher, Agada der Tannaiteu II S. 471, sondern, worauf auch der Name des Tradenten R. Jehuda b. Pazi hindeutet, der Patriarch Juda II ist der Autor der fraglichen Sprüche. Falsch ist auch Bacher’s Wiedergabe: ״zum Bösen sich ebenso bereit“ anstatt: ״zum Bösen sich viel bereitwilliger“ zeigte. •1 2. M. 36, 22. ">) 2. M. 32, 3. “) 2. M. 19, 17. »*) 6. M. 1, 22. 2 (״. M. 15, l.

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