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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1893-04-01 · N° 14-15. (1.4.1893) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 14-15. (1.4.1893)
Date
1893-04-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Beilage zu Nr. 1415־ des ״Jüd. Litteratur-Blatts“. im Talmud ihren Quellpunkt finden. (Vgl. H. Jesode torah und H. Melaehim.) Viertens endlich die kritische Methode, welche den Talmud an sioh zur Wissenschaft macht. Diese Methode, welche in I der Gegenwart ihrer tüohtigen Vertreter hat, wurde bereits vom R. Elia Wilna in seinen Adnotationen (הנהות) zu dem babylonischen Talmud mit Glück und Geschiok erschlossen, und diese zu behandeln sei die Aufgabe dieser kurzen Auseinandersetzung. (F. f.) Litteraturberieht. Recensionen. Hannes, Dr. L. Des Averroes Abhandlung ״Ueber die Möglichkeit der Conjunktion“ oder ״Ueber den materiellen Intellekt“ nach Handschriften zum ersten Male herausgegeben, übersetzt, erläutert und mit Ein־ leitung und Parallelstellen versehen. Heft L Halle a. S. Buchhandlung Eaemmerer & Co. 1S93. Habent sua fata libelli. Auch Bücher unterliegen gar oft der tückischen Laune des Schicksals. Die werthvollsten GeisteseTzeugnisse der menschlichen Denkthätigkeit werden von ihr nicht geschont und erbarmungslos dem Untergange geweiht. So wäre es zweifellos auch dem in der Ueberschrift genannten Werke ergangen, hätte nicht der israelitische Geist, dem unstreitig ein grosser Theil dos Verdienstes bei Uebertragung der Samenkörner der arabischen Philo• sophie zur Befruchtung des Abendlandes zuerkannt werden muss, den gediegenen und scharfsinnigen Inhalt jenes Buches des Geistesheroen unter den Aristotelikern sich zu eigen gemacht, in das Gewand der heiligen Sprache gekleidet und in diesem Schmucke es dem Untergang entrissen nnd aus der Vergessenheit der Nachwelt herübergerettet. Denn nur in dieser Sprache ist es in den Schatzkammern der Wissen־ schatten, in den verschiedenen Bibliotheken, noch anzutreffen. Aber es haben unsere Weisen wohl auoh recht, wenn sie sagen: ״Die Gelehrten finden selbst im Grabe keine Ruhe.“ Denn sie werden von ihren Nachfolgern, oft erst von viel spätem Generationen, die in ihrem Geiste in der Wissenschaft arbeiten und forschen, um ihr stets neue Quellen zu eröffnen, aus ihren Gräbern autgescheucht, um ihren Geist in den Lehrhäusern Wiedererstehen zu lassen. So hat Averroes auoh duroh dieses Werk sohon mehrmals den Auferstehungsprozess durohgemaoht. Jener Anonymus, der als erster dieses Werk durch die Uebertragung aus dem Arabischen ins Hebräische eine Metamorphose durohmaohen liess, muss unbedingt ein Mann von Geist und Namen gewesen sein, wenn er die Bedeutung dieses Werkes erfasst nnd das Bestreben an den Tag gelegt hat, den Wissenssohatz desselben duroh eine Ueb9rsetzung dem jüdischen Gelehrtenkreise zuuäohst und unmittel־ bar daduroh auoh der gesummten Gelehrtenwelt zu ersohliessen. Und Sohem־Tob und Mose Narbonensis, die bedeutendsten Erklärer des Maimanisohen ״ Führer der Verzweifelnden“, die auoh dieses Werk, wie be־ kannt, mit ihren Gommeutaren versehen haben, sie gehören ebenfalls zu denjenigen Männern, die sioh nicht in geringem Maasse verdienstvolle Anerkennung auf dem Gebiete der mittelalterlichen Philosophie erworben haben. Die nunmehr erfolgte neue Herausgabe eines Theiles dieses Werkes als vorläufiges erstes Heft (im Ganzen in möglichst correkter Form nach den ver־ schiedenen, vom Autor dazu benutzten Handsohriften,) als auch die fast peinlioh wörtliohe, deutsohe Uebersetzung darf an sioh das Verdienst mit vollem Rechte in Anspruch nehnen, zum ersten Male den tief durohdaohten metaphysischen Inhalt in dem Werke des berühmten Averroes der deutschen Litteratur zugäng• lieh gemacht zu haben. Aus der Fülle der sehr saoh־ lieh angebrachten und an nöthiger Stelle mit einer klaren Üebersetzung versehenen Anmerkungen ist ersichtlich, mit welchem Fleisse der Editor bemüht war, in den Gegenstand sich zu vertiefen, in ihn einzudringen und sioh vorerst eine allseitige Vertrautheit mit demselben durch ein fleissiges Duroharbeiten der mit Geschiok benutzten einschlägigen Quellen zu verschaden. Der behandelte Gegenstand selbst gehört seiner Natur nach schou zu einem der schwierigsten, die Aristoteles seineu Nachfolgern, den Aristotelikern, als Erbstück zum tiefen Nachdenken und zum Streit־ Objekte hinterlassen hat. DieSoheiduug uni Trennung nämlich des menschlichen Geistes oder der mensch־ liehen Seele in einen voö; 6X1x6; und einen voö; )((nptaiö; (der Verf. selbst nennt hingegen in seiner Einleitung S. 5 nach Ueberweg Gesoh. d. Phil. B. I S. 200 den voO; ^topurtö{, voö; TOtrjttxd;, obgleioh Ueberweg selbst zur Stelle bemerkt ״wiewohl der Ausdruck voO; xoa)T1x6; von Aristoteles selbst wie für das thätige Prinzip gebraucht wird“), so wie der Vergleich des voö; 6X1x15; mit einer tabula rasa, über welohen Aristoteles ebensowenig wie über das Verhältnis dieser zwei Faktoren der Seele zu einander sich klar und deutlich ausgesprochen hat, sowie endlioh die originelle Denkweise des unsterblichen Philosophen überhaupt, haben den Nachfolgern, den Peripatetikern, Veranlassung zur Aufwerfung d«r sohweron Frage der ״Conjunktion“ gegeben, nämlioh: aut welche Weise denn der getrennte (שכל נבדל) und materielle Geist (שכל ההיולני) sich mit einander zu einer einheitlichen Thätigkeit in Verbindung setzen? Ob dieser überhaupt schon bei Lebzeiten des Menschen die höchste Form zu begreifen und somit diese selbst zu erlangen im Stande ist? Nicht geringere Männer als Alexander Aphrodisiensis, Themistius und Averroes, 80 wie auoh Gersonides (מלחמות השם, מאמר ראשון) und mehrere andere nahmm den Streitgegenstand mit kühnem Muthe auf und machten sioh daran, dieses äusserst subtile Problem einer Lösung zuzuführen. Der Versuoh einer solohen Lösung zeitigte eben das Produkt des in Rede stehenden Werkes. Ist sohon der Gegenstand an sioh ein soloher, der die Geistesschärfe gleichsam zum Kampfe herausfordert, so hatte der Herausgeber und Uebersetzer ausserdem dabei noch mit verschiedenen Handsohriften sioh zu beschäftigen, von denen eine jede in ihrer Weise duroh Inkorrektheiten ihm die Arbeit in nioht geringem Masse erschwert hat. Und nuu erst die Üebersetzung selbst, die für sioh wieder eine Schwierigkeit anderer Art ihm in den Weg gelegt hat. Es ist manche Stelle in diesem Hefte vom Herausgeber missverstanden und daher auoh unrichtig übersetzt worden. Wir wollen im Folgenden die betreffenden Stellen eingehend besprechen. (Fortsetzung folgt.)

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