Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 18. (28.4.1893)
- Date
- 1893-04-28
- Page
- Seite 70 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 70 — Hecensionen.^ The ]deal in Judaism and othcr Sirmous, by , the R״v. Morris Joseph, London: David Nutt. 1893. j Die jüditche Predigt-Litteratar in England ist | jüngst dnrch eine kleine, niedlich ansgestattete Samm- I lang von Predigten bereichert. wordei). Dieselbe ist | ״The Ideal in Judaism“ (Das Ideale im Judenthum); betitelt, und hat Rev. Morris Jost ph, einen erlahrenen : ui d ncht gediegenen Prediger, 211m Verfasser. Bedenkt man, dass die jüdische Predigt überhaupt eine! verl ältnissmassig moderne Institution hier zu Lande ' ist, und dass in Folge dessen die Zahl der bisher im Truck erschienenen jüd. englischen Predigten eine ausseist gelinge ist, so dürfte wohl die Erscheinung der fraglichen Sammlung allgemein als eine höchst willkommene angeseheu werden. Obeebon, wie der Titel besagt, das Ideale im Judentl.ume das Eaupttliema in der vorliegenden ' Predigi-Ssmmlung bilden soll, 10 findet mau darin auch ziemlich viel Material, welches auf das praktische religiöse Leben Bezug hat. Dies hisst sich aus ן meineren Stellen in den verschiedenen Predigten! leicht ersehen, und namentlich ist eine besonders bc- I merkenswert 11, worin der Verfasser sein« Meinung ausdriiik!, dass 1 ärulic-h der jüdische Gottesdienst, l nicht ausschliesslich im Hersagen von Gebeten innerhalb der bynagoge bestehe, sondern dass vielmehr jede gute und lobenswerthe, gottgefällige Ilrtmliuug im Alltagsleben einen wichtigen Tneil desselben lulle. Dieser Gedanke ist für den Eingeweihten uvar nicht neu, da er den bekannten Spruch לא המדרש עיקר אלא המעשה zur Gnmillage hat, doch kann er vor eiuem : gemischten Auditorium stets mit Vortheil und gutem Eflekt behaudelt und besprochen werden. \\ ns Rev. Mr. Josepn’a Predigten besonders anszeichnet, das ist der anziehende engüsche S yl, in der sie abgefasst sind. Obschon die Gediegenheit desselben in einer deutschen Uebersetzung nicht re11!׳L erkennbar ist, so wollen wir es doch nicht unter• lassen, 1 ier einen kurzen Auszug in deutscher Sprache aus einer ,,Die Wai litnacht“ betitelten P.edigt folgen zu lassen. Dieselbe, welche eine Pessaahpredigt ist 11111 den 42. Wrs im 12. Kapitel des zweiten Bucl.es Moses zum T! xte hat, beginnt f'olgemlerma'Seu: ״Bei imsem Nachbarn herrscht der Brauch den Beginn eines neuen Jahres durch einen Mitternacht-(! ut«s 11׳ teilen Um Mitternacht-Glocke kiiudet im t'eieriienmi Tone die Botschaft dort•• lueiude an, du: aut den Kimm in tie'er A id.tclil tutet Die ganze (_' •1011.onie ist eine hüch-.t eindringliche — das!•!111111 nde Warten der tiemein ii• au: die erst■ 11 Fiisstapten eines Gastes, der Glück und l.eid, Gutes 1.1 d B..mh, '1'■ > 1 und Lehen not sich bringt, w.J.ui zug.eich das Herz der Anwesenden autwitits zu tlotl geruhtet ist! Nun, wii Israeliten nahen ebentalls ei! e Wacutnucht, eine Nacht, die niei.t 111 11■ l<-r Von einer hohen Tragweite un I giosser t'tihgioser Bedeutung 1s!. Es ist jene Nacht, welche das Passah-Fest auktmdigt und eunluhrl. K■ in ander, s der jüdischen Feste wirl durcli eine lass ui!eie religiöse (',ueinonie 1׳ ugelükrt, nur das l'assah-Feot allem h׳t seine 11 null! 11■ Einleitung, die g! eignet >-t, dem ganz. 11 l'V-.tü eint n!.eiligen An.st 1 ich zu verleihen. Bei seiu rA11ku.lt liudet es ganz Isia-1 mit einem Gottesdienste besel all igl, der einzig in bt'iuei All ist. Die zerstieuteu Mitglieder einer i'amiiie sind viusummeil m.d unter Gisang unel Gehet ׳.um Gotte ihrer Yü'er 1• itnii sie das Passah-Fest em. Wahrlich, es ist, wie der Jüngste ULtei den Anwesenden es vetkündet ״verschieden von all den andern Nächten'■, veisclueden durch das Gebet und den Gesang, wenn! es hegriisst w ii d, und auch verschieden durch eliu ehrwürdigen Ge'nauche. welclie die Versammelten in eine tausi ii :jahr ge Veigar.genlieit zurückversetzet! . . . Und souut ist die 1‘assuh-Nacht wirklich eine Wactitnacht, eine Nach1, die in der jüd. Religion ganz eigenartig ist, und in der wir mit ollem tu Jl• rzen jedem Worte und jedem Tone iurer grossertlgtn Ge-ci ichto latiscloa* . . . Diese Probe möge geuügeu. Die Joseph’sche Pred igt- Sammlung kann dem Fachmaun sowohl wie dem Laien zur Lectiire bestens empfohlen werden. Belfast, April, 1893. Dr. Chotzner. Presse), W. Der Talmud vor dem Schwurgericht am Ende des 19. Jahrhunderts. Leipzig, Dötffling und FranlÄ, 1893. Diese CS Seiten umfassende Schrift ist vomVerfaRer dem Andenken des sei. Oherrabbiners v. Wassermann gewidmet .Mi* diesem war Presset zu einer du׳ch ein antisemitisches Blatt (״Ulmer Schnellpost') veranla-sten Schwurgerichts Verhandlung in Ulm als Sachverständiger geladen. Nur Uh 1r den Talmud und Jie über diesen gerillten und zerlneitetea Uithede will der Verf. orieutiren. so dass er die Fragen zu beantworten sucht: ״Was ist der Talmud? verdient er die erhobenen Angriffe? wie steht zu ihm die heuti ie jüdische Bevölkerung?■• Der Umfang des Talmud, sein Diuck und Text, die verschie ten-m Perioden und Träger seiner Entwicklung, endlich seine Eintheilung ia Sodarim ,Ordnung• n) und A assechtt oth (Traktate) werden im!. Theil eiortert. Der 2. Theil enthält eine Auseinandersetzung mit di tn Prager Professor und Kanonikus Rohling, gegen dessen ״Talmudjttde“ schon D el itzsch und Strack in dieSchranken getreten waren. Wir lernen hier auch Ronimgs Aeusserungen über Luther und die Reformation kennen i,,Sch״ndlehre1!“ Luthers,!he Retonuatoieu ״.Schurk״n“) und werden dadurch schwerlich im Vertrauen aut die Unbefaugeaheit und Zuvoriässigkeit dieses östorreic! is.hen The ■logen bestärkt. Auch führt uns Pressei eine ״Wolke von Zeugen“ ge׳en Rohlings ״Blutbesclmdigung ‘ vor uud sohli״sst die einzelnen Abschnitte seiner Beweisführung b»tr. rituales Vorgie.sseu von Cnristonblut, Uebervortheilung von Nictnjuden, geheime Bogehuug von Sünden, B.vechrnui1g zum •Meineid u. 3. w. immer mit dem Satz; ״das i0t Ro h lin g’scheT.ilmn lex iges י!“ — Anlegungen in einigen nachtalmudisahen Midraschim über Jesus uni eine Zus 1::11:׳e..s;jl.uug von ethisch in T ilm 111us-pra :neu fiu 1;11 sich am Schluss des 2. Tneils. — Dass dar l'altnnl keiue S m ild trägt ״au denjenigen Eigeusclufteii uud II1111 mgou, ducc 1 w •lohe em Theil der ja liechen Bevölkerung in den Augen djr c tristliehen Be;׳> koruug si .11 ärgerlich;?! in mit“, sacut der Verl im d. Tuet, nachzuweisen, wo wir zugleich lesen, wie varseine len innerhalb der jüdischen tvissensjh.it tl chm Kreise silbst, besonders der Ri'ibiuer, die Ste lung zu n Tilmui ist. Ein Protest gegen den Antisemitismus, .,s־!ut dessen vielmehr Wahrheit, Gerechtigkeit uud Liebe walten 80116.1", beschliesst die leseusuud einpfetiieuswerths Sc.irift des Christliehen Theologen. _ L,ittera1'isehe Notizen. Paris, lin Sommer 18hl sanlt•* bekanntlich der Kongress di r Vereinigten S aite 1 von A11׳i׳׳iku en: Ko u nissiou na• h it1׳ssl.n1 l um an Ort umlSt -l.e die ITrsac ieu ds misseuh.itt n Auswan l ■׳!■ung der Juden zt stu liran, von deneu vt.de sic;1 Dich Ameriki w.iu lum. Das Ergebnis■! dieser Studien war eia von den beiden Kunmissureu ().׳erst J B Weber und Dr W. Kempster verf nster Bericht, an welcnain wir s. Z. ein 1 Fülle erschütternder Einzslheitsu mirgath 1ilt h.i 1eu. Dieser Bericht ist min in ti'iiuzösischor Uebersulzüiig in einem י ll> Seiteu u 11 - lassend 11 Baude ersolii neu, uiiur 11־1׳ L'iisl: ״La Situation des Juils en Rnssie. Unp].urt adressö au Gouvernem-nt des Kt.its-Uuis pur sus Delegues M. .M. .1. B. Welier fo Dr. W. Kempster‘ Eine Angihe des V.׳rl1;es oder Drnck1r.es lindst sich in dem Hu.■hu nicht. 1111 Gelingen kam miu uar w tuschen, dass die-er Bericht der uinerik.inis.111011 IC nnmissare die weiteste Vtrbreitung lin let. Lonilmt. II . J. Abraham denkt eino textkritische Ausgabe der Pesic, haggida mit lloiiu Jacobs zu verölieutliclien. Wir machen die U-rausgeher nuline. ks.uu, d iss der neriühmte Sprachforsche Daniel Sanders schon im Jahre 1M1 in seiner A! handlung: Die neiigiio. hisctie Volkspo ■sie und die Julau“. (Seite 2130—"?(צי die ('iiud-Gadja-Kpisodo eingehend behaudelt hat. R ו״ g .Moiiatsschiilt IVir (Jcsciiiilito und M iss usclial't des •ludeuihum«. Inhalt, d :3 Mai-llettes: Neutestamentl che Studien. Von Dr. M. Güdemann. Ben rage zu rabhinischeu Sprachuud Altorthumskunde. t'011 Dr. J. Per las. Der Stammbaum des R. Eie isar Fleckeles, eine Ahnenprol e Moritz Uaitmanus. Von Prof. Dr. David Kaufmann. Notizen. Von llulberstam und Lewy. \ erantw ■111 Heda״ it ur Dr. Ruh m er. ilagdeburg. Diuck : B e n ■I iXÄH u 11 u (tr D. L Wolll) Magdeburg. Verlag Roo Friese, 1.1 ipzig