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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1893-01-27 · N° 5. (27.1.1893) · p. Seite 18

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 5. (27.1.1893)
Date
1893-01-27
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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— 18 — wenigstens der Rector der Suranischen Akademie, da• mit er Sr. Hoheit dem Exilarchen nicht allzuweit nachstehe, mit gewissen Prärogativen ausgestattet werde. Der Titel Excellerz galt darum bis zu einem gewissen Grade als Garantie daiür, dass der Exil arch dessen Ernennung trotz der Erbfolge erst dann erfolgen konnte, nachdem die Hochschulen ihre Zustimmung gegeben, seine Machtbefugnisse nicht weiter ausdehnen und dieriohlerliehe Gewalt mit denVorstehern der Akademien theilen werde. Doch nicht blos, um dem Lehrhause einen höheren Grad von Selbstständigkeit und Unabhängigkeit zu verschaffen, sondern auch, um de-sen Glanz iL den Augen der über das ganze Eidenrund zerstreuten Juden zu erhöben und durch diesen erhöhten Glanz die aus freiwilligen Spenden bestehenden Einnahmen zu sichern, hat man das Gaonat genau so wie das ExilaTcbat als die Verkörperung der Einheit des Judenthums hingestellt; aber wie die fürstliche Macht des Exilarchen, und wie die Excellenz des Rectors, so ist auch die vielgerühmte Einheit des Judenthuins eine tdos äusserliche gewesen; denn noch hatten die Gaonen kein Jahrbuudert hinter sioh, und schon war innerhalb derJudenheit eine Spaltung eingetreten, die in unserer ganzen 4000jährigen Geschiohte vereinzelt dasteht**). Der Riss, welchen um die Mitte des 8. Jahrhunderts die Entstehung des K&räerthums hervorgeruteu, war ein solch tiefer, dass die aus der Kluft emporsteigenden Wolkenmassen allen Glanz des Exilarchats und des Gaonats verdunkelten. Ja, dieser Glanz war ganz verschwunden, bis ihn Saadia Gaon wieder hergestellt. Wir sind weit entfernt davon, die Männer, welche damals an der Spitze des jüdischen Gemeinwesens gestanden haben, für die eingetretene Spaltung verantwortlich zu machen, denn wir können es uns unmöglich beikommen lassen, die verletzte Eitelkeit des Mannes, welcher als Stifter des Karäerthums gilt, als die Triebfeder der so tiefgehendeu Bewegung zu betrachten, ebensowenig wie wir Jenen beipfiichten können, welche das Schisma innerhalb der Judeuheit als blosse Nachahmung des in Suniten und Schiiten gespaltenen Islam ansehen. Nein, durch die unausbleiblichen Reibuugen zwischen der religiössittlichen Lebensanschauung des Judenthums uud der ungebunden freien Lebensweise des Araberthums hatte sich viel zu viel Elektrioität augesammelt, als dass moht bei der ersten günstigen Gelegenheit eine gewaltige Entladung hätte eintreten müssen. Schon die Pseudo - Messtas.-e Serene und Abu lsa hatten die Opposition gegen den Talmud auf ihre Fahne geschrieben; die Zahl Jener, welche die talmudisohen V orschriften als drückendes J ooh empfanden, war eine sehr grosse; im Lager der Unzufriedenen lagderZündstoff hoch, hoch übereinander geschichtet, es bedurfte nur noch eines einzigen Funkens, uud die Flamme stieg lichterloh zum Himmel empor. Diesen Funken nun hat Anas ben David aus Erbitterung darüber, dass er nicht zum Exilarchen gewählt wurde, in die Masse der Unzufriedenen hineingeworfen, und die Loasaguug vom Talmud war gleich beim Ausbruch des Brandes eine vollendete Thatsache. Armer Talmud'. Kaum war •r iu seiner Riesengrösse und in seiner bewunderungswürdigen Arohitektonik vollendet, musste er es sioh schou gefallen lassen, dass •in heftiges Geschützfeuer gegen ihn eröffnet wurde. Diese Kano-!mde dauerte fast eia ganzes Jahrhundert•, ohne dass aus der Festung heraus auch nur ein einziger Pfeil *') Wer die Samaritaner in demselben Sinne wie die Karäer als jüdische Secte behandelt, vergisst eben, dass dieSamaritaner niemals zu uns gehört haben. auf den Feind abgeschnellt worden wäre; und obgleioh dieses passiv• Verhalten der Besatzung einerseits als Beweis dafür gelten könnte, dass die Festung als eine uneinnehmbare angesehen wurde, muss mau doch andererseits durch die Thatsache, dass gar Manche zu dem belagemdeu Feinde übergelaufen sind, auf deu Gedanken kommen, dass es den Männern innerhalb der Festung an geeigneten Waffen gefehlt. Und so war es leider auoh in Wirklichkeit. Die Waffen gegen den Karäismus mussten erst geschmiedet werdon, und derErste, welcher nioht blos über solche Waffen vorfügte, sondern auch mit dem Feldherrntalent eines geschulten uud erprobten Strategen von ihnen Gebrauch maohte, war Saadia. Als Meister trat er in die Arena, und er kämpfte uud focht in einer Weise, dass man au jeder seiner Bewegungen den kunstgeübten Polemiker sofort erkennen musste. (Forts, f.) Weltliche und theologische Studien. £10 Wort über die Ausbildung uaserer Rabbiner. Von Dr. Alexander Kohut, Rabbiner in New-York. (Fortsetzung) In trüberer Zeit wurdeu die amtlichen Pflichten die praktischen sowohl als die idealen, nicht in einer Person vereinigt. Nach Esra, gleich vom Beginne, der neu errichteten Gemeinden, wurde die Institution der Suggoth (Duumviri) begründet. Seit Hillel, der der erste Nassi war, wurde das Amt des Ab-Beth-Diu ins Lebeu gerufen, so dass sieb der Patriarob und der Präsident des hohen Gerichtshofes in die Verantwortlichkeit theilten. Später wurde eine neue Würde verlieheD, die des ״Chaeham“. So finden wir drei Würdenträger angeführt: R. Simeon beu Gamaliel Nassi; R. MeirChacham; R. Nathan Ab Beth Din1). Noch später ״ חכימיא וספריא ידרשיא ורישי עמאdie weisen Männer, Gelehrten, Bibellehrer, Prediger und Häupter des Volkes“3) sind hervorgehoben als Verlrefer veischiedener Zweige jüdischen Studiums, als auoli des jüd. Gemeindelebens. Weshalb müssen wir nun alle Aemter und Pflichten auf eine Person aufhäufen und aufbürden? Unsere Gemeinden, obwohl sie viel reicher als die ehemaligen sind, und mehr Gelegenheit haben thätig zu sein, sollten die frühem oder ähnliche Methoden beibehalten, indem sie die Arbeit theilten und jede Person in ihren eigenen Wirkungskreis eiuset/.ten, so als Prediger, Diener Gottes, Lehrer uud Gelehrter. Non omnia possumus omues ״ Wir alle können nicht alles“ passt auf die Rabbiner sowohl als auf die Gemeinden. Au diesen Wahrspruch lehne ich mich an, indem ich die Natur und Arten der theologischen und weitliehen Studien skizzire. Es ist jedoch selbstverständlich, dass diese Studien einigen Bezug aut die Richtung des zukünftigen Rabbiners und dessen hohen Beruf haben müssen; z. B. Physik und freie Wissenschaft, obwohl der Trieb der gegenwärtigen Zeit gauz besonders auf diese Fäoher gerichtet ist, sollen nicht zu viel Zeit des theologisohen Studenten in Anspruch nehmen, obwohl sie nioht ganz vernachlässigt werden dürfen. Sie gehören insoweit in das Gebiet der jüdischen Theologie, als sie den künftigen Rabbiner ausrüsten sollen, sich gegen die zerstörende Richtung einer solchen Schule vertheidigen zu können. Zu wissen, wie dem Ungläubigen zu antworten3) ') Horaj. 13 b. ') Succa 28 b (nach der Lesart des Münch• ner M88.) *) Pirke Ab 11. 14.

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