Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 26. (23.6.1893)
- Date
- 1893-06-23
- Page
- Seite 100 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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101) — wollt(־, einem 1 ba.-sid die Ueberzi-ugmig beiziiliritigen, das> M1»es doeli iiocli ״rössde Vereiirim׳״ als R. Nachman verdiene. Ein frommer Glassid stellt ihn iinbedingt Indier als Moses und. wie sie meinen, hei den Berathung111־ des ..l-'amalja schel Maaloh1 ״ Himmlischer Gerichtshof) sei seine Ansicht sicherlich die allein aussrlihi siebende. Da er die Unmöglichkeit einsah. ein moderner Keformator/.u werden, wurde er ein reaktionärer Reformator, und wenn er irgend eine anerkannte Lehre, die ihm unbe1|1iem war, aus der Welt zu schatten versuchte, so lieferte er gleich als Ersatz eineu ganzen Stoss zurechtgestutzter und auch selbsterfundener Keligionssätze, die. weil plumper und mehr dem gemeinen Verstand des Yo ke> zugänglich, auch besser verdaut wurden. Im folgenden Satz ist sein ganzes Programm enthallen, d׳ nt er trotz vieler Anfeindungen mit zäher Ausdatier Leitung zu verschaffen wusste. ״Der Baal schein tow“,!d. i. der erste Begründer des rhassidäischen Rabbistandes 1 - schreibt er in seiner ״Selbstbiographie“ — ..sowie viele unser heiligen Vorganger erliessen allerlei Verordnungen, die nach ihrem Tode jede Wirkung verloren. Das Licht, das sie verbreiteten, leuchtete nur einer einzigen Generation. Wir aber wollen ein System gründen, dns ewigen Bestand haben soll, und das unseren Ideen den hohen Rang verschärten soll, der ihnen gebührt.״ Bei Beginn seiner Thatigkeit noch etwas schüchtern, suchte er sein eigenes Ich hinter das bescheidenere ״wir־ zu verstecken, wir werden aber in der Folge sehen, wie er später in seinen Schriften diese bescheidene Ausdrucksweise bald aufgiebt und durch seine, glänzenden Erfolge kühn gemacht, nur seine eigene Person in den Voidergrund drängt, und sich dabei in wahrhaft anekelnder WVise eifrig Weihrauch streut. S un erstes Debüt, als er mit diesem Programm hervortrat, verwandelte im Nu alle seine Mitrabbi's. die in ihm schon den einstigen lleiligeu ahnen mochten, der sie alle in den Schatten stellen würde, zu seinen ärgsten Gegnern. Sie, die nur dadurch ihr Ansehen unter dem gemeinen Volke zu erhalten vermeinten, indem sie eifrig bestrebt waren, ihren Vorgänger, den Begründer des Chassidismus, den Baal schein tow als unfehlbaren .,Zadik״ hinzustellen, dessen Mission sie als seine Nachfolger übernommen hatten, sahen urplötzlich mit Entsetzen, wie ein eben entstandener Neuling allerlei an dei Unfehlbarkeit ihres ehassidäischen Papstes herumzumaekeln wagt, eine Angritfsmethode, die, wie sie fürchteten, auch seine Stellvertreter auf Erden stark in Mitleidenschaft ziehen musste. Die Thoren! Liitten Sie geahnt, welche Verdienste er sich um ihre Sache erwerben und wie viel er beitragen werde, das alte chassidäische Wappenschild durch die unverfrorenste Erfindung vieler Wundergeschichten, von ihm selbst oder von seinen Standesgenossen erlebt, sie wären die Ersten gewesen, die ihn auf das Piedestal gestellt hätten, von dem der gute Baal schein herabpurzelte.!Mit der Zeit schienen sie auch zu diesem Standpunkt durchzudringen, sie boten sich alle die Hand zur Versöhnung und nur einer, genannt der ,,Alte von Spola״. gab bis an sein Lebensende die drohende feindselige Haltuuggegendieses ,,neue Licht“ nicht auf. (Fortsetzung folgt.ן DerGaon von Wilna als talmudischer Forscher. Von Dr. S. Naschfer. (Schluss). XII. Auch iu!len comnientatorischea Bemerkuugen verfährt R. Elia Wilua wie bei den halachiacheu Entscheidungen; indem er auch hier überwiegend die Ansichten anderer Autoren als Stützpuukte seiner Erörterungen benutzt. Auch dieses möge an» den Beispielen erhellen, in denen neben Parallelen auf die Cominentatoren und (.'oditicatoren hingewiesen wird. Raba kaum 74b Parallele aus dem palästinensischen Talmud Ketuboth 3,1. Sabbath 77a uud «Sa finde u sich Text-f’aralleleu. Baba ■uezia 63a wird zur Erklärung Rasclii's die Ansicht des Maiiuonide» und des Choscheu Mischpat HW und 204 angeführt Daselbst 67b desgleichen N'achmauides nnd Adereth. Baba kama 2la wird der Talmud erklärt luitTossafotli 101. Baba mezia 28b wird im Hinblick auf Itasihi. welcher bemerkt, ״dass grosse Giinse und Hübner viel essen“ hervorgeb״ben, dass Maimonides der gegeutheiiigen Ansicht sei. dassie wenig essen. Daselbst 21 •b wird angeführt, dass Maimonides sich im Gegensätze zur Anschauung des Talmuds befindet iu Sachen der Vorlesuug ans der Thora und bezüglich der wollenen und leineuen Gewänder. Megilla Ta wird iu Bezug auf das Ruch Kulteleth. dass es für die Lektüre nicht untersagt ist. auf die Toseptha .ladaiu. 2 hingewiesen. Baba mezia 87a wird zur Erklärung des talmudischen Terminus ב־נ־הם;':w: Maimonides angeführt: man verstehe unter dieser talmudischen Bezeichnung die Hälfte des Durchsclmitts&tzes mit Ausschluss des Meist- und Mindest-Satzes der Miethtt. XIII. Mit den Comment.irungen de» R. Elia Wilna wird auch nicht seiten die Beantwortung dialektisch-kasuistischer Fragen verbunden. Durch die veränderte Leseart Sebaehim 74a 1 Auslassung zweier Worte) lösen sich alle Schwierigkeiten hei den einschlägigen 'l'ossafotli Aus Erklärungen Itaschi’s 1 z. B. Mikwaoth n. ö, Temnra 9a werden die Fragen der Tosafotk Sabbath fi'!a und Temura :1. a.n. heantwortet. Sotah 26a wird die von Tosafoth aufgeworfene Frage durch den Hinweis auf die Knirteruiig im (.'ommentar Sajis raanon zu .lalk.1t 2öl» erledigt. XIV. Nicht weniger als dit־ talmudisch-kritisrhen w•!- dienen die sprachlichen und lexikalischen Erklärungen des R. Elia Wilna Beachtung, 7. B. Kelim 88h wird für עז־ה Gamachi gemäss der Leseart der Tosephta עזרא (das Buch Esra) gelesen und interpretirt. Negaiin B9b wird das Wort. גרבזגי mit ״einem germanischen Volksstamme von weisser Karbe“ übersetzt. (So übersetzt auch Musutia im Aruch s. v. 1 Baba mezia 2i>a wird mit Maimonides דשחיך gelesen und ״rosten“ übersetzt. Sabbath 147a wird mit. Maimonides das Wort רסנים mit ״ הרציםLäufer1‘ übersetzt. Sabbath 147b wird das Wort סנינוהא erklärt t'iii ein ״kleines Tuch“, welches Kopf und Körper nicht ganzlieh deckt. Nedarim 53b wird אספרגו׳ (drsjuxpxy'.;) mit. ,.Spargelאשישים ,‘־ mit ״Linsen-Kuchen“ dem palüstinensischen Talmud gemäss übersetzt. Baba mezia 891» המרבסוח leitet Maimonides von הרבסיב (Jesaj. II, 40, 4) ab und übersetzt cs mit ,.l'mwege“. Das. 76b wird רפיקא mit ״Graben“ übersetzt zur Bewässerung des Bodens. Baba Mezia 89b wird איגנתא im Sinne von Alfasi mit ״ .סוגיBollwerk, und דולא nach Rasclii mit ר“י ״Eimer“ und nach Maimonides mit קררום Axt. Baba Kama 33b wird in Bezug auf das Wort לרדיא im Namen von Maimonides und R. Samuel b. Meir übersetzt לחרוש נו, ,,' ' zu ackern “ Baba mezia 113a מחרישה. Rasclii und Jacob b. Ascher übersetzen ״Akergeräth“, Tosafoth, Maimonides Nachmanides und Salomo b. Adereth ״Bad egesc hin׳•‘. XV. R. Elia Wilna versteht in seine Erklärungen auch allgemein wissenschaftliche, insbesondere geographisch-historische Momente einzuflechten, welche er theils durch Commentirung und Auszug, theils und zumeist aber aut dem Wege der Berichtigung von Lesearten zu verwerthen weiss. Folgende Beispiele mögen das Gesagte beweisen: Baba Kama 59a wird in Bezug auf die Trauergebrauche der Juden erzählt, dass diese immer schwarze Schuhe trugen und Nichtjuden rothe Schuhe zu tragen pflegten. Megilla 1 la wird im Talmud-Texte פרסיים durch ו״מיים verbessert. ״Ich werde meinen Bund mit Israel nicht brechen, auch nicht in der Zeit der Römer“, in welcher er für das israelitische Volk die Lehrstätte der Weisen entstehen liess. Megilla 14a wird die Uhrouik