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Das jüdische Literaturblatt · 1893-09-15 · N° 38. (15.9.1893) · p. Seite 150

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 38. (15.9.1893)
Date
1893-09-15
Page
Seite 150 (sequence 4)
Language
German
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150 nach der Zerstörung des Tempels üblichen Priesterabgaben sich angeeignet haben sollte; auch scheint die Betonung der Zahl vierundzwanzig16) darauf hinzuweisen, dass Jose aus Maon nicht auf die damals noch üblichen geringerzähligen Priesterabgaben angespielt habe. Viel wahrscheinlicher ist die Annahme, dass der habsüchtige Patriarch Juda II. es gewesen, der als Nachbild der einstigen jährlichen Tempelsteuer, welch letztere seit der Zerstörung des Tempels als ״Judens teuer“ an den röm. kaiserlichen Schatz eingeliefert werden musste18) die ״jährliche Patriarchensteuer“17) eingeführt hatte und dass am ״Schabbath Paraschath S c 11 e k a 1 i m“ im Anschlüsse an die fragliche Perikope (Numeri Kapitel achtundzwanzig Vers 2 ff.) Aufforderungen zur Leistung dieser ״jährlichen Patriarchensteuer“ geschehen waren. An einem solchen ״Sch. P. Schekelim“ mag es gewesen sein, dass der Collector18) des R. Simon b. Lakisch, Jose aus Maon, die Gelegenheit bis zur Ankunft des R. S. b. L. benützt hatte, mit seiner Deutung des fraglichen Verses aus dem Propheten Hosea״) gegen diese neue Einführung zu polemisieren. Jose aus Maon mag darauf hingewiesen haben, dass es unschicksam sei, die Perikope des ״Sabbath Peraschath Schekalim“. deren ursprüngliche Bestimmung gewesen war, zu demonstrieren, dass die regelmäsigen Opfer aus der gemeinsamen Tempelsteuer bestritten werden müssen, von welchen Opfern nur den Priestern20) Abgaben zugefallen waren, dazu zu benutzen, um zur Leistung der jährlichen Patriarchensteuer aufzufordern. Die Rede muss einem gewaltigen Eindruck ausgegeübt haben. Das folgt nicht nur aus der Aufgebrachtheit des Patriarchen, sondern auch aus der Besänftigung des R. Simon b. Lakisch, welch Letzterer die Deutung des Jose aus Maon ״ein Wort der Lehre“ 21מלה דאורייתא) nennt. R. Simon b. Lakisch, der wohl selbst auch nicht von den Steuerverschreibungen des Patriarchen erbaut war21), dem es aber nicht gelungen, den Patriarchen von der einmal eingeführten Patriarchensteuer abzubringen, bestrebte sich daher wenigstens dem dogmatischen Conflict, auf welchen Jose aus Maon hingewiesen hatte, dadurch vorzubeugen, dass er, R. S. b. L., dem Schabbath Paraschath Schekalim eine von der althergebrachten bis dahin gehegten abweichende neue Bedeutung vindieierte uud der letzteren entsprechend anstatt der bisher üblichen Perikope von den ständigen regelmässigen Opfern eine neue, die von der ״ Kopfsteuer“, einführte. (F. f.) '*) Ucber die vierundzwanzig Priesterabgaben, vgl. Babli. Chnl• lin folio 133b, Baba Kama folio 110b, Jerus. Ch&lla folio 60b, Tossephta, Challa II ed. Zuckermandel p. 99, Sifre 4 B -M. § 119. Hiernach ist die Quellenangabe Hildesheimers Halacboth gedoloth nag. 589 Anm. 96 zu ergänzen. Das Schlussheft, Einleitung und Indices zu deu Halacboth gedoloth ed. Hildesheimer ist bereits erschienen. (Iu einem der letzten Jahrgänge des ,,החלוץ“ soll 0. H. Schorr eine Kritik Uber diese Arbeit Hildesheimers geschrieben haben. Wollte mir nicht Jemand das fragliche Heft auf einige Tage zur Verfügung stellen?) >•) Grätz III» 410; IV* 24, 123. «) Grätz IV* 305, 396, 476. '*) Vgl. Litbl. a, c, Seite 7a Anm. 3, meiue Bemerkung uud oben Anm. 28. *•) 6, 1. “) Heber die betreffenden den Priestern zukommenden Abgaben, vgl. die Stellen über die 24 Priester-Abgaben oben Anmerkung 15 uud die Miscbna, Schekalim I. 4, die Mitteilung H. Jochanan b, Sakkai’s, wonach die Priester wegen ihres Anrechtes auf Abgaben von den ״gemeinsamen Opfern" ihren, der Priester, Dispens von der Tempelsteuer geltend machten, ״) Kabba 1. c. Im Jeruschalmi 1, c. ist die Besänftigung R. S. b. L., wie ich bereits in Anm. 12 bemerkt habe, durch Irrtum der Copisteu, per homoioteleuton ״S א“, ausgefallen. Die Wiedergabe des Vorfalles bei Grätz 1V2 S. 248, .,dass die Rede des Jose aus Maon nicht ernst gemeint sei", widerspricht dem klaren Wortlaute des Textes. *-) Grätz 1V2 Seite 246—247. _ Recensionen. Brnnn, Dr. M. jüdischer Volks- und Raus- Kalender f. d. Jahr 1874 pnnl. Mit einem Jahrbuch zur Belehrung und Unterhaltung. Breslau, Th Schatzky. Preis 1,26 Mk. Zur Empfehlung dieses seinen 40 Vorgängern sich würdig anreihenden Kalenders bedarf es nur weniger Worte, ln dem ausführlichem Kalendarium hat die ״Tafel des Beginnens der Nacht“ eine Bereicherung dadurch erfahreu. dass in der ״Alphabetischen Uebersicht“ hinter jedem Ortsnamen die Anzahl der Minuten angegeben ist, die zur Ortszeit für die Polhöhe von 51 Grad (Meridian von Breslau) hinzuzuzählen oder von derselben abzuziehen sind, um die mitteleuropäische Zeit zu erhalten. Das Jahrbuch bringt an der Spize den seiner Zeit im ״Jüd. Literaturbl." erschienene Aufsatz; Dr. David Rosin zu seinem 70. Geburtstag. Von Prof.D1. David Kaufmann in Budapest“ Wer nicht das Glück hat, diesen gründlichen Gelehrten aus seinen zahlreichen Schriften, die eine Zierde der jüdischen Literatur bilden, zu kennen, der wird dem Biographen den Dank für das trefflich gezeichnete Lebensbild dasam jüdischen Rabbiner- Seminar zu Breslau so segensreich wirkenden Lehrers, nicht vorenthalten. — ״Die judenfeindliche Bewegung in Preussen am Anfang dieses Jahrhunderts. Von Dr, Max Freudenthal.“ Diese gelehrte Abhandlung mit einem reichen Quellennachweis führt uns an die Wiege der ״Schmach des Jahrhunderts“. Wir sehen den Bacillus des Antisemitismus in seinen mannigfaltigen Entwicklungsstadien bis zum Jahre 1894. Einen kurzen Beitrag, aber von desto grösserem und dauernden Werte bildet ״das Ergebnis einer neuen Durchsicht der K 0 r n i c k’schen Tabellen. Vom Herausgeber.“ In diesem Artikel sind nicht weniger als 119 Angaben bei Komick, welche zahlreiche Irrtümer in den bedeutendsten historischen und chronologischen Werken veranlasst haben, berichtigt.*) — Die ergreifende Erzählung ״die Marannen. Von H. Schornstein,“ die ein Abdruck der unter der Ueberschrift ״Juanita“ bereits im 1. Jahrg. der ״Israelitischen Wochenschrift“( 1870) erschienen ist, bildet den Schluss des bei seinem Umfange (288 Seiten) entsprechend billigen Jahrbuch. L. Cohen-Rees. Deutsche Schreib-Lese-Fibel uach der aualytiscii-syntetischeu Lehrmethode uud ״Erstes Lesebuch“ von Raphael Cohn (Lehrer an der Knabenschule der jüdischen Gemeinde zu Berlin) - S. Gerstmann’s Verlag in Berlin. Die Einführung dieser Bücher an den Berliner und vielen anderen jüdischen Gemeindeschulen ist durch Verfügung vom 29 Juni 1888 von dem Königl. Unterrichtsministerium mit dem Bemerken gestattet worden, ״dass deu Provinzial-Behörden gegenüber von dieser Verfügung Gebrauch gemacht werden kann.“ Wie machen daher die Schulvorstände uud Lehrer jüdischer Elementarschulen besonders aufmerksam, dass auch neuerer Verfügung zufolge, ״uui• solche Schulbücher, die bisher schon an einer grösseren Anzahl von Anstalten im Gebrauch sind uud sich bewährt haben vor anderen bei den Vorschlägen zu berücksichtigen sind.“ Diesen Bestimmungen entsprachen diese Lehrmittel. Dieselben gehören zu der nicht grossen Zahl von Lehrbüchern, die ganz und gar aus der Praxis erwachsen sind und darum wie wenige geeignet, dem Bedürfniss der israelitischen Schule zu dienen, sie entsprechen, hinsichtlich der Normalwörter-Methode und typographischer Ausstattung allen pädagogischen Anforderungen. Auch die Auswahl der Lesestiicke zeigt deu praktisch erfahreuen Schulmann. *) Für die Besitzer der ״Kronick'schen Tabellen“ dürfte es sich empfehlen, diese Berichtigungen au Ort und Stelle nachzutragen, da die Absicht des Referenten, seinen lOuOjährigeu מפתח לקבוע עתים, der die Quelle zu neuen Irrthümern gänzlich und von Grund aus verstopfen würde, einstweilen mangels uuzureichender Snbskribenteuzahl nicht zur Ausführung gelangen kann. Verantwort!. Kedacteur Dr. Kahmer. Magdeburg. Druck Friedrich Rasche £ Co., Magdeburg. Verlag Rob. Friese, Leipzig

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