Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1893-02-24 · N° 9. (24.2.1893) · p. Seite 36

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 9. (24.2.1893)
Date
1893-02-24
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/6492408-10001603-5991391--2709-5369069
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

36 sieb mit Dämonen und ähnlichen Dingen, die dem Ewigen verhasst sind und deswegen ist eine Verbin• düng mit ihnen verboten; diese wurden im Alterthum im Allgemeinen mit dem Namen Nazaräer bezeichnet, denn ihr Haupt und König ist Nebu• kadnezar und nach seinemNamen wurden sie Nazaräer genannt . . . ״ln Wahrheit jedoch sei es fern von uns, an die Nazaräer unserer Zeit (die Christen nämlioh) zu denken, denn diese, in deren Mitte wir wohnen, üben Becht nnd Gerechtigkeit, glauben an eine Schöpfung der Welt, an die Existenz Gottes, an eine Vorsehung, an die Lehre Mosis und der Propheten, deshalb ziemt es uns sich ihnen gut zu erweisen, sie zu loben und zu rühmen und ihnen Segen und nicht Fluoh, Gott beLüte, zu bringen.“ Weiter wird auf die Pflicht der Vaterlandsliebe mit den bekannten Worten des Propheten Jirmijahu und dtm Spruch der Väter aufmerksam gemacht und mit den Worten geschlossen ע״ב יהיה לנו לכסות ״?דנים לכל אשר אתנו ואת כל ונוכחתdeshalb wird uns dies eine Decke der Augen (ein Schutz! sein allen gegenüber, die mit uns leben, und vor allen werden wir gerechtfertigt sein.“ Da nun Babylon mit Born identificirt wurde, begreifen wir leichter die Anwendung des angeblich alten Wories נוצרים von den Babyloniern auf die Börner und da Rom später bis aut den heutigen Tag, der Herd des Christenthums auch auf sämmtliche Christen.4) Litteratur bericht. Recensionen. Glassberg, A. J., Sichron B’rith Larisohonim Die rituelle Ciroumcision. Band I. Die Vorschriften der religiösen Gebräuche der Beschneidung nach talmudischeu und späteren rabbinischen Quellen be• arbeitet in 4 Abth. Berlin 1892. XIX -f- 312 Seiten in 8°. Verlag des Autors. Preis 4 Mb. Grfinw&ld, Josef, M.U.Dr., Arzt in Wien. Die rituelle Circumsion operativ und rituell bearbeitet; mit Anmerkungen versehen von Dr. M. Griinwald, Rabbiner in Jungbuuzlau. Verlag von J. Kauffmaun in Frankfurt a. M. 1892. VII -j- 14 Seiten und 2 lllustr. — Preis bO Pf 30 Kreutzer. Seit Dr. Gideon Breoher’s Schrift: ״Die Beschneidüng der lsraliten von der historischen, praktischoperativen und ritualen Seite, zunächst für den Selbstunterricht dargestellt (Wien 1845/' ist unsres Wissens keine dieses Thema behandelnde Monographie veröffentlioht worden, und nun hat das laufende Jahr gleich 2 Schriften hervorgebracht. Das Buch Glassberg’s, das wir zunächst zur Auzeige bringen wollen, ist mehl׳ für den jüd. Forscher und Litterarhistcriker. Es ist mit Liebe, Fleiss und Sacbkenniniss learbeitet wordeu und verdient die grösste Verbreitung. Herr Glassberg, •in tüohtiger Operateur und practischer Möbel in Berlin, hat dieses Buch dadurch werthvoll gemacht, dass er 1. ein uuadirtes Werk üb׳>r die Besohueidung von B. Jacob liagoscr (Xll. Jhrt.) und 2. ein ähnliches ') Nabers* hierüber haben wir in A. 8. Weissmann’s Monatsschiitt Ihr die Litteratur und Wissenschatt des Judentbams, Wien, 1 BOI, p. 136—]40 erbracht. Werk von R. Gereon Hagoser, der ein Sohn des R Jacob gewesen, veröffentlicht und mit dem nöthigen Quellennachweis versehen hat, 3. gibt der Herausgeber Herr G. ein Supplement in 17 Capiteln, welche verschiedene die Besohneidung betreffende Gegenstände ן behandeln, 4. wird ein Auszug aus eiaem grösseren | unedirten Werke über Jore Dea, genannt ״Charnude | Daniel“ in der Ausgabe und Bearbeitung vou R. Z. I Beirah in Wilna geboten. Dass der Name Goser von dem Berufe eines Mo hei 1 herrührt, darf wohl als feststehend angenommen wer- | den; es hat sich genau so wie der Name לרא Quara i (Karo) vom Vorlesen der Thora von Vater auf den [ Sohn vererbt. Von Interesse ist, dass der Targum den Akt des Besohneidens נזר nennt. Dr. Joel Müller, Lehrer des Talmud an der Berliner ״Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums“ hat von Seite XII—XIX ein liohtvoll orientirendes Vorwort über die Autoren R. Jacob und dessen Sohn R. Gerson hagoser geliefert und gleichzeitig die von ihneu benutzten Quellen verzeichnet. Die von ihm gegebene Erklärung des Wortes מלויי ist nioht richtig; diesesWirt isteiufaoh die bekannte Pflanze M a 1 w e. I Zum Sohlusse bemerken wir noch, dass Herr ' Glassberg einen 2. Theil in deutscher Sprache herauszugeben gedenkt, wo für den des Hebräischen unkuu- | digeu Operateur, resp. Arzt, die wiohtigsteu Regeln { der Operation und der übrigen damit verbundenen; Satzungen und Gebräuohe erörtert werden solleu. 1 Die Sohriit des praotisohen Arztes, M. U. Dr. Josef Grünwald, Wien, ist rein praotischer Natur, behandelt die Operation der Besohneidung vom ärztliehen Standpunkte, bringt die neuesten Forsohuugeu aut dem Gebiete der Antiseptik zur Kenntniss und sohliesst mit einer knappen Angabe der Ritualien im Uitext und deutscher Uebersetzuug. Dr. M. G riin wa ld. Liitlerarische Notizen. Petersburg. Die Academie der Wissenschaften hat ein I ansehnliche Schenkung des Kaufmanns erster Gilde, Fried- \ lä.11 der, erhalten. Derselbe Ubergab der Academie eine an- ן sehnl.che Bibliothek, in welcher sich 3׳JU Mauuscripte (hebr.l, { 320 .)ncunaleln und 10C00 Bände aus dem 16. und 17. Jahri hundert befinden. Die Werke behaudeln meistens Linguistik 1 und orientalische Philologie. Dieselben wurden iu einem besouderen Saale anigestellt, der ״tubliotheca friedlandiana“ genanut! wurde. Parts. Das neueste lieft der revue des etudes juives ent- | hält u. A. ein Artikel von Israel Levy: ״Die Sabbatruhe der ' verdammten Seelen“, ״die gallischen Alterthüiner im Talmud“ | von Samuel Kraus, sowie Abbildung und Beschreibung einer | vermuthlichen Almosenbuchse, die Baron Alfons v. Rot lisch ild I aus Spanieu erhalten hat. Dieselbe ist aus blauem Steingut I und scheint in Valencia 13 l'J zur Sammluug des halben Scheckeis! gebraucht worden zu sein. ריי אחשורוש.א• לה ריינה אסתר ן Rey Ahasweros y la reyna Esther - findet sich als Aufschrift.; — Die ״revue de deux mondes“ vom 1. Februar enthält den j ü. Artikel von Leroy Beaulieu: ״Die Juden und der Antisemi-! tismus“ und behandelt ״den Particularismus und Kosinopolitisj mus der Juden.“ _ London. Herr F. H. Chase, Licentiat der Theolgie fuhrt iu einer jungst erschienenen Schrift unter dem Titel ״Das Gebet des Herrn“ aus, dass die älteste christliche Kirche nach dem System der Synagoge organisir* war. ״Die Brüder“, welche Jesus als ihren Messias aunahmen, hatten ihre eigenen Svnagegen, wie die anderen Secten, in welchen sie aber dun allgemeinen Tempelgottesdienst verrichteten. Die vielen Svnagogeu zu Jerusalem waren entweder jüdische (mit hebräischer Gebetsprache) oder griechische (mit griechischer Gebetspräche). ״Das Gebet des Herrn“ war nach Ansicht des Verf. ursprünglich in aramäischer Sprache abgefasst. Veiantwoitl. ltidacteur Dr. Kahmer, Magdeburg. Druck: BendilÄHuhn (tr. D. L. Wollt) Magdeburg. Verlag: Ko3. Friese, Leipzig.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.