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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1893-04-14 · N° 16. (14.4.1893) · p. Seite 61

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 16. (14.4.1893)
Date
1893-04-14
Page
Seite 61 (sequence 3)
Language
German
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weohselt werden darf mit Isserlein, der als Hotbankier 100 Jahre später in Wien-Neustadt lebte. Die Grafen Ullrich und Herrmann von Cilli entlehnten 20 Tausend Goldgulden von ihren Gawersohen zur Ausrüstung ihrer Eeisigen in den bairisoh-tirolisohen" Kriegen. Auch das Bisthum Gurk stand mit diesen Gawersohen in Geschäftsverbindung. Der berühmteste und bekannteste Hofgawersohen zur Zeit der Erwerbung Tirols war der Jude Meister Süzzlein, genannt David Steussel in Wien, der in Verbindung mit einer ganzen Commanditgesellschaft die schwierigsten Fiuanzoperationen des Herzogs Rudolf IV. und seines Kanzler Bisohof Johann durohführte und speziell zur Erwerbung Tirols die grössten Geldmittel zur Verfügung stellte. Der Kanzler nennt ihn deshalb auch ״unser lieber Freund, der uns in besonderer Treue und Freundschaft zugethau war*. David SteuBsel besorgte auch alle Privatgeschäfte des bisohöfl. Kanzlers Rudolf IV. und borgte sogar für die Nothdurft des Gotteshauses in Brixen 100Pfund Pfennige(s.diefolg.Urk.ddo.35.1364) Auch die anderen adeligen Streiter in den Tirolerkriegen beurkunden von 1350—1370, dass jüdische Gawerschen bereitwilligst grosse Summen zur Ausrüstung der Söldlinge vorstreokten (Ein zweiter österr. jüdischer Hofwechsler lebte später in Basel; vide Urkunde 1382). Insbesondere die Schauenberge, Soharfenberge, Ortenburger, Tybeiner, Aufensteiner, Ghatzensteiner, Lichtensteiner, Gutensteiuer, Auwersperge, Seidenhofen, Walsen, Puchheime, die alle bei der Erwerbung Tirols den österreichischen Herzögen grosse, unvergängliche Dienste geleistet hatten, sie alle bezeugen urkundlich die Opfer Willigkeit und den Patriotismus ihrer christlichen und jüdischen Gawerschen zur Zeit der österreichischtirolisohbairischen Erbfolgekriege. Nooh im Jahr 1367 beurkundet Herzog Albrecht ddo. Wieu 16. Juni, dass die Judenm.eister für zwei flüchtige Gawersohen in Cilli 20 Tausend Gulden zu bezahlen haben. Die Namen der Judenmeister sind: Baruoh vod Wien, Musoh von Perohtoldsdorf, Isserlein von Neuenburg, Isserlein vou Oedeubürg, Slömlein und Jaklein, des Steuzzleins süne in Wien. — Die Urkunde ddo. 3. 5. l.>6l lautet: ״Wir Johannes von Gottes Genaden Bischof zu J> r ic hsen n/ntrens genädigen Herrn Herzog Fudolfs ron Oester• reich Kanzler thun chund ojjent/eich mit diesem briefe, daz der erOare un * nutzer unser lieber Freund David der Steuzzel der Jude zu W ien g e s e tze n durch beendete Treue und T r e u nd s c h a f t, die er zu uns hat, uns von andern Juden zu Wien ausgenommen und verliehen hat hundert pfund wiener Pfennig, die wir alzo beraits von ime empfangen und in unterer und unseres Gotteshauses Notdurft bekehret haben, Und swann er andern Jüdin von denen er dasselbe gut hat ausgenommen dafür durch unsern II dien versetzt hat 10 silbreine Schalent 4 silbreine Gürtel und 13‘/4 tot perleny darumb haben wir dem vorgenannten Steussen verhaizzeti und gelobet mit unseren Treuen, das wir ihm I oder seinen hrtben derselben 100 pfund wiedergeben und gelten stillen nächstkünftigen Margarethentag an alles geverde und pinden auch unser vorgenanntes Gotteshaus vestigkleich und whzentteich mit diesem brief. StVere aber daz wir oder unser Nachkomm<n mit saumung und vertzogen daran wären, so soll uns«/ gnädiger Herr der hertzog v״n Oesterreich und Markgraf tu Tyrol des vorgenannten Ge/ts an vorgenannten Steuzzen nach vorgenannter frist verrichten und bezahlen an all Widerrede, an alt gewerdt. Und darüber zu urkhund geben wir für uns und unser GotUskius und unseren Nachkommen dem vorgenannten Steussen und seinen Lrben diesen Brief versiegelten mit unserem anhängenden Insigel. Der geben ist zu Wien an des heil, kreuzt, zc. M, a/s et erfunden ward. Nach Christus gepurd 1300 /(//' und darnach in dem 04. jare 1304 3. Mai). (Nach dem Original des k. k. geh. Haus•, Hof- und Staats-Arehives.) Auf der Rückseite der Urkunde befindet sich folgende hebr. Note in zierlicher Quadratschrift, die offen bar vom Gläubiger des Bischofs notirt wurde, um gelegentlich der bevorstehenden Abrechnung citirt zu werdeu. יותר לריבות נ, ליטרא מיום ראשון לד קלנדא לדצירה) ק־כ׳ו [= 1366] Es scheint dies eine Prolougation'der restirenden Schuld zu sein. רשי׳ן לצדקה שלי - ולא כן אם לא ישלם כל החובות לל זה שחייב הנלוז בכל הכחבו׳ שיבחו(!0») משאר נכסי־ לצדקה Naoh dem Wortlaute der letzten 2 Zeilen scheint Bischof Johaun von Briohsen dem David Steuss in Wien allein 510 Pfand nooh schuldig gewesen zu sein. Aaoh war eine Deckung für alle anderen Gläubiger vorhanden, falls irgendwelche Differenzen zu gerioht- Hohen Schritten Veranlassung geben würden. Litteraturbericht. Recensionen. Grün, Nathan, Dr. Rabbiner, 1. ׳ראשית דת מורשה Anfangsunterricht in der mosaisohen Religion. Zweite verbesserte Auflage. Prag. Verlag von J. B. Brandeis. 2. תורת דת מירעזה, Lesebuoh der mosaischen Religion und der biblischen Gesohiohte. 2. Stufe. 3. 4. Lehrbuch der mosaisohen Religion und der israelitischen Gesohiohte. 3. und 4. Stufe. Die Concentrationsidee, wie sie in den vorliegenden Lehrbüchern zum Ausdruck kommt, ist heutzutage auf dem Gebiete des jüdischen Religionsunterriohts unbedingt hochzuhalten und in die Praxis zu ibertragen; wenn wir auch in uuseren Religionssohulen dies nicht in der Eigentümlichkeit der Herbart-Ziller'schen Schule, wonaoh der biblisohe Gesinnnngsstoff eine concentrirende Stellung allen anderen Disciplinen gegenüber einzunelunen hat, betreiben können und wollen. Herr Dr. Grün hat mit vollem Verständnis für die an den jüdischen Religionsunterrieht zu steliemien Forderungen die sioh gestellte Aufgabe, paedagogisohen Grundsätzen entsprechend, trefflich gelöst, er hat es verstanden, Gesohiohte und 1 Religion harmonisch mit einander zu verbinden, den religiös-sittiiohen Gehalt aus dea einzelnen Geschiehten herauszuheben, eingedenk dessen, dass jede biblische GesohichtsstuuUe zugleich eine Religionsstunde sein soll. Wenn wir in Folgendem einige Ausstellungen verzeichnen, so soll das niohts an der Brauchbarkeit der angezeigten Lehrbücher ändern. ln No. 1 wird die kateohetische Lehrform äugewandf, für die wir uns nicht begeistern können, denn duroh die Fragen gewöhnt sich der Sohüler daran, die Antworten wörtlioh auswendig zu lernen, es entsteht also ein Verbalmeohanismus, der gerade beim Religions-Uuterrioht verhängnisvoll werden kann. Einzelne Fragen gehen aber aaoh über den Ansohauungskreis der Schüler im ersten Schuljahre hinaus, so im ersten Capitel ״Gott ist Schöpfer der Welt,“ Fragen wie: Was heisst: Gott ist allmächtig, allgütig, allweise; die Frage: Was heisst beten (S. 46) ist aut jeder Stufe überflüssig. Eine grosse Anzahl Fragen ist formell unriohtig, iusoteru nämlich, als mit Ja oder Nein zu antworten ist, während der Herr Verf eine andere, den Kern der Saohe erfassende Anwort wüusoht und auoh giebt, so in No. 58, 59, 61, 76, 82, 83, 89, 90 u. s. w. Völlig unbrauohbar ist eine Frage, wie No. 60: ״Was that Abraham aut seiuen Zügen?“ Die Frage müsste etwa lauten: ״Wie bethätigte Abrabam seine fromme Gesinnung auf seinen Wauderzügen?“ No. 1 bearbeitet den Geschiohtsstoff bis zur Gesetzgebung am Berge Sinai.

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