Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 9. (24.2.1893)
- Date
- 1893-02-24
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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35 Geld nehmen? Auch dafür wusste der schlaue ״Rendtmeister“ Rath! Die ״Eltisten“ von Boskowitz, Rausnitz, Strassnitz, Austerlitz und Ungar.- Brodt sollen sich mit den Tuchwebern und Leinwathem in NeutitscheiD, Fulnek, Freiburg, Trebitsch, Trübau und Schönberg verständigen, damit 80 rasoh als möglich 1000 Stück Tücher und Leinenzeuge zusammengebracht werden. Die Kosten hiefnr sollen erstens duroh eine gemeinsame Beitragsleistung zu den Brunner Belagerungsauslagen und dann duroh eine 4 Contozahlung der nächsten Quartaicontribution gedeokt werden. Der Landmarschall Graf v. Losenstein würde sich mit dem Herrn Joaohimb Pfundtner von Pfundenstein ״verrichten“, damit auch von anderen Kreisen bei schärfster Exeoutionsandrohung eine gleiche Kriegscontribution eingetrieben werde. Die Feder sträubt sich das Elend zu schildern, welches damals bei Juden und Christen in Mähren, Böhmen und Schlesien anzutreffen war. Diö Gemeinden waren ganz herabgekommen und verarmt. Der Steuerexeoutor berichtet, dass Juden und Christen in tiefster Armuth stecken, selbst bei schärfster Darohführung des ExecutioDsverfahrens werde man kaum im Stande seiu, die gewünschten KriegsoontributioneD zu erzielen, wenn man nicht vorläufig die anderweitigen Steuerleistungeu sistire. Jacob D0Dat betheuerte als Deputirter seiner Gemeinde bei der Hradisoher Kreishaupt• mam,Schaft die Unmöglichkeit dieser Kriegslieferung und bat um Standung der nächstfälligen Quartalscontrioution, damit die verarmten Gemeinden wenigstens 1000 Gulden baar zu der beabsichtigten Militärausrüstung beitragen können. Ein Plaoetam Imporatoris ddo. Prag 23. 10. 1647 bewilligte diese Bitte. Als Geheimräthe füngirten dabei: die Grafen Lobkowitz, Trautmannsdorf, Martiniz, Colowat,Wallstein, Coloredo und Ungnad von Weissenwolf. Die Vaterlandsliebe einerseits und die bewundernswerthe Opferwilligkeit der Juden in Mähren anderseits haben auch diesmal die nahezu 30jährigen Lasten und Heimsuchungen dieses schrecklichen Krieges vergessen lassen. In wenigen Wochen waren die gewünschten Materialien zur Verfügung, damit die nothleidenden und frierenden Soldaten wenigstens vor dem Eintritte der strengen Winterszeit mit warmen Kleidern und ganzen Sohuhen ״equippirt“ seien. Rührend und wahrhaft erhebend ist das gute Einvernehmen, das damals nach langen, langen Zänkereien endlich zwischen den verschiedenen confessionellen und nationalen Partheien zu Tage gefördert wurde. Christliche Tuch- und Leinenweber creditiren ihre Erzeugnisse jüdischen Händlern und Lieferanten, dieWaaren werden von einer gemisohten Commission uutersuoht an christliche und jüdische Schneider und Schuster zur Ausfertigung übermittelt, die fertigen Kleider uud Schuhe werden dann nochmals von Commissiousmitgliedern revidirt, wobei Zunft- und Innungsmeister ihr Gutachten abgeben und alle Lieferungen vollkommen entsprechend״adjustirt“ vorrinden. (Schloss lolgt.) Eine neue Etymologie des Wortes נוצרי=Nazaräer. Von Dr. M. Grünwald in .Jungbunzlau. Es wird allgemein angenommen, dass die Etymologie des Wortes Nazaräer mit dem hebr. Nasir ” ״ נזירder Enthaltsame, der Gottgeweihte“ zusammenhängt, uud es also eigentlich Naziräer heissen sollte; denn dass das Wort nicht mit dem Ort ,amen Nazaret zusammentällt, ist wohl klar, während e 7 lererseits festgestellt ist, dass die Essäer mit den Nasiräern vieles gemeinschaftlich hatten. Und dem Essäismas wird ja bekanntlich ein mass- und mustergebendes Einfluss aut das Cbristenthum zugesohrieben. Ein von Dr. M. Gast er im jüngsten Heft der Pariser Revue des Etudes juives (juillet-septembre 1892) veröffentlichter Auszug aus dem Midrasch Jalkat von R. Maohir enthält auf Seite 58 folgende Stelle (als Midrasch zum ll.Capitel des Propheteabuohes Jesaja, das ja unzähligemal christologisoh gedeutet wurde): תנו רבנן חמשה תלמידים היי רו לישו הנוצר אלו הן נקי ומתי ״ נצר בוני ותודהfünf Sohüler, so haben unsere Rabbinen gelehrt, hatte') Jesus der Nazaräer u. z. 1. Naki1) 2. Mathai ,(= Mathäus), Nezer, Buni uud Toda (= Thaddäus).“ Ohne auf die Namen und die 5 Zahl von Christi Jüngern, näher einzugehen, was wir uns für das zweite Heft unserer Studien: Ueber das Verhältniss der Kirchenväter zur talmudisoh- und archisohen Litteratur Vorbehalten, wollen wir hier nur darauf aufmerksam maohen, dass ein Sohüler den Namen Nezer (נצר) führt und aut den 1. Vers des 11. Cap. in Jesaja hin weist, der da lautet יצא הומר ״ מנזצ ישי ונצר משרשיו יפרהEs wird entstammen ein Reis vom Stamme Jisai’s und ein Spross von seinen Wurzeln wird fruchtbar seiu.“—In einem dem hiesigen städtischen Museum gehörenden Maohsor, das unter der Regierung des Kaisers Leopold im Jahre 1680 von dem bekannten jüdischen Buohdrucker Josef ben Jehuda aus der Familie Bak9) gedruokt wurde (u. z. der erste Theil in Prag, der zweite in Weokesdorf) findet sich folgende ״ התנצלותEhrenrettung“, die die neue merkwürdige Etymologie enthält, dass das Wort נוצרים Nazaräer eine Abkürzung des Wortes ״ גכוכדנצרNebuohadnezar“ sei, wovon □נוצרי der Plural ist. Diese ״Ehrenrettung“ beginnt mit deu Worten: אנכי הרואה להסיר חרפת הנוצרים האומרים צלי״ו ובו׳ מבלי משים;ל לב כי הבל משתנה לפי הזמן... וכן נמצאו דברים בלתי טובים צל הצמים בזמן ההיא וביחוד צכום גיים נכרים כותים, והאמת כי שלש׳ הדברים מוסב, צל ד!צמ לק י ם... שנזמו דברים רבים מצשה תצחוצים בקסמים וכשפים לדרש אל המתים ולחבר אל השדים ובדומה מהתוצבות אשר שנא הי והתחברות אסור בהם והםאשרנקראיםמקדםדרך כלל הנוצרים, כי מלכם בראשם נקרא נבוכדנצר וצל שמו יקראו נוצרים... אבל באמת אין הכתה חלילה צל הנוצרים בזמנים הללו כי הצמים נוצרים אשר אנו יושבים בקרבם דוד כלל שמרו משפט וצדקה, מאמינים בבריאת הצולם*ומציאת אלוהות והשגחה ותורת משה וצבדיו הנביאים אם כן ראוי להתראה להם טובה להללם ולפא־־ם ולהביא צליהם ברכה ילא קללה ח״ו... Hier die wortgetreue Uebersetzung: ״loh sehemioh veranlasst, die Schmähungen der Nazaräer, die uns Vorwürfe maohen, zu beseitigen .. denn sie bedenken nicht, dass Alles mit der Zeit sich ändert .... so findet man in der Thal unschöne Sachen über die Völker des Alterthums, ganz besonders über die Anbeter der Sterne und der Sternbilder, die Heiden, Ausländer und Kuthäer (Samaritaner); die Wahrheit ist, dass dies sich eigentlich auf die Amalekiter bezieht . . . denn diese haoen absoheuliche Sachen ersonnen, Zauberei uud Hexerei, befragten die Todten, verbanden ‘) Zur Revue des Etudes juivres p. 58 bemerken wir, dass nach den Worten לנקי ידרג ein Satz fehlt, da diu Beweisstelle דכתי׳ ונצר משרשיו יפרה doch cur aut נצר Anwendung nndun kann. Statt נקי wird wohl לקי zu lesen uud Luuas gemeint sein. ') Der Name Bak ist aus den Autangsbuchstabsn בגי ״ קדושיםSöhne von Heiligen“ (MärtyrerJ entstanden. Näheres haben wir im ״Jüdischen Litteraturblatt“ 1881 in unseres ״Additameuta zu Zunz’ Namen der Juden“ gegeben.