Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 39. (24.9.1893)
- Date
- 1893-09-24
- Page
- Seite 152 (sequence 2)
- Language
- German
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sein Name von Heiligkeit umflossen sein wird. Dem }leiden ist auch der Name seines Götzen, vor dem er sich in den Staub niederwirft, heilig: betend spricht er ihn aus, während der Name des Einzigen ihn kalt und gleichgültig lässt, da er für ihn nicht in Weihe gehüllt ist. Er vermeint da handeln zu können, wo für uns gewisse Schranken errichtet sind, ein Umstand, der• ihn sogar nicht daran hindert, den Namen des Höchsten in für uns ungebürlicher. unser religiöses Gefühl tief verletze: der Weise zu gebrauchen, was wir eben mit ״chillul haschem“ bezeichnen. Demnach muss all dasjenige, welches nicht kadosch, d. 11 der Weihe entaussert ist. mit הול (choli bezeichnet werden, und es ist dieses Wort, das, wenn auch nicht selbst, so doch in seinen verschiedenen Ableitungen des Öfteren in der Bibel uns entgegentritt, als Gegensatz zu kadosch fesi zuhalten, sofern es sich nicht speciell auf die Person des Priesters bezieht in seiner Eigenschaft als auserwählter, geweihter Diener im Heiligthum des Herrn. Letzterer war als direkter Nachkomme Ahrons erst nach erlolgter Waschung, Salbung und türmlicher Weihung ,.kadosch”. Ein solcher Akt der Weihung konnte an demjenigen, d• r sich nicht zur direkten Nachkommenschaft Ahrons zählte, n i e- 111 a 1 s vorgenommen werden. Er ward ein זד (Sar) d. h. ״Fremder“, ״Ausgeschlossener“ genannt, wie es ausdriicklich JV. 13. M., 17,5 heisst. Es konnten jedoch Umstände eintreten, die den Priester aus dem Zustande der Heiligkeit heraustreten Hessen, die, nach dem Schrift- Worte ( III. 21,4), geeignet waren, להחלו. d. h. ihn ״chol־‘ werden zu lassen. War er nunmehr auch momentan der priesterlichen Weihe verlustig geworden, so war er noch immer kein ״Sar“. Denu all dasjenige, auf welches dieses Wort Anwendung findet, ist an sich schon unfähig, die priesterliche Weihe zu empfangen. Während der Begriff ״sar“ ein eng begrenzter ist, sind dem Begriffe ,.chol“, sofern derselbe keine Momente in sich schliesst, die auf etwas Verwerfliches hindeuten, gar keine Grenzen gezogen. Dass beide Begriffe unter gewissen Voraussetzungen als Gegensätze zu kadosch angenommen werden können, liegt eben in der mannigfaltigen Bedeutung dieses Wortes begründet. Das Wort ״sar“ hatte nur zur Zeit des Tempelbestandes Bedeutung und sollte nebenbei auf das Fremdartige, Heidnische hindeuten. Dies geht aus den Ausdrücken .,esch sura“ und ״k’toros sara“, d. h. ״fremdes Feuer“, .,fremdes Räucherwerk“ hervor, welche das Targum Onkelos mit אשתא נוכרתא und בופסין נונראין überträgt. Dass dieses Wort eine Bedeutung des Fremden, Heidnischen in sich schliesst, ist u. a. auch aus dem Buche Obadja ersichtlich, wo die Wörter זרים und נכרים einander gegenübergestellt sind. Die eben erwähnte chaldäische Uebertragung lässt darauf schliessen, dass das in Rede stehende Feuer und Räucherwerk nicht blos der einfachen äusserlichen Weihe durch irgendwelche Einwirkungen verlustig gegangen waren, sondern dass sie überhaupt ״unheilig“, d. h. unfähig, die Weihe jemals zu empfangen, gewesen, weil sie götzendienerischen Zwecken ursprünglich gewidmet waren. Es ist auch gar nicht einzusehen, warum die .sühne Ahrons, Nadab und Abiku, einfaches Feuer zur Räucherung ohne besoudereAbsichtenbeuutzthaben sollen, da ihnen doch zu jeder Zeit ״heiliges Feuer“ zu Gebote stand. Sehen wir von der traditionellen Ansicht ab, sie haben im ״Weinrausche gehandelt“, so muss unbedingt angenommen werden, dass sie beabsichtigt, den Götzendienst in das Heiligthum zu verpflanzen, welches schwere Verbrechen sie mit dem Tode büssen mussten. In diesem Sinne tritt uns der Ausdruck ״sar“ auch im rabbinisehen Schrifttum entgegen, und es wird liier der krasse, so sehr verpönte G ötzendienst mit ״Abodasara“ bezeichnet. Während der Begriff “chol“ im Pentateuch an keiner einzigen Stelle in dieser Form zum Ausdruck gelangt, ist er in der nachbiblischen Zeit eine stehende Be- Zeichnung für alles, was den! Heiligen, Geweihten gegensätzlich gegenübersteht. In der Hawdalah verrehren wir Gott als den, der ״einen Unterschied macht zwischen kodesch und chol“ Wir unterscheiden Hauptgebete für die zu heiligenden Sabbath- und Fesstage und — l’chol, d. h. für diejenigen Tage, welche besonderen religiösen Zwecken äusserlich nicht geweiht sind. Während des Pas«ah- und Hüttenfestes haben wir eine Anzahl Tage, die der strengen Feier nicht geweiht sind, für welche keine mikroe kodesch. d. i. ״heilige Festversammlungen“ angeordnet sind, denen also die ״keduschas jom tow“ fehlt und die daher mit ,,chol hainoed‘• bezeichnet werden. Das Wort “chol“ kann jedoch nur insofern als Gegensatz zu kadosch angenommen werden, als es einen Begriff zum Ausdruck bringen soll, der keine Momente in sich schliesst. die auf etwas Verwerfliches, Lasterhaftes hindeuten. So wenig der hebräische Spraschsatz uns einen Gegensatz für den Begriff kadosch in seiner ur sprünglichlichen hohen Bedeutung als eine bestrebenswerthe Eigenschaft Gottes darbietet, so wenig finden wir in ihm ein solches Wort, das einen dieser Eigen- Schaft entgegengesetzten Begriff, und zwar im verweifliehen Sinne, zum Ausdruck bringt. Was nicht kadosch ist, kann immerhin chol sein und dabei doch nicht verw'ertlich. Wir finden zuweilen den Begriff טמא (tarne) ״unrein“ dem Begriffe kadosch gegensätzlich gegenübergestellt, doch weist jener mehr auf das Materielle, Sinnlicl1er als auf das Geistige hin. Will die hebräische Sprache ein bewusstes oder unbewusstes Abweichen von dem Pfade der ״Heiligung“ bezeichnen, so drückt sie dies mit ״chata“ d. h. ״verfehlen“ den Weg, der zur ״Menschenheiligkeit“ führt, ״sich vergehen“, d. i. auf falschem Pfade wandeln, der vom Ziele der zu erstrebenden Göttlichkeit ableitet Eine alte Synagogenordnung. Von Rabbiner Dr. G 0 1 d f a h n. (Fortsetzung.) Zu den aus älterer Zeit überkommenen, lange vor der Zerstörung des Tempels und Jerusalems eingeführten drei Sabbaten: Schekalim, Para und Hachodesch ist viele Jahrzehnte nach der Zerstörung des Moriatempds in der Mitte des zweiten Jahrhunderts übl. Zeitr. ein vierter, Sachor, zngesetzt wordeu. Anlass hierzu bot folgender Umstand. Nach der Niederwerfung des Barkochba’schen Aufstandes, welch letzterer beinahe die gänzliche Vernichtung des Judentums zur Folge gehabt hätte, war die Synagoge bestrebt* 1), alles zu vermeiden, was die kriegerischen Gelüste ihrer Angehörigen anlachen könnte und was den Argwohn der römischen י) Vgl. Je 11 i nek Beth-hamidraach Teil VI Einleitung Nr. 1 uud Grone manu' Litbl. Jahrg. 1881 S. 194 ff. Frankel, Eiuleit, in die Mis.hua S. 302. Ich habe in der Magyar-Zsidö- Szernle 6 Jahrg. 1889, Seite 1'6—157, Anm. 3aus der Haftar&fiir Ohannuka: Zacharia 2, 14—4, 7 nachgewiesen, dass bei dem Verbote der Lektüre der MakkubäerbücVer beide Momente mitgewirkt hatten: 1) das unreligiöse Verhalten der späteren Makka! äer uud 2) Niedeihaltung der etwaigen kriegerischen Gelüste. Die erste Hälfte der Haftaia, Zacharia 3, 1 ff. erzählt, dass der Hohepriester schmutzige Kleider getngen habe, was nach alter überlieferter Deutung (vgl. Synhedrin 93a uud mein , Justiuus Martyer und die Agada“ Seite?3) bedeutet, dass die Söhne des HohepriestersnnreligiöseHandlu 11 gen aus geübt hatten: Die zweite Hälfte der Huftara, Zacharia 4, 1—7, hingegen enthält die Botschaft an Serubabel (-Diaspora), dass das Heil weder durch Kriegsmacht noch durch Körperkraft, sondernnurdurch den Geist Gottes errungen werden kann.