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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1893-04-01 · N° 14-15. (1.4.1893) · p. Seite 56

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 14-15. (1.4.1893)
Date
1893-04-01
Page
Seite 56 (sequence 4)
Language
German
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— 56 — Wir geben nun das Wichtigste aus M, D. Hoff- 1 mann’s Buch u. z. aus dem uns hier interessirenden I Artikel ״ כתב אשוריתassyrische Schrift“ (R. 5«—61). j Im/Tractate Synhedrin (taim. babyl.fol. 23) lesen wir i אמי־ מר זוט־א ואי תינו. א מי־ עיקבא בתחילה ניתנה תורה j לישראל בכתב דברי ולשון הקדש חורה וניתנה להם בימי i! עזרא בכתב אשורית ולשון ארמי, ביררו! להן ישראל כתב אשורית ולדייק והניחו להדיוטות כתב עברית ולשין ארמית מאן j הדיוטות אמר רי׳ח כותאי מא1 כתב:עברית אמר רב חסדא I .כתב ליבונאי! . Es sj)rach MarSutra und Einige sagen Mar Ukba^! Anfangs wurde Thora dem israG. Volke in ebraisrher i Schrift und in der heiligen Sprache gegeben, zurZeit; Esra’s wurde sie ihnen nochmals in assyrischer Schrift ' und aramäischer Sprache gegeben. Daraus wählte j sich Israel die assyrbche Schritt und die heilige Sprache . aus, und liess tien Idioten (den Nicktju len) <lie hebräische S ■lirifi und die aramäische Sprache; wer; sind die Idioten, Rabbi Chisda sagt: das sind die j Kuthäer, die hebräische Schrift ist die Libonäiscbe i Schrift.“ Die libonäische Sei rift wird von unserem Autor . zur K eilsohrift gemacht, weil ja in der That die Keil-; inschritten zum grössten Theil in Steintäfelchen und gebrannte Ziegelsteine eingegiaben wurden und im Hebräischeu לבנ״ם Ziegel, und zwar bis zur Weissglühhitze (von לבן wei?s) gebrannt, bedeuten. Auch das talmudische Wort רעץ deutet auf nud bezeichnet die Keilschrift. Ja noch mehr im 7-1. Gapitel der Psalmen findet M. D. Hoffmaun eiueu Beweis für die Keilschrift u. z. in folgenden Versen 4—Ü: שאגי צורריד בקרב מועדיה שמו אות ו תם אותות. יודע כמביא למעלה בסבך עץ קדדומות. ועת־, פתיחיה יחד בכשיל וכילפוח. יהדמון. ״Es brüllen deine Widersacher inmitten deiner Ver^ainralungstätten und machen ihre Zeichen zu Zeichen**) (d. h. sie verdrängen die jüdischen Schrittzüge durch ihre, die assyrisch-babylonischen nämlich). Es wird bekannt gemacht (durch ihre Keilschrift- Zeichen nämlich), als ob mau in ein Gesträuch Aexte bringt, und nun ihre Eröffnungen (Mittkeiluugen) mit Axt und Hacke schlagen sie dieselben ein.“ Wie das Wort ״Keilschrift“ schon sagt, war nicht nur die Form der Buchstaben eine keilförmige, sondern man musste mit eisernen Griffeln uud feinen Aexten die Buchstaben eiuhauen und einmeisselu. Diese neue Erklärung des schwierigen 74. Psalms ist jedenfalls der Erwägung werth, und zwar um so mehr, wenn man bedenkt, dass es der 2. Psalm des 3. Butins ist, am Schluss des 72 Psalms ist zu lesen: כלו תפלות דור בן ישי (Zu Ende sind die Psalmen David’s des Sohnes Jisai’s.) Es scheint, also anoh sohon für den Sammler und Redactor des Psalters der babylonische Ursprung der übrigen 78 Psalmen fest ge stau den zu haben. Es ist dies natürlich der termiuus a quo. Hierüber gelegentlich ein Näheres. Jungbunzlau, 20. März. D. M. Grünwald. **J Der Verl', macht mit Hecht darauf aufmerksam, dass statt dos üblichen אותיות , welches Buchstaben bedeutet, hier die l'luraiiorm אות״ת genn.ueht wird. Der Gaon von Wilna als talmudischer Forscher. Von Dr. 8. Naschör, Wenn sich die Frommen des Ostens so voa einander unterschieden hätten, wie, nach der talmndisohen Anschauung*), der Prophet Jejesa vom Propheten Ezchiel sich unterschied; indem der Erster* einem Residenzbewohner gleicht, welcher den König sieht, und der Letztere einem Dorfbewohner: stünde es um das Judenthnm recht gut. Wenn nämlich an Stelle jener dem Leben abgekehrten Anschauung %ine heitere und beseligende Gottosgemeinschaft vorgewaltet hätte, die eiuerseits auch iu der Armuth Fülle, im Drucke Erlösung und Befreiung spendet, uud andererseits innerhalb der sittlichen irdischen Lebensfreude das göttliche, beseligende Heil suchen und finden lässt, in dem Herren den Köuig, in dem Begnadelen des Geistes die Säulen seines Throues verehren uud verherrlichen lässt: o, wie sohön wären dann deine Lehr- und Audachtsstätten, mein Israel. Dieses Ideal hatte len Abkömmlingen eines grossen portugiesischen Gesohlechtee vorgesohwebt, welche aber im Laufe der uugiiicklichen Zeiten von der reinen(?) Gottesschau (Kaba'ah) zum Aberglauben uud fälschen Wunderglaubeu abgeirrt wareu, gegen welo'ien R’EliaWilna (,1720—1797) mit Recht ganz entschieden aufgetreten war. Lässt nun der reine j:idisohe Glaube den Wiluaer Gnou schon höchst tieachteuswertli erscheinen, so flösst uns sein Schicksal grosse Tneilnähme ein, als er in früher Jugend auf den Rabbiaatssitz der grossen und berühmten Gemeinie in Wilna mit Begeisterung gehoben ward uud bald daraut — freilich in Folge der blutigen Kosakeuverfolguugeu in Litihauen — iu Verbaunuug gerathen war. Am meisten interes8irt aber die Persönlichkeit des wissenscliatüichen talmudischeu Forschers, mit welohem wir uns hier beschäftigen wollen. Zunächst sei es gestattet, über die talmudische Wissenschaft selbst eine Bemerkung zu machen. Seitdein der Talmud als Inbegriff der Sehriffcauslegaugen nach zwei Richtungen biu — bei wechselseitiger Durchdringung Beider — ausgebaut war: der das religionsgesetzliohe Leben regelnden Halaoha und der die Ethik des Judeuthums begründenden Hagada, gab es für die wissenschaftlichen Forscher des Talmuds eine gewisse Methode, zunäohst diejenige, im Talmud selbst eine Methode zu finden. Die talmudische Methodologie, mit R. Samuel ha*Nagid beginnend, bildet den Anfang der talmudischeu Wissensohait. — Unter den Methoden wiederum sind vier zu verzeichnen: Erstens die den Talmud als Gesetzesquelle betrachtende deoiso rische Methode, welche bis za den Gaonim hinaufreicht; zweitens die dialektische, welche ohneRüoksioht auf die Folgen religiöser Gesetzgebung für alle nur denkbaren Eventualitäten Normen und Formen sohui und Probleme im Talmud sowohl, als auch zwischen ihm und den Commentatoren löst und eine vortreffliche Schulung des Geistes erzielte, sofern Methode naoh logischen Gesetzen sioh vollzogen hatte. Drittens die wissensohaftliohe Methode, welohe obsohon der Neuzeit angehörend, dennooh bei dem Codifikator Maimonides dadurch sohon keine unwesentliche R0116 spielt, weil seine ethischen 80wohl, als auch theologisoh-politisohen Anschauungen (Fortsetzung iu dar Beilage) ') Chagig&h 13 b. Winntwoitl. Hedauteur Dr. 1< a h in er, Magdeburg. Druck: BendixÄ Huhn, (ir. D. L. Woläj Magdeburg. Verlag: Kod. Friese, Deipzig

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