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Das jüdische Literaturblatt · 1893-10-20 · N° 42. (20.10.1893) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 42. (20.10.1893)
Date
1893-10-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 42. Das ' XXII. Jahrg. JüdisoheLi teratur blatt Zur Beleuchtung aller Judenthum und Juden lietreflenden litterariechen Ersehe!• nungen aut dem Gebiete der Philosophie. Geschichte. Ethnographie. Theologie. Orienalia. Esegease. Homiletik. Liturgik, und Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner I)r. Moritz Ra Inner, Magdeburg, den 20. October 1893. Bücher der emtthligigen Litteratur, welche der Redaktion zugeaandt werden, finden m diesem Blatte eingehende Besprechung Bei Einsendung von zwei Recensions• Exemplaren erfolgt einmalige kurze GratiS'lnsertion. Das ״Jüdische Literatur-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis hei allen Buchhandlungen lin Leipzig hei Robert Friese! pro •Tt.lirgang S Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift‘־, die vierteljährlich hei allen Posfanstalten und Buchhandlungen Mark zahlen, erhalten (las ״Jüdische Literatur-Blatt“ gratis. Inserate werden mit, 25 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark berechnet uud sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Buchhändler und Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 2> "/״ Hahau. T-r-L~pLa.lt: Wissenschaftliche Aufsätze: Das Sendschreiben ״Iggereth Theman“ von Maimonides. Eilt Beitrag zur Geschichte des Judentums (Fortsetzung.) Von Rabbiner Dr. Kronberg. — Eine alte Synagogenorthjung. (Fortsetzung.) Von Rabb. Dr. G 0 1 d f ah n. — Recensionen: Jüdische Leiden. Besprochen von Dr. Immanuel Deutsch — אחיאסף hebräischer Volkskalender f. d. J. 5B54. - Albert Weilis Synagogengesänge für Cactor- und Männerchoa Besprochen von Rutiolf Eisenberg-Berlin. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet. Das Sendschreiben ״Iggereth Theman“ von Maimonides. Ein Beitrag zur Geschichte des Judenthums. Von Rabbiner Dr. Kronberg. (Fortsetzung.) Inhalt den Nrndsehreibens. Maimonides hat dieses Sendschreiben in vier Teile geteilt und aus dem Inhalte desselben lässt sich Schritt tiir Schritt der Inhalt des aus Jemen an ihn gerichteten Schreibens verfolgen. In dem ersten Teile des Briefes spricht M. im allgemeinen von dem harten Schicksale des jüdischen Volkes uud seiner Lehre, wie beide zu allen Zeiten die Zielscheibe des Spottes, des Hohnes und der Unterdrückung waren. Und als Antwort auf die Frage, die wir zwischen den Zeilen zu lesen vermögen, weshalb Gott Israel und seine Lehre der Schmach und dem Drucke preisgegeben dabe, erwidert er, Gott will Israel prüfen und versuchen, sein Herz und seine Gesinnung durch Leiden und Strafen reinigen und läutern, seinen Mut und seine Thatkralt stärken und stählen. Die beständig mederkehrenden Erscheinungen in der Leidensgeschichte unseres Volkes dürfen uns nicht überraschen, denn sie kommen uns nicht ganz unerwartet. Sie sind uns vielmehr von den Propheten und Sehern unseres Volkes vorausgesagt uud verkündet worden. Was aber den Völkern Veranlassung giebt, uns Andersgläubige zu hasseu und anzufeinden, ist eben die Be vorzugung, die uns von Gott vor ihnen zu Teil geworden ist Nur deshalb werden wir und unsere Lehre in jedem Zeitalter verfolgt und gehetzt wie ein scheues Wild. Der Fortschritt der Kultur schwächt durchaus nicht den Hass und die leidenschaftliehe Feindschaft gegen das Volk Gottes ab. im Gegenteil, die Mittel zur Unterdrückung und Demütigung Israels nehmen mit dem Aufschwünge der Kultur an Stärke und Raffiniertheit immer mehr z u. Die heidnischen Völker, wie Amalek, Sisra, Sancherib, Babylonier und Assyrer suchten Israel einfach mit barbarischer Macht und mit roher Hand, mit# frecher Gewalt zu bekämpfen. Die gebildeteren Völker, wie die Perser, Griechen und Römer, lösten jene ab und standen gegen Israel auf mit der Macht ihres überlegenen Geistes aut dem Gebiete der Wissenschaft und suchten durch Sophistik und Disputationsvermögen Israels Lehre zu erschüttern und somit das Volk zum Abfalle von Gott zu verleiten. Aber beiden gelang ihr Vorhaben nicht, wieder Prophet dies vorausgesagt:״ Jedes Gerät, das gegen!)ich geschmiedet wird, es wird nichts auszurichten vermögen, und jede Zunge, die wider Dich aufersteht vor irericlit. Du wirst sie Lügen strafen.“ Da nun also jene Mittel zur Unterdrückung Israels nicht gelingen wollten, fährt Maimonides weiter fort, so nahm man zu einem andern Versuche Zuflucht Man kam auf den neuen aber originellen Gedanken, Israels Lehre zwar nicht ganz ihren göttlichen Ursprung abzusprechen. aber sie wenigstens als veraltet und verjährt zu verschreien. Es bildete sich eine Sekte im Judentum, deren Stilter und Gründer als Prophet des Herrn auftrat, der von ihm eine neue Lehre empfangen hätte zum Heile und zum Segen der ganzen Menschheit. Was die Rohheit und die. Sophistik der frühem Zeiten nicht zu bewerkstelligen vermochte, das wollte diese Partei durch Klugheit und Schlauheit herbeiführen. Und klug war allerdings dieser Plan von der Vorgabe, eine neue Lehre von Gott empfangen 7,u haben. Denn es wurde damit nichts weniger beabsichtigt, als den Stachel des Zweifels an der Wahrheit der Lehre Gottes in die Herzen ihrer Bekenner zu drücken. Denn sind beide Lehren göttlichen Ursprunges, so muss notgedrungen die eine die andex־e ausscldiessen, die eine die andere verdrängen, da die eine der anderen diametral entgegengesetzt ist. Schwerer waren die Leiden Israels durch diese Religionssekte. die im Schosse des Judentums selbst entsprungen und grossgewachsen ist, als diejenigen, die Israel von der rohen Gewalt und dem Geiste der Sophistik zn ertragen hatte. Der Hass gegen Israel gewann jetzt ein ganz neues Moment, das des Fanatismus und der Schwärmerei. Und ״fromm schwärmen ist bei weitem leichter als tugendhaft handeln.“ Ist aber einmal der Anfang auf diesem Wege gemacht worden, so entstand bald eiu zweiter Prophet, ein Stifter und Gründer einer neuen Lehre, der mit derselben Absicht auch dasselbe Ziel verfolgte, der sicli aber nicht damit begnügte, die Ehre des frommen Prophetentums und der göttlichen Sendung für sich in Anspruch zu nehmen, sondern mit dem Schwerte in der Hand auch die weltliche Macht und Herrschaft zu erringen strebte. Beide hatten die Absicht, sagt Maimonides ferner, die Lehre des Judentums zu verdrängen und statt derselben ihre Dogmen und Lehren auf den herrschenden Thron zu setzen. Aber nur Kinder und Unwissende können sich bethören lassen, zu glauben, es seien die Lehren des Islam

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