Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1893-04-21 · N° 17. (21.4.1893) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 17. (21.4.1893)
Date
1893-04-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/6492408-10001603-5991401--2743-5369096
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

äJüL Jüdisches Müä Litteratur-Blatt. yn Relttrhtift* illn Jaritnlhira and Jeden hefr* (Tenden litlerariaehen Re« •ebfluaijrti aaf dam UebleU der Philo* •aphle, Garlilrhte, Ftbao^reaphie, Theo* loffla, OrieatalU, Kxegeea, Homilettk, Mfarpfk a. rädi«öfrfk. Heransgegeben Rabbiner I)r. Moritz Halimer. 0l£ag9«6m^, 3e» 21. 6lptil 1393. Hüchw d*r flntcblA^irpa LltltraUr, «tlek« il*r KMartloa nniu4l w.räaa. ftaSea ln din.m Itlatt« elaaehaaSe Beapnakaae. Hat Klnaandanf roa a w e I Rceaatlaaa- Kumiplar»« erfolgt elaaialiaa karae (i ra tl -laaarttoa. Das „jüdische LIUeratnr-Blatt“ erscheint w5 chentlioh in einem halben Bo»eu. Preis bei allen Buchhandlungent io Le ipzig bei Robert Friese pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der „Israelitischen Woihenschrttf* die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Hark zahlen, erhalten das „Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. - Inserate werden mit 26 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Hark, berechnet und sind an die Bxpeiition dieses Blattes zu senden. Buchhfindler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate oinssnlen, er mit n 25 jC Rabatt. Inhalt: Wisseuschattliche Aufsätze: „Einiges Christenthum.u Volksschrift zur Förderung der Bestrebungen M. v. Egidy’s, Heft 3. Besprochen von Dr. Siuger-Coblenz. I. — Zur modernen Pentatenohkritik. V. Von B. Königsberger. Li tteraturbericht: Receusion: Hannes, Dr. L. Des Averroes Abhandlang „Ueber die Möglichkeit der Conjunction etc. (Schluss.) Litterarische Anzeigen. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nloht gestattet. „Einiges Christenthum“. Yolksschrift *. Förderung d. Bestrebungen H.v. Egidy’s, Heft 8*), Besprochen von Dr. Singer-Coblenz. I. Wenn Herr v. Egidy das Wort ergreift, überkommt dem Hörer oder Leser eine Messiasstimmung, dennoch — vielleicht eben deshalb — drängt sioh ihm die unabweisbare üeberzeugung auf, dass Egidy zu früh oder zu spät gekommen — zu spät um ca. 15 Jahre, damals in ruhigerer Zeit wäre seine Stimme besser durchgedrungen, aber auch zu früh, denn es fehlt dem Volke, an das er sich wendet, die sittliche Reife, ihn zu verstehen und zu würdigen. Es ist denkfaul, und verschlingt mit heisseröier eher zehn Ahlwardtiaden, als dass es sioh eine Egidy’sche Mesßiade munden liesse. Ich thäte aber dem Volke unreoht, wollte ich uioht ergänzend hervorheben, dass , es in den Regionen der obereu Zehntausend nicht , viel besser anssieht, das hat a: ch Egidy an seinem mörper, hoffentlich schmerzlos, erfahren, denn wenn die Fangsohnüre seinem Ideale mehr entsprochen hätten, als der erhabene Beruf, Lehrer der Menschheit über Alles, was gut, sohön und edel sein zu wollen, er konnte die ihm gewiss nicht überraschend gekommene Operation leicht vermeiden, er brauchte nur zu — schweigen! Das verschmähte er, das vertrug sein Geist ebensowenig, wiegährender, edler Wein die Einengung in Fässern, welche — hölzern sind; er rüttelte, einem Simson gleich, au den morschen Säulen, schüttelte seine Arme mit Macht, sodass die Ketteu der eisernen rücksichtslosen, geisttödtenden Disciplin von ihm herniederfielen, und ans dem Kriegsobersten ward ein Apostel des Friedens. Allein seine an streDgen militärischen Gehorsam gewöhnten Augen fanden eine Menge vor, der die Unoidnung bereits in Fleisch und Blut übergegaugen *) Verla' der Volkssc) ritt „Einiges Christenthum“ Kiel, Falkstr. 9. war, und welche diese für deu natürlichen Zustand der Dmge hält. Die Welt sieht anders aus, als wie Egidy sie sioh gemalt, sie staunt ihii, — den Rufer im unblutigen Streite gegen den herrschenden Materialismus und dessen böses Gefolge: Neid, Hass, Verfolguugs- und Rachsucht — wie ein unbegreifliches Wunder an, sie versteht ihn nicht, denn sie fühlt kein Besserungsbedürfniss, und so ist Hr. v. E. für die anscheinend nooh im Stadium des Abwärtssteigens sich befindende Religiousbewegung iu der heutigen Christenheit genau dasselbe, was Wagner für die Musik gewesen! Er findet zu weuig Gegenliebe, Verständniss nur bei intelligenteu Männern, welche schon vor den „Ernsten Gedaukeu“ ernst zu denken pflegten und sich nun um den Mann soh&areu, welcher den Muth hatte, das auszuspreohen, was ihnen dunkel vorschwebte, welcher seit langer Zeit der Erste war, welcher mit etwas Fassbarem in die Erscheinung trat. Aber mit einem Generalstab stürzt man keine Vorurtheilsmauern, mit Offizieren allem gewinnt man keine Schlachten; es steht für jetzt nur eine Armee für Hm. v. E. in Bereitsoh&ft, und diese stösst er von sich; es giebt in der breiten Volkamasse nur einen für seine Lehren und Ideen empfänglichen und wohlverbereiteten Boden, der nur auf ihu harret, und für diesen, ach, hat Egidy nooh uioht das rechte Zauberwort gefunden. Das Judenthum findet in jedem Satze E.’s bekannte liebliohe Töne aus seiner eigenen Vergangenheit für die Zukunft der ganzen Menschheit; das Judenthum braucht einen Egidy, und weiss es auch, und ersehnt ihn auoh, aber dieser ist es nicht, dieser will es nicht sein. Dieser jagt lieber einer Fata Morgana n&oh, wenn sie nur in christlichen Farben sohillert, die Fahne des Christenthums wehen lässt; diese aber hat von jeher ein namentlich unsere Ohren betäubendes Geräusch gemacht, ein unser Herz zerreissende Melodie gekuarrt, und thut uns nooh immer weh, so oft sie sioh ostentativ bemerkbar macht, denn wir müssen in der Regel die Kosten tragen, wie ioh schon bei einer früheren Gelegenheit Hru. v. E. nachzuweiseu die Ehre hatte. Herr v. E. will das freilich nicht, er liebt auch den Menschen ausser dem Christen, weil die Christenlehre es ihm gebietet, verschliesst sich aber — und ich muss auuenmen: bewusst — der Ueberzeuguug, dass seine edlen Gefühle einen altern Ursprung haben. Er hat sogar gelobt (Heft!) gut za machen, was die Väter gegen uns grlrevelt, aoer dass sie gesiiudigt, sündigen konnten im Namen der Religion des Cntisteutkumes — diese Möglichkeit ua i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.