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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1893-04-28 · N° 18. (28.4.1893) · p. Seite 68

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 18. (28.4.1893)
Date
1893-04-28
Page
Seite 68 (sequence 2)
Language
German
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08 — nicht סל bald in Erfüllung gehen sollte, wurde bereits gesagt, beweist aber nichts gegen seine Erfftllung in der Zukunft!“ Wissenschaftliche Unparteilichkeit sieht doch anders aus. Sein Urtheil über die Bekenntnissformel mit Egidyscher Auffassung verglichen, ist ein Rüthsei, geht mich aber nichts an. Wenn er aber für das ihm Unerklärliche und Geheimnisvolle in der Person Christi Verständnis hat, ja selbst für die Anhänger der wahren Gottheit Jesu Achtung hat, warum nicht auch dieselbe Achtung für das, was ihm im Juden• tkume fremd ist? Warum wird von diesem geradezu ״Bekehrung“ erwartet? Eine deutlichere Verkiindigung der Lehre, dass wir ״Alle einesVaters Kinder seien und uns als Brüder betrachten sollen“ ist mit einer nicht misszuverstebenden Deutlichkeit beim alttestamentaricheu Propheten Maleachi 11,10 ausgesprochen, und dass die Gotteserkenntniss ein Reich von Heiligen gründen soll, bestimmt bereits Ex. XIX,(j. Del Herr Prof, sagt: ״wir rechten mit der Vergangeuheit nicht“. Wenn wir Juden es nicht thun, ist das ein Zeichen, dass wir kein Rachegetühl liegen; 80 aber der schuldige Theil dies sagt, weist er nur damit das Bestreben, iiir die Thaten früherer Zeiten die Verantwortung abzuschütteln. Herr v. Egidy war hierin 1m Heft.I viel ehrlicher gegen sich und gegen uns. Auf die in edler Wallung gestellte Frage des Herrn Piof. im folgenden Capitel: ״Wo ist der heilige Zorn der christlichen Kirche zu hören gewesen gegen derartige Lehre d. h. die Ausbeutung unserer Mitmenschen?“ kann das Mittelalter antworten, welches tausendmal erzählt, ״von dem hei ligen Zorn“ der Kirche gegen das Kapital . . . der Juden. Die Kirche hat den Strick gedreht, an den man jetzt die reichen Judeu hängen will, denn sie hat die Menschen daran gewöhnt, die Juden so hoch zu.taxireu, als sie Geld haben, was iiir Viele — zumal die meisten Berufszweige ihnen verschlossen waren — ein nur entschuldbarer Sporn war, in der Wertschätzung der liet eu ״nächsienliebenden“ Nebentnenschen so hoch wie möglich zu steigen. Allerdings hat die Kirche — und Papst Leo XIII, dessen Ilirtenbriel vom 17. AIai 1801 Lehmann-Hohen berg hier citirt, meint die k a 111 0־ lische Kirche. — ״dem Wucher“ das Urtheil gesprechen, d. 11. für den Bibel kennet- : sie ist dein A. T. liachgeliinkt, welches jede Ziusnahme verbietet; oas hat aber die allerchristliehsien Fürsten und deren geistlichen Rathgeber nicht gehindert, für die Juden eigene Gesetze zu schaffen, die sie gewaltsam zum Wucher amrieben, weil sie ja sonst, nicht über ausreichende Mittel verfügt hätten, um Luft und Licht zu bezahlen, um ii.ren Fürsten die 8äcke zu fiiileu zur Befriedigung ihrer —■ — heiligen Leidenschaften. Dass wir die Erde nicht für ein Jaiumerthal anseheu sollen, sagt schon der Psalrnist au vielen Stellen, so C. XV,] 6 und 17, auch Jesaias XI, V,10 u. a. in. Der Herr Prof, verwahrt sich gegen den frühzeitigen Bibel- oder Katechismus-Unterricht, uud warum? Mau höre: Weil der Dekalog jüdischh e 1 d n i s c 1, ist! Wie würde der Amor es aufuehmen, wenn ich neu Teufel, w׳elcher immer noch — aber nicht von Juden — als Fürst der Hölle weitergelehrt wird, christlich-heiduisoli neunen würde? Warum aber dieses Epitheton? Weil das erste Gebot einen einzigen Gott im Gegensätze zu Götzen lehrt! ״Was soll sioh ein Kind in der heutigen Zeit bei dem ersten Gebote denken? Kommt es wirklioh in Gefahr, Baal oder andere Götter auzubeteu?•‘ — — — Ich frage den Herrn Prof, hinwiederum: Giebt es keine Heiden mehr auf Erden, vor denen das Kind gewarnt werden muss? Sind alle Mensohen gelehrte Professoren unddenkt ein Kind überhaupt ״in der heutigen Zeit“ anders als frühere Kinder, d. h. durch Belehrung von Eltern und Lehrern? Die Verbote: ״Du sollst nicht stehlen, töten, ehebreeheD, einem gesitteten Kinde einzaprägen, ist widerwärtig? Ist nicht das ganze moderne Staats- und Gesellschaftsleben auf diesem Fundamente er-! richtet?“ Weil man also auf eigenen Füssen steht und sioh selbst ernähren kann, darf und soll man Vater uqg|! Mutter, von denen man das Anweseu erhalten, aus dem Hause jigen? Das Auswendiglernen des Dekalogs hale keinen Werth, wenn wir unsern Kindern nicht verleben! Richtig, darum 8011 nichts gelernt werden? Weil Niemand versteht, die Arzuei dem kranken Kinde aut rechteWeise einzugeben, des-! halb weg mit der Medizin! Eine Kur ä la Dr.; Ei.-enbarth! Sehen Sie, Herr Prof., das haben Sie nicht wohl überlegt! Durch diesen Unterricht ist ( noch kein Mensch ein Dieb, ein Mörder n. s. w. geworden, sondern nur trotz desselben. Ohne diese | Belebung dürften Sie aber bald aufbören, die Zahl; der Verbrecher statistisch aiiszuri-chtien, als viel- ׳ mehr den Proeeutsatz der ehrlichen Leute herausl zusuchen. Beides kann vereint werden, das Kind mag lernen; was es in den 2 wöchentlichen Stunden vom Religionslehrer hört, darf iu den auderen 166 W0.-hens1nmle.11 nicht vergessen, unwirksam gemacht oder gar durch schlechtes häusliches Bei-piel iti seiu Gegenthei) umgewaiuielt werden. Der Uuierricht ist auch nothwendig, um gegen unbewusste Fehler zu schützen. In unseren biblischen Uuterrichtsbüchern für Kinder ist Alles ausgescjiieden, was das Kind verirren könnte, Erzählungen wie die vom ersten Esel, der zur Unzeit gesprochen, fehlen, Stellen, wie ״Du sollst nicht ehebrechen“ sind gleich durch den Zusatz erklärt, ״Du sollst des Hauses Ehre un 1 Glück heilig halten“. Ob der Herr Kultusmini-ter, der diese Bücher zur Prüfung verlangt har, daraus Veranlassung nehmen wird, sic zur Nachahmung zu empfehlen, darf aber füglich bezweifelt werden. Die Prufungscotninission wird vor lauter Heruinsclmüfielu nachContrel ande das Gefühl für die in denselben enthaltenen Feinheiten eiubüssen. Giebt’s ungeschickte Lehrer der Religion? Zugegeben, aber deren iiiangelt’s auch in anderen Fächern nicht, wo Ungeschickte nicht geringeres Unheil aurichten können, z. B. in der Geschichte; darum wirJ Geschichte nicht, aus dem Unterricht,>plan verwiesen werden, das verlangt der Heir Prof, auch nicht, nur aut dem Gebiete des Religionsunterrichts darf mau ungestralt sein Müthcheu kühlen! Wann soll denn die Keuntniss der bi'd. Geschichte dem Mensohen beigebiaont werden? Die meisten Kinder vertauschen mit dem 14. Lebensjahre die Schulbank mit dem practischeu Leben, das mit seinen heutigen Auforüeruugeu wenig Zeit für BibelstuJien übrig lässt. Weuu intelligente dreizehn- bis vierzehnjährige Jungen schon die Ovid’soüeu .Metamorphosen lesen und von den nioht iin uer durch pädagogische Talente ausgezeichneten Ooerlehrern erklären Hören dürfen, wird ihnen die Biöel, mit Auswahl und einigem Geschiok vorgetragen, schon um ein paar Jahre früher nichts schaden. Der Autor verlangt einen breiteren Raum für den Unterricht iu Naturwissenschaften; ich bin hier mit ihm gleicher Ausioht. Andere verlangen aber dasselbe für die von ihnen vertretenen Fächer: die Philologen, die Historiker und— last not least —die Religioaslehrer,

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