Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 33. (11.8.1893)
- Date
- 1893-08-11
- Page
- Seite 128 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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128 zur Bezeichnung des Volkslebens Israels, während der Hirt entweder Israels König oder sein Gott ist. Diese Figur findet eine treffliche Verwendung in folgendem Verse: ,.Dem Hirten gleich weidet er die Heerde, sein Arm uml ust die Lämmer, er trägt in seinem Schosse sie, leitet sanft die Säugenden“ (Jesajah 40, 11). Israel wird auch dargestellt, als das hilflose Schaf, welches zur Schlachtbank geführt wird. Auch das Verhältnis des Vaters zum Sohne, der Mutter zur Tochter, des Gatten zur Gattin wird zu bildlichen Darstellungen benutzt und besonders in den Fällen, in welchen das Verhältnis Gottes zu Israel geschildert werden soll. Kbenso tragen auch die untergeordneten häuslichen Verhältnisse, wie die des Sklaven zum Gebieter, der Magd zum Herrn, ihren Theil zur Bildüng von Metaphern bei. Eine Gemeindeordnung der israelitischen Gemeinde in Prag vom Jahre 1767. Von Rabbiner I'(r. Nathan r ü n in Prag. (Schluss). Diese Gemeindeordnung ist von;12 Gemeindemitgliedern unterschrieben, an der Spitze stehen die Unterschritten des Rabbinats. und zwar: יחזקאל לנדא, מאיר פישל בובסיא(1 יהודא יייב קסררי*ן(2 שייבה זלבן עמריך(3 בשה .5)גיגצבויג שפירא(4, 'וסף ליברלש Dann folgt die Unterschritt des Priinators der Gemeinden: 6)ישראל בב׳ה־ורר שבעו; שפירא פרענקל und der ersten Vorsteher (האלופים קציני ראשיים) mit fünf Unterschlitten, hierauf die Untervorsteher (הקציני׳ טובים) mit neunzehn Unterschritten. 1) Mair Fisehl starb in der Sabbathuacht am 17. Kislev 1769; er war Vorsitzender des Kabbinats- Collegiums. Die Inschrift auf seinem Grabstein bericlitet, dass die von ihm verfassten Schritten bei dem Brande im Jahre 1754 vernichtet worden sind. Seine grosse talmudische Gelehrsamkeit imponirte selbst, dem Prager Überrabbiner R. Ezechiel Landau. Als dieser den Kaffeegenuss in den nichtjüdischen Kaffeehäusern untersagen wollte, wies R. Mair Fisehl auf den Aussprach des l’ri ehadasch hin, dass in unseren Gegenden Milch von unreinen Thieren sich nicht findet, und L. unterliess es, seine erschwerende Bestimmung auszuführen. (Resp. Xoda bihudah I. 2, 36 )*) 2) Jehuda Lüb, Sohn des Josef Kassawitz 1 gest. 12. Tischri 1782) war schon 1752 Mitglied des Prager Rabbinats, als solcher unterzeichnet er die beiden im לוחת עדות abgedruckten Briefe des Prager Rabbinats- Collegiums zu Gunsten des Jonathan Eibeschütz. Nach dem Tode des Meir Fisehl wurde er Rabbinatspräses: in seiner Approbation zu dem in Prag 1777 gedruckten Werke בנדי ישע wird er als ראש ב׳ד פה פראג angeführt, auch die Inschrift auf seinem Grabstein nennt ihn ראש ב״ד.;)) Salomon Emrich, 801111 des Gumpel (gest. 23. Juni 1794). Verfasher des halaehischen Werkes ששה זרעוני ערוגה, Prag 1789, war schon 1761 Mitglied des Prager Rabbinats-Collegiums. Am 7. Jjars dieses Jahres wurde nämlich in einer unter Vorsitz des Oberrabbiners Ezechiel Landau abgehaltenen Rabbinats- Sitzung jedem Rabbinatsassessor seiu Ressort, zugewiesen, *) In dem mir vorliegenden Exemplar dieser Respousen tiudet sieh eine beachtenswerte schriftliche Randglosse von R. Samuel l.aodau. Er bemerkt, dass seinem Vater Ezechiel Landau nicht hekaunt war, dass in den Kaffeehäusern der Kaffee den Gästen in kleiueu Kauheu vorgesetzt wird, von welchen er daun in die Kaff'eeschalen kommt, diese seien daher stets als >e»Se• 'ני auzuseheu; hätte er das gewusst, so wäre er für diese Erschwerung nicht gewesen. Salomon Emrich erhielt die Aufsicht יעל איסור שעטנז während Löb Kassowitz und Mtir Fisch! zu wachen hatten על נדר העריות, dass Männer und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen nicht auf Spaziergängen und Gärten zum Tanz und leichtfertigen Belustigungen zusammenkonimen. (Handschriftliche Verordnungen des Prager Rabbinats *) 4) Moses Ginsburg Spira, Sohn des Hirsch (starb im Tischri 1783), ist in dem ersten Briete des Prager Rabbinats für Eibeschütz als der letzte unterschrie ben. 8ei11e Unterschrift findet sich auch in den vom Prager Rabbinats-Collegiuni erteilten Approbationen. Ob er mit Moses Ginsburg, dem Schwiegervater des .Meir Fisehl, der auch Rabbinatsassessor in Prag war und auf der Reise nach Palästina in Sidon starb, verwandt war, konnte ich nicht ermitteln. 5) Josef, Sohn des Jesaia Liberls (starb 1780) ist auch einer von den Unterzeichnern der Mitglieder des Prager Rabbinats in dem zweiten Schreiben zu Gunsten des Jonathan Eibeschütz, er war also schon 1752 Rabbinats-Assessor. 6) Israel. Sohn des Simon Spira F r e 11 k 1 (starb 21. Feber 1791), war Primator der israel. Gemeinde in Prag. Ausgezeichnet durch talmudisches Wissen, lauterer Frömmigkeit und Reichtum, widmete er sich mit aller Hingebung der Verwaltung der Gemeinde. Von seiner edlen Wohlthätigkeit zeugt die noch jetzt bestehende Israel S. Frenkl'sche Synagogen- und Rabbiner-Stiftung, ln dem über sein Hinscheiden von Lüb Reinitz unter dem Titel אבל בבד veröffentlichten Trauergedicht wird berichtet, dass er schon bei Lebzeiten ein Lehrhaus (Betli hamidrasch) für zwei Talmudgelehrte und sechs Talmudjünger gegründet hat. für deren Unterstützung er sorgte. Dem Oberyabbiner Ez. Landau war er in höchster Verehrung zugethan, welcher er noch in seinen letzten Lebensstunden rühmenden Ausdruck gab. Ez. Landau besuchte ihn kurz vor seinem Hinscheiden und er erhob sich und küsste dem hochverehrten Lehrer die Hand. Landau, von Rührung übermannt, umarmte und küsste darauf den Sterbenden und vergoss heisse Thränen an seinem Krankenlager. 111 seiner Grabrede über Israel Frenkl beklagte ihn Landau mit dem Schrittverse: ״Unseres Lebens Odem, Gesalbter des Ewigen, unter dessen Schatten wir sicher unter den Völkern wohnen.“*״) Recensionen. Acl1enu(¥) attali! Unsei'Bnulerbist D«! Von H. Leszczynski. Verlag E. F.Miiller. Leipzig. 1893. Besprochen von Dr. Sin ger-fohlen־/.. (Fortsetzung.) Nein, sinnliche Liebe an sich ist kein sittliches Motiv und das Hohelied ist nicht die Verherrlichung und die Bedingung einer Schäferliebe. Um dieses Chavakters willen ist es nicht nach vielen Kämpfen in den Kanon der heiligen Schritt aufgenommen worden, sondern als Allegorie in Sinnbildern, uns mit Hoffnung und Zuversieht erfüllend, dass kein blindes Geschick, sondern *) HamLckriftliclie Randbemerkungen zum Choscheu Mischpat von Salomon Emrich hetinden sich in der hiesigen Gemeinde- Bibliothek. Um diese Randbemerkungen gegen Plagiat zu sichern, schickt der Verfasser die Warnung voraus, dass derjenige, welcher freventlich von dem, was er hier uiedergeschrieben, in seinem eigenen Namen mitteilt, das Verbot משיג גבול Übertritt, er beraubt dadurch die Lebenden und die Todten. (ln unserer Zeit kommen Plagiate aus den Materien der taliuudischeu Kechtslehre wohl selten vor, bei Predigten aber würde eine solche Warnung am Platze sein.) **) אבי1 בבד von Reinitz.