Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 32. (4.8.1893)
- Date
- 1893-08-04
- Page
- Seite 126 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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120 — gemeint hinzustellen? Ich bin kein orthodoxer Rabbiner und habe keinen Auftrag, mich für sie ins Zeug zu legen, habe sogar selber schon Personen christlichen Glaubens aus ethischen Motiven ins Judentum aufgenommen, aber der Betreffende hatte von seinem Standpunkt Recht.. Das Judentum wollte und will keine Prosely ten, auch dann nicht, wenn sie Juden heiraten wollen, und wenn L. h ö hn i sc h ausruft: ״Als ob eine normale Christin aus Uebeizeugung zum rabbinisch-talmudischen Judentum übergehen könnte“ — so erwidern wir ihm, dass sie es also eben hübsch bleiben lasse, warnen ihn, sein neues Christentum nicht mit Intoleranz gegen seine früheren Glaubensgenossen zu beginnen — weil diesem Thun der Reiz der Neuheit fehlt, es ist dies die von ohnmächtiger Wuth erzeugte Weise aller Renegaten — und raten ihm, nicht so viel von rabbinisch-talmudischen Judentum zu sprechen, denn er versteht es nicht, er kennt es nur aus tauben Märchen, er wird sich doch nicht mit den Koryphäen der antisemitischen Bewegung auf eine Stufe stellen, die schlankweg den Talmud auswendig citiren, ohne jemals ein Exemplar desselben vor Augen gehabt zu haben? (Fortsetzung folgt) Literarische Notizen. Zu ״1כה דודי. (Schluss.) — Gelegentlich erlaube ich mir noch nachstehende Bemerkungen, ln der ״hebräischen Prosodie“ ') tadelt Immanuel Frances den Richter des ״Lecha-Dodi-Liedes“, R. Salomo Alkabez, weil dieser des A k rostichon wegen die biblischrichtige Reihenfolge: וכור ושמור in שמור וזכור umgeäudert habe und fügt hinzu, dass er משי חכם א, einem Vertheidiger des R. Salomo Alkabez, gehört habe, darin stecke eine mystische Wahrheit ״doch der Gott der Wahrheit, dessen Siegel die Wahrheit, der da kennt die Wahrheit, möge uns führen auf den Weg der Wahrheit2). Immanuel Frances war also von der angeblichen mystischen Wahrheit, welche in dem ״Lecha-Dodi-Liede“ stecken solle, nicht überzeugt. Wer war aber der Chacham, welcher Salomo Alkabiz vertheidigt hatte und in dem Liede mystischer Wahrheiten Andeutungen gefnudeu haben wollieV Immanuel Frances nennt seinen Namen nicht, und Herr Broily, der Herausgeber der ״hebr. Prosodie“ des Immanuel Frances, versucht es nicht, den Namen des Mystikers, welcher Salomo Alkabez vertheidigt hatte, zu ermitteln, ich glaube der fragliche Mystiker war kein geringerer als die bedeutcudste Autorität der neuem Kabbala. R. Isaak Luria. Im חמדת ימים, zitirt vou Lardshuth.9) wird berichtet, dass R. Isaak Luria die Dichtungen Gabirol’s und Ihn Esra's missachtet, hingegen das .,Lecha-Dodi-Lied“ des Alkabez, welches Lied zumeist mit der mystischen Wahrheit üb«-reinstimme, sehr hoch geschäzt hatte. Die Mutter des R. Isaak Luria war eine geborene Frauces, die Schwester des ägyptischen Steuerpächters. Mardechai Frances Im Hause des Letzteren wurde R. Isaak Luria in Aegypten erzogen und später heiratbete auch R Isaak Luria die Tochter seiues Ziehvaters uud Unkels Mardechai Frances1). Allerdings kann R. Immanuel Frances. der ciica 1630 geboren worden‘), nicht persönlich mit G. Isaau Luria, der 1572 gestorben war. verkehrt haben; allein משי חכם heisst nicht nur, dass er das aus dem Mnnae des Betreitenden vernommen, sondern kann auch bedeuten, das die betreffende Bemerkung vou den Autor mündlich geäussert worden war und ihm, Frances, von einem unmittelbaren oder mittelbaren .Jünger Luria's mitgetheilt wurde. — Bei dieser Ge- ■) llerausgegebeu vou Heinrich B r 0 d y in der Edition des Literaturvcreius der ״Mekize Nirdamiu“ Berlin 189:1. 2) a. a. 0. Seite H9. Der Herausgeber Herr H. Brody irrt, wenu er (1. c. Anm. 2) meint, ״Lechn-Dodi“ sei auch am Eingänge des Jom-tow gesungen worden. Wie ich aus dem Zitate aus den Briefen des li. Moses Sachus, auf den Herr Hrody sich beruft, hei Landsliuth 1. 1. S. :111 ersehe, bandelt es sich darum, ob auch am Sabliath, auf den ein Festtag gefüllt• 11 sei, das Lecha-Dodi-Lied gesnngeu werden darf. Warum au einem solchen Sabbath das Lied nicht gesungen werden 8 011, ist aus den Responsen בית דוד, zitirt von דניאל טירני in den עיקרי דינים ed. Wilna zu Orach ('hajjim cap. 12 t! 1«, zu ersehen. Wenn der Versöhnungstag auf Sabbath füllt, wird ״Lccha-Dodi“ auch bei uns nicht gesungen (Baer lietebk, 1.1).;1) 1 .1 עמודי העבודה. 4) Asulai שם הגדולים ed. Wien 18t>4 Seite 46 s. v. R. 1s. Luria. 3) Brody 1. 1. Seite 5. legenheit will ic'1 auch die Erklärung eines Verses des R. Jakob*) Frances in dem Gedichte צבי מודה gegenSabbathi ZewP), welche Erklärung ich gelegentlich dem verdienstvollen gelehrten Vorsitzenden des Vereines Mekize Nirdamim, Herrn Dr. A. Berliner, brieflich mitgetheilt habe, den freundlichen Lesern zur geneigten Beurtheilung vorlegen. In dem genannten Stücke klagt R. Jakob Frances, dass in Folge seines Kampfes gegen Sabbathi Zt-wi grüne Jungen sich über ihn, R. J. P., lustig machen, während früher die bedeutendsten Männer um gelehrte Aufschlüsse sich an ihn, J. F., wandten und zu seinen respectvollsteu Schillern gehörten: כבר הם עוקרים הרים בשכלם בצורים _בקעו להם יאורים Der Budapester Seminar- Professor Dr. Kaufmann, welcher Verbesserungen zn dem fraglichen Gedichte veröffentlichte,״) ging über die citirte Stelle einfach hin« weg. Der Herausgeber der ״hebräischeu Prosodie“ des Immanuel Frances, Herr Heinrich Brody, fägt dem Worte: בצורים bereits ein Fragezeichen ״;?)“ hinzu•). Eine Lösung weiss auch er, Brody, nicht. Es muss aber anstatt בצורים mit .,כ“ gelesen werden: בצורים mit ב״“. Wie ich bereits in meiner Receusion11') tiher I)r. Rosentlial’s ״Zusammenhang der Mischna Theil 1“ nachgewiesen habe, wird in Aboth dr. Nathan"), ln der l’esikta dr. Kahana'2) uud im Tanchuma13) Hiob 28, 9 fl. auch auf die Lehr- und Redaktionsthätigkeit des Rabbi Akiba gedeutet. Bis auf R. Akiba war der gesammte Inhalt der tradionelleu Lehren, Bestimmungen uud Auslegungen anknitpfeud an das Wort der Schrift und der Reihenfolge der Schrifttexte sich aii&chliesend nach der Anzahl der Geuud Verbote in rund 600—700 Teile getheilt. ln jedem Tlieile waren die dazugehörigen Midraschim, Mischuajoth, Halachot und Agadoth bunt durcheinander gemischt, enthalten. Diesem auf die Dauer unhaltbaren Zustande hatte li. Akiba dadurch ein Ende gemacht, dass er ans dei Traditionsmasse die verschiedenen Elemente anssotiderte und unter bestimmten Titeln zusammenordnete. Diesen agadischen Deutungen folgend bezieht auch R. Jakob Frauces Hiob 28, 9,10 auf seine hervorragenden Schüler. Dass er anstatt der Femiualform בצורות die Masculinform בצויים gebraucht, darf nicht auftällen, da auch Immanuel Frances in einem Gedichte, mitgetheilt von Brody 1. 1. Seite 16 anstatt de! biblischen Feminalform תדשנו die Masculinform ידפנו gebraucht Das bezügliche Schlusswort des letztem Verses: הרוח ist in Folge eines Druckfehlers ausgefallen. Um auf das Lecha-Dodi-Lied zurückzukommen, bedarf noch die Bezeichnung des Sabbathes mit dem Titel: 1»8-כלה«, der genauern Erklärung. Raschi meint, es sei einfach ein Kosewort. R. Chanoch S 0 n d e 1 zitirt14) eihe Deutung, wonach die Bezeichnung כלה sich mystisch auf die ״S c 11 e c h i n a“ beziehe. Ich glaube, R. Jauuai reflectirte bei der Bezeichnung des Sabbaths mit •כלה ״Braut“ auf die Deutung des R. Simon b. Jochai13) zu 1 M. 2, 3, bezw. zu 2 M. 20, 8; nach welcher Gott als der Vertreter, der Bote, der שליה der dynamisch präexistireudeu Synagoge der Israeliten den Sabbath gleich nach der Schöpfung den Israeliten antraut. Bei der < )fteubarung am Sinai sagte daher Gott zu den Israeliten, gedenket, dass ich gleich bei der Schöpfung den Sabbath euch augetraut habe, dass ihr daher dem Sabbath nicht untreu werden dürftet. In der Bezeichnung des Sabbaths mit כלה liegt der zwar nicht mystische aber ethische, poetisch schön ausgedrückte Gedanke: Wie der Mann nach den Mühen des Tages an der Seite der fromm ergebenen Gattin!°) Ruhe uud Erholung liudet, so der Jude uach den Plackereien der Wochentage am weihevollen Sabbath; wie d e r E 11 e in a n 11 der an getrauten Ehegattin, so müsse der Israelit dem Sabbath die Treue bewahren. Rabbiner Dr. G 0 1 d f a h n. «) Nicht Jmmauuel Frauces, wie Herr Brody 1. 1. S. 7 irrtümlieh behauptet. ל) Sammelband •lahrg. I, Berlin 1885, Edition des Vereins Mekize Nirdamiu Seite 112• ״) Saimnelband Jahrg. III, 1887, Seite 24. ■') 1 1. Seite 7. I״ (״Literaturblatt■‘ der ״Menorah", 1892 No. 6, S. 36, Anm. (Wie ich aus Bucbhäudleranzeigeu ersehe, hat Dr. Rosenthal bereits den zweiten Teil herausgegeben. Ob er auf meine Bemerkungen rettectirt, weiss ich nicht, deun er hat mir den zweiten Band nicht zugesandt.) ") cap. 6 und 18. >-) ed. Buber, pag. 39 b. :a) cd. Buber .24 § הקת עץ יוסף (״ a. 1. 13) Rabba zu 1. M. 2, 3 cap. 11 § 8; Pesikta rabbathi ed. Friedmann, pag. 117 b (zu 2 M. 20, 18). Die Synagoge der Israliten ist als Manu gedacht uud der Sabbath als Weib, wie aus dem אמרה שבת evident folgt. Friedmann's Bedenken 1. c. Anm. 38 verstehe ich nicht. R. Simon b. Jochai deutet: 1) ויברך M. 2, 3) und 2) ברך M. 20, 11) auf die Segensformel bei den ״Kidduschin“ und: 1) ויקדש M. 2, 3) לקדשו und 2) ויקדשהו M. 20, 8; 11) auf die ״Kidduschin“. '*) In den alten Zeiten wurden die .,Kidduschin“ bei der Verlobnng vollzogen. Auch heisst die junge Ehegattin כלה■ Verantwortl. iledacteur Dr. Rahrner, Magdeburg. Druck Friedrich Rasche & Co., Magdeburg. Verlag Rob. Friese, Leipzig.