Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 24. (9.6.1893)
- Date
- 1893-06-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 24 Das XXII. Jahrg .kT 21k Beleuchtung alltr Juffenthum und luden betreffenden litterarischen Ersehe!• nungen aut dem GeMete der Philosophie, teeehichte, Ethnographie. Theologie. Orlen♦ talia. Exegesse. Homiletik. Liturgik, und Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Di*. Moritz ilahiner. Magdeburg, den 9. Juni 1893. Bücher der einschllgigen Utteratur, weiche der Redaktion zugesandt werden, finden in diesem Btatte eingehende Besprechung. Bei Einsendung von zwei Recensions• Exemplaren erfolgt einmalige kurze Gratis •Insertion. Das ,.Jüdische Mteratnr-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen ,i״ Leipzigbei Robert Kries«•' 1,ן o•Iahrgang 8 Mark. Abonnenten der .,Israelitischen Wochenschrift.‘-, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Bmlihanilliingen 3 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische I,iteratur-Blatt“ gratis. Inserate werden mit 25 l'f. für die gespaltene Perir/.eile. Beilagen mit 20 Mark berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Buchhändler und Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 ״/,, Rabatt. IXilia.lt: \V issensch atrliclie Aufsätze: Ein einiges (Ihmtenthuni und eine einige chrisrlii-h-deutsehe Kirche von Ilr. Wed»l igen. Besjiro-hen von Dr. Singer-Coblenz. -- Zur modernen Pentar.'ncliUi-it k. X. Yimltr. B. Kiinigsherger-Breslau. —Wie Kaiser Max ungeduldige talaubiger hehamhdte. Von S. Schweinburg-Kibe nschitz in Wien. I, i t e r at 11 rb er i «• h t. Re eens io neu: The •lewisli »Quarterty Review, eilited In J. Abrahamsand »'. (!. Montcfiore. 1.011don. April-Heft Literarische Notiz. Anfrage. ־ Anzeigen. Unbefu!ter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet. ..Ein einiges ('hvistentlmm und eine einige (,hristlich-deutsclie Kirche”.*) Besprochen von Dr. Singer-Koblenz. Ks wäre »loch endlich an »lcr Zeit, Herrn v. Kgnly darüber zu interpelliren. ob es sein Wille und in seinem Sinne ist. wenn die Anhänger seiner christlichen Auffassung 1) seine Leine mit den Bestrebungen der ״(je- Seilschaft für ethische Kultur“ identitiziren, und 2) gleich den ersten Kreuzfahrern ihre ersten Lorbeeren bei wehrlosen ,Juden sich holen und sie von oben herab mit der Devise: ״Vogel friss oder stirb-‘ behandeln. Ad 1) wäre nachzuweisen, wo denn das tertinm comparationis zwischen dem dogmenlosen aber gläubigen Christen Kgidy und der religionslosen ethischen Gesellschaft zu linden sei. Ad 2) ist es von Wichtigkeit, klar zu stellen, ob wir es.mit einer Lehre zu tlnm haben, welche einen grundsätzlich feindlichen ,־Standpunkt uns gegenüber »*inzunehinen für gut lindet — in welchem Kalle uns eine Kampfes- oder Gewehr bei Kuss-Stellung angemessen schiene — oder ob wir zu einer ehrlichen. Wissenschaftliehen Auseinandersetzung in die Arena gefordert wer- »len, die wir nicht zu scheuen brauchen. Herrn Dr. Weddigen's Schrift atlimet «»!schliesslich Kampfgelüste gegen »las .Indemlmm. und er ist vom (feist»; Kgidy's inspirirt in Schrift und Wort, im Geiste und im Herzen! Ich wage es zu bezweifeln, ob er trotz seines guten Willens Herrn v. K. mit seinem ..Mahnruf1־ einen grossen Dienst erwiesen hat, weil sein Kil'er ihn zu weit führt Mit dem Judentlium aber gellt er sehr ungnädig um, trotzdem das Wort und der Sinn des von ihm viel gebrauchten \\ »»rtes ״cinistlich“—messianischdoch jüdisch ist. Die gerechte Behandlung, die er für jeden Soldateil verlangt, lässt er den Juden gegenüber schmerzlieh vermissen. ״Wir hvangeliseheii befehden keinen um seines Glaubens willen•‘ — ruft, er pathetisch dem ' \ Kin Mahnruf au alle I>euls011en vmi Dr. »ittn Wohligen, »ilierlehier u. D. ,Berlin. Verlag vou -Max Rüger.) Kaiser nach; die abgelagertsten Gemeinplätze der ältesten Zeiten, die oft genug als Missverstäudniss hestritten wurden, sind ihm nicht schlecht, genug, 11111 sie gegen den ״Gott der Juden“ aufznfrischen. Kr, der bei 111 angelnder Reue bis ins dritte und vierte Glied bestraft — was, nebenbei bemerkt., von den frömmsten Christen als Glaubenssatz hergesagt, wird — aber dessen Liebe bis ins tausendste Geschlecht belohnt, ist dem Yerf. immer noch ״der strafende Gott, der das Volk Israel zu seinem Volke auserwählt hatte und alle Widersacher niederschmetterte.-‘ .Mit Verlaub, das heisst nicht: wissenschaftlich zu Werk»* gehen. Kin oberfiächliches (Quellenstudium hätte den Y1*1-f. belehrt, dass Gott Israel (Kxod. IV 22) als seinen erstgeborenen Sohn, d. h. als den ersten, der ihn erkannt, hat, erwählte, eine Thatsache, die doch unleugbar ist und Israel nicht zum Vorwurf gereichen dürfte, zumal spätgeborene Kinder nicht ausgeschlossen siml. ״Gott ist der liebende Vater aller seiner Geschöpf»*, nicht nur der Gott Israels.“ Sind »lern Yerf. die dasselbe besagenden Stellen im A. T. unbekannt, dann durfte er kein theologisches Buch schreiben. Gesetzten Kalls aber, »;s siml. »lern damaligen Zeitgeiste entsprechend, einzeln»■ .Sätze in der 111. Schrift vorhanden, welche nicht auf der Höh»* moderner Auschaumigen stehen ־ werden sie nicht, erdrückt von der Menge liebevoller Vorschriften gegen alle Menschen? Kinden sie nicht, ihre Kntschuldigung durch »len Kriegszustand, in welchem sich Israel wegen seines Glaubens an einen einzigen Gott der ganzen heidnischen Welt gegenüber befand? Ist es nötliig, dem Herrn Veit, einen Strauss zu wimlen von »len ungleich zahlreicheren lieblosen stellen des N. T.. welche die nachteilige Benrteilimg verdienen, mit voller Kulie und l'eherlegütig geschrieben wurden zu sein? Kann der Verf. 11achw»*ise11. dass die Germanen zu gleicher Zeit, oder auch viel später. Gesetze gegeben haben, welche liehev»jllen »'haracters den jüdischen den Rang ablaufen? Sodom und Gomorrha sollten, nach einer Krzählmig des bösen A. '1'., um eines ilarinwohnenden Gerechten willen von diesem strafenden Gott verschont werd»*11 und die dreitausendjährige Lehre Israels, die der l ,!-Sprungs- und Nährhoden »les t'hristentlmms war, sollte ־-vent. wegen einer missfälligen Lehre um des vielen darin enthaltenen Schönen. Guten, Xachalimnngs- und 1 Jeherzigenswerten keine Schonung verdienen? Mit welcher Befangenheit uml Voreingenommenheit stellt sich der Yerf. dem Judentlium schroff entgegen! In demselben Athenizug»*, da er sic 11 des Besitzes des allliebendeu und allgütigen Gottes rühmt, erklärt er, dass <t den heutigen Juden die an gehlieh von ihren schon machtlosen Vorfahren!•»*!•genommene Kreuzigung■ des Heilandes weder vergessen noch vergehen könne.