Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 41. (13.10.1893)
- Date
- 1893-10-13
- Page
- Seite 161 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 161 — sind einander coordinirt; beide haben ihre Gottesboten׳ ihre Rabbinen, (mit Anspielung auf die Abgesandten, die Apostel, welche der Patriarch Juda II in die Diaspora, also auch nach Babylon gesendet hatte, um die Patriarchensteuer einzusammeln), beide seien ebenbürtige Erhalter des Judentums. Mögen die Palästinienser für ihr Patriarchat, ihre Synagoge und ihre ]jehrhäuser sorgen; die Babylonier seien selbstständig und hätten gleich gute Leh-häuser, ihre eigenen Patriarchen und ihre hervorragri den Schulhäupter. Die Babylonier können also ni c h t verhalten werden zu der Patriarchensteuer. Samuel dagegen behauptet.: Der Patriarch Isak, der zuin Opfer bestimmt gewesen und der infolgedessen selbst in der Hungersnot nicht aus Palästina auswandern durfte14), sei das Prototyp der Juden. In dieser Beziehung aber nehmen die Juden in Palästina eine bevorzugte Stellung ein. da sie, die palästinensischen Juden, unter der Gewaltherrschaft der Römer ein schreckliches Märtyrertum erleiden mussten und zudem nicht auswandern durften16), es sei darum Pflicht der ausserhalb Palästinas Lebenden, in besserer Lage sich befindenden Juden, dem Patriarchate in Palästina sich unterzuordnen und zu dessen Erhaltung beizutragen. (Fortsetzung folgt.)) Zwei interessante Urkunden über Juden. Nach «lern Original des K.K. Haus- Hof- und Staatsarchives in Wien. >'011 S. Schweinburg-Eibenschitz.*) Viele Historiker verbreiten das sinnlose Märchen von der Vaterlandslosigkeit der Juden im Mittelalter. Wer aber Gelegenheit hat, die Originalurkunden der Archive zu durchforschen, der findet, dass die Juden im Mittelalter in manchen Ländern sich des besten Schutzes erfreuten. Die Geschichte der Juden in Steiermark beweist dies am deutlichsten. In keinem Lande der Welt waren Juden mit solchen Rechten und Privilegien ausgestattet. Die Juden in Steiermark waren aber auch erprobte Freunde und Förderer der Wissenschaft des Judentums. Ihr einträgliches Geschäft bot ihnen auch die finanziellen Mittel hierzu. Aus den Trümmern der Vertreibung der Juden aus Steiermarh wurden leider nur die Werke Isserl Marburgs: Trumatk hadeschen, Pesakim etc. für die Nachwelt gerettet. Wie vieles mag sonst noch in Bibliotheken und Klosterarchiven verborgen liegen. Die nachfolgenden zwei Urkunden mögen uns daran erinnern, wie vergänglieh die Macht und der Reichtum der steirischen Juden war. Seit dem Jahre 1496 blieb dieses Land von Juden befreit bis zum Jahre 1848. Dem Lande war dadurch ein grosser Schaden zr gefügt. Steiermark konnte sich thatsächlich erst wirtschaftlich erholen, seitdem der Fluch der Religionskämpfe beseitigt wurde. I. Wir Rudolf!' von gotes gnaden herzog ze Oesterreich, ze Steyr urd ze Kernden, graf ze Tyrol etc., tun küunt ümb den clirieg und stözz der zwischen Müschen Isser- Gallus), so wird das andere Lager zur Rettung sein, das sind unsere Brüder in der Golah (Babylon). — Grätz, der für das Fasteu am Montag und Donnerstag (Geschichte IVי S. 74 Anm. 1) keine ältere jüdische Quelle als die ״Halachoth gedoloth“ kennt, ist die Mitteilung des R. Hoschaja im Midrasch rabba 1. c. entgangen. Uebrigens kennt auch der jerns. Talmud das Fasten am Montag und Donnerstag; Pessachim 80d, Taanith 64c, worauf ich gelegentlieh noch zn sprechen komme. “) 1. Moses 28, l ff. und rabba a. 1. cap. «4, § 3. 1») Wie Samuel (Kethuboth lila) lehrt. Die Erklärung der ähnlichen agadischen Deutung zu 2. M. 12, 13 und 23 in der Mechilta (ed. Friedemann pagina 8a nnd 12a) würde hier zu weit fühlen. *) Oben 8. 154 ist zu lesen: Zur Geschichte der (st. des). leins ennichel von Marchburch an ainem tail und zwischen Hakkym von Gretz desselcen Müschen swager unsem Juden an dem andern tail gewesen ist von des juden briefs wegen, den derselb Hakkym gehabt hat über des egenannten Isserleins, habe daz er dar an den vierten tail erben solt, daz sie darueber ze baiderseit hinder uns gegangen sind und wellen stet haben, was wir zwischen in sprechen, haben wir nach rat der juedischen maister und der pesten jueden. die wir zue den Zeiten bei uns gehaben machten, die sache zu unsern banden genommen und darueber gesprochen und sprechen auch, in der mazz alz hienach geschriben stet Des ersten sprechen wir, dass Musch sol allerding von dem obgenanten Hakkym nnd seinen erben umb den egenanten jüdischen brief ledig sein. Darnach sprechen wir, daz derselb Musch dem vorgenanten Hakkym seinem swager auf den nechsten sanct Jorgen tag auzzaigen und riehten sol zwai tausend gülden und umb ain haus zwai hundert gülden und sol im dasselb gelt alles iezunt gewiz und gut machen mit guten vemeuten briefen nach rat Müschen unsers juden von Cyli. Auch sprechen wir umb alle schultbrief die Musch von dem von Freysingen hat, do er dennoch pischoff vaz ze Gurgk, daz er dar an den vorgenanten Hakkym von Gretz seinen swager sol den vierden tail widervaren lazzen an alle irrung. So sol Hakkym seiner hausvrowen des egenanten Müschen swester zu irrer vordem margengab noch geben tausend gülden und sol ei* die damit meren und höhen und nach ire toden sol dieselbe morgengab gevallen, dahin si nach jüdischem recht pillich gevallen sol, mit nrcunt dicz briefs besigelt mit unserm anhängenden insigl. Geben ze Wienn an eritag nach judica in der vasten Nach Krists gebürt dreuzehen hundert jar darnach in dem vier und sechzigstem jare. Hoc est verum. Eigenhändige Signatur Herzog Rudolf IV. II. 1360 21/9. (St. Matthiastag) de dato Cilli (Steiermark.) Musclie und Chajim von Cilli beurkunden den Empfang einer Zahlung durch die Grafen Herrmann und Ullrich von Cilli. 1) 2700 Mark und 2500 Mark Darlehen auf die Feste Streckau, 2) 250 Venediger Schilling auf die Besitzung Niederwippach, 3) Schuldbrief Isserleins von Marburg über 730 Mark auf die Feste Schönstein, 4) 800 Florin Gold ftir den Bischof Paul von Freisingen, ehemals Bischof von Gurk als Bürgschaft des alten Herrmann von Cilli. Siegler u. Zeugen: Friedrich von Wallsee, Hauptmann von Steyer, Mosche und Chajim mit folgender hebräischer Separaterklärung: אגו ח״מ מודים לכל רואי כתבינו זה שהאחים הפהות אולריך והרמן מצי׳לי פרעו לנו עד היום הזה כל הכתובים שהיו חייבים לגו לבד אות׳ הכתב המניד שבע ועשרי׳ מאות זקוקים נרצר ועוד כת׳ אחד המגיד חמשה ושלושים מאות זהובים ועוד כתי אחד המגיד מאתים וחמשים זקוקים שילליגג) מטבע לעדות ועוד כתב אהד שהם חייבי׳ עם ההגמון מגורק המגיד שמונה מאות זהובי׳ ועוד כתב אחד המגיד שבע מאות שלושים זקוקים אגלאיר שהי חייבים לנו ולהנ׳ל ישר׳ ולבד הערבות שהם ערבים נגדיגו אותם פטורים ממנו וגתננו להם אילו השטרו׳ להיו׳ בידם לזכות ולראייה: ניתן ביום;׳ כ׳ה לחודש א^ול שגת ק׳ב ליצירה: משה וחיים האהים בני הנ׳ר שבתי מצי׳לי (= Aus Cilli)