Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 24. (9.6.1893)
- Date
- 1893-06-09
- Page
- Seite 92 (sequence 2)
- Language
- German
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— 92 — ist (las die mächtig(.• Warte der l'eberzeugung und der I Liebe, mittelst der er — in Anlehnung an ein biblisches | Wort (Sacharins IV, (V — das Reich Gottes aut' Erden j gründen will V; Muss doch der Verf. zugestehen, dass die — also ן nicht unmögliche — ״Liebe“ eines Juden mit der eiue> : Christen gleichwertig sei, ja ״selbst die eines Buddhisten und eines Moslem“, wie er einschränkend hinzugefügt. Auch die Wertleguug auf das Sittliche spricht er der jüdischen Religion nicht ab, aber ,.Christus hat allein gelehrt, dass der frommt-!Mensch unmittelbaren Zutritt zum Herzen Gottes hat. unvermittelt durch ein Kultusgesetz oder irgend eine Priesterschaft.“ Dieser Satz vemith Cnkenntniss der Knlturveihältnisse des Judenthnnis, in welchem es nur Lehrer und Gelehrte, niemals aber Pfaffen gab, welche irgendwelche Macht über die Gewissen hatten, oder solche beanspruchten. Auch auf politischem Gebiete begaben sie sich jeden Kiufhisses. und es war bereits der Anfang des politischen Niederganges, als das Hohepriesterthum bei fremden Machthabern käuflich war, und die Inhaber dieser Würde sich anderweitig schadlos hielten. Dem Pfatfenthum ■ resp. der Priesterschaft war durch Frbliclikeit dieses ׳ Standes in einem Stamme vorgebeugt, wodurch diese Stellung von den Gegenständen des Flirgeizes ausgeschieden wurde: auch die Thätigkeii des Priesters war eine rein dienende, er hatte nur die Opfer, deren jedesmalige Verpflichtung 'licht von ihnen ausging, sondem in der Id. Sehr. Jedermann bekannt gegeben wurde, nach Vorschrift darzubringen. und war beziiglieh seines Lebensunterhaltes auf den freien Willen des Volkes angewiesen, dessen Gunst durch den geringsten Anflug von Herrschsucht wohl nicht zu gewinnen war. So lange Verf. nicht, wie er zugestandenermassen will, das Christenthum von Dogmatismus und ״englierzigem Konfessionalismus“ betreit hat. sollte er die dogmenfreien •luden unbehelligt lassen, wenn er sie nicht■ .für Vieles, was Fgidy verlangt, /.um Vorbild nehmen will, was ich ihm bei seinen Vorurteilen allerdings nicht zumute. Sc! z. B. könnte er vom •liidentliume den l'ni- Versalismus des Religionsgedankens lernen, dessen er das ('hristenthum entkleiden will. Wohin zielt denn sein Bestreben anders, als darauf, eine neue christliche! Sekte zu den bereits vorhandenen zu schatten und unter 1 dem Namen ..christlich-deutsche Kirche“ beizugesellen. Ausserhalb Deutschlands mögen dann die alten Zustände weiterbleiben, die verschiedenen Konfessionen sich weiter befehden, wenn nur s e i n e häusliche Ruhe nicht■ gestört wird — ist das nicht ״engherziger Konfessionalismus“? Kreilieh wird daun wohl die deutsch-christliche Kirche Sendboten ausschicken. um die Ghristeu anderer Länder, wenn auch nicht zum Deiitschthnm. so doch zum — ('hristenthum zu bekehren. Dann kann der alte Tanz wieder losgehen, so ein aufgewärmter dreissigjähriger Krieg in unverschlechterter Auflage, welcher bei dem von jeher bewiesenen zelotischen Fiter von Glaubensapiisteiu unvermeidlich ist. Soll aber die neue Religion innerhalb der schwarz-weiss-mthen Grenz- ])fühle sich oiuschliessen. dann hat sie keine Berechtigütig und keine Zukunft, denn der blödeste Mensch wird bald dahinter kommen, einzusehen, auf welch schwachen liissen eine Religion sich hinschleppt, welche nicht im Stande ist. von Deutschland Dis nach Frankreich etwa zu marschiren. Fs muss ja anders werden, das sei zugestanden, und wenn das Volk nicht mehr glauben will, dass Gott j die'Welt in b Tagen erschaffen hat — das jüdische ן Volk wurde schon vor 2000 Jahren von den vielgeschmähten Fehrern des unverstandenen Talmuds belehrt. I dass die Dauer der Schöpfungstage sich in Aeoneu ausdehnte —, dann mögen Berufene es in Kur nehmen; aber beim planlosen Pkilosophiren über neue Religionsformen, die man durch Konzessionen an ererbten Hass und eingeimpfte Vorurteile pikant zu machen sucht, kommt nichts heraus. Fs wird dabei viel Zeit verschwendet, die zweckdienlicher auszunützen wäre, indem man die Menschen einander durch Liebe näherte. Jeden- \ falls machen w i r diesen Ringeltanz um eine fata morgana. für den auch der Katholizismus nicht zu haben sein wird, n i c h t mit ’. Zur modernen Pentateuchkritik. Von if. K ön igshcrg׳!■r. X. Fragt mau aber, warum im Deut, und beim Pessaeltfeste, nicht aber (wie in Lev. und Num. nur> beim Laubhüttenfeste ein עצרת angegeben ist. so dürfte es damit folgendes Bewandtnis haben : Das Pessachfest■ galt den Israeliten anfangs — auch im zweiten Jahre nach dem Auszuge aus Aegypten wird (Num.!י) nur dieses erwähnt — als a 11 e i 11 i g e s Fest und bezweckte die Krinnerung an die feierliche Frhebung Israels zur Nation. Im Kaufe der langjährigen Wüsten Wanderung stellte sich nun auch für andere Zeiten des Jahres da> religiöse Bedürfniss heraus, sich Gott in dankbarer Gesinnung zu nähern, und wenn auch Israel bis zum FJntritt in das von ihm zu bewohnende Land (nach Ex. 16,Jö) den Ackerbau in der Wüste vernachlässigen musste und sich vom Manna nährte, so ergab sich doch ohne Zweifel alsbald nach der Froberung des <> s tjorda nlaudes die Notliweudigkeit. die Ivaudwirthschaft zu pflegen und sich nach dem Ertrag־ des Bodens umzusehen. Seit dieser Zeit datireu auch wohl die religiösen Dankesfeste, welche das Volk, durch die Erfolge des Ackerbaues gedrängt oder in Erwartung derselben, seinem Gotte zu Ehren beging. Ihre gesetzliche Regelung nahm daher wohl Moscheh zum ersten .Male vor. als er (im Deut.! dem Volke mit dem Rückblick auf seine Geschichte nicht nur die ihm von Ilivli diclirten (Jesetze, sondern auch die religiösen Feste einschärfte und fixirte. Dann erst wurden wohl auch in Dev. und Num. die Vorschritten für die übrigen Feste (ausser Pessach) eiligetragen und es verschob sich der 1ז־עצרת^. Galt er anfangs nur für das alleinstehende Pessach. so wurde er jetzt Schlussfest für den ganzen Festcyclus des Jahres. Weil cs aber angebracht erschien, das mehrtägige Sukkothfest ebenso lange dauern zu lassen, als das Pessachfest, musste ein besonderer achter Tag den Beschluss des t'yclus bilden ). Das ,.Wochenfest“ hing somit in der Timt mit der Landwirthschaft zusammen und hat seinen Zusammenhang mit der Gesetzgebung auf dem Sinai, die ja auch im X. T. nirgends erwähnt wird, erst sehr spät erhalten**'1. Was nun also den eigentlichen Charakter de> Pessachfestes anlangt, so kann ich mich mit den besonders in diesem Kapitel sonst trefflichen Ausführungen d. Verf. nicht befreunden. Wir müssen, wie ich gezeigt zu *l Da er gewissennasse״ die nochmalige einheitliche Zu-amm!'״- tässuug aller Feste hedeatet, tragen auch die für ihn erlassenen Opfervurachrifteu eiu ״einheitliches״ Gepräge. — (Die Vermehrung der Upferatücke am l.auhhttttenfegte hängt vielleicht damit zusammen, dass das Volk nach der glücklich vollendeten Ernte in der l.age war, reichliche Spenden darzubringen: א״ט ננל־.נ־, •דו• Vgl. meine Erklärung im Jlid. Litbl. 189g, Xr. 43.) **) Man vergl. Jl. Megillah 3,5. wonach am ,.Woclienfeste״ (r-sy) Dt. 16.9 ff verlesen werden sollte, mit Tos. ib 4,5 Ende ivgl ier. ib. 3,7 |74b|). wo eine zweite Ansicht (או׳יים) für die Verlegung von Ey. 19.<20 eintritt. Zu beachten ist noch die Ansetzun!׳ von צי.'נ"; נ״ •דבעה\~ für das .,Wochenfest•‘ (C'hagig. 17a.,