Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 32. (4.8.1893)
- Date
- 1893-08-04
- Page
- Seite 125 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 120 — Bei פדיון הק soll es mit dem Mahle wie bei der' Briss-Milah gehalten werden. § 7. Da der פרוויר und die Musikanten das Brautpaar, deren Eltern und die Hochzeitsgäste durch das Erpressen von Trinkgeldern sehr belästigen, so wurde angeordnet, dass sie von nun an ausser dem bedungenen Lohn nicht das Geringste (Perutal beanspruchen dürfen, auch das Geben von Trinkgeldern ist nicht gestattet § 8. Nachdem es überhand genommen, dass man Fladen, Küchel und anderes Back werk zum Verkaufe ausstellt, wodurch viele ihre Gesundheit und ihr Geld verderben, was in früherer Zeit nicht geschehen, auch in anderen vornehmen Gemeinden nicht gestattet wird, dass man grosse und kleine Kinder solche übermässige Ausgaben zu machen nicht gewöhnt, welche auch üble Folgen nach sich ziehen, ist בגזירת איפור ב*ד beschlossen worden, dass sich Keiner unterstehe, solche!'orten zum Verkaufe zu backen oder zu kaufen. Kuchen aber und Kipfel (הארנדליך) mit Butter und Milch oder sonst dergleicheo für einen Wiener oder חצי צ׳ל, welche für die kleinen Kinder gemacht werden, wie sie früher zum Verkaufe gebräuchlich waren, sind nicht unter obigem איפור gemeint. Die obigen תקנות sind vom Comite mit Zuziehung des הגאון הגדול אב׳ד רר־מ בית דין הגדול und berufenen hohen Kontribuenten festgesetzt und hernach in der Gemeindeversammlung acceptirt worden. Es werden שומרים aufgestellt und die Uebertreter werden בקגם עשרה ר״ט und mit תפיפה וביושים bestraft werden. Nachdem jedem von unserer Gemeinde viele Uebelstände bekannt sind, welche abzustellen dermalen die Zeit nicht zulässt, so ist מהאלופים קצינים für gut befunden, kund zu machen, dass keiner sich unterstehen soll, einem קונה בשוק הן יהודים הן אינו יהודים ungeziemende und unhöfliche Worte zu geben. Audi soll von nun an kein hiesiger Contribuent oder eine ledige Person mit spanischen Rohrstöcken, ausser den זקנים, wie auch nicht mit schwarzen Bändern und seidenen Tücheln um den Hals, auch nicht mit gepuderten Perrücken und seideuen Westen, Frauen nicht mit reichen und halbreichen Hauben, mit Manchetten und Handtatzen, mit grünen Hüten oder garnirten Kleidern הדן לרהוב יהודים gehen. Gefärbte Tuchpantoffel oder gefärbte Stöckel soll man nicht ברהוב או הדן לרחוב יהודים tragen, w׳ie es bereits באיפור ausgerufen worden ist. Diejenigen, w'elche in Wagen oder Kutschen fahren, sollen keine Diener hinten auf dem Wagen stehen haben. Man wird שומרים aufstellen, damit die Uebertreter mit תפיסות קנפות וביושים bestraft werden. (Schluss folgt.) Recensionen. Achenu (?) attah! Unser Bruder bist Du! Von H. Leszczynski. Verlag E. B'. M ii 11 e r. Leipzig. 1893. Besprochen von Dr. Singer-Coblenz. (Fortsetzung.) Schon das Motto auf dem Titelblatt: ״Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott“ macht, buchstäblich genommen, die Tendenz des Buches überflüssig, im ursprünglichen Sinn, wie ihn Ruth als Wunsch zu erkennen giebt, ist es für uns eine Kränkung. Unser Deutschtum lassen wir uns von Niemandem rauben, die deutsche Gesinnung uns nicht abspreehen, und versucht man es von gewisser Seite, indem man selbst Judenabkömmlinge christlichen Glaubens und auch Verteidiger der Gleichberechtigung der Juden bis ins zehnte Glied zurück des Judentums ״verdächtigt“, so zeigt dies, wie unwirksam die Befolgung des Leszcynski’schen Rathes ist. Auch stehen wir dem Christentum und seinem Monotheismus nicht so fern, wie Ruth’s Glaube dem der Noomi, als dass dieser Wunsch berechtigt wäre. Wir sehen in dem heutigen Christentum keine höhere Vollendung, sondern wir fühlen und beweisen, dass unsere ethische Basis gemeinsam sei; wir wissen, dass das Christentum sie aus dem Judentum geschöpft, sie ihm entlehnt haben, das Christentum hat an uns eine grosse. Schuld abzutragen, und es wäre verkehrt, oder geschähe aus unredlicher Absicht, wenn der Gläubiger im Hause des Schuldners Schutz suchte. Wenn der Darleiher uns aber zum Danke mit Steinen bewirft und höhnend ״Jude, Jude‘׳ uns nachschreit, so trösten wir uns mit der allgemeinen Erfahrung, bedauern, dass das Christenthum seine Bekenner nicht besser und religiöser erzogen hat und schauen mit Befriedigung auf unsere dreitausendjährige Thorah hinauf, welche selbst dem Fremdling gegenüber ganz andere Vorschriften zustande brachte, Gesetze, von deren Uebertretung im jüdischen Staate nirgends berichtet wird. Es sei hier eine Zwischenfrage gestattet: Der Ver- fasser giebt häufig Erklärungen ab, welche mit den Worten beginnen: ״Wir Jüngere aus Israel“ — wer gab ihm das Mandat, wo sind die Schaaren, die hinter ihm stehen, welche zwar nicht mit des ״Esels Kinnbacken“, aber doch mit der Gänse Schmuck — ich meine ihre F1 e d e r n — ihren religiösen Bankerott vorbereiten wollen? Existiren sie nicht blos in der Phantasie des Verfassers — was hinderte sie, ihren Eingebungen zu folgen und mit ihrem ״Massenübertritt“ das B'eld Egidy's zu düngen? Warum entschuldigen sie sich vorerst und berechtigen uns zu dem Gedanken: qui s’excuse, s’accuse!? Wir wollen den Verfasser nicht kränken, wenn wir annehmen, dass das ״wir“ nur eine plural majest.-Form sei; wir wollen ihm glauben, dass Kränkungen, die w i r mit ihm erfahren haben, ihm endlich lästig wurden, und er nicht ansteht, sie mit der Taufe abzuwaschen, wir wollen ihm keine Thräne nachweinen, wenn er abschiednehmend uns verlässt, aber wir verargen es ihm, dass er Andere in seinen Fall mit hineinziehen will, er beleidigt uns durch seine kühle Zumutung, dass wir von seinem Beispiel uns beeinflussen und ״freiwillig“ bekennen werden: Unsere Väter waren Thoren, ihre angebliche Festigkeit war Lüge, ihre Glaubensstärke Eigensinn, ihr Eifer blinder Fanatismus, ihre Selbst- Verleugnung und Duldergrösse Halsstarrigkeit — und Alles dies Herrn Leszczynski zu Gefallen? ״Um eines Knaben willen stirbt ein Posa nicht!" Es ist überhaupt nicht weniger als geschmackvoll, wenn die Mitstreiter Egidy’s — vorher Lehmann- Kotenberg und jetzt L. und auch Andere — immer den Esel (?) Bileams und die anderen Grautiere der Bibel mit hohem ritterlichem Mute totreiten. Wir wissen selber, wie wir mit unseren Eseln dran sind und der Verfasser findet Auskunft darüber in No. 49 der ״Isr. Wochenschr.“ vom vorigen Jahre u. a. a. 0., wenn er die Mühe nicht scheut nachzusuchen, auch Herr v. Egidy und Herrn v. Gizycki haben mit Befriedigung von dieser Erkliirung Notiz genommen, es hätte den Verfasser also nur eine Frage gekostet und er hätte ohne allzugrosse Ueberwindung die Esel — Esel sein lassen können, so gut als wir um die Ochsen in -• anderen Religionen uns nicht kümmern, ihre Lämmer ungeschoren lassen. Das Recht der Interpretation werden wir aber selbst von einem L. uns nicht verkümmern lassen — finden doch Anomalien in anderen Büchern als in A. T. unbehindert ihre Erklärer und . . . Verteidiger; und seinen Glaubensgenossen gegenüber dünkt Herrn L. das schlechte Verfahren gut genug, Stellen die ihm passen, nach ihrem geistigen Gehalt zu definiren, andere aber, die nickt Gnade in seinen Augen finden, als buchstäblich