Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 14-15. (1.4.1893)
- Date
- 1893-04-01
- Page
- Seite 55 (sequence 3)
- Language
- German
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Erwägung§Raum giebt, Aharon spiele verlauSg,^ ja | «igentlich überhaupt (auch, nachdem er *um Hohe* i prie8ter eingesetzt worden) neben Mose nur eine! mehr oder weniger untergeordnete Bolle; er wird ' aw&r, nachdem er durch Mose’* Autorisation und Oe• gellschatt bei der Ausführung der ersten ״Zeichen“ j wohl auch in Pharao’s Augen die Bedeutung eines . ftir eine ev. Fürbitte unentbehrlichen Wuudermannes i erlangt hatte, als ״Amtsperson“ hiuzugezogen, da er aber (zunächst im Exodus) keine direote Mittheilung ׳ und Anforderung zum Reden von Gott erhält, so muss j er in seines Bruders Gegenwart schweigen; und es ן isteben nichts weiter als סופרים ppTI ״schriftstellerische \ Ausdrucksweise“, wenn Ex. 10,18 mit Bezug auf das 1 folgende ייצתר auch nur von dem Weggänge Mose’s j gesprochen wird, da er eben die allein massgebende! Persönlichkeit war. Das geht z. B auch klar und! deutlich ans 9,8—12 hervor, das mau P. zuweist Hier müsste doch auch Aharon durchaus in gleioher Be* deutr.ng dastehen: allerdings ergeht. Gottes Befehl an Mose und Aharon dirrct (hier sogar ואל אהרן, sonst אמור אל אהרן und bei Pharao oft דקרא אל בשה ילאד\־ן was wohl zu beachten ist!). Er 8011 zwar gleich Mose eine Hand voll Ofenrnss nehmen; weil aber Mose allein ihn in die Höhe wirft und das Wunder vollzieht, heisst es im Folgenden (Ex. ll'i nur לצמוד לפני משה. — Noch ein wichtiger Punkt ist hervorzuheben; er dürfte auoh ftir den vorurtheilsfreien, ruhig erwägenden Kritiker von nicht zu untersohätzeuder Bedeutung sein: Naoh Ex. 9,12 tritt Aharon nur als unthätiger Assistent seines Bruders auf, herbeigerufen und angeredet mit diesem zusammen, mit Rücksicht auf seine frühere active Assistenz bei der Ausführung der Wuuderzeichen; darum wird auoh von ihm keine Action, weder ein Kommen nooh ein Weggehen, weder ein Sprechen nooh ein Tnun erwähnt, er wird nur mit Mose zugleich gerufen, angeredet und aafgefordert, Fürbitte zu thuu — besondere Achtung aber kommt eben in geeigneter Weise Mose gegenüber 10,17—28 zum deutlichen Ausdruck. Vorher aber, wo Ahsron, wenn auch gleichfalls auf eine Aufforderung Mose’s hin, Wunder vollzieht, wird auch seines Weggehens gedacht: ויצא משה ואהרןמצם פרצה Derartige Speoialuutersuobuugen, wie die eben nur skizzirend unternommene, dürften wohl recht gut daau geeignet sein, die M e thod e Wellhausen’s zu illustriien; man vermisst sie ungern bei Naumann, zumal er es recht gut versteht, mit richtigem Bliok die Voraussetzungen des Gegners zu kennzeichnen, am treffendsten geschieht dies, wenn er W. [aus ״Gesoh. I8r.“ (1. und 2. Aufl., 18, 217 — auoh die 3. hat das betr. Gitat wörtlioh beibehalten)} anführt: ״Damals (bei der Rüokkehr aus dem Exil, i. J. 538) war aus der Nation eine religiöse Gemeinde geworden, deren Glieder sich (um des willen [?}) auf die Hauptsaohe, den Gottesdienst und die Frömmigkeit, besohränkeu konnten, weil ihnen die Sorge für die weit- Hohen Angelegenheiten daroh die Chaldäer oder die Perser abgenommen war. Damals existirte also die Theokratie und von daher wird sie idealisirt auf die Vor zeit übertragen“ und selbst hinzufügt: ״Hier sind wir au eiueu Cardinalpnnkt der W.’sohen Grundansohauung angelangt!“ und (S. 46): ״So aber pflegt W. wiederholt zu verfahren, dass er ein Bild mit den Farben der spätesten Zeit uns malt, um danu mit Emphase zu sagen, der Mann oder die Einrichtung soll das Colorit der mosaischen Zeit tragen!“ Mit vollem Reobt behauptet nun wohl der^Verf. (S. 45),—das» W. nur des ha l b^(Gesohiobt032, jS. 371, 3. Ausg. S. 2651.) dem Stationenverzeiohaiss Num. 33, bei welchem er die einstige Existenz der Orte gar nioht zu bestreiten wagt, (hinsiohtlioh seiner Com- Position) den Charakter einer authentisohea Angäbe resp. sein hohes Alter absprioht, weil darin (des Todes) Aharou’s Erwähnung geschieht; das darf ja nioht in einem Stdoke der Fall sein, das P. angehört?! Das ist aber nichts andres, als der oiroalur vitiosas, von dem wir oben gesprochen. ״Ist abet Aharon gestorben, nun so muss er doch auoh gelebs haben. Ist er Moses Bruder gewesen — laut Ex. 4,14 — denu auf Grund dieser Stelle lässt W. Moses von Levi abstammea, 80 muss dieselbe Stelle doch auoh die Existenz seines Bruders Aharon uad dessen Abstammung von Levi verbürgen. Gab es ferner augesehene Priestergeschlechter sohou z 1 Silo, die ihre Abkunft, von Mose (? vgl. oben) herleiteten, so war doch auoh der Brader Aharou ihr Ahnet“ Nunmehr geht der Verfasser (S. 48 ff.; dazu über das Alter der einschlägigen biblischen Suhildeiangen durch ihre unverkennbare Beziehung zu ägyptischen Verhältnissen zu erweiseu; es ist dies das leibende Momeub für seinen geschichtlichen ״Aufbau“ in seiner am Schlüsse zu besprechenden Schrift: ״Das erste Buoh der Bibel eto.“ Wir kommen darauf in unseren weiteren Ausführungen zurüok. (Forts, folgt.) Keilschrift in Bibel und Talmud. Von Rabbiner M. D. Hoff mann,*) weiland Rabbiner in Ung.-Brod. (Mähre□.) Schon die ersten Assyriologen vermutheteu mit Recht, dass die Assyriologie zum Verständnis der heiligen Schriften des Judenthums ein Bedeutendes beitragen werde, and ihre Vermuthung hat sich glänzend bethätigt. Wir müssen nur an die Arbeiten unserer Glaubensgenossen Jules Oppert und Joseph Hal6vy, beide Professoren an der Pariser Universität (College de France), erinnern. Professor Eberhard Sohra 11 er’s interessantes Buch: ״Die Keilinsohrilten and das Alte Testament“ hat die Errungenschaften der Assyriologen für den des Assyrischen niohtkundigen Bibelforscher zugäuglioh gemaoht. Dass die Juden, die in der ersten babylonischen Gefangenschaft 70(?) Jahre verblieben, die später Jahrhuudene hinduroh den babylonisohea Talmud, dieses Riesenwerk der Memoirenlitberatur mehrerer Jahrhunderte, geschaffen, Kenner der Keilinsohrift gewesen seien, ist a priori anzunehmen gewesen. Und doch bat unseres Wissens bis jetzt kein Forsoher darauf aufmerksam gemaoht. Um jedoch gerecht zu seiu, muss ich erwähnen, dass bei meiner Anwesenheit in Prag am 3. Mär/, 1. J., wo ioh die Gastfreundschaft des Rabb. S. Gelbhaus genoss, derselbe mir unter Anderem mitthebte, er besitze Beweise, dass der Talmud die Keilinsohriften gekannt habe, ohne jedoch dieselben initzutheleu. (Hoffen wir, dass diese Zeilen Herrn Dr. S. Gelbhaus veranlassen werden, aus seinem inoognito herauszutretea uad seine Resultate mitzutheilen, um die Forschungen des verewigten Rabbiners M. D. Hoffmanu *. A. zu erweitern und eventuell zu be• nohtigeu.) ' *) Nach dessen jüngst erschiedenem Werke רבות מחשבות das im Verlag von M. D.Hoifmanu’s Wittwe, WiCnli, dermiueu- (gasse 11, käuflich zu erhalten ist. Wir hülfen aut das ganze