Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 22. (26.5.1893)
- Date
- 1893-05-26
- Page
- Seite 85 (sequence 3)
- Language
- German
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erst i« dem (auch von Naumann zugestamlen) späteren Deuteronomium vor sich gegangen. — Da wir die geschiehtliehen Belege des Verfassers für ziemlich ausreichend betrachten, möge es uns gestattet sein, das an dieser : Stelle auseinander/.nsetzen, was sich uns über die Ver-! wendbarkeit der pentatenchischen Berichte und den; ursprünglichen Character des Passahfestes ergeben hat. 1 Prüfen wir dieselben in der Reihenfolge, wie sie uns ■ nunmehr im Pentateuch vorliegen und wie ihre Zusammen- : Stellung erfolgte. Zum ersten Male, wird des Festes Ex. 12.1 tf. Er- 1 wähnung gethan. ohne dass der Name פסה (v. 11) zur Bezeichnung für das Fest gebraucht wäre. Der Name ״ פסחUeberschreitungsopfer“ hat mit dem vorhergehenden הפזון (Metathesis) nichts zu tliun, sondern wird durch vv. 12 und 13 inferpretirt.. Der alte Bericht reicht bis v. 13 find.) und darf als gleichzeitige Aufzeichnung Moscheh's angesehen werden. I m aber die Bedeutung des Festes für die Religionsgeseliichte Israels umlauern zu lassen, ward von Moscheh vor dem Einzuge in das heilige Land die erste gottesdienstliche Thaf Israels zu einem alljährlich zu feiernden Feste erhoben, um den nationalen Befreiungsgedanken und das I )ankgefühl gegen seinen göttlichen Führer in regelmässiger Zeitfolge von dahr zu dahr wachzurufen. Wir halten daher vv. 14■—2t) als Zusatz, der jedoch noch vor dem Einzüge in das gelobte Land gemacht worden sein muss, da in ihnen noch unbestimmte Begriffe, wie גר ו אזרה האר,! ,טשבותיבם auftreten. — Aehnlieh verhält es sich mit Nuin. 9 1--8, das ebenfalls als alte Notiz aus dem 2. Jahre nach dem Auszuge anzusehen ist. Die folgenden Sätze, vor dem Einzuge hinzugefiigt, legen die einmal getroffenen Be- Stimmungen für das ״zweite Pessach“ als Gesetzesnorm fest. Das geht nicht sowohl aus den erwähnten unbestimmten Angaben, sondern besonders aus der Festlegung des Datums (v. 11) und den Zusätzen או סדרן־ רחקה (v 13 ובדרך לא היה) und או“דרר״ינם hervor. — Auch Ex. 12.21 bis 30 dürfte trotz der Anspielungen auf das ״Band“ (vgl. Ex. 3.17) an seiner ursprünglichen Stelle stehen, während ich vv. 37—50 für späteren Zusatz halte. — Man beachte den frommen Wunsch des väterlichen Leiters in v. 42! An v. 51 scldiesst sich, äls mit ihm auch syutactisch verbunden. Cap. 13.1—4 find.) an: hier stellt auch im Ood. 110b der Breslauer »Stadtbibliothek das Zeichen (0) für einen ״geschlossenen Abschnitt“. Die Erzählung setzte nun ursprünglich mitv. 17 fort, während vv. 5—16 Zusatz sind (vgl bes. v. 10). — Ex. 23 sind vv. 14—17 ebenso nichts anderes, als Erläuterungen zu vv. 18, 19a. 19b unter Bezugnahme aut v. 13. zu dem (v. 14) תהג לי in Gegensatz tritt, wie v. 12 (vielleicht auchlOu.il) zu v. 9. Als Analogon darf auf Ex. 34.18 ff. hingewiesen werden, das alle Feste in den Dienst Ihvh's stellt (vgl. v. 15). Wir erhalten nun in Leviticus. in dem Teile des Pentateuch, der fast durchgängig Opfervorschrifteu enthält, in Cap. 23 eine opferdienstliche Auszeichnung der Feste. Man beachte jedoch Folgendes: Die Besprechung der vorgeschriebenen Festopfer tiir das Passah fest scheint eine stiefmütterliche zu sein, während fiir den Wochenruhetag überhaupt keine Opfervorschrift in Leviticus existirt und Tages- und Neumondsopfer nicht einmal gestreift werden. Das erstere hat darin seinen Grund, weil die historische Bedeutung des Festes noch in lebhafter Erinnerung war, als dass die hauptsächlich häusliehe Feier durch eine umfassende im Tempel hätte zurückgedrängt werden sollen; sodann galt wohl die Sabbatruhe als noch zu ״heilig“, als dass sie auch nur lurch ein Tempelopfer hätte gestört werden dürfen. Dies galt auch für den minder heiligen Versühnungstag (trotz סבת שבתון*: denn auch da? Pessarhfest wird v. lö שבת genannt), dessen ausführliche Feier, gemäss der ausführlichen Angabe nach Leviticus 18. erst späterhin für den Tempel gesetzlich geregelt wurde :1) Tages-und Neumondsopfer waren eben noch nicht eingeführt. Die Israeliten sollten allmählich in den Tempel-Gottesdienst eingeführt werden und in diesem Sinne die Feste durch Opfer geheiligt weiden. Ein ״Fest, der Gesetzgebung“ (6. Siwan) existirte nicht und zwar aus leicht begreifliehen Gründen. Gleichwohl muss der zunächst auffällige Umstand zugegeben werden, dass das ,. Wochenfest•1 nur einen Tag dauert, die beiden anderen (Pessach und Sukkoth) aber eine Woche dauern. Das ist. aber nicht nur im Deut., sondern auch in Lev. und Num., d. h. an allen Stellen der Fall, wo des Woclienfestes gedacht ist; ebenso bedarf die zweite Behauptung Wellhausens',־) als trage im Deut. ״Pfingsten“ den Namen ״Azereth“, eines Beleges, denn es ist doch für jeden Unbefangenen klar, dass der betreffende Ausdruck (Deut. 18.8) sich keineswegs auf das nachher genannte ״Wochenfest“ bezieht, sondern lediglich als Abschluss einer mehrtägigen Festesfeier angeführt ist. (Die siebentägige Dauer des Pessachfestes erschien aber bedingt, um so eine feierliche Verhindung zwischen den! Auszüge der Kinder Israels aus Aegypten und ihrem Durchzuge durch das ,.Schilfmeer“ herzustellen, zumal kein Grund zum Zweifeln vorhanden ist, dass sie während dieser Zeit ungesäuertes Brod assen.) Mit Rücksicht auf die strengen Vorschriften für. das Fest schien ganz besonders die Einsetzung eines Abschlusses angebracht zu sein. darum wurde wohl besonders der erste, und siebente Tag des Festes hervorgehoben. Das dürfte sich auch Deut. 18.8 aus der Zusammenstellung des Mazzot.hgeboles und der Bezeichnung dieses siebenten Tages ergeben. (Fortsetzmig folgt) Recensionen. »Soziales aus «lein Alten Testament, Vortrag von Dr. Friedrich Diis t erdieck. Hannover. »Schmorl und Seefeld Nacht!. 1893. Käst, scheint es, dass, wie es im Alten Testament nur einen Hohepriester, nur einen Nachkommen Ahrons gab, so auch die Priester in der evangelischen Kirche nur selten anziitreff n sind, welche that.- sächliche Förderer des Friedens sind, deren Mund Worte der Liebe und nicht des Hasses trägt, die nicht ihre Kraft vergeuden, das heraussuchen, was uns trennt, sondein lieber mühelos die gemeinsamen ethischen Momente aufheben und verbreiten, die anstatt des tötenden Schwertes den Oelzweig des Friedens im Herzen und in den Händen führen. Leider sind sie selten und immer seltener geworden, die Verkünder des aus dem A. T. hervorgegangenen Evangeliums der Liebe, das ihnen nichts ist als ein Lippenwerk, ein Spaten, mit dem sie graben. Sie tragen ein Janusgesicht: auf der Kanzel ist die Bibel — auch das A. T. — ihre Stütze und ihr Halt, ohne den sie spurlos versinken müssen, und dort. wo sie nicht hingehören, in Volksversammlungen verbrennen sie diese schützenden »Schiffe, ohne zu bemerken, dass sie den Ast absägen, auf dem sie sitzen; dort sind sie die unverfälschten Demagogen, denen die Bibel nicht nur schlecht genug ist. um über sie in schlechten Witzen ■) I.evitious 10.29 If. halte ich für ein Einschiebsel, wie oben. Vgl. hierzu besonders Menach. läh: auch Tossaph. Stichw. קי־בי. ’) l'roleg. 90 (nach Hamberg, Altertümer ä. Aufl. «56). Im mischnischen Schrifttum ist allerdings »1er Name mxy für das betreffende Fest in ((ebrnuch.