Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 10. (3.3.1893)
- Date
- 1893-03-03
- Page
- Seite 39 (sequence 3)
- Language
- German
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- 89 — des Kaisers den Aeciseneinnehmer des Comm&ndauteuauf sohl* ges Franz Mission in Prag an, dass derselbe den ehemaligen Lieferanten die Commandantensteuer nacbsehe, weil Sr. Majestät berücksichtigen' wolle, dass die Lieferanten durch die entwertheten ״Remontirnngsgegenstande“ und durch die dazu von allen Seiten erborgten Kapitalien grossen Schaden erlitten haben, nun arg verschuldet seien und von ihren Gläubigern viel zu erdulden hätten! Confessionelle und nationale Rei* bereien waren wohl die Grundpfeiler des 30 jährigen Mordens und Plünderns Die ermüdeten Völker reichten aber schliesslich einander versöhnt die Hände. Bei den Lieferungen selbst ging man sehr scrupulös vor, obwohl man weder confessionelle, noch nationale Rücksichten würdigte Die bei den Lieferungen beschäftigten Handwerker, Kaufleute und Gewerbetreibenden Hessen Denunzianten nicht einmal zu Worte kommen. Jede Lieferung gieug unter behördlicher Leitung vor sich und für Nergeleieu und Bemäutlungen sohuf man eine sehr beachtenswerthe Remedur. Es gab da eine Besohwerdeeommission, die beide Partheieu verhörte und die Schuldigen sofort energisoh dem strafenden Arme des Gerichtes zuführte. — In den vielen Actenfaskeln finden sich in Anbetracht der vielen und langjährigen Lieferungen fast keine Beschwerden von Bedeutung vor. Nur ein gewisser Lorenz Kossyn legr. einmal eine ihm zu hoch ״adjustirt“ düukende Rechnung der Besehwerdecoramis* sion vor und erhält auf seine Eingabe ddo. 4. 2.1(516 len Bescheid, dass laut Protocoll der Untersuchungs- Commission ddo. 14. 9.1646 die von ihm ״ bemängelte“ Rechnung nach genauer Revision und Begutachtung des Altstädter königb Richters, der Hofkriegscommission, der Zech- und Innungsineister iu Prag die in der Rechnung zu hoch angesetzten Beträge selbst von sachverständigen Privaten durch die allgemeine Theurung der Rohmaterialien begründet weiden. Für alle Lieferungen seien ja überdies die einschlägigen Rechnungen der Handwerker, Kaufleule und Gewerbetreibenden voigelegt worden und nach nochmaliger, gewissenhafter Controle für vollkommen den Umständen entsprechend ״adjustirt“ und gerechtfertigt befunden worden. Fürwahr, ein solches Urtheil entkräftet selbst die scrupulösesten Vornrtheile der mäohtig.'ieu Gegner. Intelessant in jeder Beziehung sind die Preise und Löhne der gelieferten"Waareu 1j. Sie zeigen uns die sondert atslen Schwankungen und überraschen uns föimiich durch ihre zeitweilige Höhe und Tiefe. Der Gulden des 30jährigen Krieges hält allerdings mit, dem heutigen keinen Vergleich aus. Die Kaufkraft des Guldens aber war anno dazumal eine bedeutend intensivere als heute. Der ״Kendtmeister“ von Mähren berechnet 1647 •5. 11. für 150 Kleider (ä 7 fl. S Kr. l‘,t Pfg.1 1070 (1. •15* Kr. lür 300 Schuhe 2111 11. 33' lür 500 Soldatenkleider 3560 fl. 16' welche bis October 1647 abgelietert wurden. Die Detailpieise für Tuch, Futter und Macherlohn finden sich leider nicht vor ln der Rechnung wird nur erwähnt, was die HradiscLer Kreisgemeiude- *) Mein ehemaliger I■eurer, der aligemeiu veiehrte Herr I rot. Dr. id. (Holling, verötlentlichte iu den Mittluiluugeu der k. k. in. echt, tieaollschatt tür Landeskunde Kmu. Verkautä* greise der AVeber• und L uclnnacherinuuug von Mahr. Trubau. Man vergleiche diese interessante i'ubluaiion mit den Pi eisen dieser Knegslieleruugen und man wird iörnüich erstaunt sein, weiche Veränderungen in dieser Beziehung bei Waaren des- ־eiben Landes Vorkommen! ״Eltisten“ abgeliefert und mit welohem Betrage ihnen diese Lieferung von der zu leistenden Contribution abgesohrieben wurde. Interessante Details bieten die Prager Lieferungen dem Statistiker und volkswirthsohaftliohen Forscher dar. Die oben erwähnte Untersuchungscommission legt die einzelnen Rechnungen der Handwerker, Kaufleute und Gewerb 3treibenden vor, um zu beweisen, dass die Lieferanten den Verhältnissen entsprechend ihre Kriegsoontributionsleistang in Waaren beglichen haben. Prag 1648 20. 6. 13. 6. wird stipulirt: für 481 Pistolen ä 3'/4 Thaler ( Summa 7(S6ü tt. für 1381 Karabiner ä 4 fl. Münz \ 52‘f, Kr. für 1481 Paar gewichste Reiterstiefel aus Juchtenleder ä 6 fl. zusammen 8886 fl. Der Staat ist dabei durch: R. v. Coloredo u. W. A. v. Collowrath vertreten. Lieferanten sind: Moyses Thorsoh, Löb Cassowitz, Israel Cantor, Elias Perez, Salomon Deutsch, Salomon Sax, Israel K&borell. Der Freiherr Wenzl von Zahradnizky )egt für j 500 gelieferte Soldaten kleider (Februar 1645) folgende j Detailrechuungen vor: 1 ן. Christoflnuerberger in Prag lieferte ä Conto der Prager Judenschaft: 500 Ellen breites Reichenbergertuch pr. 625 fl.; 2858 ״ schmales Tuch .... 2143 fl. 30 Kr. 1 Zacharias Eidner lieferte im Aufträge der Prag6r Judenschaft: 3000 Ellen Futterleiuwarid ä 8 Kr. . . pr. 400 fl- 2700 ״ Hemdenleinwaud ä 10 Kr. . 450 fl Christof Innerberger legt die Macherlohurech nungeu vor: für 600 Soldatenkleider. 600 fi. 1000 ״ Hemden ä 9 Kr.90 fl 600 ״ Schuhe. 750 fl. dto. März 600 Soldatenkleider. 5200 fl. Christiau Roscher, Cnristof Innerberger haben im Aufträge der Prager Juden geliefert: 1645 Monat Jänner und Februar Fleisch für die Soldaten bei Brandeis — Fleisch 50 ״Centner“.pr. 308 fl. 10 Kr. (Din denkbar billigsten Fleischpreise.) 1500 Strich Hafer samrnt Fährlohn und Unkosten pr. 2378 fl. 30 Kr. 500 Strich Korn samint- Fuhrlohn und Unkosten 800 fl. Veit. Popperl und Heinrich Turek lieferten im Auftiage der Prager Jaden: 1046 Jänner 600 Soldatenkleider pr. 6 105 11. 12 Kr. 1646 Februar/März 1200 Soldatenkleider pr. 12000 fl. Caspar Wiener lieferte für die kaiserl. ״Küchel‘• Gewürze und Spectreien .... pr. 16 fl. 21 Kr. Dem Graten Max v. Waldsteiu wurde aut kaiserl. Befehl tiaai bezahlr 2100 fl. laut Quittung des Freilierrn Wenzl v. b'1 ׳ le! JMs. Auch die kaiserl. Hunde ׳engl. Windspiele) wurder■ von den Pragern versorgt. Es liegt 11!:s eine mieiir.-auta Recnuuug darüber vor. Für die Zeit von l. Jauner 1645—1. Januar 1647 wurde lür wöchentliche Verköstigung und Wartung dieser Hunde 20 11. 36 Kr. bewilligt,, iu Summa 2142 fl. 24 Kreuzer. Auch das llundefutter war während des 30jährigen Krieges sehr theuer. Die bunkernden und uothleidenden Menschen fanden aber darin keinen Trost.