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Das jüdische Literaturblatt · 1893-08-04 · N° 32. (4.8.1893) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 32. (4.8.1893)
Date
1893-08-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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•Ni 33. DäS XXII. iahrg. JüdisdieLiteraturblatt Zur Beleuchtung aller Judenthum und Juden betreffenden litterarischen Ersehe!• nungen auf dem Gebiete der Philosophie. Geschichte. Ethnographie. Theologie. Orientalia. Exegesse. Homiletik, Liturgik, und Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner I)r. Moritz Ra Inner. Magdeburg, den 4. August 1893. Bücher der einichllgigen Litteratur. welche der Redaktion zugesandt werden, Anden in diesem Blatte eingehende Besprechung. Bei Einsendung von zwei Recensions- Exemplaren erfolgt einmalige kurze Gratis• Insertion. Das ,,jüdische Literatur-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipziff hei Robert Friese( pro .Tahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift‘־, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 3 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Literatur-Blatt“ gratis. Inserate werden mit 25 Pf. fiir die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Buchhändler und Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 “/״ Rabatt. Inlxalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Feber biblische Metaphern. Von 0. G. Mantel’io re in'London. — Eine Gomeindeordnung der israelitischen Gemeinde in Prag vom Jahre 1767. Von Rabbiner I)r. Nathan Grün in Prag. (Fortsetzung.) Recensiouen: Achenu attahl Unser Bruder bist Du! Von H. Leszeynski. Besprochen von Pr. Singer-Coblenz. — Literarische Notizen von Dr. Goldtahn. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte Ist nicht gestattet. Ueber biblische Metaphern. Von C. G. Montefiore in London.*) Es ist bekannt, dass absichtlich gebrauchte Gleichnisse und Metaphern hauptsächlich in der Poesie zur Anwendung kommen; aber auch in der Bibel ist dasselbe der Fall. Einige Metaphern des ״Hohen Liedes“ sind höchst angemessen, dabei kühn und zierlich. Hat doch die Verherrlichung der Frauenschönheit und der überwältigende Eindruck, welchen sie hervorruft, wohl nirgends einen erhabenem Ausdruck gefunden, als in den herrlichen Worten: ״Wer ist die, die hervorblickt wie Morgenroth? lieblich wie der Mond, lauter wie die Sonne, furchtbar wie KriegerschaarV“ (Kap. 6, V. 10.) ln den Psalmen wird die metaphorische Redeweise hauptsächlich zur Bezeichnung und Erklärung der vornehmsten religiösen Begriffe angewendet. Göttliche Strafe und Belohnung, Wohlstand und Sünde, bilden die Hebenden Begriffe, welche man durch Metaphern zu erläutern suchte. Von den prophetischen Büchern liefert das Buch J esaj ah bei Weitem die meisten und besten Metaphern. In den Sprüchen Salomonis finden dieselben zur Erläuterung ethischer Begriffe natürlich einen sehr geeigneten Platz; auffallender Weise aber enthält es mit Ausnahme der Kap. 24 bis 27 deren nur wenige. Unter der grossen Anzahl Metaphern im Buche Job sind viele der überraschendsten, künstlichsten und poetischsten der ganzen Bibel. Die Bibel hat verhältnismässig nur wenige vollständig ausgeführte Gleichnisse. Dies ist dem Umstande zuzuschreiben, lass Gleichnisse nicht zur Ausschmückung, sondern zur Beleuchtung eines Begriffes dienen. Um für diese Kürze zu entschädigen, finden wir oft eine Anzahl kurzer gehaltreicher Gleichnisse in unmittelbarer Aufeinanderfolge zur Beleuchtung ein und desselben Gedankens. 80 lesen wir z. B. in Hosea, wo der Prophet verkündet, dass die Sünder unter seinem Volke im Gerichte unterliegen werden; ״Darum sollen sie der Morgenwolke gleichen, dem Tliau, der in der Frühe schon verschwindet, wie Spreu aus •) Uebersetzt aus «lern Englischen von L. Cohen-Rees. der Tenne zerstiebt, wie aus der Luke wallender Rauch.“ (Kap. 13, V. 3.) Wie bei Homer sind auch in der Bibel subjektive Erzeugnisse der Einbildungskraft äusserst selten. (Jebb’s Homer.) Das Leben in der Stadt gab den Verfassern der Bibel wenig Veranlassung zum Gebrauch von Metaphern. Die meiste Veranlassung bot die freie Natur, die belebt* und unbelebte Welt, sowie auch das Land- und Hirtenleben. Von den wilden Thiere nimmt der Löwe den ersten Platz ein. Dieser war entweder das Sinnbild unwiderstehlicher Feindseligkeit oder das des Stolzes nur der furchtlosen Zuversicht. So werden Israels Feinde oft einem Löwen verglichen und ihr Kriegsgeschrei seinem mächtigen Gebrüll. Von ״Aschur“ heisst es in Jesajah: ״Sein Schreien ist wie das des Löwen.“ (Kap. 5, V. 29.) Selbst Gott wird einem Löwen verglichen und zwar ebensowohl im Sinne eines Feindes Israels (Hosea 5,14), als in dem seines Be- Schützers. (Ibid. 11,10.) Von einem andern Gesichtspunkt aus wird Israel oder seine Fürsten dem Löwen verglichen. In Jakobs Segen (Genesis 49, 9) gleicht Jehudah einem Löwen, so wie Dan und Gad in dem Segen Mose’s. (Denter. 33, 20 und 22.) In Bileams Gleichnisrede ist Israel der hingetsreckte Löwe, den Niemand aufscheuchen kann wider ־ seinen Willen (Num. 24,9.) Wenden wir uns nun zu den Hausthieren, so finden wir den Stier als bildliche Darstellung für ״Feind“. So 1m Liede Mose’s: ״Jeschurun ward fett und schlug aus“. (Deuter. 32,15.) Das Pferd wird wird nur selten als bildliche Darstellung gebraucht. Dies ist auch ganz natürlich, da wir nur das Rindvieh und nicht das Pferd zum Ackerbau benutzt sehen, während die Reiterei mehr bei der Kriegsführung fremder als eingeborener Nationen in Anwendung kam. Die ungestüme Eile, mit welcher das Volk Jerusalems auf dem Wege des Lasters fortschreitet, vergleicht Jeremiah dem ins Schlachtgewühl stürzenden Streitrosse. Das der Hund nur als Bild der Feindseligkeit, des Schimpfes oder der Verachtung in der Bibel vorkommt, scheint uns Abendländern auffallend. Die Gewohnheiten der Vögel bieten reichliches Material zu bildlichen Darstellungen, obschon auf ihren Gesang nur selten angespielt wird. Sehr häutig wird auf ihre Gefangennehmung durch des Vogelstellers Schlinge Bezug genommen, welche neben dem Netze als regelmässige und stehende Metaphern für verborgene Gefahr und geheimen Ueberfall dient. Sehr wirkungsvoll ist im Liede Mose’s das Bild von dem Adler, welcher seine Jungen im Fliegen

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