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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1893-01-20 · N° 4. (20.1.1893) · p. Seite 15

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 4. (20.1.1893)
Date
1893-01-20
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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— 1 die Juden seien daran sobald, und unheilsvoll lief es von einem Munde zum anderen! Auch den reiohen Sen Manasse warf die tückische Krankheit auf das Krankenlager. Niemand durfte dem gefährlichen Krankenbette nahen, auch nicht seine Toohter. Acht Tage lang lag er so im Sterben, besorgt um dasWohl seines Kindes. Ein furchtbarer Traum hat ihn ge• ängstigt, und in seiner Todesfurcht verlangt er nach seiner Tochter. Er hat sie im Traume in einem grossen Feuer brennen sehen uud sein Traum ist ihm von symbolischer, Zukunft enthüllender Bedeutung. Sie soll nicht unter dom Hass der Christen zu leiden haben, soll nicht auf dem Scheiterhaufen sterben. Und so flüstert er der Tochter zu, die bleich vor seinem Krankenbette steht: Sulamith, die Christen kommen! Sulamith, mein schutzlos Täubchen, Sulamith, — geh’ —lass dich — taufen! Herr, verzeih’ mir! räche nicht! Da stürzt sie taumelnd vor ihrem Vater nieder und stammelt den Namen ״Alvaro“: ״Christin bin ich! O vergieb mir, Vater, dass ich dich betrog!“ Da staTrt sie der Sterbende entsetzt an und verflucht sie, während sie seine pestzerfressenen Lippen küsst. Da überwältigt auch sie die tückische Krankheit. Ver* * gebens flehte Alvaro Gott um Rettung an; als er sah, dass sie verschied, da fluchte er dem Juden, der im Sterben noch sein Kind erwürgt habe. Sieben Tage und sieben Nächte blieb er bei dem Leichnam seiner Geliebten, aber den Tod, den er suchte, fand er nicht. Zehn Monate verbarg er sich im Kloster, ertrug die schwersten Martern und geisselte den welken Körper. Dann vermachte er all sein Gut den Armen und wurde Mönch. Wohl hatte er die Leidenschaft zu der toten Margarita zurückgedämmt, und nur der Hass gegen den alten Juden war geblieben. Und so zog er eines Tages aus seinem Kloster und predigte auf allen Plätzen und allen Kirchen mit flammenden Worten einen Kreuzzug gegen die Juden. Gauz Spanien wühlte der Blitz seiner Rede auf. tausende von Juden starben durch das Machtwort dieses Mönches, der später Erzbischof von Niebla wurde. Das war ״Spaniens grosser Judenhasser, Spaniens erster Juden• Würger“, dessen Hände vom Judenblut dampften, in• dess sein Herz sich wund schrie naoh dem schlummeruden toten Judenmädchen . . . Weltliche und theologische Studien. Ein Wort aber die Ausbildung unserer Rabbiner. Von Dr. Alexander Kohut, Rabbiner in New York. (Fortsetzung.) So selten mau auob eine solche glückliche Verbindung in einem auserwählten Genie erblicken mag, so sind doch die rabbinischen Funk• tionen damit nicht erschöpft. Es bleibt noch ein werthvolles Erforderuiss, nämlich: Die Ausbildung jüdischer Schülerschaft. Das ist und soll das Ziel, der Zweok und die Krone des Rabbinates sein. Schon der Name Rab oder Rabbi (der erstere entstand in den babylonischen, der letztere in den palästinischen Hochschulen)*), der einen ״grossen Mann“, ״Haupt der Gemeinde“ und endlich ״Lehrer“ bedeutet, weisst darauf hin. Nur in seiner Eigenschaft als Lehrer im weitesten Sinne des Wortes hat der Rabbi unbestreitbar das epitheton Omans verdient, um ein giosser Mann, *) Cfr. Kohut, Ar. compl. VII. 236 Art. רב, auch אביי♦ Meister und das Haupt der Gemeinde gsn&nnt zu werden, uud nur als treuer Vertreter des jüdischen Lernens wurde er früher als der bestamgestattete Leiter der Gemeinde angesehen. ״Deine Augen sollen zu deinem Lehrer aufschauen“1) wurde in Israel zu Zeiten zum Gesetz erhoben. Bei keinem anderen Volke wurde ein Lehrer mehr geachtet und verehrt. Der Thora nnd nicht auohihrenVertretern Achtung zu zollen wareinZeichen an schlechter Erziehung.3) Eingelekrter Schüler, wenn auch von geringer Abstammung, wurde höher gehalten, als ein unwissender Hohepriester’). Die Auszeichnung, ein Gelehrter genannt zu werden, verlieh den AdelstiteP). Die Befolgung des Rathes eines Gelehrten war wie der Gehorsam gegen die Schechina*) und die freundliche Behandlung eines ״Jüngers der Weisen“ wurde als dasselbe erachtet wie die Anbetung vor der heiligen Lade®). ״Doch die Zeiten haben sioh geändert und wir mit ihnen.“ Weit andere Zustände herrschen jetzt, ganz andere Führer werden jetzt verlangt, besonders in unserem Lande. Obwohl wir in anderer Beziehung die Nationaltugenden des ״fortschreitenden“ Amerikaners theilen, wurden wir, Rabbiner und Gemeinden — es klingt seltsam — plötzlioh, oder wenigstens seit einigen Jahrzehnten, bescheiden, ich fürchte zu be• soheideu in Bezug auf hebräisches Wissen. Denn es ist danach gewöhnlich keine Nachfrage nochVerlangen, oder richtiger gesagt, es kann danaoh keine Nachfrage sein, da kein Verlangen danach ist. Wir treiben zurück, den Weg zurück zu Bileam, von dem gesagt wird ,״ אין כח1 אלא בפדseine Kraft 1»g ausschliesslich in seinem Munde.7) Naoh der jetzigen gewöhnlichen Schätzung muss der jüdische Lehrer ein Prediger und sonst nichts sein, er soll ein gutes Munds tiiek besitzen. Niohts anderes wird von ihm erwartet oder verlangt. Der Luxus der Talmufkenntniss, die der biblischen Exegese, religiös-philosophisohe Bildung, Kenntniss jüdisoher Archäologie, semitische Philologie und die verwandten Zweige des rabbinischen Studiums werden gern einzig zu Gunsten der Redegewandtheit erlassen. Das ist der silberne Anstrich unserer Kanzeln. Dieser beklagenswerte Zustand erniedrigt mehr die Gemeinden als die Aspiranten des geistlichen Standes. (Forts, f.) Recensionen. Uuttmann, Dr. J. Das Verhältniss des Thomas von Aquino zum Judenthum und zur jüdischen Litteratur. Göttingen, Vandenboek und Rupreoht. 1891. (Schluss.) Gewiss ist es die eigene Energie des Denkens, di« Thomas des Oefteren auch, und zwar in dogmatischem Interesse, zu polemischer Stellungnahme gegen Maimuni veranlasst; so bekämpft er beispielsweise dessen Ernanationstheorie und will alle Mittelpersouen hei der öchöptung beseitigt wissen, er bekämpft dessen Lehre von der Beseeltheit der Himmelskörper, er streitet gegea die wesentlichstem Bestimmungen der Engellehre Maimuni’s uud stimmt nur mit ihm im Paukte der höheren Willensfreiheit und Erkeuntniss der Eugel überein; allein einerseits ist das Maass der adoptirten Lehren und der Beweisgründe Maimuuis für dieselben, ein bei weitem grösseres als das der polemischen Be• >) Jsaiah XXX 20. Macc. 22a. ') Horaj. 13a Num. R. Cap., VI. (Siehe auch dort uud jer. Hör. 111 § 8; Tosephta Cap. III. Tania 0. B. E. Cap. XVI. Die Idee, ein Schiller verdient Vorzug vor dem König. *) Toss. Edioth Cap. HI; Kohut A. C. 17 a. s) Jerus. Erub. •) Keth 111a, Ber. 14a, Lev. R. Ch. XXXVV. ’) Keth lila. Ber. 14a, Lev. li. Cap. XXXVV.

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