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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1893-03-03 · N° 10. (3.3.1893) · p. Seite 40

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 10. (3.3.1893)
Date
1893-03-03
Page
Seite 40 (sequence 4)
Language
German
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Recensionen. i! 1 Brann, M., Dr. Qosohiohte der Jaden and ihrer; Litteratar. Für Schale and Haus bearbeitet. — : Theil I: Von der babylonischen Gefangenschaft bis j zam Abschluss des Talmuds. Breslaa. Verlag von W. Jaoobsohn & Cie. 1893. Es ist tief zu bedauern, dass der jüdisohe Geschiohts- ׳ unterricht in unseren Schulen nooh immer sehr im! Argen liegt, ein sehr grosser Theil unserer heran• wachsenden Jagend erfährt im Allgemeinen wenig oder gar nichts von der naohbiblischen Gesohiohte, deren Behandlung in allen Schulen gerade ia der jetzigen 80 sehr bewegten Zeit änsserst noth t.hut. Den Schülern muss die lange Kette von Verfolgungen, denen unsere Altvorderen ausgesetzt waren, und die an herrlichen Geistesthaten reiche jüdisohe Geschichte zum Bewusstsein geführt werden. All diese Züge und Faota sind von grosser Bedeutung für die Jetztzeit, j in der die schwankenden jugendlichen Gemüther der besonderen Stärkung bedürfen, um mit Entschiedenheit der Verlockung zum Abfall von ihrem angestammten Glauben zu widerstreben. Ein vortreffliches Bollwerk hierzu bilden die Lehrbücher der jüdischen Geschichte, die wir ja in grosser Anzahl besitzen, von denen aber nur wenige den paedagogischen An* sprächen vollauf entsprechen. Das uns vorliegende Werk von Dr. Brann scheint eins der besten, viel• leicht das beste, zu werden; ein absohliessendes Urtheil können wir uns nicht eher erlauben, als bis das ganze Werk fertig gestellt ist. Soviel können wir; jetzt schon constatiren, dass man ״auf äohritt uud; Tritt“ den tüchtigen Schulmann erkenut, dem ״bei der Sprödigkeit des Stoßes“ die Elasticität der Form vorzüglioh gelungen ist. (Siehe dessen Vorrede.) Mit vollem Rechte hat der Herr Verfasser zahlreiche Stellen des Buches aus den Werken derjenigen Gelehrten, die auf einem speziellenGebiete Hervorragendes geleistet haben, wörtlich entlehnt, was in dem angefügten Quellennachweis genau und zur weiteren Orientiruug angegeben ist. Dr. Braun’s Buch hält sioh von jeder Nomenklatur, jeder schwülstigen Diction fern; in einer angemessenen gemeinverständlichen Spraohe abgefasst kann es der Jugend, wie den Erwachsenen Befrie- | digung und Genuss bei der Lektüre gewähren. Ausstattuug, sowie Druck uud Papier lassen jedooh zu wünschen übrig. M. Sp. Wünsche, Aug. Prof. Dr. theol. et phil., Midrasch Tehillim etc. (Fortsetzung.) Besprochen von Rabbiner Dr. Co h u - Burgskunstadt. Nr. 7. Statt ד״א ist אמר להם zu lesen uud die Stelle gibt einen befriedigenden Sinn. R. Berechja -agt: Als der Heilige seine Welt erschuf, wollte er len Engeln die lobeuswerlheu Thateu der Frommen zeigen. Sie hatteu nämlich gefragt: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkest: Darauf antwortete er ihnen: Das will ioh euoh sagen: ״Was ist der Meusch, dass du sein gedenkest.“ — das geht aut Abr. u s. w. bis בתוןד הים. Darauf sprachen die Engel: ״Wie sehr wird dein Name verherrlicht auf Erden!“ Es gereicht dir zum Ruhme, dass du auf Erden wohnst bei deinem Volke und deinen Kindern. Nr. 7 ist also ein zusammenhängendes Ganzes und nicht (durch ״ ד״אOder“) zu theilen. Zum Schluss ist 'אמרו ״מלא vor ה' אדנינו zu setzen, wie aucu Jalkut z. St. uud die bisherigen Ausgaben riohtig setzen. P8. 9. Nr. 1. Die Hinzufügung von העלם (Z. 3 der Ausgabe) ist annöthig. Es ist daher za übersetaec : Lies nioht את העלם, die Welt, sondern אהבת עורם oder עוללים, die Liebe zu den Kindern hat er den Eltern ins Herz gelegt. Nr. 3. Die erstenWorte ״Oder: Dem Sangmeister naoh Math Labben“ sind zu streichen; denn Nr. 2 and 3 bilden e i 11 Proöm. Dieser dem Tanchuma entlehnte Midrasch steht in gedanklichem Zusammenhang mit בקש ש* לעמוד על מתן שברן של מצות in Nr. 2. Nr. 5. ״Weil er dis Geschöpfe wie eine Art Dornen verwirrt“. כשכש bezeichnet hier wahrsoheinlieh die Thätigkeit des Wiesels (כרכשתא, kebr. חלד neuhebr. חולדה), das ״lauernd zwischen Hecken“ Tauben und Hühner überfällt. Aruoh liest: כמן lauernd, nachstellend. Die meisten Erklärer halten סוריאתא für סירות (Unflath), cf. Raschi zu Koh. 4,11; ביני סוריאתא wäre demnach dasselbe wie כין שפתים Ps. 68,14, (8. Sch. T. daselbst und Pesaeh 8 b.) (F. f.) Litterarische Notizen. Eine Bemerkung zur Megülath Esther. Bekanntlich fiel den Alten schon auf, dass Mardechai ai. scheinend widerrechtlich sich lern Befehl des Königs wider׳ setzt habe, da nach Est. 3,צ der König befohlen hatte, das jeder vorHaman das Knie beugen «olle. Es heisst ausdiücklich <צוה ״so hat es der König befohlen“, uur M. that nicht so; auch den Dienern des Königs fiel die« auf, und sie befragen M. darüber. Die alte Erklärung: Hauan habe ein Götzenbild getragen, vor welchem M. sich nicht habe bücken dürien uud wollen, erscheint als fingirter Nothbehelf. In Rothschild’«,,Gebet- und Religionsbüchlein“ heisst es richtig, H. habe sich königliche Ehren angemassf nicht der König, erhebe eigenmächtig befohlen, ihm die königliche Ehre der Kniebeugung zu erweisen. Da diese Den' uug scheinbar dem צזה widerspricht, sei hier folgende nähere Erklärung gegeben. H. hat sich iii der That königl. Ein en angemasst und den Befehl zur Kniebeugung eigenmächtig im Namen des Königs gegeben. M• durchschaute den Plan il.’s und weigerte sich, ihn gleich dem Könige zu ehren, woil er darin ein ehrgeiziges Streben nach der Königl. Krone erkannto. H., aus dem niedern Volke zum Minister erhoben, strebte nach noch Höherem. M. durchkreuzte seinen Plan uud darum sein Hass. H.'s Streben nach königlichen Ehren verleugn! to er selbst dem Könige gegenüber nicht, indem er in Wirklichkeit für sioh, uud nur scheinbar für einen Andern, verlangte im Königsmantel und mit der Köaigskrone augerhau, auf des Königs Pferd sitzend, wenn aucli noch nicht als Köni<r, so doch wie der König durch die Stadt geführt zu werden. Als er dem Könige dies vorschlug,!lachte er: wie gestern die Königin mich gleich dem Könige geehrt hat, als sie mich und den König zum Mahle lu 1, so beabsichtigt wohl heute der König selbst, mich einem Könige gleich zu ehren. M. erkannte die nebenbuhlerischen Pläne von Anfang an und suchte in loyaler Weise dem Könige zu wahren, was nur dem Könige und keinem Andern gebühre; darum verweigerte er H. sofort die angepasste Ehre königlicher Kniebeugung. Der König durchschaute in seiner Schwäche und Gutmütigkeit die Vorschlage H’s nicht, sonst hä'te er auch für M. den Kömgsritc nicht gestattet. Aus solchem Leichtsinn erklärt sich auch seine Zustimmung zu dem Veruichtuugsplane ganz Israels, zumal B. unbestimmt von ״irgend eiuein Volke“ uud nicht direkt von Israel gesprochen •zu haben scheint So mag auch der König, ohne die Tragweite zu erkennen, leichtlertig dom Vorschläge H.’s zugestimmt haben, auch ihm die königliche Ehre der Kniebeugung zu gostatteu. Dies die Bedeutung von ,״ צודder König hat es so b<4sl1lenu. Und dennoch widersetzte sich M. im Interesse des Königs und beugte vor H das Kn1 ־•׳>i« ht. Indess wird dieser Bei 4 111׳* Kai »eug au-frücklicb erwähnt und ist iilcuc '.wu uer Mordbotehl, mit dem königlichen Siegel unterzeichnet, öffentlich bekannt gemacht worden. Vielmehr hat. II. es so im Namen des Königs gesagt und eigenmächtig׳ befohlen. Die Hotbedieuteu und das Volk glaubten es, M. aber glaubte es nicht und beugte somit das Knie nicht Er war dabei doppelt in seinem Rechte, um seinet-, wie des Ki'u/gswilleu. ,צוד ist dann im mod. uonjunctivi zu übersetzen 1 .,so habe es der Kö.iig ihm belobieu“: nämlich H. bat es so im .Namen des Königs gesagt, und das Volk glaubte, der König habe es so befohlm. — Hr. M. Au e r b ac 11-Dresden weist bez. der ״neuen Etymologie von Nozri" (in vor. Nr.) aut Michlol Joti zu Jerern. 4,1Ö, und Parcliou 8. v. נצר hin. Verantwoitl. Kedacteur Dr. Kali mer, Magdeburg. Druck: BendilA Huhn. (tr. D. L. Woltf) Magdeburg. Verlag: Hob. Erieae, Leipzig

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