Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 13. (24.3.1893)
- Date
- 1893-03-24
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/6492408-10001603-5991396--2727-5369083- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
mns sowohl vom vom religiösen als vom philosophischen .Standpunkt verworfen werden“, so lautet das höchst einfache Rezept Caro’s frei nach dem Ei des Columbus. Darf man fragen, welcher religiöse Standpunkt hier gemeint ist, der von der ״Germania“, der ״Kreuzzeitung“ oder der noch viel zweifelhaftere von Caro? Schade, dass das erwähnte Rezept nicht angiebt, ob es etwa schöner wäre, wenn die reichen Juden, deren es doch nun einmal welche giebt, antatt Börsianer zu sein, was auch mein Ideal nicht st, gleich so vielen reichbegüterten Taugenichtsen den ganzen Tag über das Sirassenpflaster unsicher machten, und was eigentlich die intelligenten Junglinge, denen fast alle Verwaltungscarrieren versohlosssen 1 sind und die zumeist aus diesem Grunde nur in der Journalistik ihr Unterkommen suchen und finden, anfaugen sollten, da die ihnen offenstehenden Berufe : der Rechtsanwaltschaft, und der Medicin ohnedies 1 schon überfüllt sind. Jedoch, wohin gerathe ich! Ich fange an, Sie ernst, zu nfhmen, und das haben Sie wahrlich durch Ihre Schrift nicht verdient. Die angeführten Proben | drillten wohl Jedermann überreichlich genügen, deshalb scliesse ich meine Auseinandersetzung mit Ihnen,! was ich mit umso beruhigterem Gewissen thuu kann, j als der Rest Ihres Büchleins nichts ist wie ein Sammel-! surium von Aussprüchen antisemitischer Grössen ä la ’ Dühring und eine Anhäufung von Citaten aus dem N. T., welche aus Ihrem Munde sehr widerwärtig klingen. Sie können sioh nunmehr nicht beklagen, dass mau Sie totgeschwiegen habe; wenn der Erfolg Ihren; gehegten Hoffnungen nicht entspricht, so haben Sie : die Schuld sich selber zuzuschreiben, denn ״man streut keinen Zuoker aut die Kreuzspinne, welche mit toti liehen! Gewebe uns umstrickt!“ Wahrheit haben j Sie gehört, möge sie Ihnen dienlich sein, Wahrheit vermissen wir in jeder Zeile Ihrer Schrift, Wahrheit im Können oder im Wollen — doch halt, eine Zeile ist wahr u. z. die welche Ihre Prophezeiung enthält! in den verschämt ooquelten Worten auf S. 12: ״Ich bin mir vollkommen bewusst, dass ich es keiner Partei recht maclien werde“. Schlafen Sie beruhigt, Sie ■ haben es keiner Partei, ja keinem Menschen recht gemacht! Zur modernen Pentateuchkritik.! Von B. Königsberger. 1 111. Im 2. Kapitel, ״Der Priesterstamm“ (30 -72), ist Naumann m. E. zu schnell nach einer verhältnissmassig nur kurzen Widerlegung Wellhausen’s zur Darlegung seiner eigenen Ansohauuug übergegaugen. (S. 41.) Ist die moderne Kritik sei 011 an und für sich leicht geneigt gewesen, sich Selbst, oft ohne wirklichen Anhalt in der Bibel selbst, deren Geschichte zu coustruiren, so darf sich ganz besonders die philo- 1 0 g 1 8 c h etymologische Forschung gar oft bitter über s!e beklage!!. Man hat eben, wie ich weiterhin!und ganz besonders in meiner neuen Schrift) darzuthuu Gelegenheit haben werde, spätere Auffassungen und Wortbedeutungen auch für eine Zeit geltend zu machen und anzuwenden ge.-uoht, über die mau heut anderweitig fast gar nicht unterrichtet ist und deren Geschichte mau um so länger missverstehen wird, als man mit der vorgefassten ״ kritisohen “ Ansohauuug au sie herantritt. — Nachdem derVerf. in geistvoller Ausführung Wellhausen bez. der lfeduction des Priestercodex entgegenzutreten versucht —|vgl. dazu beson- Hers die bedeutende, bereits erwähnte Kritik Hoffmanu’s im ״Magazin für d. Wiss. d. Jud. 1879/80“ (bes. 1879, 209ft) — bemerkt er iS. 40): ״Seine gauze Theorie, wonach der Name Levi Berufsname gewesen sein soll, bevor er Stammname wurde, gründet W. auf Jud. 17,18“ (8011 wohl heissen Capp. 17. 18). W. bemerkt nun in seiner ״Geschichte Israels“ (I. Aufl., S. 140; ebenso in der 3. Ausg. ״Prolego.uena'iS. 113): ״Dieser Jonathan uuu, d6r Ahnherr des Priestergeschlechtes von Dan, wird, obgleich judäisc heu Geschlechtes, von Gerson dem Sohne Mose’s abgeleitet 18,30.“ Woher weiss denn eigentlich W., dass Jonathan, der Priester des Micha, judäisc heu Geschlechtes ist? Etwa aus Jud. 17,7? Das klingt allerdings, jedoch nur bei oberflächlicher Betrachtung, bestechend, während in Wirklichkeit die משפחת יהודה, zu der Jonathau gehört, eitle echt levi tische ist (vgl. Esra 10,23; Neh. 12,8 uu 1 Hoffman u im ״Magazin“ 1890, 79 bei der Besprechung der Vogelslein’scheu Schrift) und mit dem Stamme Juda wohl kaum etwas zu thun hat. — Da aber ist es mir unbegreiflich, wie Männer von wissensciiaftlichem Ernste, an die midraschische Spielerei des ״hängenden Nuu“ ankuüpfend und durch die Namensähulichkeit geleitet, annehmen konnten, Jonathan sei womöglich!nach Jud. In,30) ein Enkel Mosohe’s und die 2 Geschlechter, Gerschom und Jonathan, füllten einen Zeitraum von etwa 400 Jahren!?*) (Näheres über die textkritische Bedeutungslosigkeit dieses 3' תלויה siehe übrigens in meiner Schrift: Aus Masorah und Talmudkritik, Heft 1, S. 60.) Auch bez. des ״andern alten Priestergeschlechtes“ hat sich W. einer Ungenauigkeit in der Textbetraohtung schuldig gemacht. Auch Eli’s Geschleoht sucht er nach 1. Sam. 2,27 auf Mose zurückzuführen, weil es in seine Theorie passt — aber gleichfalls mit Unrecht. Offenbart hat sich Ihvh wohl dem Hause resp. den Verwandten des Vaters d. h. Ahnherrn Eli’s; zum Priester erwählt aber hat er nur diesen — אתו (v. 28) kann sioh nur auf אביך i. e. Ahron beziehen — und auf Ahron’s Enkel Pinchas lässt sioh, wie W. selbst zugiebt, Eli’s Geschlecht wohl zurüoktühren. Wie läoherlioh ersoheint es demnach geradezu, wenn Wellt!., um den Zusammenhang mit Mose im Mythos doch aufrecht zu erhalten, bemerkt: ״Pinchas ist . . . der Sohn Eleazars, und dieser ist zwar nach der massgebenden (!) Tradition ein Sohn Abatons, jedooh in uer Ausspräche (?) Eliezar neben Gerson ein Sohn Mose’s.“ Wahrlich! Wenn heutzutage ein Student dergleichen Aeusserungeu in einer Dissertation thäte, sie würde zweifelsohne zurückgewieseu werden! Die weitesten Ausführungen W.’s a. a. O. ermangeln thatsächlich gleichfalls der Gründlichkeit in der Beobaohtuug üe8 Textes. Darf man etwa an die Wahruehmuug, dass der eine Hauptast des Stammes Levi, Gerson, wie der älteste Sohn Mose’s, und ein andrer wichtiger Zweig geradezu Muschi, der Mosaische (?), heisst,, die Vermuthuug ausohliessen, dass beide ur-!.prünglich als Kinder Mosoheh’s gegolten haben und dass das heilige Amt des Priesters in Mosoheh’s Familie blieb, bis mau es für gut fand, neben dem König Moscheh einen besonderen Pr iester Aharou zu erdichten? Wie steht es also jetzt mit den angeblich ältesten Priestergesohlechteru zu Dau und Silo? Darüber ist Naumann leider hiuweggegaugeu und darum augenscheinlich in dieselbe irrige Aunähme hiueiugeratheu, wie Wellhauseu. Denn indem *) Auch May bäum, bhitwick. d. altUrael. Priostwthuuis IS. 11 Anm. 3 folgt dieser seltsamen Annahme!