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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1893-04-28 · N° 18. (28.4.1893) · p. Seite 69

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 18. (28.4.1893)
Date
1893-04-28
Page
Seite 69 (sequence 3)
Language
German
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69 - ■und wohin 8011 all• dieses Experiraentiren führen? Ich kenne sogar einen Zeichnenlehrer, welcher auf einer Versammlung «las grosse Wort gelassen aussprach, man solle anf den Gymnasien einige wettere Siuuden «len alten Sprachen entziehen und sie durch Zeichnenunterrioht ergänzen, weil das Zeichnen für Hebung des klassischen Sinnes grössereu Werth habe, wie die alten Sprachen. Der Mann mag nicht ganz Unrecht haben, ebensowenig wie der Turnlehrer, welcher vom Turnen eine gesündere Geueration erwartet, als von der Trigonometrie? Aber ich frage noohmals, wohin soll das führen? Das ewige Hernmnörgeln des Einen au dem Unterricht des Andern lässt uns nicht zur Ruhe; kommen. Namentlich aber t edaure ich den Ton, mit; dein Heir Professor Lei!!׳ auu-Hobenberg über andere ן Meinungen abi rtheilt, sobald er sie nicht theilt. j Die kleine Auswahl, die ich zusan!mengestellt, j wird wohl dem Leser zeigen, dhss diese Abhandlung I der Egidyschen Bewegung keiuen Nutzen' bringen j kaun, umsoweniger als sie unter seiner Aegide in die Welt hinein läuft. Der Aufsatz hat •in Doppelautlitz: auf der einen Seite strenggläubig, also Egit auf der andern unduldsam und tiugli mal soweit das A. T. in Frage kommt. ly sch, und j iubie. zu- 1 Adolphe Franck, tteboren den t>. Octoher 180t) in Llocourt, gestorben den 11!. April 1803 in Paris. Einer der bedeutendsten Philisophen Frankreichs, einer der glänzendsten Stylisteu und ein glaubeustreuer Jude ist mit dem au Jahren und Ehren reichen Honorarprofessor Adolphe Franck von hinnen geschieden. Er verband jüdische Gründlichkeit mit französischem Esprit und dies war das ״ Geheimnis* “ seiner Erfolge aut so vielen, verschiedenartigen (jebieteu.!Sein Vater war ein geachteter Kaufmann in Liocourt. und Hess den begabten Ktiaben die Gymu&sieu in Nancy und Toulouse besuchen. Iui •Jahre 1832 erhielt er den ersten Preis über Philosophie. Von da ab ertheihe er den Unterricht in der Moralphilosophie an den Colleges und Lycees von Douai, Nancy und Versailles. Doch der Wissensdurst des jungen Gelehrten konnte nur in Paris gestillt werden und im Jahre 1840 erhielt er eiuen liuf als Professor au das Lycee Cnarleinagne in Paris. Und noch in demselben Jahre erhielt er die Erlaubnis* au der aliberühmten Universität, — nach ihrem Grüuder Sorbonne genannt — Vorlesungen halten zu dürfen. Und der jugendliche Leetor erfreute sich bald einer ungeheuren Beliebtheit. Sohon im Jahre 1838 veröffentlichte er die Schritt: ״Fxquisse d’une historie de la logique piecede d’uue anaiyse de l’Organou d’Aristote ^kizze einer Geschichte der Logik), im Jahre 1813 erschien sein für die Erkenutniss der Kabbalah wichtiges Buoh: La Kabbale ou Philosophie religieuse des Höbreux. (Die Kabbala oder die religiöse PhilosopUie der Hebräer.) Dieses Bach wurde von dem nunmehrigen Wiener Oberrabbiuer Dr. Ad. Jellinek unter dem Pseudonym: ״Gelinek“ ins Deutsche übertragen uud mit Zusätzen und Berichtigungen varseheu. Dr. Jellinek hat nachher grundlegende Arbeiten über Mose de Leon und die Geschichte des Sohar und der Kabbalah veröffeutlicht. Im Jahre 1861 veröffentlicht• Fraaok seine ״itudes orientales (Orientalische Studien), couteuant!•b dootrines religieuses philosophique da la Perse, de 1’4'at politique et religieuse de la Judee dans les derniers temps de sa nationaüte“ (enthaltend die religiösen uud philo-ophischen Ansichten Persiens; Studien über den politischen und religiösen Zustand Judäa’s in den letzten Zeilen des nationalen Bestandes. Im Dictiounaire des suiences philosophiques (Wörterbuch der philosophischen Wissenschaften) hat Franck die hervorragendsten jüdischen Religionsphilosopheu, Salomo ibuGabriol und Moses Maimoni les, eingehend gewürdigt. Im Jahre 1860 erschien sein Buch ״Philosoph» et Religion“, welches unter anderem auch folgende die Wissenschaft des Judeuthnms betreffeudeu Arbeiteu behandelt und zwar: 1. Les travaux deSalvalor (die Arbeiteu Salvadors) und 2. Mo'ise expliquä par Spinoza (Moses durch Spinoza erklärt). Auch das im Jahre 1874 erschienene ״Buch Moralistes et philosopbes“ enthält viele das Judenthum betreffende Abschuitte. Das Franck an den hervoriagendsten Blättern und Zeitschriften Frankreichs Mitarbeiter war, braucht wohl nicht erst erwähnt werde□, schon im Jahre 1857 ward er Mitarbeiter des Journal des Debat.s. Uuzänlige Arbeiten von ihm erschienen in dem Journal des Savauts (Zeitschrift für Gelehrte), auch beleuchtete er Maimonides von einer neuen Seite (S. Ben Chauanjeh 1866 p. 185). Im Alter von 30Jal1re1T, also 1815, wurde Franck Mitglied der Aeademie des Sciences morales et politiqnes 1851; versah er die Stelle Barthelemy St. Hilaire’s als Professor für griechische uud römische Puilo-phie. Dem berühmten Walkender folgte er in der Würde eines Conservateur adjoiut au der kaiserl. Bibliothek zu Paris. Im Jahre 1851 wurde er zum Professor d;s Natur- und Vöik'rrechts am College de France ernannt uud mehr als 30 Jahre hielt er daselbst Vorjesutigeu. Seine Hauptwerke siud 1. das von ihm redigirte Dictiounaire des sc'euees philosoptiiques, das 6 starke Octavbände ausmacht, 2. Philosophie des Droit peual (Philosophie des Strafrechtes) 3. Puilosophie des droit ecciesiastique (Puilosophie des kirchlielieu Rechtes) uud 4. Puilosophie di droit civil (Puilosophie des bürgerlichen Rechtes(. Im Alter ton 80 Jahren gründete er die Monatsschliff. La paix sociale (Der sociale Friede) uni seiue jüngste Schrift führt den Titel: Ligue nationale contre l’athe'isme(NationaleVereinigung gegeu den Atheismus). Einen von ihm veröffentlichten Vortrag: Le foudameut des droit pditiqie (Die Grundlage des politischen Rechtes( habe ich m’s Deutsche übertragen und in A. Sterns ״Zeit“ (1880, Nr. 2) veröffentlicht.*) Wir schliesseu diese kurze Skizze mit deu Worten Jules Sitnous, die er nn Temps vom 13. April über Franck schrieb: ״Er predigte eine heilige Moral uud deu Glauben an die Pflicht und die geistige uud unsterbliche Natur der Siele. Er lehrte Liebe zur Meusohheit, zum Vaterlaude und zu Gott. WTeuu ich an seinem Grabe zu sprechen hätte, würde ich nur dies sagen: Audere habeu mehr Lärm gemacht, Niernand aber hat mehr Gutes gestiftet, als er.“ Dr. M. Grünwald. *) Wir nennen noch sein herrliches Buch vom ״Wahren, Schönen uud ü-utea“ (Du vrai du beau ot du bien). ״Betörmatcren uud Publicisten des Mittelalters uad der Renaissance des 17. uni 18. Jahrhunderts“, ״Französische und ausLudisohs Philosophen der Neuzeit‘■, ״Ziel des vernünftigen Lebens“ etc. Seiue von der Kaiserin Eageuie gewünscht• Ernennung ia den Senat vereitelte der Krieg. ,(Red).

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