Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 20. (12.5.1893)
- Date
- 1893-05-12
- Page
- Seite 78 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 78 begabt nnd losgelöst von dem Ceremoniell der ägyptischen Priester, in eigner Betrachtung während einer Beihe von mindestens 50 Jahren, der zugleich im Verkehr mit seinen ״Brüdern“ die Traditionen gött- Hoher Verheissnngen über eine dereinstige Befreiung ans der Sklaverei kennen gelernt und sich zu eigen gemacht hat, den reinen Gedanken vor! einem in seiner Allmacht, Weisheit nnd Vollkommenheit allein und ewig ezistirenden, weltschöpferischen Wesen in sich aufnimmt und, von ihm dnrcbgläht, den göttlioben Auftrag mit ernster Bescheidenheit übernimmt, sich zum Vermittler dieser Idee an das Volk, dein er selbst angehört, zu machen. Nicht einmal Mosoheh's Bruder Aharon hatte ja diesen Gottesgedanken anfangs ganz erfasst’); Moscheh allein war der ״Schöpfer “und Lehrer dieser Gottesidee! Und das Volk, das ihm die Bettung verdankte, liess sich dankbar, nur bisweilen, dnroh seine Kleinmüthigkeit in Noth und Gefahr, zum Murren gedrängt, von seinem Befreier, den es als König (מלך) verehrte (Dt. 33,5; vgl. Gen. 36,31), leiten und erziehen, verfiel aber begreiflicherweise der geistigen Umnachtung wieder, als alle die Männer ausgestorben waren, die es an seinen ruhmreichen, verehrungswürdigen Füb’vr mahnten. »Und Israel diente dem Ewigen, solange Josua und die Aeltesten lebten, die Josua lange überdauerten und all’ das noch erlebt, was der Ewige vollbracht“ (Jos. 24,31). Der Gottes• gedanke erstarb und lebte erst wieder mit dem Auf• bau des zweiten Tempels auf, um von Esra, dem zweiten Mosoheb, der neuen Welt mitgetheilt zu werden, die ihn noch heut zu erfassen strebt. (Forts, f.) Recensionen. Federico Cnnsolo und sein synagogenmusikalisches Werk. Von Ed. Birnbaum. (Fortsetzung). Von besonderem Interesse waren noch für mioh: der ״Suono del Sciofar“ (תקיעת שרפי, Nr. 230), die bereits erwähnten טעמים, bei denen ioh aber die ausführlichen Beispiele an der Hand von Sohriftversen nur ungern vermisse, da nur diese ein richtiges Bild ihrer Anwendung geben; ferner ״Cal Nidre“ (Nr. 346), ״Niscmat“ (Nr. 309), ״Obila lael“ (Nr. 334), welch’ letzte Melodie auch auf עלינו gesungen wird. — Nach dem Berichte des Chronisten Joseph Haeohen sollen die um 1171 verfolgten Israeliten die Hymne עלינו auf den flammenden Scheiterhaufen, auf welchen sie ihre glaubensstarken Seelen aushauchen mussten, angestimmt haben, und zwar zur tiefsten Ergriffenheit der in ihrem wilden Fanatismus zu Henkersknechten umgewaudelten ״Bitter vom heiligen Grabe“. :ויהי כעלות הלהב וישאו הולם פה אחד וירונו, ויאמרו הערלים שמעני שירכם ולא ידענו מה, אך לא שמענו כמוהו בלתי היום. ויודע באמת כי "עלינו לשבח" היה השיר ההוא אשר שמעו נ>» עמק הבבא).. Letteris s. 39-40.)הערלים בעת הנמהרה ההיא Es lässt sich zwar nicht mehr feststellen, ob zur Zeit der Kreuzzüge bei deu Juden Frankreichs die oben bezeichnete spanische oder eine andere Melodie zu עלינו beliebt war. Aber es genügt, dass bei den Juden von Avignon, der Heimath unseres Chronisten, ’) Vielleicht gellt die Aiillchcung Korach’s, die sich (nach Num. Hi, 5 — 11) gt gen diu Ausübung de Friexterwürde von seiteu Aharon’s richtet, daraut zunick, dass or sich beim goldenen Kalbo veisuudgl, die Leviten aber sich ternguhaltou hatten Sie aber gehörten lhoh au (Ex. 32, 26). sioh die Tradition lebendig erhalten hat, dass schon zurZeit der Kreut züge eine U^-Melodievon gewaltiger Wirkung vorhanden gewesen ist. Während aber das עלינו in dem isolirt dastehenden Bitus von Carpentras u. Avignon nur matt klingt (s. Crämieu, Chants Hebra'iqes .. de l’anoien Comtat Venaissin, Nr. 97), sehen wir in Nr. 334 des vorliegenden Werkes eine urkräftige, e»reifende Melodie, der, wahrscheinlich ihrer Heiligkmt wegon, auch das gewichtige Pismdn שופט כ״ה für Neujahr zugetheilt wurde (vgl. Nr. 308)*). — Viele Gesänge lassen aber geradezu auf maurischen Ursprung sohliessen So z. B. אחות קטנה (Nr. 294), welcher Melodie, zumal der von de Sola (Nr. 2b) mitgetheilten Weise gegenübergestellt, derVorzug charakteristischer Originalität zuerkannt werden muss Man geht nioht fehl, wenn man die Melodie, gleich der Dichtung, in’s 13. Jahrhundert setzt. De Sola lässt den Dichter der Neujahrs- Hymne fälschhoב1 ״"•13 ״ Saloniohi geboren seia(Anc. Mel. p. 7). Der Dichter Abraham Chasan G e r u n d i war aber ein Zeitgenosse des Nachmanides1). Die treffliche Uebersetznng der Hymne von Sal. P 1 es s n er דל mag hier gelegentlich mit einem Verse in Erinnerung gebracht werden■ ״Dein Völklein schickt nach deinen Höhen Dir heut’ o Gott, der Andacht Flehen; O, heil es doch von seinen Brüchen, Sein Fluch sei mit dem Jahr gewichen!“ (״Die apokryphischen Bücher“ S. 146.) Auch sind, wie erst aus dem vorliegenden Werke hervorgeht, viele Gebete, die wir mit den Sephardim gemeinsam haben, und die wir, obgleioh sie “כקול* gebetet werden, zu den ״tonlosen“ zählen, in ihrem Bitus responsorisch behandelt. Dadurch, dass der Vorbeterdienst bei den Sephardim immer ein lauter und darum im rechten Sinne des Wortes ein antiphonisoher bleibt, findet man bei ihnen auch alle Arten der antiken Psalmodie vertreten. So wird das עלינו am Neujahrsabend, naohdem es antiphonisoh angestimmt worden ist, zuletzt hypophonisoh beschlossen (Nr. 303). Naohdem der״ Hazzan“ עלינו לשבח ל״ה angestimmt, antwortete die Gemeinde, dieselbe Psalmodie naohsingend, לתת גדולה ל״ב bis הסב״ ה• Hierauf der Jin in derselben Psalmodie die Worte שהוא נוטה שמים respondirt und קהל fortfahrend einstimmt: רוםד ארץ bis יעל הארץ מתחת אין עוד. Nun greift der ״Hazzan“ mit den Worten הוא אלהינו ואין עור אחר im hohen Ton (hohes F) hypophonisch ein und fährt ebenso mäohtig in Wort und Ton fort:.אמת מלכנו bis אין עוד, worauf er ohne jede Unterbrechung sofort ינדל“ךןי intonirt und die Gemeinde mit וישתבח einfällt und die Hymne singend besohliesst. על כן wird nicht gebetet, ebenso ק״י. Es muss das ein erhabener Schluss eines solennen Gottesdienstes sein. Der Trauer-Bitus (Servizio funebre, No. 175—182) hat neben einer ״Asoaba semplice“ eine besondere השכבה für den Chaokam (״Asoaba del Haham“). Die vorzügliche Beschreibung dieses ersten Bitus in der ״Zeit. d. J.“ 1838 S. 75, verdient naohgelesea zu werden. Ebenso dürfte die treffliche Uebersetzung des rührenden הנה מקום, die ich dorther habe und hier folgen lasse! dürfte manchem Leser willkommeu sein. Öie lautet: הנה מקוש הנה מלון הנה מנוחה הנה נחלה ן מלאכי השלוש יבואו לקראתך; ויאמרו לך שרום ב־אך Hier die Stätte, Hier das Bette, Hier der Ruhe Heil, liier das Eriiantheil. Friedensengel kommen Dir entgegen, Grüssen Dich mit ihrem besten Segen. (Schluss folgt.) Vurannvoi tl. liuuncteur L/r. na:■ in er, Magdeburg. Druck : Beu •1 ix & Huhn, Magdeburg. Verlag: Ron. Friese, Lei; zig