Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 17. (21.4.1893)
- Date
- 1893-04-21
- Page
- Seite 64 (sequence 2)
- Language
- German
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— 64 Egidy’s Auftreten ceigen, dass das Christenthum noch nicht der letzte Fortschritt war, und es ist unerfindlich, warumE. sich 80 ängstlich an dieses Wort klammert? Was er Christenpiiioht nennt, ist auch das Drum und Dran des Judenthums, wurde zwar im Christenthume viel öfter und nachdrücklicher b!e tont, aber auch viel öfter und grausamer mit Füssen getreten — u. zwar immer mit dem Namen des Christecthums auf den heuchlerischen Lippen, also aus Christenpflicht! Wozu also für das kostbare Bild dieser Bahmen, dessen Echtheit angezweifelt Werden kann? Die Jünger um den Meister brauchen ihn nicht, und neue Anhänger sind damit nicht zu gewinnen! Die reineBeligiou ist weder jüdisch noch christlich, sie ist das Ethabene au sich, sie ist wie die Minerva, welche völlig gewappnet und gerüstet aus dem Haupte Jupiters gesprungen — das Judeuthum hat die Erkenntniss derselben geboren, das Chi ist ent hum hat sie grossgezogen; wenn nun dieses Elternpaar sich trennt, oder auch nur nicht au eiuem Strange zieht, und verschiedene Erziehungsmethoden anweudet, dann wird die Erziehung der Menschheit zur vollen Erkenntniss — seihst mit Herin v. E. — niemals vollendet werden. Durch Uebergaug zur Tagesordnung über das Judeuthum ist der bieg der Wahrheit undenkbar. Warum ist die zweite Ueberschrift ״Wahres M en s 0 h e n t h u m“ nicht als erste an die!Spitze gesetzt? lu diesem begegnen sich Judenthum u. Christenthum, und diejenige Religion, deren Bestrebungen nicht ein einiges Menschenthum erzielen, durch diesen Begriff nicht gedeckt werden, trägt den Todeskeim iu sich. Dass diese Unterlassungssünde des Herrn v. Esehr verhäugnissvoll ist und iu den Köpfen seiner erleuchteten Umgebung heillose Verwirrung aurichtet, das zeigt, sich iu diesem Heft 3, in dem Aufsatze Lehmaun-Hohenberg’s, welcher aut die an sieb herrliehe Einleitung E.’s folgt, und ״Wissen und Wollen“ überschrieben ist. Es sei von vorweg bemerkt, da-s die Ansichten des Herrn Prof. Lehmann-Hohenberg, als Förderung der Bestrebungen Egidy’s angesehen, sehr befiemdend wirken, und dessen grundsätzliche!Stellungnahme gegen den biblischen Reiigiousunterrieht in der!Schiift. der ״Gesellschaft tür ethische Kultui “ besser am Platze gewesen wäre. In diesem Aufsatze schon hat das, was wir bei Herrn v. E. bemängelten, seine Flüchte getragen. Herr v. E. ignorirt das Judeuthum und will das Christenthum aus allen Dogmen herausschälen — HerrL.-H. sieht bereits souverain auf Andersdenkende herab, verurtheilt Alles, was nicht in seinen Kram passt, seine Ansichten hält er durch Behauptungen schon tür erwiesen, scheut sich nicht, (cf. .S. 95, Z. 8—0 v. u.) kühne wegwerfende Aussprüche gegen ״andere religiöse Formen — einerlei ob wir sie billigen, oder nicht — zu unterschreiben, ist aber voll bewundernswürdiger Nachsicht tür alle möglichen Vorurtheile imSohoosse des Christeuthums und dessen Bekenner — und kann darum mit dieser an’s Verletzend« streiieinleii Rücksichtslosigkeit die ganze Bewegung nur schädigen und sie, bei seiner führenden Stellung iu ihr, in völlig andere Bahnen lenken, was wir lect.t. sehr bedauern müssen. Yie es von dem, wader Herr Verf. unter der Uebeiscnrilt ״Bibel und Schöpfung“ als uuumstösslich hinstellt, ist noch recht strittig und leicht anfechtbar. (Forts, folgt.) Zur modernen Pentateuchkritik. Von B. KiVnigsberger. V. Wir wollen in Folgendem nur in Kürze, um nioht den Rahmen dieses Aufsatzes allzusehr zu überschreiten, Einiges aus der ägyptologisohen Diotion des Verf. auführen resp. ergänzen; Näheres kennen zu lernen, möge sich der wissbegierige Leser durch die^jeotüre der beiden Schriften nicht entgehen lassen. Der אביר יעקב Gen. 49,24 8011 polemisch um gebildete Erinnerungen an den in Aegypten verehrten Apisstier wecken, wie der Verf. Wellhausen berichtigt; die Eselin Bileam’s ist nach des Verf. Vermuthung vielleicht ein dem von den semitischen Asiaten jener Gegend (Amu) verehrten Gotte Seth geweihtes Thier, durch dessen Mund 8ioh der Engel dem heidnischen Seher offenbarte. Auch die Schlange weist aut das Symbol des ägyptischen ״Arztgottes“Thot hin, ohne in der hl. Schrift der Beziehung zulhvh zu entbehren; ferner das goldene Kalb, welches au den gleichartigen Dienst Aegypten’s erinnert, bei welchem sowohl St ier, wie Schakale mitGoldblech überzogen uud tu den Prozessionen herumgetragen wurden, und die heilige (weisse, vgl. dagegen Num.j 19) Kuh, in welcher mau die Mondgöttin auf dem Sinaigebirge verehrt haben soll (Brugsch, Diot. giogr. 391). S i u, der Mondgott und als solcher Arztgott, wie der ägyptische Thot, ist übrigens, wie Naumann (nach Oppert-Meuant, Docum. jurid. 123) anführt, der Glänzende, der den hohen Himmel bewohnt, der den Aussatz verhängt. Es weisen somit die Aussatzgesetze Lev. 13. 14 durch ihre ausdrücklichen Beziehungen zum ägyptischen Gultusleben gewiss in hohes Alter, hinauf. — Auch das Stillstehen der Sonne (nicht auch des Mondes) erklärt der Verf. aus ägyptischen Aualogieen. Das betr. Citat aus dem ספר הישר zu Jos. 10,13, das nach der landläufigen Meinung ״einem alten Liederfragment, dem ßu:;h der Gerechten (?) entnommen“ sein soll, hat seine Parallele in einer Aufschrift der Metternich-Stele (? הישר ‘D), iu welcher es heisst: ״Da stiess Isis (in der Bibel: Josua) aus ihren Ruf gen Himmel uud ihre Bitte zum Schiff der Ewigkeiten (sc. der Sonneubarke). Die Sonne stand still bei ihrem Eintreffen (? לבא), sie bewegte sich nioht von ihrem Platze“. — Wenn nuuWellh. die Erinnerung des goldenen Kalbes au die ägyptische Vergangenheit mit der Bemerkung abweist, die Aegypter hätten nur lebendige Thiere augebetet, so hätte der Verf. nicht blos den Nachweis zu führen gebraucht, dass sie auch Götzenbilder etc. besasseu, sondern, ganz besonders darauf hiuweisen können, dass die Israeliten die lebenden Götzen ihrer Bedrücker schlachten und verzehren gelernt hatten (Gen. 43,32. Ei. 8,22. 10,26. 12.), sodass ihnen nur die Anfertigung und damit verbundene Verehrung von Guss- und ähnlichen Bildern (mit Rücksicht auf das goldene Kalb) verboten zu werden brauchte. Dass aber Ex. 32 nicht ein mit Gold überzogeues Schnitzbild, sondern ein (wenigstens nach dem einfachen Wortsiun) ganz gegossenes hergestellt wurde, hat wohl in der Eile seinen Grund, mit der es gefertigt wur.le. Auch Sohnitzbilder werden ja verboten! Es gab also wohl beide Arten von Bildern iu Aegypten. Die Geschichte Aegyptens spricht ferner von einem Hohenpriester ,״Oberprophet“, vgl. נביאל Ex. 7,1), dessen Würde auf seinen Sohn überging und somit erblich war. Wenn nuuWellhausen tür die Aunähme der frühzeitig en ״Absonderung eines ganzen