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Das jüdische Literaturblatt · 1893-05-26 · N° 22. (26.5.1893) · p. Seite 86

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 22. (26.5.1893)
Date
1893-05-26
Page
Seite 86 (sequence 4)
Language
German
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86 und Zoten sich zu ergehen, sondern auch vor den Augen ihrer Zuhörer, den Hekenneru dieser Bibel. in j den Staub gezogen zu werden. Auch bedenken sie nicht, dass sie das Volk systematisch anleiten, über die Bibel verächtlich zu urteilen, und dass dieses zwischen A. T. ' und N. T. keine Scheidelinie ziehen wird. Dem Volke sagen sie nicht etwa, dass es unter den Juden eben solch schlechte Subjekte giebt, als wie unter den Bekennem anderer Religionen, die, weil sie nichts glauben, ja. weil sie ihre Keligion und ihre Forderungen gar nicht kennen, ihren Genossen Leidwesen bereiten; ״ nein, sondern man macht es glauben, die Juden, d. h. die gläubigen Anhänger des A. T.. seien der Inbegriff aller Schlechtigkeiten ganz allein. Was soll das Volk denken, wenn es immer wieder vortragen hört, von der schlechten Erziehung, welche diese Bibel giebt — und : dies vortragen hört aus dem Munde dessen, von dem! cs eigentlich heissen sollte, er sei ein Diene!׳ des höchsten; Gottes der Liebe und der Milde, welcher die Welt und ilne Geschöpfe erschaffen hat und ihrer Aller gütiger j Vater ist, welcher keinen Lnterschiod kennt in der Fürsorge für seine Lebewesen. Warum streben so beängstigend viele Geistliche na׳h dem herostratischen Ruhme eines Stöcker, und nicht nach dem schlichten, frischen Ehrenkranze Düster-! diecks? Dieser ist überdies leichter zu erringen; es ' bedarf hierzu keiner schweren Geschosse aus dem Arsenal der hohen Wissenschaft, die nicht Jedermanns Sache, sind, es gehol t dazu nur ein kleiner blanker Schild aus der Rüstkammer der — Wahrheit! Fr j hisst es offen, dass es hüben und drüben Bösewichter! giebt, bekeunt es aber ehrlich vor seinen evangelischen : Zuhörern, dass ״was wir heutigen Tages als wucherische Spekulation mit■ (Rund und Boden zu beklagen haben, in Israel unerhört sein sollte“, was doch ganz anders klingt, als wenn über ,,.luden“ sammt und sonders der Stab gebrochen wird, als wäre diese geschäftliche Al issgebürt eine ״unberechtigte“ Figenthümlichkeit ״der“.luden. Fr trennt die Bestimmungen, welche sich auf den . Besitz des dein alten Gottesvolke überwiesenen Landes beziehen, von denen, die das Gemeinschaftsleben des Volkes Gottes nach den verschiedenen Richtungen hin regeln. Damit gesteht er zu, dass das gesellschaftliche, den Gemeiiisinii zur Voraussetzung hallende Leben auch in anderer l'nigebung als in der des hl. Landes gedeihen könne, dass das Zusammenleben Israels mit seinen Mit- \ bürgern andern Glaubens mit seinen religiösen Vor- Schriften nicht kollidiert, und dass nicht alle religiösen Gesetze Israels von der Voraussetzung eines eigenen j Staatslebens abhängen. Diisterdieck erkennt an, dass das Gebot der Nächstenliebe in Israel kein partikularistisch eingeengtes ist, sondern dass es alle Menschen, auch die Fremdlinge, mit seinen Wohlthaten umfasst, dass es Gerechtigkeit und Recht "gt zwischen Jedermann ohne Ansehen der Person. Ich müsste das ganze Schriftchen abschreiben, wollte ich alles darin enthaltenen Gilten erwähnen, dann würde 11er Leser tinden, dass auch Vieles, worin der elirw. Verf. sieh weise Beschränkungen aiitlegt, doch Gegenstand seines Nachdenkens und seiner Würdigung , gewesen. Er ehrt sieh, seinen Stand und seine Reli- ׳ gioii. indem ei der Wahrheit die Ehre giebt, nichts sagt, als was er durch Belegstellen erhärten kann. Er ist sich dessen bewusst, was seine I*tiieht,, was seines ׳ Amtes ist, ״denn die Lippen des Priesters sollen die j Fi k>'1mtniss wahren, und Belehrung soll man suchen aus seinem .Munde“ GMaleachi 11. 7). Ibibliincr De. Singer, ('oblenz j Literarische Notizen. Ketzerverbrennungen In Rom. In der von Döllinger n. Reusdi besorgten Ausgabe der Selhstbiographie des.Cardinais Bellarmin wird S. 233 die Behauptung gewürdigt, die römische Inquisition habe nicht ein einziges Todesurteil gefällt. Biese Behauptung ist, wie dort angegeben wird. 1842 von dem Spanier Bahnen, 184« von ■1em Abbe Coeur, Professor der Sorbonne, spä|»Bischof von Troyes, 18.V) in der ultramomancn Zeitschrift ״DnbfyReview“ aufgestellt worden. Noch später wiederholte Conrad Martin Bischof von Paderborn, in seinem (ersten) ״Bis!höflichen Wort an die Protestanten Deutschlands“ (4. Aufl., 188R, S. 87) die Satze ven Balmes: ״Es isi wahr, die Päpste haben nicht, wie Protestanten und Philosophen, die allgemeine Toleranz gepredigt; aber die Thatsuchen verkünden es, welch ein Unterschied zwischen den Päpsten und ihren Verleumdern gerade in dem Punkte der Toleranz besteht; die Päpste haben keines Tropfen Blut vergossen'), die Protestanten und Philosophen aber Hessen cs in Strömeu fliesten.“ Döllinger und Bensch geben in dem angeführten Buche ein Verzeichnis? von etwa zwanzig Personen, die in dem Jahrhundert von 1603 bis 1635 /.u Rom wegen ״Verbrechen gegen die Religion“ hingerichtet wurden. Das Yerzeichniss kann ans einem kürzlich erschienenen gelehrten Buche des neapolitanischen Professors buigi Amahile, 11״ Santo Officio della luquisizione in Napoli“, vervollständigt werden. Es werden darin an 30 Hingerichtete (meist erst gehängt und dann verbrannt) aufgeführt. Zum Schluss heisst, es: ״Im Jahre 1035 wurde ein portugiesischer Jude lebendig verbrannt, der sich mehrere Male hatte taufen lassen und als Jude sterben wollte. Im Jahre 1643 schworen Ferdinand Alvarez und seine Fran ans Portugal als des Hehrajsmns verdächtig ab. Sie wurden in Pisa rückfällig, von dort nach Born ausgeliefert. Alvarez verharrte dabei, im Glauben an das Besetz des Moses sterben zn wollen, nnd wurde zum Keiievtode verurteilt. Als man ihm den Strick um deu Hals legte, stiess er mit dem Kusse •las Brett weg. auf dem er stand, nnd starb so nicht durch Feuer, sondern durch Erdrosselung. ') Der Jesuit I, v. Jlammcrsteiu pocht in der kürzlich erschienenen Schrift ״Das prenssische Schulmonopol“ Seite 80 einer Stelle in l.essings Nathan gegenüber darauf, ״dass die katholische Kirche nie eine Strafe verhängt gegen Jemand, der in gutem Glauben handelte, dass sie ihre Strafen überhaupt Dicht über Juden, sondern nur über ihre eigenen llnterthanen zu verhängen )(Hegt, •lass ,päpstliche* Beeilt‘ jede Todesstrafe der weltlichen Macht, überlässt“. Er vergisst oder vielmehr er verschweigt, dass man in Rom alle Getauften, auch die ״Ketzer', als ״Unterthanen“ der Kirche ansah und dass die ״weltliche Macht“ in!Jom der Papst war. Berichtigungen. Zu dem Artikel ״Federico Cuusolu“: No. 1« S. 73, Z. 2 von unten lies: ״der“ austatt den; S. 74, Sp. 1, letzte Zeile lies: ״vrwivau‘•: Note fi, Z. 2 lies: .,cami“: daselbst Z. H lies: ״degli“ und ״tradizione“. No. 20 fehlen die Fus-noten <i und 7, die hier folgen mögen: ״> Dieser Melodie wäre höchstens noch unsere deursch-polnisclie Weise an die Seite zn stellen, wenn sie. historisch verfolgt, nicht nach Böhmen gehörte, das au h das Ursprungsland unseres Kol Nidre ist. Die Nachweise an einer anderen Stelle. ל) Zunz, I,iteratargc.scli. 410. Ueher die Dichtung vrgl. I.andslmth, Atuitde ho-aboda (S. II). S. 78, Sp. 2, Z 13 von unten lies: ..ernsten״ anstatt ersten; daselbst Z. 23 von unten lies: , antwortet■■ anstatt antwortete: daselbst Z. 3 von unten ist das Wort ..dürfte•• zu streichen. ln No. 21, S. 81b muss es nnter X. ..Geisteskranke׳■ statt Geis eskranker nnd demnach auch darauf ״eine“ und ״welch•■‘■ heissen: ferner ist bei Anführungen von T ilmndfolianten stets für ״<•“ zu lesen ״a“; Z. 3 von unten ist ״I!״‘, Z. 13 von unten ״Baba‘■ statt Neben; Z. 28 von unten ״seine־' statt seiner zu lesen; Z. 8 von unten ist zwischen ״Wege“ und .,di•■׳' einzuschaltcn ״er“. Literarische Wem Sie wiiuzehen, meinen מפתח “קבוע עתים, Umrech-, nungskulender f. •1..1.1000bis2000 J durch den Druck veröffentlicht zu sehen, so bitte ich mich bis zum j 1. Juni er. durch getl. Snbscription : auf 1 Exemplar (fiOO Jahresund1 entsprechende t'ongrnenztabellen) in uen Stand zu setzen, •len Druck! beginnen zu können. Snbseriptionspreis to Mk., späterer Verkaufspr. 15 Mk. I,. (lohen, Lehrer in Kees am Rhein. Anzeigen. I Aeclite K n i 111 i 11 g e r! Uoncert-Mundharnionika (gesetzl. geseh.) m. feinsten, unzerbrechl. Patent. Stimmen, 36 Töne, wunderbar schön und leicht spielend, vers. franco für 2,80 Mk. (auch Briefm.) Erste Hannov. Harmonika-Fabrik 0. U. F. Miether, Hannover. Preisliste auch über Bandonions, Concertinas u. Harmonikas grat. d1‘!,$0eia!11t‘111u1,ra1.ie Soeben erschienen: (jorcll llcil jiilliscll. Rnlij!'illllSI)lll(TI'it'llt,״ Kfftaloo2־: Hebraica-Judaica. Von II. Heues in Neustadtgödens ('. Bons Nacht'. •Ph. Neuuiark), ' (Ostfr.). i'r.40I’fg. bei dem \’c!f. Berlin, Neue Pricdrichstr. 61. u. J. Kaufl'mann,Frankfurt a. M. \ rantwortl. ltedaetcur Dr. Kahmor. ,Magdeburg. Druck Friedrich Kasche •t Co,, Magdeburg. Verlag Kob. t׳ riese, Leipzig. 8^595823 31

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