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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1893-05-12 · N° 20. (12.5.1893) · p. Seite 77

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 20. (12.5.1893)
Date
1893-05-12
Page
Seite 77 (sequence 3)
Language
German
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{. % 77 — als ״Königssohn“ in den ägyptischen Schulen alle jene theosophisohen Anschauungen auf das Eingehendste kennen gelernt, und wenn nun sein reger Geist in den midianitischen Fluren nach einer Läuterung der ägyptischen Gottes begriffe rang, bis die göttliche Offenbarung den selbst erkämpften Gottesgedanken in seiner höchsten Reinheit und umfassendsten Vollkommenheit in ihm festigte, 80 hatte er wohl die alte Lehre, dass der Lichtgott derWeltsohöpfer sei, dahin in richtiger Erkenntniss modifizirt, dass das Licht, die erste Schöpfung des jetzt erkannten Gottes (Gen. 1,3), das wesentlichste Princip des Lebens sei, dessen Träger die Sonne wurde und war. Dem uranfänglichen Wasserohaos uuterlag aber ihre belebende Kraft und als nun Gott die weltzerstörende Gewalt des Wassers für immer beseitigte und die Sonne indirect der menschlichen Fortpflanzung dienstbar machte, da bestimmte er, dass wenn wieder von Zeit zu Zeit mehr oder minder grosse Regenmassen zur Erde strömten, dem Menschen doch nicht die Hoffnung auf den Bestand der göttlichen Verheissung vom ״Siege der Sonne“ genommen werden sollte. Darum ward als Merkzeichen der immer wieder siegreioh durchdringenden Sonne den Menschen der Regenbogen bestimmt. (Obige Ausführungen bringen vielleicht auch in Ausdräoke, wie *קשת etc., guten Sinn hinein.) Dadurch ist somit ein sehr bedeutendes Hinderniss der Fortpflanzung der Menschheit geschwunden, ebenso wie die Anordnung der Besohneidung beim Bundesohluss mit Abraham die Fortpflanzung der Abrahamiden fördert und der Bundesschluss mit den Naohkommen Jakobs (unter der Bedingung der Befolguug der physisch und moralisoh heilsamen Satznngen (die sonst denkbare כרת-Strafe aufhebt und den physischen Fortbestand der Israeliten bezweckt. — Das dürfte der dreimal zu Tage tretende ״Gottesband“ bedeuten. Wenn nun der Verf. im nächsten Kapitel, ״Die Theokratie“ (S. 87—92) betitelt, die Ansohauung Well hausen’8 von der erst in der Ezilszeit entstandenen einheitlichen Gottesidee und dem, was drum nnd dran ist, aus einzelnen Stellen des A. T. zu widerlegen sucht und dabei die ״Heilsgesohiohte“ betont, so dürfte er damit in den Augen Wellh.’s und seiner Anhänger wohl kaum vielen Beifall finden. Und mit Recht. Denn der Historiker geht von der Ansohauung aus, dass ein 8010h’ reiner Monotheismus, von welchem besonders der Pentateuch getragen wird, in einer 80 frühen Zeit, in weloher Mosoheh gelebt hat, eigentlich nicht ezistirt haben kann. Die Religionsgeschichte aller übrigen alten Völker, als Analogon genommen, spricht ja dagegen. Es handelt sich also bei der Widerlegung der modernen Anschauung in der Religionsgeschiohte des israelitischen Volkes vorzüglich darum, den Nachweis zu führen, wie trotz aller Analogien der Monotheismus Moscheh’s entstanden und darum auoh durchaus annehmbar sei. Wenn Wellh. sagt, für einen einigermassen mit der Geschichte Vertrauten sei es nicht uöthig nachzuweisen, dass die mosaische Theokratie — der Ausdruck rührt aus Joseph, c. Ap. 2,lö her —, die in die Verhältniase der früherenZeit nirgends hineinpasst, und wird; ich thue es mit um so grösserer Entrüstung, als ich der Meinung bin, die gebrauchte Aussprache ist die sprachlioh richtige. Man wird vielleicht meinem UrtheU beipflichten, wenn inan erwägt, dass der Gebrauch eines Gottesnauieus als ״Fremdwort“ ein solches ist das Tetragramin in der deutschen Pred*gteigentlich dieselbe Vorstellung weckt, die man hat, wenn man von Zeus oder Jupitei rodet. Nach der monotbeistischen Anschauung dos Mosaismus ist aber Gott nur ein Wesen, nicht eine Person! von der die Propheten auch in ihren idealsten Sohilderaagen des israelitischen Staates, wie er sein sollte, nicht die leiseste Spar einer Vorstellung hätten, dem naohexilisohen Judenthum so zu sagen auf den Leib gesohnitten sei und nur da Wirklichkeit gehabt habe, so ist darauf vielleicht mit folgender Auseinander- Setzung zu antworten2): Wir geben zunächst Wellh. zu, dass die monotheistische Idee nirgends hineinpasst, weil es schwer zu begreifen wäre, dass ein Volk, dem einmal seine priesterlichen Führer den Glauben an eine Vielheit von Göttern zu ihrem eignen materiellen Schaden, da sie doch dadurch die ev. auoh den anderen Göttern darzubriagenden Opfer verloren, abgeschworen und sich und das Volk zu einer solchen Anschauung von der Beziehung der Gottheit auf die Angelegenheiten der Nation und der Verwendung der Religion als Triebkraft für Recht und Sitte aufgeschwungen hätte, wie sie — nach Wellhausen’s eigner Erklärung (Skizzen, Heftl, S. 13) — in gleicher Reinheit und Kraft nur bei den Israeliten sich vorfand, wieder in einen Status der geistigen Versumpfung zurückgefallen wäre, der bei den Propheten der ernsteste Anlass zu herber Strafandrohung und scharfem Tadel war. Eia derartiger Vorfall ist eben gerade nur möglich, wenn — um mit W. a. a. 0. zu reden — Mosoheh den Israeliten von Vornherein mit einem aufgeklärten, ihrem damaligen geistigen Fassungsvermögen durchaus nicht verständlichen Gottesbegriff, wie ihn der im Tetragramm liegende Name des höchsten Wesens in seiner sittliohen und ethisohen Vollkommenheit und Un Vergänglichkeit repräsentirt, ״einen Stein statt des Brodes“ bot, wenn sie über das Wesen Ihvh’s an sioh das nur zu denken vermochten, was ihre Väter (vgl. Ex. 6,8) darüber gedacht hatten, wenn sie theoretische Wahrheiten, naoh denen sie auoh kaum irgendwie Verlangen hatten, noch nicht erfassten und sioh nur eine in ihren Norman diotirte Lebensweise für eine kurze Zeit aneigneten. Und solche Verhältnisse herrschten thatsäohlioh in der Mitte der Kinder Israels zu der Zeit, in der Mosoheh als Prediger der einheitlichen Gottesidee auftrat, die jene mehr oder minder überrascht und überwältigt an nahmen! Mir fällt hierbei die, jüdischen Gelehrten gewiss bekannte agadisohe Erzählung ein, naoh weloher Israel gezwungen wurde, die Thorah anzunehmen, widrigenfalls es vom Berge Sinai verschüttet worden wäre. (Wie sich Mosoheh selbst zum monotheistischen Gottesgedanken von der ägyptischen Priesterlehre aus durchrang, glauben wir im Vorhergehenden in aller Kürze ausgeführt zu haben.) Wenn es nun auoh den Historikern unbegreiflich erscheinen mag, dass ein Volk den Glauben an Einen Gott in so früher Zeit besessen habe, so werden sie dooh, vorausgesetzt dass sie in den Kern der ägyptischen Priesterlehre eindringen und von diesem aus die geistige Entwickelung des ersten Führers der Israeliten betrachten, zugestehen müssen, dass es immerhin denkbar ist, dass Ein Mann, geistig hoch- >) ־Wenn Nanm. ans Jes. 5 den Nachweis erbringen will, dass die Idee von Ihvh's Königsherrsohatt in Israel gelebt, so ergiebt sieb zwar hieraus der herrliche Gedanke, dass Gott sich Israel erworben und es za erziehen gedacht; aber Gottes aneingeschränkter und gewaltiger Herrschender Einfluss aut sein Volk hätte noch duroh andere Stellen belegt werden solleu, die nicht allzu schwer autzutreiben waren Seltsam erscheint es mir, d8״s N. unter דוד in v. 1 den ״Vetter- Israel (,sc. Das ]Reich Israel) versteht, dem der Prophet des Reiches Juda das Lied als Mahnung zurutt, das der Herr (״ (ידידsingt“. Es ist doch klar, dass hier unter *דון und ידיד ®in und dieselbe Person zu verstehen ist: ״Singen will ich für meinen ״Geliebten“ (Gott) das Lied eines, der seinen Weinberg Lieb bat“ . . .

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