Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 5. (27.1.1893)
- Date
- 1893-01-27
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— wurde allezeit für verdienstlich erachtet. Um wie viel mehr heute, wo 80 viele in verschiedenen Bichtungen sogar die Grundfesten unserer Religion zu untergraben sich bemühen! Vom Standpunkte derVertheidigung bin ich nioht abgeneigt, dass sich unsere Studenten mit den Ergebnbsen der sogenannten hohem Bibelkritik vertraut machen, jedoch in dem Bewusstsein, dass solche Forschungen, ich möchte sie a n t i biblische Studien nenneD, den warmen Anhängern des positiven Judenthum8 wie Galbanum unter die Bestandtheile des priesterlichen Weihrauchs gemengt, Vorkommen. Je eher wir von Kuenen’s, Wellhausens Hypothesen uns abwenden, je weiter werden wir in der unbefangenen Forschung der heiligen Schrift sein. Ihren Inhalt zu erschlossen, ihren innern Reichthnm mit dem umfassenden Ueberblick der gleichzeitigen Umstände und Zugehörigkeiten, die Zeiten ihrer Abfassung ergründen, ja sogar die genauesten Forschungen darüber anstellen, unter welchen Einflüssen diese heiligen Schriften entstanden, ohne ausserachtzulassen, womöglich die Verfasser zu ergründen, sind, halte ich für genügend erhafcene Ziele um den Bibelstudirenden anzueifern. Eine solche Forschung, die der Bibel sowohl als dem Schüler zur Ehre gereicht, bietet ein weite• Feld für den Wissensdurst ehrlicher Theologen. Für uns ist der Pentateuch ein noli me tangere! Die Hand weg! Wir verzichten auf die Ehre der Handhabung ״des scharfen Messers, das die Bibel in tausend Stüoke zerschneidet.“ Es bleibt jedoch noch ein Feld, wo die scharfe Kritik eines K. Joseph4) nicht verschmäht werden soll, sondern sehr erwünscht ist: Das ist nämlich der weite Schauplatz der talmudischen Lehre. Die talmudische AlterthnmsforschuDg hat, seitdem einige unermüdliche Bahnbrecher wie Bappaport, Zunz, Frankel Geiger, Graetz, Zuckermann und andere den Weg in ihre tiefen Minen gegraben, manchen Fund dem ernsten Arbeiter geboten, doch sind ihre wei'.en Regionen so tief und weit ausgedehnt, dass ihre gründliebe Erforschung eine wohlorganisirte Truppe mitwirkender, selbstloser Arbeiter erfordert. Talmudische Biographie und Geographie, jene von J. H. Weiss, J. Brüll und dem unermüdlichen Dr. W- Bacher ausgiebig gefördert■, diese von Deren bourg, Neubauer, Dr. Berliner und andern, sind noch lange nicht erschöpft. Taimadische Terminologie und Methodologie stecken noch in den Kinderschuhen. W 1r unterschätzen keineswegs die löblichen Bemühungen des R. Samuel Ha-Nagid, des Maimonides, Joseph Karo, Sal. Algazi, Isaac Canpanton, Aaron C. Chajim, (אהק fYTO), Jair Cbajim Bachrach (חוות יא־ס■ K. S. von Chinon (ספר הכריתות), Maleachi ,«.יל מלא und Dr. Z. Frankel. Doch der Meister, der die sporadisch zerstreuten Winke in eiu genaues System zu einem nützlichen Schema zusammenfassen wurde, soll erst geboren werden! 0 dass ern nener Maimonides seine mächtige Hand (החזקה T) ausstrecken würde, um dieses gehäuft volle Vorrathshaus zu ordnen, den hohem Auforderungen der modernen Kritik nachzukommeu! Und wo sollten wir in unserer verzweifelt praktischen Zeit die selbstaufbpfernden Mäuner finden, die sich eines Werkes von so riesiger Bedeutung und so aufopferungsvoller Hingebung unterfangen könnten oder wollten, wie es die Zusammenstellung einer talmudischen Encyklopädie ist? Das zu diesem Unternehmen nothwendige Material habe ich mich in meinem Lebens werke Ar üch *) B. Bath III b. completum, wie ich wohl sagen darf, ehrlioh zu sammeln bemüht. Dies führt mioh zu einer andern Art theologischer und weltlioher Studien, der Pflege der semitischen and classisohen Philologie, ohne deren gründliche Kenntniss der vielsprachige Talmud ein siebenfach versiegeltes Buoh zu bleiben verurtheilt ist. (Schluss folgt.) Litteraturberieht. Recensionen. Bloch, Philipp, Dr. Die General-Privilegien der polnischen Judenschaft. Erweiterter und verbesserter Sonderabdruok aus der Zeitschrift der historischen Gesellschaft für die Provinz Posen, Bd. VI. Posen• Verlag von Joseph Jlowicz. 120 S. iu 8*. — Eine äeissige und gründliche historische Arbeit, die, wie sie von dem philosophisch begabten und historisch gesohulten Rabbiner der Posener Gemeinde zu erwarten war. Das Resultat der Untersaohungeu Bloch's ist, dass Kasimir der Grosse der Urheber des Boleslaus-Kasimirschen Statuts ist, wie das Sehrifcstüok es besagt, und die Einwendungen des Historikers Habe unbegründet sind. Es seien uns nur einige Anmerkungen gestattet, 1 da wir seit Jahren an einer Geschichte der Jaden in Böhmen arbeiten. Im 1. Hefte un serer diesbezügliohen Arbeit (Pisek 1886) Seite 44 Anmerkung 13 haben wir bereits hervorgehoben, dass schon im Privilegium Friedrichs vom Jahre 1244 von einer Jüdin die Rede ist. Zu Seite 23 Anm. 1 verweisen wir den Auto ebenfalls auf unsere Geschichte der Jaden in Böhmen Seite 43 Anm. 11 und 12, wo auch die Variante ostium ihre Erklärung findet. Seite 38 ist statt aat zu lesen autem, übrigens wird auch aut statt autem gebraucht. Zu Seite 47 Anm. 4 bemerken wir, dass der jüdische Vollzugsbeamte, der im Mittelalter in der Regel den Namen שמש ונאמן führte, im Böhmischen Skolnik hiess, und im lateinischen Officiales genannt wurde. (Vgl. F. Tadza’s Aota iudiciaria p. Vl Anm. 1, Prag 1890) Das von Bloch angeführte שמש לליון ist jedenfalls sehr selten. Zu Seite 67 und Anm. 4 daselbst bemerken wir, dass terrigena etymologisch und sachlich dem polnisch-böhmischen ״zeman“ (Edelmann,) das von ״zeme‘, (Erde) stammt, entspricht und in der That den niedem Edelmann bezeichnet. Zu Seite 76 bemerke ich, dass wie der Christ Kalten boeck in Wien in Werthheimer’s Juden in Oesterreich naohgewiesen, Bauerknechte im Anfänge nichts Schlechtes bedeutete und wie ich in meiner Geschichte der Juden in Böhmen Seite 6 no5׳h hinzugefügt habe, das englische Kniglit Kneoht noch heute den Ritter | bezeichnet. Erst später wurde der ursprünglictie Ehrenj titel Bauerknecht in das Gegentheil verwandelt, genau j so wie das Wort schlecht ursprünglich sohlicht! bedeutet und im Worte schlechterdings sich noch 1 bis heute erhalten hat. I Zu Seite 85 zum Worte Bieaass bemerken wir, I dass es das böhmische Benesch ist, das allerdings aus ßenedictus entstanden ist und der Bedeutung, nioht aber der Etymologie nach, gleich ״Baruch“ ist. Zu Seite 94 bemerken wir sohliesslich, dass auch in Böhmen bis zum 14. Jahrhundert der Eid eines Juden sehr einfach war, genau wie er von Otokar