Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 17. (21.4.1893)
- Date
- 1893-04-21
- Page
- Seite 65 (sequence 3)
- Language
- German
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— 65 Stammes (zum Priesterthum) . . den Unterschied von Heilig und Profan und einen gewaltigen Apparat des Cultus“ postulirt, 80 weist Naumann mit voller Beweiskraft auf die bezüglichen, 6ehr ausgedehnten Verhältnisse in der ägyptischen Hierarchie hin, wo der Unterschied zwischen Rein (= Heilig) und Unrein (= Profan), ganz wie im Pentateuob, vollkommen durchgeführt ist. (Man vgl. auch Bau dies in, Studien zur semit. Religionsgesch., Heft 1, 126 fl und einzelne der ib. S. 3f angeführten Schriften.) ln wie enger Beziehung zum mosaischen Gesetz steht die Unterscheidung von reinen und unreinen Thieren, von denen man, wie Herodot lerichtet, nur die ersteren opfern durfte! Erinnert nicht das Bekenntniss eines Gestorbenen beim Todtengericht im Abydus: ״Ich hasse, was unrein ibt, und esse es 1>icbtuin seiner Art an Dt. 26,14? Vgl. auch bez. des Ausdruoks ib. 12,31 n. A. m. Wir können es uns nicht versagen, aut das mosaische Gesetz der Besohneidung ein wenig näher eiozugehen, um Wellhausen’s Ansicht hierüber noch etwas nachdrücklicher zu widerlegen, als dies der Verf. thut. Aut der Suche nach einem histor. Aequivalent für dasCultusgesetz derBeschneiduug, dasW. ebenso zu begründen sucht, wie es sonst im Pentateuch mit der Cultusfrage der Fall sei, weist derselbe aut den Ex. 4,iö erzählten Vorgang hin. Das ist durchaus unstatthaft; sonst hätte der Rtdaclor es wohl nicht unterlassen, hier, wie z. B. Gen. 32,33, mit einer Formel, wie p על, das Gesetz in Israei’s Cultusleben einzutühren und zu sauetioniren. Das ״historische Aequivalent“ ist vielmehr nirgend anderswo zu suchen, als Gen. 17,10 ff', wonach jedes Kind, nicht jeder Bräutigam, vor der Hochzeit — die Gleichstellung von חתן ״Bräutigam“ (resp. Schwiegersohn) und ״beschneiden“, wie sie W., Proleg. 2. Aufl. 360 Anm. (3. Auil. 355) u. A. dociren, liegt noch weit im Felde — beschnitten werden solle. [Mit Recht weist übrigens der Verf., S. 57, nach Ebers, Egypten u. d. Büch. Mos. 278, darauf hin, dass der Phallus das Determinativ des Woites ״ama“ (unrein) ist; die Bedeutung der Beschneidung beruht hiernach sehr eintach in dtr Reinigung oder Reiuerhaliuug des Phallus, zunächst der physischen Reinheit, die das Symbol der moralischen war.] Die Beschneidung war aber von den Israeliten auch in Aegypten gehendi habt worden. Wenigstens setzt dies die Pessaoh- I Vorschrift Ex. 12,4311' unzweideutig voraus. Der עבד (Sklave), der vor der Beschueiduug zum Genüsse des Lammes nicht zugelasseu werden darf, kann sogar ein aegyptischer Unfreie sein, da die Beschueiduug in Aegypten nur Priestern und Königen zur Pflicht gemacht war. Israel aber wird tu beaolitenswertiier Weise mit beiden Epitheta belegt (□ממלכת כד,ני und daher גוי קדוש Ex. 111,6), während wir unter dein בן נבל nach dem späteren peutateuchischeu Spraohgebrauch, sei es תישב oder שכיר, wohl kauaniti>che Männer, denen die Beschueiduug wohl überhaupt fremd war, zu verstehen haben. Auch Airaham kommt ja aus jenen Gefilden nach Phöuizieu und Aegypten und lernt dort die Beschueiduug kennen. Daher wird ihm, dem bisher Unfruchtbaren dort das Wort Gottes, an sich und seinen Leuten die Beschneidüng zu vollziehen.— Für das Verständuiss des tragl. Cap1tels(Geu.l7) dürfte vielleicht tulgeudcErwäguug von nicht zu unterschätzender Bedeutung sein. Mau hat von medizinischer Seite aus die Thatsache festgestellt, dass der eheliche Umgang eines beschnittenen Mannes oft von nicht zu unbedeutendem Einfluss auf di# Ausbildung des Samens un Mutterleibe ist, — man beachte, dass über die uubeschmtteneu Philister eine ״Versohliessung“ desselben verhängt wird (Gau. 28, 10), über die besohnittenen Aegypter aber eine andere Bestrafung (ib. 12,17) — und ist wohl berechtigt, diese Beobachtung für die berührte Stelle in Geu. zu verwerthen. Dort wird die Ernennung Abrmm’s cum Stammvater des israelitischen Volkes*) mit dem Geb ote der Besohneidung verbunden, dessen Ausseraohtlassen eia Absterben der Familie zur Folge haben kann (ib. V. 14), und nachdemAbraham Fruchtbarkeit versprochen worden auch Sarah eine bedeutende Nachkommenschaft in Aussicht gestellt, worauf cap. 18 denn auch wirklioh cur Anregung zum erneuten ehelichen Umgang mit Sarah, der auch nioht ohne Folge bleibt (18,12), die Ankündigung der Geburt Isaak’s erfolgt. — Somit kann mit. vollem Rechte behauptet werden, dass sich in Abraham’8 Familie — Ismael, der gleichfalls Beschnittene, unterhält Beziehungen zu AegypteD, Gern 21,21 — die Einriohtung der Besohneidung dauernd, auch während des Aufenthalts in Aegypten, erhalten hat. (Auch Ismael wird, Geu. 17,20, Fruchtbarkeit versprochen). Dass nun, wie Naumann, p. 58 (nach Bunsen, Aegypten V. 368), meint, die Besohneidung ein Blut opfer darstellt, das der Herr an Stelle des Menschenopfers von seinen Getreuen fordert, dürfte namentlich vom biblisch-historischen Standpunkte aus stark bezweifelt werdeu. Wozu die Institution in ihrem Ursprung symbolisiren? Der Zusammenhang der Beschneidung der Kinder Mosobeh’s mit der Hervorhebung von Israei’s ״göttlicher Erstgeburt“ (Ex. 4,22), auf den N. hinweist:, um darau die Bemerkung zu knüpfen, dass der von Gott zu seinem Dienste erwählte Stamm Levi — der Stamm Moschen’s — die heiligende Bedeutung der Beschneidung sohon von seinem Ahnherrn würdigen lässt, der ״mit Simeon zugleich die von den Unbeschnittenen (Gen. 34) ihrer Schwester angethane Sohmaoh gerächt und die Stammesreinheit durch die Verhinderung der Ehe selbst mit den nachträglich Beschnittenen (so ist S. 59 ZI. 13 st. Verschnittenen, und taugt ib. ZI. 15 st. taucht zu lesen) gewahrt, weshalb er wegen seiner Unduldsamkeit gegen die verunreinigenden Fleisches- Sünden sehr wohl zum Dienste des Herrn tauge“, dürfte sehr gezwungen erscheinen. Uebrigens hätte, wenn in Simeon’s und Levi’s Handlungsweise soloh ein edler Eifer zu suchen wäre, gegen den auch der Wortlaut an der gen. St. spricht, Jacob seiner Söhne Zorn und Heftigkeit wohl nicht verurtheilt. Wozu — und damit dürfte Naumann’s Behauptung, dass die Beschneidung die Stelle eines blutigen Menschenopfers vertrete, widerlegt sein — hätte der Herr dann von Abraham nochmals die Opferung seines Sohnes verlangt (Geu. 22), nachdem au diesem bereits vorher (21,4) die Beschueiduug vollzogen war? — S. 63 ZI. 13 v. u. ist 16, ..9 ein Dtuokfehler; S. 66 ZI. 2 v. o. 1. Hagar**); S. 72 Anm. st. der. . . Dictionnaire 1. das D .. . onaire. Die 7״ Todsünden“, welche N. (nach Pleyte in s. Besprechung des 125. Kapitels des Toteubuohs) S. 60 anführt, um die Erfordernisse der Reinheit zu kennzeichnen: Tyrannei, Lüge, Sacrilegium, Härte, Mord, Ehebruch und Diebstahl, erinueru au die fast ebenso lautenden 7״ noaohidisohen Gebote“, über welche ev. Klotz’ Aufsatz in meinen ״Monatsblättern“, S. 10, zu vergleichen ist. (Forts, folgt.) *1 Vjjl. meine Notiz iibir אב“״מ -in •Jüd. Lit.-Hl. 11> No. f>2 (־ .אJ0t> b.) **; lla^ar bedeutet eig. , ' > i'luohti}; u die Flucht Ge- ■׳: T(:l ״Ztschr t. aeg. Spiacke u. Alterthun.skde.“ 1881,lä'j.