Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 25. (16.6.1893)
- Date
- 1893-06-16
- Page
- Seite 97 (sequence 3)
- Language
- German
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— 1)7 l'uistamlfcs von Bedeutung sein, wann und wo die verschiedenen Gottesnamen gebraucht werden. Darüber an anderer Stelle. Für heilt soll uns eine kleine Untersuchung über die mehrfache Bedeutung von יה beschäftigen, soweit es sich in ״Compositionen“ oder Weiterbildungen findet. Die Wiedergabe einer tal saudischen Diskussion über diese Frage möge unsere Erörterung einleiten, Wir lesen im babylon. Talmud Pesachim 117a (ob.): ״Es lehrte Rah Dhisda im Namen R. Jochanans: הללויה כפיה und ידידיה bilden Ein Wort. — Rah lehrte: כפיה und מרחביה. — Raba: מרחביה allein. — Darauf fragte man im Lehrhause: Wie steht es mit מרחביה nach Rab ChisdaV Es blieb unentschieden. — Wie mit ידידיה nach Rab? Das lässt sich daraus beantworten, dass Rab ausdrücklich erklärte: ידידיה ist in zwei Worte zu zerlegen; daher ist ידיד ein gewöhnliches, יה ein heiliges Wort (d. h. Gottesname'). — Wie steht es mit הללויה nach Rah? Auch hierfür theilte dieser mit, er habe in einem Psalmbuch seines Oheims הללו auf einer und יה auf der andern Zeile resp. Spalte gesehen; (es war also in zwei Wortengeschrieben) . . .“ Vorstehende philologische Diskussion, deren ausführliche Behandlung noch bei Lippmann Heller (תוי־ט zu Sukkah IV, 5) einzusehen ist, ergiebt somit zunächst, dass בפיה und מרחביה in einem, הללויה und ידידיה in zwei Worten zu schreiben seien; die masoretische Praxis aber hat das Gegenteil angeordnet. Jedenfalls darf und muss man sicli doch eigentlich auch mit der Auffassung ablinden, nach welcher (im Ganzen genommen) alle vier Worte als Eines gelesen werden sollen. Es läge nun nahe, in diesen scheinbaren Nominalbildungen einfach feminine Formen zu sehen, wie dies ja zumeist behauptet worden ist. Wir werden jedoch durch eine andere hierhergehürige Form zu einer anderen Annahme geführt, die wir hiermit einer kritischen Prüfung unterbreiten. Es ist dies das Ex. 15, 2 und Ps. 11«, 14 verkommende Oitat: עזי וזמרת יה. Nicht nur, dass man bei dem, עזי parallelen וזמרת das Suffix der 1. Pers. vermisst (vgl. Targ. Onk. und Raschi z. St.); es fällt aiicli bei dem hierherzuziehenden עזי וזמרת יה יהד (Jes. 12,2) die Häufung der Gottesnamen auf. Schon Böttcher (ausführl. Lhb. d. hehr. Spr. § 414,5) schreibt, wie ich sah, וזמרתיה in Einem Worte1). Man thut hier offenbar gut, wenn man von den Versionen an dieser Stelle absieht, da z. B. LXX an sämmtlichen drei Stellen die Uebersetzung ändert und die selbstständige Einflechtung eines Suffixes nahelag. Auch die Annahme Hupfeld’s zu Ps. 16, (5 und Ewald’s § 319b, der sich auch Dillmann zu Ex. 15, 2 zuneigt, dass וזמרת verkürzt sei aus וזמרתי, ist unbewiesen. Ein Einblick in Stade’s Grammatik (§ 179a Anm. 1) machte mich darauf aufmerksam, dass sowohl das Pronomen אני, wie das Suffix der 2. Pers., früher durch die Deutewurzel ״ha“ weitergebildet war, wobei in der Verbindung mit dem י des Suffix das ה verschwand und das a durch ה ausgedrückt wurde. (Vielleicht ist gar וזמרתיה |w’sim1־atihaj zu lesen; derVocativ kommt dann besser zum Ausdruck)2). Was liegt also näher, als auch für unser וזמרתיה anzunehmen, dass in der zu וזמרת gehörigen Silbe יה das vermisste Suffix der *) Id sein«1״ ׳Aehrenle.se“ zu Ex. IS, 2 giebt er jedoch an, dass das י am Ende von וזמרת wegen des mit einem Jod beginnenden nächsten Wortes (יה) ausgefallen sei. ׳־) Es sei auf das in älterer Zeit auslautende ה in 1 עמכה Sam• 1, 26; אוהכת Ex. 29, 35: 2 עשיתה Sam. 26, 10; ישועתה Ps. 3, 3 u. a• hingewiesen. Andere auf ה ausgehende Bildungen wie ,עירה ,שילה סותה Gen. 49, 10 f. u. a., מלוכה Jud. 9, 8 und dergl. sind ja genttgend erklärt, ebenso wie die Sing.-Formen שפנה Dt. 2i,7: והיה Num. 34, 4. Jos. l.4 ,<״ u, a. Zu beachten ist noch ,■יקרהו Lev. 21, 5. 1. Pers. enthalten und demnach zu übersetzen sei: ,.mein Jubel(liedV) und mein Saitenspiel!“ Das f'itat in Jes. 12,2 ist alsdann weit correcter. Gehen wir nunmehr zu בפיה Ex. 17, 16 über. Um einer ohnehin unbegründeten Conjectur גם יה (so auch in Si e gfri e d-Stade's neuem Lexikon) eie Spitze abzubrechen, bemerken wir, dass die Benennung, welch« Moscheh V. 15 giebt, nicht auf den von ihm erbauten Altar, sondem auf Gott zu beziehen ist. (Darauf weist wohl auch das Pasei! nach dem Tetragramm hin). Darnach wäre V. 15 zu übersetzen: ״Und Moscheh baute einen Altar und nannte den Namen Ihvh’s: Mein Panier (oder: Zuflucht)!“ Die Stat.-constr.-Form שמו — denn nur eine solche liegt hier vor — lässt sich durch Num. 24, 3. 15 (״ בנו בעורSohn des B.“), ib. 23, 18. Ps. 114, 8 (״ מעינו מיםQuelle des Wassers“) und das Gen. 1, 24 ff. verkommende חיתו ארץ (vgl.חיתו שדי Psalm 104, 11, was bei Stade § 344 c zu ergänzen ist); vgl. Olshausen, Lhb. d. hehr. Sprache. § 123 e (S. 236), wo Num. 23, 18 fehlt belegen. — Was בם bedeutet, ist nicht genügend festgestellt. Eine Versehmelzung des א von בפא bei Anfügung des längeren Suffixes יה wäre denkbar. Auch der Midrasch nimmt es als Verstümmelung von בפא; ebenso יה als Teil des Tetragrarnms2). Doch mit Nichten! Ich erinnere daran, dass längst festgestellt worden, dass sich in den poetischen, in gehobener Sprache vorgetragenen Sätzen nicht selten Araniaismen finden. Darf man darum nicht auch im Stammwort בם die Bedeutung des aramäischen בום ״schneiden, s chlachten“ (syr.נכס) wiederfinden, dessen Weiterbildung wir in den hebr. Verben בפח und כפם begegnen? Dann ist aber בם nichts An der es, als eine poetische Uebertragung des prosaischen מזבח, den Moscheh erbaut hat, und an den er jetzt seine Hand zum Schwure der Uebernahme ewiger Kampfesführung gegen Amalek legt, indem er (Moscheh) ausruft (v. 16); ״Fürwahr, die Hand an meinen (d. h. den von mir erbauten) Altar! Einen Kampf gilt es, dem Ewigen zu Ehren, mit Amalek von Geschlecht zu Geschlecht!“2) Wir wollen hier noch das eine Facit unserer Untersiichung feststellen; 1111 Pentateuch sowie in den übrigen historischen Stücken des A. T, kommt der verkürzte Gottesname יה nicht vor! '1 Der Streit über die Bedeutung des עזי (Ex. 15,2) lässt sich vielleicht durch einen Hinweis auf Targum Unkelos zu Gen. 47, 22 lösen. Dort wird das Wort חק (gewöhnlich ״Gesetz, Abgemessenes“) durch חלקא (hebr. ״ הלקTheil“) paraphrasirt, während ib. v. 26 für חק die l'ebersetzung ״ גזיראGesetz“ gebraucht wird. Vgl. auch das talmud. ואם תאמר מה אניח לכני חוק (Erub. 54a). — Im Aram. und Aethiop. ist חלק gew. in (חקל(א transponirt. Vielleicht ist demnach auch im Hebr. ״ חקGesetz“ (St. חקק) vou dem aus חלק (pass. Guttural-Form) contrahirten ״ חקTeil״ zu unterscheiden und, analog עז (von ״ (עזזStärke“, von einem aus ע“ז zusammengezogeuen ״ עזJubel, Jubellied“. Diese Bedeutung würde Ex. lfi. 2 zu dem folgenden וזמרתיה passen. — Vgl. noch die Midrasch-Erklärung des Namens 1פוטיאי durch 8) שפלטו אל מע״ז. meinen Aufsatz: die Namen Jethro’s, im ״Jüd.Litbl.“ 1892, Nr. 52, 201 bi. Es sei noch darauf bingewiesen, dass das Stammw. zu ״ ה^קglatt״ in den Hieroglyphen chaqu ״scheeren, glätten“ lautet (Zeitsohr. f. ägypt. Spr. u. Alterth. 1881 S. 40). Auch sonst bietet das Targ. mehrfach diesbez. Aufklärungen, dass der eine der Doppelkonsonanten bei ע״ע in ein ל übergeht; z. B. Ex. 14, 3 wo נבונים, neuhebr. מעורב(ב)ין durch מעורב-ין wiedergegeben wird. Vgl. z. B. auch Ex. 12, 37, wo טף durch מפלא paraphrasirt wird. י) Vgl. die Notiz in Theol. Littzg. 1889, 196 über יהיה al* andere Fora für יחו (wohl nach Jes. 38. 12; so Siegfri ed-Stade׳ Lexicon s. v. יה. Vielleicht bedeutet das doppelte יה, vgl. ib. v. 19, hier und Ps. 113. 5. ״ קראתי יהach', wehe!“ — Vgl. hinsichtlich eines Gottesthrones noch 1 Chron. 29, 23. Unter dem ״Throne•* wäre gleichfalls der von Moscheh erbaute A 11 a r zu verstehen. :1) Vgl. übrigens auch Weismaun im,. JBd. Ltbl." 1881. S. 112 unter Hinweis auf Ps. 81, 4. Spr. 7, 20 (8״chlachttag•‘1.