Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 34. (18.8.1893)
- Date
- 1893-08-18
- Page
- Seite 133 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Homer 2× ep/1025156
- Rashi 1× ep/1002670
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ist, ähnlich wie der londoner Zierbengel sein ה ausstösst und sein א aspirirt, wie der Holländer ״ee-y-m’ aus ״yim“ macht, wie der Lütwoc*) sagt ״Sabbos“ statt ״Schabbos“ und wie der Bayer ״Poruch“ fiir ״Boruch“ u. dgl. m. Anderseits glaube ich aber auch wieder, dass das y keine eigene von der des א unterschiedene Aussprache hatte und zwar erstens, weil Raschi eine ursprüngliehe Gleichheit in der Aussprache der beiden Buchstaben annimmt, wie dieses aus seinen Bemerkungen über die Aussprache דבי ר׳ אלעזר hervorgeht, wo er sagt, dass sie nur בדרוש gebräuchlich war, um das häufige אל תקרא — אלא zu erklären, und ich möchte auch noch annehmen, als mnemotechnisches Hilfsmittel beim Buchstabiren zu dienen; zweitens, weil bei der Erörterung der Umstände, durch welche die Kohanim von der Ertheilung des Priestersegens ausgeschlossen werden, Raschi ausdrücklich behauptet, dass, da in dem ganzen Pristersegen kein ע vorkommt und kein wirklicher Unterschied in der Aussprache ist, so müssen die Kohanim nur die Absicht haben, ein א auszusprechen; drittens, wenn wir einen wahrnehmbaren Unterschied zwischen ע und א zugeben, warum denn nicht auch ebenso einen solchen zwischen ס und ש‘!* viertens, wenn es früher eine verschiedene Aussprache gegeben hat, wie konnte sie so unwiederbringlich verloren gehen, dass die Gelehrten zu der arabischen Sprache oder irgend einer andern Sprache ihre Zuflucht nehmen mussten, eine Aussprache durch Analogie zu erfinden und warum sollte gerade das y eine so schwache Stütze erhalten haben und nicht auf das ש oder 0, das ב oder ק, das ט oder ת? Endlich ist noch besonders zu berücksichtigen, dass nachdem die Sprache zum grossen Teil auf Grundsätzen der Onomatopoesis (Klangnachahmung) aufgebaut ist, es wohl möglich ist, dass derselbe Klang nach Umständen verschiedene Gegenstände bezeichnet hat, und das Verlangen nach einem unterscheidenden Zeichen nur da auftrat, wo die Notwendigkeit, die beiden Gegenstände auch ausserhalb ihrer Umgebung zu erkennen, bervortrat, das heisst als ungesprochene, sichtbare Zeichen in der Schriftsprache**). Die Entstehung des ה in dem Worte Homer (st. Omer), welches sich übrigens nur in gewissen portugiesischen Gebetbüchern findet, rührt, wie ich glaube, nicht von der Regel her, nach welcher die Buchstaben א׳ה׳ח׳ע׳ sich gegenseitig vertreten, sondern muss vielmehr der Unwissenheit der frühem englischen Drucker zugeschrieben werden, welche die Worte ״Sephiras Ho - om er im Inhaltsverzeichniss falsch buchstabirten und ״Homer lasen, so dass sich dieser Irrtum bis auf die heutige Zeit fortgeerbt hat. Recensionen. Achena (f) attah! Unser Bruder bist Du! Von H. Leszczynski. Verlag E. F. Mü 11 er. Leipzig. 1893. Besprochen von I)r. Singer-Coblenz. (Fortsetzung.) Der Verf. hat aber noch mehr welterschütternde Neuigkeiten für uns in petto. Die Abschliessung Israels von den Völkern sieht er als ein Produkt der Thätigkeit pedantischer und fanatischer Rabbiner und Schriftgelehrten an, die die Thorah mit der chinesischen Mauer des Talmuds umgeben haben. Ja ja, die Christen bemühen sich nun seit vielen Jahrhunderten um unsere Freundschaft, aber wir haben sie immer von Land zu *) 11. i. der lithauische Jude. **) Man vergleiche hierzu den ״Schulchan-Arach“ I, Cap. 63, § 31 nebst dem Commentar des Isserles. Land gejagt, weil wir entre nous bleiben wollten! Es ist wirklich schade, jammerschade; wie hübsch weit hätten wir es sonst gebracht haben können! Es gäbe heute kein Judenthum, keine sympathischen Wudercuren und — keinen Antisemitismus. Dass doch unsere Vorfahren so vernagelt waren, dies nicht einzusehen! Dass ihre Verfolgungswuth gegen alle Völker des Erdballs uns in die Lage brachte, mit unseren Fingern die von ihnen ins Feuer geworfenen — Kastanien herauszuholen. ״Ach, unsere Väter haben saure Trauben gegessen, und wir müssen die Rechnuug des Zahnarztes begleichen!“ Allein, was vorüber ist vorüber, noch ist Hilfe möglich: ״Der öffentliche, feierliche Austritt aus dem int ernationalen, Christus verleugnenden Judentlium ist eine unabweisbare Forderung der Sittlichkeit, verstärkt noch durch das Gebot und die Pflicht der Selbsterhaltung.“ Und dies ist erst der erste Schritt zur Lösung der Judenfrage; ja, Herr Leszczynski liebt uns immer noch, er will uns gründlich heilen, er begnügt sich nicht damit, für sich allein die Rettung zu nehmen! Scherz bei Seite, nein und tausendmal nein, Herr Leszczynski, wir lassen uns durch Angst nicht zu diesem Schritt der Selbsterhaltungbeschwärmen. Das Schifflein Judäa, welches wie ein FSls in der Brandung stand, als Unheilschwangere Stürme auf dem Meere des Lebens es umtobten, wird durch die Wellenschläge des fin de siede nicht in den Grund gebohrt werden; es wird aber auch seine, wenngleich nur leichte Ankerung im Hafen nicht aufgeben, weil sie ihm jenseits des aufgeregten Meeres eine blühende, lachende Küste anweisen und dabei übersehen, dass nur sein Wrak an jenem Gestade anlangen würde, Mast und Segel aber die Kosten der Ueberfahrt decken müssten! Professor Lazarus, den Sie als Eideshelfer anrufeu, wird von dieser ihrer Anlehnung bei dieser Angelegenheit nicht sehr erbaut sein. Er ist ein bedeutender Gelehrter, eine Zierde der Wissenschaft, worauf die Judenheit stolz ist, — aber seine Aussprüche, wenn sie all’ dies bezeugten, was Sie hineinlegen, wie sie es im Grunde genommen nicht thun, ist auch immerhin nicht der Gewissensrat des Judenthums. Wenn jedoch Eduard v. Hartmann und der Jude Leszczynski dasselbe sagen, so ist es für uns und überhaupt doch nicht dasselbe. Was Heine angeht, der wird noch im Grabe einen Purzelbaum schlagen, wenn er die freudige Mitteilung an alle Verwandten und Bekannten liest, dass sie ihm Stelzen anschnallten und ihn zur Autorität in jüdisch-religiösen Fragen promovirten — wer bei gewissen Behauptungen den Verstand nicht verliert, der hat keinen zu verlieren. Heine’s Uebertritt zum Christenthum aus Ueberzeugung ist eigentlich günstigsten Falls noch eine offene Frage, und was Sie diesem Dichter andichten, die Annahme nämlich, die Juden glauben in Momenten der Zerknirschung den Engeln an Heiligkeit gleich zu sein — muss dahin berichtigt werden, dass sie der Heiligkeit nicht blos der Engel, sondern sogar Gottes sich zu nähern suchen. Das ist ihr Beruf, von der Gottheit selber ihnen vorgezeichnet, was Ihnen als unzweifelhaftem Kenner der Bibelstelle Levit. XIX, 2 nicht fremd sein dürfte. L. schreibt ferner mit rührender Selbsterkenntniss, — denn ich mache ihn allein für die Aeusserungen und Charakteristiken in seinem Buche verantwortlich — dass sein Verhältniss zum Judentume ein kühler Indifferentismus oder ein verhaltener Groll sei, der sich bis zum Hass steigert, und verrät dabei eine unzeitige Bescheidenheit, denn sein Buch belehrt uns, dass er zum Judenthume in gar keinem Verhältniss mehr steht. Warum er ihm trotz seiner Entfremdung — nein einmaliger Zugehörigkeit — immer noch äusserlich angehört, wie ich voraussetze, ist eia Rätsel, dessen mutmassliche Lösung sich Eingangs