Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 41. (13.10.1893)
- Date
- 1893-10-13
- Page
- Seite 160 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 160 Dieser Mann nun, der sicli als ein Vorläufer des Messias ausgegeben, war die eigentliche Ursache und Veranlassung des Sendschreibens ״Iggereth Theman“. Das Oberhaupt des Lehrhauses einer der Gemeinden in .Jemen, Rabbi Jacob Nathanei Alfajumi, war es, der sich im Namen seiner gläubigen Brüder mit einer Anfrage über alle diese Verhältnisse an Maimuni gewendet hatte. Jacob war über den Massenübertritt der Juden zum Islam durch die Bedrückungen der muhamedanischen Herrscher, durch die Herausforderungen zu religiösen Disputationen von dem Renegaten Samuel Ibn-Abas, und ganz besonders durch das Auftreten des genannten Vorläufers des Messias äusserst besorgt und aufrichtig erschüttert und verlangte von Maimonides von religiösem Standpunkte aus Aufschluss über diese sonderbaren Erscheinungen. Maimonides, der damals im 37. Lebensjalire stand und dessen Mischnahcommentar erst kürzlieh von ihm zu Ende geführt worden, war in den Ländern des Ostens eigentlich noch wenig bekannt. Aber einer seiner Schüler, Salomo Ha-Kohen, der zu dieser Zeit in Jemen sich befand, rieth R. Jacob sich an Maimonides zu wenden. Nachdem Maimonides das Schreiben von R. Jacob erhalten hatte, war er über die Leiden seiner Glaubensgenossen im Osten sehr ergriffen und obgleich eine schriftliche Antwort auf jenes Schreiben für ihn von grösster Gefahr werden konnte, fasste er dennoch den Entschluss, R. Jacob eine Antwort zu senden, und dies ist eben das Sendschreiben, dessen Inhalt wir hier folgen lassen. Derenburg sagt hierüber: ״Seiu Sendschreiben an die Juden im Orient scheint zu den frühesten Schriften Maimonides’ zu gehören. Denn in seinem Briefe an die Weiseu der Stadt Marseille erwähnt er desselben als eines bereits vor 22 Jahren geschriebenen, während dieser Brief selbst nach vielen Spuren in seinem Inhalte zu einer Zeit verfasst ist, in der sein ״Führer der Verirrten־‘ zwar vollendet, aber noch nicht in’s Publikum gekommen war* * 5). (Fortsetzung folgt.) Eine alte Synagogenordnung. Von Rabbiner Dr. G 01 d f a h n. (Fortsetzung.) Die neue Patriarchensteuer selbst und noch mehr die neu eingeführte Perikope für Schabbath Paraschath Schekalim stiess auf grossen Widerspruch. Die grösste rabbinisohe Autorität der babylonischen Juden, Rab, das Schulhaupt von Sura, der auch sonst der Autorität des Patriarchen Juda H nicht huldigen mochte1), war auch gegen die neue Steuer und gegen die neue Einführung, den Perikopenwechsel; während Samuel, das Schulhaupt von Neliardea, in welch’ letzterem Orte überhaupt die palästinensischen Einrichtungen uud religiösen Gepflogenheiten prävalierteir), fügte sich auch hierin den Anordnungen des Patriarchen und führte auch die neue Perikopenorduung ein. Gegen die neue Perikope mag Rab eingewendet haben, der Abschnitt von den ״ständigen Opfern־‘ müsse beibehalteu werden, weil die Beschäftiguug mit den Opfervorschriften, worauf ich bereits aufmerksam gemacht habe8), die Darbringung der Opfer ersetze. Darauf erwiderte Samuel*), dass die Beschäftiguug mit den Vorschriften zum Bau des Heiligtums Gottes gleichfalls die Darbringung der Opfer ersetze. Der Abschnitt über die Kopfsteuer gehöre aber zu den *) Geigers ZS. 1835 S. 423. ') Ab. Sara jerus. f.; 4011 babyl. f, 36a. -’) Berliner Ueogr, uud Ethuogr. Babyl. iiu Seminar-Programm 5643 (1881— l83-׳) Berlin, Seite 50 Aum. 2. ’) Aum. 18—22. *) Pesikta dr. Kahana p Hob; in den Anmerkungen hat Buber die Parallelen verzeichnet. Vorschriften zum Baue des Heiligtums in der Wüste*).’ Diese seine Theorie von der sühnenden Kraft der Beschäftiguug mit den Vorschriften zum Baue des Heiligtums deduziert Samuel aus Ezechiel Kap. 43 Vers 11. Die Meinungsverschiedenheiten der Zeitgenossen des Patriarchen Juda II. hinsichtlich der Patriarchensteuer und hinsichtlich der neu eingeführten Perikope reflektiert auch eine Agada6) zu dem Berichte der Bücher der Chronik über die Verirruug des Königs David7'), die Israeliten zählen zu lassen, über welche Zählung Ioab eine kürzere und eine längere Censusliste angetertigt haben soll8). ״Als der Würgengel seine Hand ausstreckte, um in Jerusalem zu würgen und als er im Begriffe stand zu würgen, berichten die Bücher der Chronik9), ״sah Gott“ und hatte Mitleid ob des Unheils und gebot, dem Würgengel Einhalt. ״Was sah Gott?־־ Darauf antwortet Rab: ״Gott sah den Patriarchen Jakob, von dem die Schrift10) erzählt, als er seines Weges zog, begegneten ihm Engel Gottes; da sprach Jakob, als er sie sah: Ein Lager Gottes ist dies und nannte den Ort Machanajim (Doppellager, zwei Lager).“ Samuel sagte: Die Opferasche Isaks sah Gott, denn so sagte Abraham zu Isak: Gott wird sich ersehen das Lamm zum Opfer, meinen Sohn11 * *). R. Jizchak sagte: ״Gott sah das Sühngeld der Kopfsteuer, denn so befahl Gott Moses: Nimm das Sülmgeld von den Kindern Israels und gieb es zur Arbeit des Stiftszeltes, dass es sei den Kindern Israels zur Erinnerung vor dem Ewigen, zur Sühne für Euere Seelen1־). R. Jochanan sagte: ״Gott sah das Heiligtum auf dem Berge Moria, denn so sagt die Schrift: Auf dem Berge Gottes wird es gesehen18)“ Noch zw׳ei Amoräer disputieren darüber: R. Jakob b. Idi und R. Samuel b. Nachman. Der Eine behauptet. Gott sah das Sühngeld, der Andere behauptet, Gott sah das Heiligtum auf dem Moria. Rab behauptet, der Patriarch Jakob auf seiner Wanderung sei das Prototyp der Juden, die zwei Lager Engel, welche Jakob begleiten, seien ein Symbol der Nachkommen Jakobs; die Engel, welche Jakob i n Palästina begleiten, sind die Juden in Palästina; die Engel, welche Jakob ausserhalb Palästina begleiten, sind die Juden in der Diaspora, in erster Reihe die Juden in Babylon14 * * *). Beide 5) Nach 2. M. 38, 25 ff. Dazu kommt, worauf ich gleichfalls bereits hingewiesen habe, dass in älterer Zeit an den vier Paraschijoth die Reihenfolge der Perikopen unterbrochen und nur die betreffende Parascha verlesen wurde (Megilla 29b 80b); für die 7 Aufzurufenden genügten die 6 Verse des Abschnittes über die Kopfsteuer nicht, es mussten also die folgenden Verse, welche vom Bau des Heiligtums handeln, hinzugenommen werden. *) Berachotb 62b. ’) 1. Chron. 2). •) Pesikta dr. Kahana ed. Buber pag. 18b, Anm. 136 und dazu meine Bemerkung im Litbl, der ״Jüd. Presse“ 1870 Seite 18b, dass אבשורא ava^opa; Pesikta rabbathi ed. Friedmann 43b Anm. 55; Rabba zu Numeri cap. 11§ ,2־; Midrasch zu ä&muäl I, 24, 9 cap. 30, § 2, S. 137 ed. Buber 1893 ist anstatt des unverstandenen Wortes: אגשורא gesetzt שתקין Pittacium. In diese neue von Buber in gewohnter Meisterschaft besorgte Edition des Midrasch zu den Büchern Samuelis bat sich a. a. 0. ein wesentlicher Druckfehler eingeschlichen: Anm. (1) zu cap. 31 is6 als Anm. (17) zu cap. 30 gedruckt und im Texte fehlt die Zahl der Anm. überhaupt. ») 1. Ohr, 21, 15. 1») 1. M. 32. 2, 3. “) 1. M. 22,8. »') 2. M. 30, 16. 1») 1. M. 22, 14.!*) Tanchumaed. Buber § 3(S. 163) eil. Stettin § 3 (S. 106); אגדת ברשית Ed. Jelltnek (Beth-ha Midrasch IV S. 74) und Ed. Chanocb Sondel (Warschau 1876 S. 77) cap. 54 zu 1. M. 32. Rabba zu 1. M. '28, 12 cap 68 § 12 ed. Wüna 1878. Auch die Deutung der רכנן und des R Judan zu 1. )1. 32, 3, Rabba cap. 74 Ende müssen dem Tanchuma entsprechend aufgefasst werden. Samuel Jafe’s Annahme, dass die Deutung des R. Judan derjenigen der Rabbanim widerspreche, ist nicht richtig. Mir steht nur der Auszug aus dem ישוז תואר beim Rabba ed. Wilna 1878 zu Gebote. Vgl. ferner die Deutung des Midrasch Rabba zu 1. M. 32, 9, cap. 76, § 3. Und er (Jakob) sagte: Wenn kommen wird Esau (Rom) über das eine Lager und wird es setdagen, — das sind unsere Brüder in D a r 0 m (im Süden Judäa’s unter den römischen Kaisern ConBtantius und