Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1893-03-24 · N° 13. (24.3.1893) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 13. (24.3.1893)
Date
1893-03-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/6492408-10001603-5991396--2726-5369082
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

^--1A Jüdisches Litteratur־ XÄllJahrg. ß latt. '/ui *!!fr Jnifnttium and Juden ttflriffphU►,» )ittemrisfheii Kr* ftrtitiiianjrfn «uf dem ttehfet« der Philo• *ojihle, üeNfhlehte, Ktl1u08r»phie, Theolotilf, OritoUIU, Kxfgfte, Homiletik, UtnrjrU u. PiidapcoRtk. Herausgegeben Rabbiner Br. Moritz Rahmet*. ÖlCagScCntzcj, 3en J4. ^Rät& 1893. Hfirher der ftnurhlÄgljen Mtteritar, irefrhe der tte׳l*<?lio?1 zages-uidl זי erden , (Inden In dienen! HUtte ela^eheuiie Uenprrehnut. Hel KlnKendanir ron ^ewel K^eennionn- Kxemplnren erfolgt elnmn I8e kurze (• r n 11 h Inxertlon l'as ״Jiiillselie UUcratur-UlAtt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogeti. Preis bei allen Buchhandlungent in he ipzig hei Robert Friese pro Jahrgang א Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift■* die vierteljährlich bei allen Postanstulten und Buchbandlungeij S Mark zahlen, erkalteu das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. Inserate wer len mit 26 l’f. lür die gespaltene Fetitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet and sind au die tixpe lition dieses Bla; tes zu seuleu. Euclihfindler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate oiusen len, erailt n 25 )i Rabatt. I 1111 n 1 t: Wissenschaftliche Aufsatze: An Dr. Leopold Caro, '/on Rabbiner Dr Singer Cobleuz. — Zur modernen Pentareucbkritik. III. Von B. Königsberger. L i ti e rat urbe ri cbt: Kecension: Kutua, S. X., Dr., Die Scböptungslebre der mosaischen Urkunde innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft. — Wünsche, Aul■'., Prot. Dr. theol. et yhil., Midrssch l'ehilUm etc. (Fortsetzung.) Li t terari8che Notizen. Maybauin’s llagada u. A. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte Ist nicht gestattet. An Dr. Leopold Caro. Verf. der Flseumengeriade. ״Die Judenfrage eine ethische Frage** Von Rabbiner Dr. Binger-Coblenz. III. (Schluss.) Bevor Sie mit voller ״Unbefangenheit“ das jüd. Ge>etz abkanzelu utd nach beliebter Methode die jüd. Religion iür die Fehler Einzelner verantwortlich machen, die christliche aber ״ohne Ansehung 1er Person“ zu verherrlichen für gut fiud.n, biitteu Sie gut gethan, sich vorerst iu die Materie zu vertiefen, ehe Sie zur Feder griffen, um — angeblich das Capitol zu retten. Sie halten dann gefunden, dass die alten Kirchenväter vielfach durchaus nicht von christlicher Liebe angekränkelt waren, währendes jüdische Geistesheroeu gab, dereu Aussprüche als kräftige Säulen des sittlichen Lebeusbaues für alle Menschen gelten können — wenn auch zugegeben werden darf, dass bei Einzelnen hüben und drüben auoh das umgekebrleVerhäliniss iu die Augen springt. Sie konuteu ersehen, dass die christliche Religion auf dem bereits vorhandenen Fundamente der jüdischen ihr Gebäude aufgerichtet hat. Es würde Ihnen daun nicht entgangen sein, dass die Fursorge für Niedrige und Sohwaohe, Iür Kranke und Sünder iu Israel, die sich bis zu dem Grundsätze, dass auch die Frommen anderer Völker am jenseitigen Leben theilbabeu, aufrankt, hinter der Toleranz keiner andern Religion zurüoksteht — von Abraham bis Moses, von Salomo bis Gamaliel, von Hillel bis auf unsere Zeit — und dass es nicht erst des erleuchteten Dr. Caro bedurfte, 11m Zweifel hierüber aufkomman zu lassen, ob das Judenthum zu seinem Ruhme ein solch’ finsteres Mittelalter zu verzeichnen hat, als die Religion der ״Barmherzigkeit und Verzeihung“. t>ie verstehen doch tonst, so lern zu unterscheiden, so z. B. auf S. 15, wo seihst die auf Pulver und Schnaps beruhende Ausrottung von Völkerotäminea unter dem klangvollen Namen n Kolonialpolitiku eine liebevolle Entschuldigung findet, dabei aber der naiven Zweiteilung von Volk und Regierung schonen .1 das Wort geredet wird, als wenn sich die Regierung nicht mit. Vorliebe auch bei dieser Politik eine ״christliche Obrigkeit“ neuneu würde, als ob nicht der Schutz der christlichen Missionen als bequemes Aushängetchild berhalteu müsste. Wollen Sie, Herr Caro, leugnen, dass Ihnen durchweg die Absicht, iunewohnt, Alles, was vou christl. Seite ausgeht, liebevoll zu bemäutelu, tun dasJudeuthum durch Gegenwirkung desto mehr herabdriiekeu zu könneD, trotzdem Sie kein einziges Moment aus der Geschichte Israels anzutiihreu vermögen, welches von der Verfolgungssucht Israels gegen irgend eine Nation Auskunft giebt, dessen Kämpfe nur der Vertheidigung und dem Selbsterhaltungstriebe ihr Eutstehen verdanken? Um den Nachweis zu lieferu, dass es tkatsäehlich aut die mangelhafte jüdische Sittlichkeit abgesehen ist, behaupten Sie, dass der jüdische Handwerker trotz seiner Billigkeit und Bedürfnislosigkeit lange nicht so gehasst wird, wie der jüdisohe Wuoherer oder Börsianer. Aber gehasst doch? Mehr gehasst, als christliche Wucherer und Börsianer, deren es dooh auch iu grossen Mengen giebt, welche nicht einmal die Entschuldigung für sich haben, dass ihnen wie deuJudeu das Wuchern aubetohleu worden un i Jahrhuuderte laug auf geset zgeberisohen Wege eiugeimpft worden war, welchen alle Haudwerke ollen standen, während dieZüufte die Juden von sich stiessen' Verschonte der Hass die Juden beispielsweise iu der Mitte des zwölften Jahrhunderts vou welcher Zeit uns berichtet wird, dass die Juden iu Griechenland meist Färber und Glaser, und die zahlreichen in Palästina vielfach Handwerker waren. Werdeu die jüdischeu Handwerker m Russland, die deu fünften Thetl sämuulicher dort lebenden Juden umfassen, vou deu Ausnähme- und Ausweisungsbefehlen nicht mitbetroffeu? Heraus denn mit Ihren Argumenten, warum die Judeutrage eiue ethisohe, nicht aber eine zweifellose Frage des Neides und der Bosheit ist, denen es natürlich leichter fällt, die Juden um ihrer Einfachheit, Sparsamkeit, Nüchternheit uud .Massigkeit anzutemden, als es ihnen uachzutuuu. ״Wären nicht die jüdischen Wuoherer, die jüd. Börsiauer, die jüd. Pleaemacber, die jii 1. Zeituugssctireiüer, dann gäbe es aucu eiue unparteiische Meinung — sehr schmeichelhaft für deu Bruciuheil der 49,500,U00 christl. Mitbürger, welche sich ihre ölfentliehe Meinung vou einem Bruchtheil der jüd. Vlitbürger fabriciren lassen — ... daun müsste der Autiseinitis-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.