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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1893-02-24 · N° 9. (24.2.1893) · p. Seite 34

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 9. (24.2.1893)
Date
1893-02-24
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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einer abfälligen and vernichtenden Kritik sich bej destens braucht, bis sie das erwünschte Ziel erreicht, degnen Hessen, welohe Kritik Sie als alberne Erfin-! Danken Sie Ihrem Gotte, dass er Sie nioht in die wung und Verleumdung au brandmarken belieben —; Verlegenheit bringt, den Vae-victis-Kelch leeren 8« Darum rufen Sie nicht nach dem Staatsauwalt? ' müssen, denn was Sie als Eigenes geben, das 8u begar in besitzen Sie doch Uebung! Oder soll ich! kämpfen, wird sich kein vernünftiger Mensch die Ihnen etwa ins Gedäohtniss rufen, was früher e.u au-! Mühe geben, also dürfen Sie auch keiaen Sieg erderer Stelle schon geschehen ist, wieSie diesen Modus hoffen. Was Sie jedooh — da die Katze nun einmal einer ritterlichen Erledigung in einer gewissen Au- ן das Mausen nicht lassen kann — von Andern a bgelegenheit vorzogen, und von dem Injurienrichter | schreiben, das bedarf Ihrer Unterstützung nicht., ein Schmerzensgeld sich verschreiben Hessen, das . das lebt auch ohne Sie, und wenn es dessen werth Sie von einem zahlungsfähigen Banquier erhalten ן ist, wird es auch fortleben, trotzdem Sie das wenige sollten, welcher es liebte ״das Erhabene in denStaub : Werthvolle in einer Fluth von augenblendenden zu ziehen “und — durohzuprügeln, als dieser Erhabene Nichtigkeiten erbarmungslos erstioken. seine allgemeine Menschenliebe auf die Frauen der , Nebenmenscheu in etwas verstärkter Weise ausdehnte? ' Ich will Sie deshalb nioht tadeln, zumal die Reue j über diese grossm—Uthige That, welche lhneu über ' die Misere des Lebens für einige Zeit hinweghalf, 1 Ihnen gewiss gut steht. Aber der Appell an die . öffentliche Meinung stand Ihnen doch gerade in dem! Vorworte zur Verfügung, und anstatt den alten Meister Goethe ans seinem Gral e herauszucitireu und ihm Ihre Verteidigung zu übertragen — wobei Sie Kühe und deren landwirtschaftliche Erzeugnisse in geschickter Weise verwertheu — hätten Sie hier das Woit ergreifen müssen: Hic Rhodus, hio salta! Dass Sie aber anstatt dessen auf Ihre Gegner schimpfen, das ist kein Gegenbeweis, und — gereicht Jenen nur zur Ehre. Unter uns gesagt, es ist besser,! wenn Sie Ihre jugendlichen Kräfte schonen und sich י mit den Juden gar nicht mehr beschäftigen, die es nicht einmal dankbar anerkennen wollen, dass Sie so gütig sind, die austäudigen Juden zu ״verteidigen“ und sioh gegen alle Ausnahmegesetze — mau ׳ höre und staune! — zu deren Ungunsten erklärt haben.! Lieb’ Judenthum, Du magst ruhig sein, Caro wacht — über dich; was er unter ״historisches Judenthum“ versteht, ist zwar ein Wechselbalg sclieussliohster Art <— er weiss nicht einmal, dass das Judentum ן Wucher, ja jegliche Zinsuahme perhorrescirb, und er! verwechselt in seinem Eifer die Begriffe Judentum und Juden heit mit anerkennenswerter Gonsequenz — aber er versichert, dass er sich von der Vergotte- [ rnng des goldenen Kalbes fernhält, wobei ihm aller- ' dings das Malheur passirt, zu vergessen, dass das ״goldene Kalb“ eigentlich von ihm nichts mehr wissen wollte, weshalb er auch die Gemeinschaft mitSpekulanten fürderhin aufgiebt, wovon ihm sein Judenthum nicht abhalten konnte!! Sein Judenthum! Wie mag das wohl aussehen? Doch ja, er erklärt es ja, u. z. durch den Zufall der Geburt! Dieser Zufall, werther Herr, schmerzt uns sehr und wir wären Ihnen aufrichtig verbunden, wenn sie diese Ungerechtigkeit des Zufalls bei Ihrer Geburt jetzt noch ausgleicheu wollten. Etwas von der im Judeuthume selbst bei dem — mit Ihrer gütigen Erlaubnis — durch viele Vorzüge ausgezeichneten Moses gerühmten Bescheidenheit könnten!Sie aber bei dieser Metamorphose mitnehmen, Sie zählen sioh zu der Vorhut des Zukunfisheeres, welches dem Gotte und der Moral, welohe Sie sich zusammeugezimmert haben, in näohster Zeit den Sieg bringen wird. Sie haben es offenbar sehr eilig, weil Sie Angst haben, dass die ״kompakte Majorität“, die Ihnen noch nicht zu folgen vermag, über Sie bald zur Tagesordnung hinweggeheu wird. Herr Caro, dass haben Sie in einem Ihrer vielen unbewachten Mouieute geschrieben, sonst hätten Sie sich sagen müssen, dass eine Idee, für welche die Majorität nach Ihrer Ansicht noch nioht reif ist, Jahrhunderte miu- Jetzt will ich mein Vorwort 80hlie83en — wie m&ohe ich dies nur? Wenn mir das Vergnügen vergönnt gewesen wäre, die Pflegerin Ihrer sarten Kindheit zu kennen, ich hätte ihr den Vorwurf nicht ersparen könne□, dass sie es rechtzeitig verabsäumt bat, Ihnen das-bissige Benehmen abzugewöhnen, mit dem Sie die ganze Welt, oder was Ihnen bequemer ist: die Juden dafür begeifern, weil Sie im Leben — und was Ihre Eitelkeit noch mehr verletzt: im schriftstellerischen Leben — Sohiäbruoh erlitten haben, wofür die Juden gewiss nicht verantwortlich sind, denn ohne deren Hilfe würden Sie sich heute noch nioht auf Ihren Beiueu fortbewegeu können, ei■ Vorzug, den wir sehr wohl zu würdigen wissen würden. Aber damit komme ich nicht zu Ende, ich will Ihnen also naohahmen, doch was ist das? Sie schliessen ja mit einem italienischen Ci täte, köuueu Sie denn das ewige Citiren nioht lassen, zumal ich, wie viele Leser, kein Italienisch verstehe? Doch halt, der Büohmann hat auch für mioh geschrieben, und richtig — hier steht es, was auf Sie, verkannter Freund der Juden, sehr gut passt: Da chi mi iido Gu&rdi mi Dio, Da chi non mi tido Mi guarderö Jo, zu deutsch: ״Gott besohütze mioh vor meinen Freunden; mit meinen Feinden will ich schon selbst fertig werden 1“ Jüdische und christliche Armeelieferungen zu Ende des 30jährigen Krieges. Nach Orlglnaldocamentfn der k. k. Archive in Wien. Von S. Sc h weinburg-Eiben sch iitz. Am J.October 1647 stand der Gemeinde•״Eltiste“ aus Boskowitz zitternd und bebend wie Espenlaub im Vorzimmer der Kreishauptinannsohaft Hr&disch Graf Johann von Rothai, ein strenger, aber sehr humaner Beamter, hatte Jacob Donut aus Boskowitz, Sohutzjude aas Wien, citireu lassen. ״Periculum im mora“ hiess es schwarz auf weiss im Vorladezettel und diese 3 Worte Hessen den Boskowitzer Gemeinde■ ״Eltisten“ nioht zur Ruhe kommen. Eine förmUohe Centnerlast war ihm daher vom tief bekümmerte■ Herzen gefallen, als er endlich nach langem Warten vorgerufen wurde und aus dem Munde des allgemein gefürchteten Kreishauptmanues vernahm, dass es sich momentan nur um eine Soldatenkleiderlieferung bandle. Der kaiserliche ״Rendtmeister“ in Mähren, Herr Niclas Nusser von Nussegg auf Neuschloss, verlangte von den Judengemeinden des Hradischer Kreises eine rasche Taohbeschailung für 500 Soldatenkleider und 250 Reitermäutel als Kriegscoutribution für die iu Winterquartiere bei Iglau lagernden Soldaten. Woher sollten die armen Hradischer Judengemeiudeu das

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