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Das jüdische Literaturblatt · 1893-09-08 · N° 37. (8.9.1893) · p. Seite 144

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 37. (8.9.1893)
Date
1893-09-08
Page
Seite 144 (sequence 2)
Language
German
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144 gesegneter Tag bezeichnet. Während daher für die Beobachtung desselben Segen verheissen wird, ist als Folge der Nichtbeachtung desselben Unheil und Missgeschick angedroht. ״Wenn Du des Sabbat wegen hemmest Deinen Fuss, au mei* nein heiligen Tage Dein Geschäft zu thun, so Du den Sabbat Wonne nennst, den dein Ewigen geheiligten geehrt, dann sollst Du Wonne haben an dem Ewigen.“ (Jesaias 58, 3.) ״Also spricht der Ewige: Hütet Euch für Eure Seelen, dass ihr nicht Last traget am Ruhetage und in die Thore Jerusalems bringet. Thuet nicht irgend eine Arbeit am Ruhetage und heiliget ihn so wie ich Euren Vätern geboten. Und es wird sein, wenn Ihr auf mich höret und heiliget den Ruhetag, so sollen einziehen durch die Thore dieser Stadt Könige und Fürsten, sitzend auf dem Throne Davids und diese Stadt soll bewohnt sein auf ewig, wenn Ihr aber nicht auf mich höret, den Ruhetag 7.11 Heiligen, so werde ich Feuer .inziinden an ihren Thronen, das die Paläste Jerusalems frisst und nicht erlischt.“ (Jeremia 17). Genau so wird auch für die Beobachtung des Sabbat jahres der Segen Gottes verheissen und für die Nichtbeachtung Unheil angedroht: ״Ich werde Euch meinen Segen entbieten im sechsten Jahre, dass cs Ertrag bringe für drei Jahre.“ (3. B. M. 25, 21). ״Dann wird das Land abtragen seine Ruhejahre alle Zeit der Verwüstung, da Ihr im Lande Eurer Feinde; alle Zeit der Verwüstung ruhet es. was es nicht geruhet in Erneu Sabbatjahren, da Ihr darin gewohnt.“ (3. B. M, 2Ö. 34, 35). Insofern als Segen oder Unsegen mit den Sabbathtagen und Sabbathjahren verknüpft sind, sind sie in gewissem Sinne kiitische Zeitpunkte, die je nach dem Verhalten für das eine oder das andere bestimmend sind. An diese Auffassung klingt die zusammenfassende Bemerkung des Talmuds an, dass die Einsetzung des Sabbaths und der Gerichtsbarkeit in Mara erfolgt ist. Um so mehr musste dem siebenten Monate als dem Sabbathmonat zumal dem Beginn desselben, die Bedeutung eines kritischen Zeitpunktes — und zwar hier eben so wenig wie beim Sabbathtag und beim Sabbathjahr im mystischen Sinne, sondern im klaren, religiösen Geiste der Vergeltungslehre — beigelegt werden, als er eben als siebenter wegen seiner Sabbathliehkeit prädestilliert erscheinen nuiste, das Jahr zu eröffnen. Es muss also die Auffassung vom Beginn des Sabbatlismoliats, dass er ein;הדי CP ein göttlicher Gerichtstag sei, nicht, wie manche Forscher meinen, eine spätere, sondern vielmehr einn sehr alte, im Wesen des den Sabbathmonat eröffnenden Tages begründet sein. Er ist nur erst später auf die allgemeine Bezeichnung Rosch-haschanah gebracht worden, und zwar anfangs bloss in dem Sinne einer im Wesen der erweiterten Sabbathidee begründeten göttlichen Scbicksalsbestinimung, nicht, aber im kalendarischen Sinne, da die kalendarische Zeitbestimmuiig in bürgerlichen Angelegenheiten nach Lev. 25,9 vom Versöhmingsfeste des 10. Tischri ausging. Wenn daher Ezechiel (40,1) den 10 Tischri ראש השנה nennt, so ist das insofern zutreffend, als die prophetische Schau, die ihm zu Tlieil wird, die politische und bürgerliche Wiederherstellung auf religiöser Grundlage betrifft, für welche der 10 Tischri symbolisch gebraucht wird zur vollen Gewissheit dieser dereinst eintretenden Wiederherstellung, nach welcher die israelitischen Verlniltnisse in der gewohnten Ze,itfolge, in den gewöhnten nationalen Bahnen sich bewegen werden*). Wie aus der Sabbathiddee der alte jüdische Volksglaube vom tausendjährigen Sabbatlm ich des Friedens und der Glückseligkeit emporgebliiht, so blüht auch jezt noch lfoscli-Hasehanah im Heizen Israels die Hoffnung auf einen beständigen Weltfrieden, der seinen festen Grund in der Gottesfurcht hat, wie wir dies in unseren *1 Hiermit fällt das Raisonnoment Wcllhausen’8 (Prolegomena S, 11t) von di r Feier d״s Neujalirs während des Exils am 10. statt am 1. Tischri unter Hinweis auf Ezechiel 40, 1 liehst der hieraus ^cnnii hteu Folgerung ״wie juttsr der grosse Versöhuungstag ist“ in sich seihst zusammen. -- Neujahrsgebeten zum Ausdruck bringen: ״So lasse denn kommen, Ewiger unser Gott, Deine Furcht über alle Deine Geschöpfe, dass Dich fürchten alle Deine Geschöpfe und vor Dir sich beugen alle Wesen, dass sie alle zu Einem Bunde werden, Deinen Willen zu thun mit ganzem Herzen.“ Das ürtheil einer Christin über das jüdische Gebet. Wenn ein Jude es vergessen sollte, welchen Schatz er an seinem Judenthum und zumal an seinem Gebetbuch besitzt, das jüngst erschienene Buch einer Christin könnte ihm dies zum Bewusstsein bringen. Frau N a h i d a Re m y vereint einen starken männlichen Geist mit einem zarten weiblichen Empfinden; und alle ihre Talente hat sie in den Dienst des Judentlmms gestellt, um zuerst zu lernen, um sodann zu lehren, und sie hat tüchtig gelernt und sie ist eine treffliche Lehrmeisterin geworden und die ״Kultur- Studien über d a s J u d e n t h u m“, die sie neuerdings bei Carl D u 11 c k e r in Berlin veröffentlicht hat, werden, wie nun einmal die Verhältnisse liegen, auch mancher Jüdin viel Neues, viel Anregendes und Erbauliches bieten. Aber auch der Gelehrte geht nicht leer aus. Es ist hochinteressant zu erfahren, wie diese Frau, die sich so tief in die jüdische Volksseele hineingelebt hat, über unsere Gebete uitheilt, wenn wir auch natürlich der Christin kein Recht einräumen können, dass ihre Meinungen und Entscheidungen für uns massgebend sein sollten. Frau Remy ist entzückt fast von jedem einzelnen unserer Gebete, aber sie steht der Uebertülle des gesammten Gebetsstoffes mit einer gewissen komischen Verzweiflung gegenüber lind sieht in dieser Fülle den Tod aller Andacht; sie ist begeistert für die Beschlüsse der Leipziger Synode, insbesondere für den redegewaltigen Präsidenten der Synode, Herrn Professor Lazarus, und ich glaube, auf dessen Autorität hin empfiehlt, sie uns, was nach der bekannten jüdischen Anekdote kein Jude und kein Christ tliut, Tepliillin zu legen am Sabbat und es für die Wochentage abzuschaffen. Die verehrte Dame übersieht, dass der Rabbiner, dass überhaupt diejenigen, die die Schäden des alten jüdischen Gebetbuches beseitigen wollen, nicht frei sind; sie siml gebunden durch die Rücksicht auf die Alten, die die kleinste Aenderung als einen Bruch ihrer religiösen Gewohnheit schmerzlich empfinden, diese Alten sind die täglichen Besucher unserer Synagogen, während diejenigen, die am tradirten Gottesdienst Anstoss nehmen nur alle hohen Festtage in den Tempeln erscheinen. Es ist eine unfruchtbare Arbeit für diejenigen ein Gebetbuch einzuiichten, die entschlossen sind, auch von dem besten nur einen massigen Gebrauch zn machen. Sodann war bisher das Gebetbuch im Wesentlichen allen Juden gemeinsam. Wir möchten nicht gern die Brücken in die Luft sprengen, die die Juden der verschiedensten Länder zu einer grossen religiösen Gemeinschaft verbinden Rührend ist die Schwärmerei der Christin für die ausschliessliche Herrschaft des Hebräischen i:1 der Synagoge; sie polemisirt mit Geschick und Wärme!regen Abraham Geiger, der der deutschen Muttersprache eine Stätte in der Synagoge erobern wollte und erobert hat. Alle die feinen Betrachtungen der Frau Remy scheitern an dem Uebel, das nicht aus der Welt zu bannen ist, dass nun einmal trotz aller Religionsschulen das Gros der jüdischen Bevölkerung nur eine sehr schwache

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