Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 33. (11.8.1893)
- Date
- 1893-08-11
- Page
- Seite 129 (sequence 3)
- Language
- German
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— 129 — ein Gott (1er Gerechtigkeit und der Liebe walte. Wir denken der herrlichen Tage der Urzeit, verkünden den Ruhm unserer Ahnen, sind treue Unterthanen, gute Bürger, und halten gleichzeitig, mit unerschütterlicher Hingebung fest an dem, was Gott in uns gepflanzt und lassen uns nicht irre machen, weder von den Besclmldigungen unserer Feinde und Dränger, noch von den Angrillen unserer unehrlichen Freunde. Und wer die Existenzberechtigung dem Judenthume absprechen will, muss nachweisen. dass es mit seiner Ethik weniger auf der Höhe moderner Weltanschauung steht, als andere Religionen, dass seine Lehren der Nächstenliebe im Vergleiche zu der christlichen Charitas die Stichprobe nicht aushalten. Da wir Herrn L. eine bewusste Fälschung nicht Zutrauen, so muss ihn! bei Heranziehung des Hohenliedes etwas Menschliches passirt sein, wenn er den Anschein erwecken will, als haben die ״obenerwähnten“ —seil: modern orthodoxen — Rabbiner das Hobel, für etwas Höheres erklärt, als für ein gewöhnliches Liebeslied. Diese Erklärung ist älter, als die Interpretationen der Kirchenväter, deren Kompetenz doch Niemand anzutasten wagt. Nicht ״Pfaffengeliiste“ hat ihnen die Feder geführt; er thut Unrecht, dem Judenthum Pfattenwirtschaft anzudichten Die Rabbiner haben ihre gebunbundene Marschroute, hatten weder Gelegenheit noch den Willen, die Geister zu knechten, hielten sich bei Anfragen in den Grenzen der ihnen vorgeschriebenen Namen, sie hatten keine irgendwelche Vorrechte gegen ihre Gemeindemitglieder, sie lebten das. was sie lehrten und wenn einmal der Eine oder Andere in seinem Eifer zu weit ging, darf eine solche Ausnahme nicht benutzt werden, um eine ganze Berufsart zu brandmarken. Wenn sie dem Verf. nicht in allem zum Willen leben, so verdienen sie drum nicht, den Stempel der Heuchelei. So beispielweise erstrebt L. die Vermehrung der Mischehe, sagt aber nicht wer diese einsegnen soll, sondern lässt dies nur durchblicken. Der protest. Geistliche verweigert es, der Katholische nimirt solche Trauungen nur bei Ehen zwischen Katholiken und Anhängern anderer christl. Bekenntnisse und auch dann nur gegen den bekannten Revers vor; es erübrigt also, dass wir die Kosten tragen und den Anfang von unserem Ende mit unserm Segen begleiten, sonst — sind wir die lntoloranten, die Pfaffen! Er hat otteobar die Naturgeschichte des Pfattenthuins schlecht oder gar nicht studiert. Nicht glücklieber ist der Verf. in dem, was er vei schweigt, um nicht zu sagen — unterschlägt׳. Nicht nur bei den iieidnischen Germanen hiess es ״die Mitgift bringt nicht die Gattin ihrem Ehemanne, sondern der Ehemann seiner Gattin“, sondern auch nach bibl. Vorschrift musste der Elienian 11 die Morgengabe bringen; das musste Herr L. doch wissen. Und wie steht es mit der praktischen Durchführung seiner Kreuzungstheorie ä tout prix? Sollte Herr L. wirklich so naiv sein zu glauben ״geist- und anmutsvolle Israelitinnen“ — und die anderen weniger anmutigen?? — ohne Geld werden für christliche Jünglinge so sehr begehrenswerte Artikel werden? Und auf diesem Sandfundament baut er das Gebäude des allmählichen Aufgehens im christlichen Germanenthum auf? Im katholisch oder protestantisch-christl. Germanenthuin? Und die russischen Juden, — da doch nicht die Minorität der Judenschaft in Deutschland allein am ״Judenschmerz“ leidet — im griechisch-orthodoxen Glauben? Und die türkischen Juden u. s. w.? Und solche Kurpfuscherei wird unter dem hebräischem Titel Achinu (sic!) attah“ betrieben, ist das ehrlich? Welchen Segen brachten uns die Mischehen zwischen einen! Varnhagen van Ense mit Raliel Lewin, Schlegels mit Dorothea Mendelssohn, diese Flüchte krankhafter Romantik? Freilich sagt der Verf. das dann ״nicht nur die staatsbürgerliche und gesellschaftliche, sondern auch die .militärische Stellung der Abkömmlinge des jüdischen Stammes nicht mehr den Charakter eiupnfidlicher Zurück- Setzungen, peinlicher, kleinlicher Chicanen an sich tragen werden.“ Was heisst dann? Die Taufe macht sie ja jetzt schon fähig, die Stufenleiter der höchsten Würden zu erklimmen, mit dem Orangeband des schwarzen Adlers sich zu schmücken, auch ohne die Mischehen der Eltern; nur ein klein wenig Vergesslichkeit, eine Unze Gleichgültigkeit, ein Gran Streberthum und eine Portion Formeln und die Mischung ist fertig. Man braucht nicht einmal den Namen zu ändern; das Christenthum ist genügsamer als Herr L. und es würde an einem Generalissimus Judas Maccabäus — wie der Verf. die glänzenden Gestirne am Himmel Juda's, die ihn doch eigentlich eines Besseren belehren sollten, höhnisbh nennt — nicht den geringsten Anstoss nehmen. Es ist zwar nicht bekannt geworden, dass die französischen Generäle, mit alttestamentarischen Namen, wie Levy, ihrer Pflicht nicht gerecht wurden, aber Herrn L. gefallen diese Namen eben nicht, darumdekretirt er,dass״die Israeliten jene Familiennamen ablegen“ und ״auch viele christl. Deutsche, die einen geschmacklosen Namen führen, sollen eine Namensänderung bei guter Gelegenheit ver־ anlassen“ — und er macht's billig und gegen ein Entgelt von eine r Reichsmark, zum zweiten und zum letzten Male! Diese Kleinigkeit könnte sich Herr Liebermann von Sonnenberg auch leisten, dafür ist's geschenkt. Wem bei solchen Vorschlägen und Austühruugen von jüdischer Seite noch guter Mut geblieben, dem stehts frei, hier zu lachen! Und es ist ein J u d e von dem dies ausgeht, denn er will — echt jüdisch, wenn er es auch in verschämter Bescheidenheit ״ein Stückchen Sozialpolitik“ nennt — diesen ,.namenhaften“ Erlös, wie er ihn witzig bezeichnet, zu Hacliuassas Kallah, zur Ausstattung armer anständiger Bräute, verwenden, trotzdem er acht Seiten vorher dagegen eifert, dass die Bräute Mitgift in die Ehe bringen. (Fortsetzung folgt.) Lienz, R. Alban Stolz 11ml die Juden. Ein zeitgemässer Beitrag zur Judenfrage für das deutsche Volk, Ein umgekehrter Herkules hat der Herausgeber dieses Schriftchens Mist aus aller Kleinigkeitsträumerei und Kalenderweisheit zusammengesucht, um die Juden damit zu bewerfen. Nicht ein ״Beitragzur Judenfrage“ liegt vor uns, sondern ein ekelhaftes Sammelsurium von Lug und Trug, Schimpf und Verhetzung, aus dem selbst ein Ahlwardt noch etwas lernen könnte, welcher es in der Ehrabschneiderei im Grossen, nicht so weit gebracht hat. Es würde keinem .Menschen eingefallen sein, auf Stob/Moor-Sumpf blumen zu pflücken, oder dem Verstorbenen jetzt noch Vorwürfe zu machen für den Hass, den er ausgesäet hat; dieser Priester der Liebe ist vergessen — er teilt hierin das Schicksal seiner meisten Vorgänger, welche in Gehässigkeiten sich verbissen haben — seine gehässigen Ausstreuungen haben bereits ihre Schuldigkeiten gethan, während er selbst vor dem Richterthrone Gott es seine Irrtümer bereut hat. Nun kommt so ein ungeschickter Verehrer des seit 1U Jahren Heimgegangenen und zwingt uns, dass wir uns mit diesem in unliebsamer Weise beschäftigen müssen, und wir müssen ihm die Verantwortung dafür aufwälzen, wenn es so wiederhallt, wie es in den Wahl hineinschallt. Er hat Stolz' alte Kalender, von denen er behauptet, dass sie auch unter Protestanten weite