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Das jüdische Literaturblatt · 1893-08-04 · N° 32. (4.8.1893) · p. Seite 124

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 32. (4.8.1893)
Date
1893-08-04
Page
Seite 124 (sequence 2)
Language
German
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— 124 unterrichtet; ,.Wie der Adler sein Nest bewacht, über seinen Jungen schwebt, seine Flügel ansbreitet, sie nimmt und auf seinen Schwingen trägt: so trug Gott sein Volk ins Land der Verheissung.“ (Deuter. 32,11.) Wenn auf den muntern Gesang der Vögel nicht angespielt wird, so dienen gagegen ihre traurigen Klagetöne häufig als Symbol für die Wehklagen des Menschengeschlechts So beim Strauss, beim Kranich und bei der Taube. Letztere besonders ist ein Liebling der biblischen Dichter; Israel wird ״Gottes Turteltaube־‘ genannt im Gegensatz zu den Raubvögeln, seinen Feinden. Schlangen sind natürlich das Bild der Gottlosen; ihr Gift bezeichnet deren Sündhaftigkeit. So haben die Feinde des Königlichen Sängers Gift wie das Gift einer Schlange. Jesajah nennt die Schlange in Verbindung mit der Spinn e.*j Ausser dem Vieh, den Vögeln und Schlangen liefern auch die Insekten Material zu Metaphern. Heuschrecken waren di׳e Thiere, welche gewöhnlich als Bild zur Bezeichnung der Schnelligkeit, Zahl und Raubgier der Feinde dienten. Ausser den Heuschrecken und dem Scorpion haben wir noch die Motte als Bild der Zerstörung und Faulniss, den Wurm als Bild der Demut und Verachtung; ferner die Fliege, Schnecke und Biene. Diese letztere findet eine schöne bildliehe Verwendung in Jesajah. Egypten wird hier unter dem Bilde einer Fliege und Assyrien unter dem einer Biene dargestellt, welche Bilder sich zur Bezeichnung dieser Länder besonders eignen. Gehen wir nun zu der leblosen Natur über, so finden wir, dass eine grosse Zasl feststehender oder gebräuchlicher Metaphern den Elementarkräften Feuer, Wasser und Wind entlehnt sind. Mächtige Ströme sind das Bild des Unglücks und der göttlichen Strafe. Das Buch Jesajah zeigt die herrlichsten Beispiele und mannigfachste bildliche Verwendung dieser Gegenstände. Wie scharf ist hier der Contrast angedeutet zwischen den Wassern (des Sil voll bei Jerusalem, welche die Ruhe und die gnädige Gotteswaltung in Folge der Glaubenstreue Israels symbolisiren und den Wassern des stolzen Euphrat, welche als Bild für die assyrischen Kriegsheere dienen. Das Kriegsgeschrei der Feinde wird sehr zutreffend den wild aufbrausenden Wogen verglichen. Die Israel und seinem Gotte feindlieh gesinnten Erdenmächte werden fortwährend unter dem Bilde brausender Wasserfluhten dargestellt. Die unaufhörliche Thränenttuth wird eben so oft einem Wasserstrom verglichen; so in Jeremiah: ״(), das mein Haupt voll Wassers, ein Thrä11en<|uell mein Auge wäre!“ (Kap. 8, V. 23.) (Schluss folgt.) Eine Gemeindeordnung der israelitischen Gemeinde in Prag vom Jahre 1767. Von Rabbiner Dr. א aזhan firtn iu Prag. (Fortsetzung.! § 4. Wenn man einen בר מצות oder התן zum קנם- Mahl oder am Sabbath vor und nach der Hochzeit zur Thora ruft, oder wenn eine Wöchnerin nach dem Wochenbett das erstemal die Synagoge besucht, sollen die Frauen in der Synagoge nicht מזי1 טוב wünschen, da durch die laute Gratulation der Frauen die Andacht *) liier soll jedenfalls auf Jesajah 59, 5 hingewiesen werden, wo צפעוני und אפעה (zwei Schlangenarten) iu Verbindung mit עכביש (Spinne) genannt werden. Letzteres Wort ist ohne Zweifei eine Transposition von עישוב (eine Schlangenart). Raschi übersetzt: עבשוב (t’s. 140, 4) mit araignee — Spinne. Es ist hierbei daran zu denken, dass es im Orient viele gittige Spinnen giebt. C. beim Vorlesen aus der Thora und beim Gebet gestört, wird. Die Frauen, welche מזל טוב wünschen wollen, sollen es auf der Strasse thun oder sich in die Wohnung des zu Beglückwünschenden begeben. Diesem aber ist nicht gestattet, den zur Gratulation in die Wohnung kommenden Frauen Bäckerei oder sonstige süsse Speisen vorzusetzen, bloss Kaffee zu verehren ist erlaubt. § 5. In der Hochzeitswoche darf keine Musik (בלי זמריש) zum Tanzen gehalten werden, ausser Sonntag nachmittag bis neun Uhr abends. Am Chuppah-Tage kann Musik sein, jedoch nicht mehr als vier Personen. Zu dem Hochzeitsniahle nach der Trauung (חופה) kann man ausser den Anverwandten des Brautpaares noch fünfzehn männliche und sechs weibliche Personen einladen. Am Donnerstag oder am Samstag nach der Chuppe soll keine סעודה abgehalten werden, bloss den Eltern des Brautpaares ist es gestattet, am Tage nach der Trauung oder an dem darauffolgenden Sabbath zusammen zu speisen; bei diesem Mahle darf aber keine Musik sein, auch darf kein סרוויר selbst ohne Entgelt bedienen. Bei dem Trauungsmahle darf nur soviel Wein auf die Tafel kommen, dass auf jede Person ein Seidel gerechnet werden soll, Kaffee darf nicht servirt werden. Leistet der בעל סעודה mehr als 100 oder 300 Gulden jährlich als Contribution, so kann er zum Trauungsmahl ausser den Anverwandten, dem חזן und den Aufwärtern zwanzig männliche und zwölf weibliche Personen laden. Er darf beim Mahle Fladen, Gänse, Hühner aufstellen und Wein, soviel er benöthigt, die Tafelmusik darf aber nur von 4 Personen besorgt werden. Wer aber mehr als 600 fl. jährlich beiträgt, ist an diese תקנה nicht gebunden, er hat das Recht, das Mahl nach seinem Belieben zu veranstalten. Jedoch wird מי ־ביראת ה׳ בלבבו auch hier Mass halten, um nicht die Vermögenslosen zu beschämen. (In diesem Paragraphen sind auch genaue Vor- Schriften über das טרק מאהל (Tauchmahl) angeführt; dasselbe durfte im Winter sich nur bis zehn Uhr nachts, im Sommer nur bis Mitternacht hinziehen. Das Tauchmahl wurde am Vorabend des Hochzeitstages abgehalten und entspricht dem jetzt üblichen Hochzeits-Polterabend.) § 6. Bei סעודת ברית מילה soll es also gehalten werden: Wer bis 50 fl. jährlich beiträgt, soll zur סעודה bloss Suppe mit Gänsegekröse aufstellen und zum zweiten Gericht Rind- und Gänsefleisch, aber nicht Kalbfleisch. Er soll keinen Wein zu trinken geben, ausser dem Becher zum Tischgebet. Dem Mohel und dem Sitzer (!בנדר) ist es erlaubt, für ihr eigenes Geld Wein zu trinken, jedoch sind sie nicht befugt, den Tischgenossen zu verehren, ausser dem בעל הברית und der יולדת. Zu diesem Festmahle sollen nicht mehr als zehn männliche Personen geladen werden, Chasen und Aufwärter nicht mitgerechnet. Wer jährlich bis 100 Gulden beiträgt, kann auch Kalbfleisch zum Briss-Milah-Mahl aufstellen. Der über 100 bis 300 fl. zur Contribution Beitragende kann bei diesem Festmahle zwanzig Mannspersonen traktieren, auch das Mahl mit Fladen und Hühner verbessern und jede Person mit einem Seidel Wein versorgen. Dem jährlich über 300 Gulden Contribuirenden steht es frei, 25 Personen mit allerhand Speisen und Wein zu traktieren. Citronen und Orangen sollen bei keiner סעודת מצוד׳ ושמחה aufgestellt werden. Fällt die Briss-Milah auf Freitag oder ערב יוט, darf niemand mehr als fünfzehn Personen einladen, das Festmahl darf an diesem Tage im Winter nur bis zwölf Uhr mittag und im Sommer bis zwei Uhr nachmittag sich hinziehen. Man hat auch zu verordnen befunden, dass fortan auch der Aermste keine Kaffee-^^ machen soll, ausserwenn die מילה auf ערב פסח fällt, steht es frei, eine Kaffee- מילה zu machen.

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