Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 38. (15.9.1893)
- Date
- 1893-09-15
- Page
- Seite 149 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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149 — entgegen. Derselbe Begrift hat in jedem einzelnen Falle eine besondere Bedeutung. Wenn Gott den Sabbat ״heiligt“, so heisst dieses, dass er ihn durch den über hn ausgesprochenen Segen geweiht, damit er vor den übrigen Werktagen ausgezeichnet sei. Das Volk aber soll durch seine Lebensführung diesem Tage die über ihn ausgebreitete Weihe bewahren, ihn ״heilig halten“, nachdem ihn der Gerr .,geheiligt,“ (Schluss folgt) Eine alte Synagogenordnung.*) Von Rabbiner I)r. G 0 1 d f a h n. (Fortsetzung.) Der Tempel war zerstört worden, die Opfer hatten aufgeliört und die Tempelstener musste als ״Judensteuer“ an den römischen kaiserlichen Schatz, den römischen Fiscus. abgeliefert werden1 *): nur der ״Sabbath Paraschath Schekalim“ ward nicht aufgehoben worden, der Abschnitt über die ״täglichen Opfer“ wurde weiter am ersten Sabbath des Monats Adar bezgl. an dem voraufgehenden Sabatte verlesen, weil die Beschäftigung mit den Opfer- Vorschriften als Aequivalent für die Opfer betrachtet wurde. Die Bestimmungen über die ״täglichen Opfer“, lehren die Rabbanim־), wurden darum zwei Mal3) im Pentateuche aufgeboten, um zu zeigen, dass die Belehrung über die Opfer gleich sei der Darbringung der Opfer und R. Aeiia im Namen des R. Chanina b. Papa fügt4) erläuternd binzu4), damit habe Gott von vornherein andeuten wollen, dass die Israeliten nach der Zerstörung des Tempels nicht sagen sollen, so lange wir Opfer gebracht haben, beschäftigten wir uns mit den Opfervosschriften; jetzt wo wir keine Opfer mehr darbringen, wozu beschäftigen wir uns mit den Opfervor- Schriften? Die Beschäftigung mit den Opfervorschriften, tröste Gott die Israeliten, sei ebenso viel, als ob sie, die Israeliten, ^tatsächlich Opfer dargebracht hätten. — Erst im zweiten Viertel des dritten Jahrhunderts, nach mehr als dreihundert Jahren nach der Einset zung des ״Sehabbath Paraschath Schekalim“ trat eine Aenderung in der Vorlesung der fraglichen Perikope ein; anstatt der ״Bestimmungen über die tagliehen Opfer“5 *) wurde an vielen Orten, namentlich in Palästina, der Abschnitt ״über die Kopfsteuer bei Volks- Zählungen“7 * 9) vorgelesen, lieber die Veranlassung zu dieser Erzählung giebt uns eine Erzählung im jerusalemischen Talmud“) und Midrasch Rabba״). deren geschichtlicher Hintergrund, meines Wissens wenigstens, noch nicht genügend10) erkannt worden ist, sichern Auf- Schluss. Die Juden aus Maon hatten im Tiberias eine besondere Synagoge, in welcher R. Simon b. Lakisch *) Melneresin dein vor. Artikel (No. 37)wird Herr ßabb. Dr.Pb. Kroner-Berlin richtig stellen. (Red.) ') Vergl. Grätz IIP Seite 410; IV-■ Seite 24 '4י Pesikta ed. Ruber Seite 00 b, wo in der Amu. die Parall. verzeichnet sind. f) 2 M. 29,38 fl. und 4 M. 28,2 ff. — *) Pesikta 1. c. 5) Pesikta Rabbathi ed. Friedmann S. 83b, Leviticus Rabba cap. 7. § 3 ed. Wilna 1878 und Jalkut Schimeoui, Psalm § 876 lesen nicht: אמר, das zeigt, dass die Leseart: אמר, nach ״Ch. b. Papa“ in der Edition Buber. wonach Uh b. P. eine von den Rabbanim abweichende Meinung vortragen würde, falsch ist. Jalkut Schimeoui zu Leviticus § 479 ed. Frft a. 0. 1709 ..132c ist defekt. c) 4. M. 28,2 ff. — 2 ף. M. 30,12 ff — R) Syn'uedriu lolio 20d. 9) zu 1 M. 31,1 cap. 80, Aufang. w) Per selige Prof. Grätz zitirt diese Erzählung Gesch. 1V2 Seite 247, lässt aber die Rede des Jos4 aus Maon nur im allgemeinen g• gen die Habsucht des Patriarchen Juda II gerichtet sein. Au die ״Pairiarchensteuer“ hat Grätz nicht gedacht, weil er, aus nnertindiiehen Gründen die Einführung der jährlichen regelmässigen Pat׳ Kirchensteuer Geschichte IV2 Seite 305, Gamliel IV oder gar erst Juda VII zuschreibt Genesis Rabba cap. 100, § 2 ist eine in den Textgerat he ne Glosse. als geistliches Oberhaupt grwirkt zu haben Scheint; als ״D01metsch“(Meturgeman) fungirteJose aus Maon, welcher dem zum Gottesdienste versammeiteu Publikum11 *) bis zur Ankunft des R. Simon b Lakisch folgende Deutung des Verses 1 Kapitel 5 der Prophetie Hosea's zum Besten gab: ״Höret ihr Priester“ warum beschäftigt ihr euch nicht mit der Gotteslehre? habe ich euch nicht vierundzwanzigPriesterabgabengegeben?“f'ragt Gott die Priester. Nach der Antwort der Priester, dass man ihnen ja gar nichts gebe, frage Gott die Israeliten: ״Vernimm Haus Israel! warum gebet ihr nicht den Priestern d i e 24 Gaben, welche ich euch auf dem Berge Sinai aufgetragen habe?“ Die Israeliten ant- Worten: ״der König, d. h. der von König David abstaminende Patriarch nehme alles.“ Nun wendet sich Gott an den Patriarchen: ״Horche Haus des Königs, ist euer etwa das Recht? habe ich denn zu euerem Nutz und Frommen befohlen: Dies sei das Recht der Priester? Ich werde mit ihnen, den Patriarchen, ins Gericht gehen, sie verurteilen und vernichten.“ Als man dem Patriarchen, R. Juda II., die Rede Jose’smitteilte, ward er sehr böse; doch Jose, der den Zorn des Patriarchen fürchtete, entfloh, und R. Simon b. Lakisch14) suchte den Patriarchen zu besänftigen. ״Rabbi“, sagte R. S. b. L., -״wir müssen den Nichtjuden unsere volle Anerkennung zollen. Letztere haben die Mimen, welche im Scherze den Menschen derbe Wahrheiten sagen, Personen und Verhältnisse lächerlich machen, in die Theater und Circusse eingeführt, um die versammelte Menge in den Zwischenzeiten von unnützem Geschwätz und von unnützen Zänkereien abzuhalten; Jose aus Maon hingegen hat, um das zum Gotterdienst versammelte Publikum von leerem Geschwätz und Zänkereien abzuhalten, in der Zwischenzeit, bis zu meiner Ankunft, das WovtGottes verkündigt und du bist erzürnt?“ Der Patriarch fragte sodann R. S. b. L., ob Jose eilt gesetzkundiger Mann sei? und ob er, J. a. M., die au ihn zu richtendenden Fragen gelehrt beantworten könne? Nachdem R. S. b. L. beide Fragen bejahend beantwortet hatte, empfängt der Patriarch Jose freundliehst und bleibt auch dann noch ruhig, als Jose ihn, den Patriarchen, ins Gesicht tadelt. — Wann hat der Patriarch sich die vierundzwanzig Priesterabgaben angeeignet? Von R. Jona erzählt der jerusalem. Talmud13), dass er R. Acha b. Ulla, obgleich der Letztere kein Priester war, weil er, R. A. b. U., mit dem Studium der Lehre sich befasst hatte, seine, R. Jona’s, Zehnten gegeben habe; aber R. Acita b. Ulla, war wohl ein notleidender armer Schriftforscher, wie aus dem Zusamenhange folgt, wie denn auch R. Josef14) wohlhabenden Priestern den Rat erteilt, ihren benachbarten armen notleidenden Gelehrten von den erhaltenen Priesterabgaben ein Teil zitkommen zu lassen. Es ist aber nicht wahrscheinlich, dass der Patriarch, die ״Mattanoth“. die auch ״) Vgl. meine Bemerkung im Ltbl. a. c. Seite 7a Anm. 5. ״) Obsckon ich im Obigen dem Jeruschalmi, als Original, folge, scheint wir doch die Lesearr des Midrasch Rabba die richtigere zu sein, dass R. 3. b. L. a 11 e i n zum Patriarchen gegangeu. Der Name R. Jochanans ist durch Flüchtigkeit der Copisten aus den vorhergehenden Erzählungen in dem Jeruschalmi auch iu dieser Erzählung hineiugeratheu. Die Besänftigung B. S. b. L. ’s ist eine Reminiszenz aus seiner Cirkus-Dieustzeit (Bacher, Agada der paläst, Amor. I, S. 343 A. 5, wo diese Stelle hinzuzuftigen wäre) und ist i in Jeruschalmi durch Irrtum der Copisten ausgefallen. Wann R.-S.-B.-L. zum Patriarchen gegangen war, steht nicht im Jerus; im Rabba steht: "כפתי רסשא“ das heisst ״gegen Abend•‘ ״am Ausgange des Abends“, ״beim Aubruch der Nacht“. Woher der selige Professor Grätz sein: ״Am anderen Tage“ getiomineu, weiss ich nicht, wie denu überhaupt die Wiedergabe der ״Besänftigung“ hei Grätz 1. c. ungenau ist. 13) Maasor scheni folio 56b. vgl. Babbi Chullin folio 133a '*) Chullin 1. c.