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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1893-01-20 · N° 4. (20.1.1893) · p. Seite 16

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 4. (20.1.1893)
Date
1893-01-20
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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lö — Ziehungen gegen denselben und andererseits ist auch die mäohtige uud vielseitige Anregung zur specala• tiven Denkthätigkeit nicht zu verkennen, die selbst Maiinnni’s liir ihn unannehmbare Anschauungen sowie auch Ibn Oabirols (Avicebrou’s) Lehre von Materie und Form bei den geistigen Substanzen, die Thomas ebenfalls in sehr ausführlicher Weise zu widerlegen sucht (Guttmann S. 22—30) dargeboten haben. Von besonderem cullurbistorisohen Interesse sind die von Guttmann zu eiuern Gesammtbilde vereinigten Aeusserungen des Thomas über verschiedene, das Judenthum betreffende Frageu, Aeusserungen, welche die Stellung dieses so bedeutsamen Kirchenlehrers zum Judenthume in einem immerhin bemerkenswerthen Lichte erscheinen lassen. Die Bestimmungen des kanonischen Hechts uud die Verordnungen der Konzile über die Behandlung der Juden eignet sich Thomas ohne Weiteres an ״und sucht sie, so gut er kann, auch theoretisch zu begründen, zuweilen aber auch durch eine mildere Auslegung iu ihren Wirkungen abzuschwächen.“ Wiewohl auch er sich von dem Banne der mittelalterlichen Judengesetzgebung nicht lrei gemacht hat, oder als treuer Sohn der Kirche, der ihre Rechte wahren und begründen will, nicht lrei machen wollte, so ist er doch nicht von persön• liehen! Hass gegen das Judenthum erfüllt. ״Thomas ist kein Fanatiker. Er ist zu iroinin, um an den lohen Ausschreitungen des Glaubenshasses Gefallen zu finden und ein viel zu wissenschaftlicher Geist, als dass er durch irgendwelche Aufwallung der Leiden• schalt sich in der Ruhe seiner Gedankenarbeit sollte beirren lassen.“ Unseres Erachtens nach, wäre Thomas, wie sich aus dem bi eiste der vorliegenden Aeusserungen über das Judenthum mit einiger Sicherheit sohliessen lasst, zu einer anderen Zeit, dem Drange des Herzens lolgend, ein warmer Vertheidiger und Fürsprecher der Juden geworden; da er aber aus dem damaligen Geiste der Kirche heraus den Aufbau seines Systems unternahm, so bietet nicht nur seine au die Herzogin von Flandern gerichtete Schritt de regimiue Judaeorum sondern das Ganze seiner Lehren über die Stelluug uud Behandlung der Juden ״eine Mischung von Uugerechtigkeit und Milde.“ Wir wünschen auch dieser durch eiue gründliche Quellenforschung und lichtvolle 1 'arstelluug sich aus- *) Stöckl a. 11. 0.: ״Wir sehen Thomas beündet sich in dieser Lehre (״dass die Weit einen Aulang habe, ist einetilaubcusnicht eine Yernuntt wujn heit') iu geradem Gegensätze mit seinem Lehrer sowohl (Albert 11er Grosse׳, als auch mit seinen übrigen Vorgängern ... Er schliesst sich hier ganz und gar au die Lehre des üaaimonides an und gibt dieselbe wio aus einer Yergleichuug beider ersichtlich ist, was deu Autaug der Welt, atigesellen von der Schöpfung derselben, betrillt, getreu wieder. Es ist und bleiln dieses immerhin oine merkwürdige Erscheinung. Thomas verbisst hier die liahii seiner christlichen Vorgänger und l'olgt dem Maimonides. Was mociite ihn hiezu veranlasst haben?“ . . . Wenn nun Stöckl deu schon auf deu ersten Autdick als gezwungen ei kennbaren Erklärungsversuch macht ״dass es bei Thomas wie hei Maimonides zunächst diu Schwache mancher von jenen Beweisgründen war, welche die arabischen Keligionsphiosopheu lur deu Anfang der Weit befrachten“ so ist dieso Angabe, was die arabischen Peripatetiker beirillt, anrichtig da dieselben, wie Guttmann richtig bemerkt ״sich auf den Loden de! Emaimtiousiheone gestellt hatten".!S. ob.j Lhe Mutukallimuu allerdings Bind es, UieLeweise für die Zeitlichkeit der Wellschöptung zu erbringen versuchten, die von Maimuni aber als Sophismen zurückgewieseu wurden. Waren nun aber auch dem Thomas nur schwache Beweise für die Lehre vom Woltaulang bekannt, warum sucht er m dogmatischem Interesse nicht nach rationelleren Gründen? Zweifelsohne waren eben Waiuiuin’s Erwägungen tur ihn von solch überzeugender Kratt, dass auch er dre Lehre vom Weitaulang nur als Glaubenssatz bezeichnen konnte. zeichnenden Solirift Guttma-1n’s die überdies, auch ein hervorragendesculturhistorischeslnteressebainspraoht, eine weitere Verbreitung. Leobscbütz. Dr. Krakauer. Wünsche, Aug. Prof. Dr. theol. et phil., Midrasch Tehillim etc. Trier, Sigmund Mayer. 1891. Besprochen von Dr. Go hn-Burgkandstadt. (Forts, v. Nr. 34.) Das erste Proöm zum zweiten Psalm gieht zwei Gründe an, warum Jes. 57,20 die Frevler mit dem aufgeregten Meere verglichen wird: wie das Meer erstens allen Unflath auf die Oberfläche uud aus Ufer treibt, so offenbaren die Frevler ihre bösen Gesinauugen durob gotteslästerliche Reden; wie ferner das Meer vergebliche Anstrengungen macht den Ufersand zu überschreiten, so missglüoken die wiederholten Verniohtungspläne der Frevler gegen das kleine Israel. Zwischen diese beiden Vergleichen ist das zweite Proöm hineiugerathen, das mit Anlehnung an Jes. 40,22 die eitlen Bemühungen der Frevler mit denjenigen der in Urnen befindlichen, an der glatten Innenwand hinaufklimmeudeu uud zuruckfallenden Heuschrecken vergleicht. Buber setzt dieses Proöm iu Paranthese, weil seine handschriftlichen Führer, Ood. I u. VI, es nicht habeu. Es scheint eia späterer Zusatz zu sein, entlehnt aus Tanohuma Noaoh Nr. 18 (ed. Buber Nr. 24). Inhaltlioh entspricht es der zweiten Hälfte des 1. Proöms und ist daher naoh diesem vor den Ausspruch des R. Jizohak zu setzen. Iu der Uebersetzuug ist auch der Satz: ״Gog u. Magog werdeu iu die Welt kommeu und sie wird Zusammenstürzen“ zu beriohtigeu. ונפלי bezieht sich aut גו״מ : und s i e werdeu fallen. Nr. 9, Z 7: meiu Knecht, auf deu ich inioh stütze; es muss heisseu: den ich stütze, ln der ersten Anm. S. 27 ist ילדה zu lesen. Nr. 10, Z. 5: zu drei Gerechten. König Achas verdient nicht diese Bezeichnung; darum ist die alt« Lösung ב״א vorzuziehen. Iu Nr. 11, Z. 15 ist ״nicht“ zu streioheu, dagegen S. 28 Z. 1 hinzuzufügeu. Nr. 13— Lö ist eiu Midrasch, der nur wegeu des Satzes [ובל מי ע הוא נוטל? פנשלן |שנ׳ נשמו בר hier Autuahme gefunden hat. im Sinne des Midrasch ist also zu übersetzen: Küsset das Getreide. Nr. 14, Z. 8: Sie hat nichts Geringeres ge:11aa! Aber לא עשה מעט bedeutet: es dauerte geraume Zeit. Die alten Ausgabeu bieten לא עשה ומן דרכה, es dauerte nicht lauge. IuNr. 15 ist die Lesart des Sohir r. 'בן 3' או כן ל vorzuziehen.—Nr. 17: Das häufige אהליות ובצטריית bedeutet: alae et c&stra. Iu dem ersten Proöm zum 3. Psalm Z. 12: ״R. Jochauau schloss aus dem, was mau am Heiligthume verübt hat.“ Es muss vielmehr heissen: R. Joonanan sagt, dass iu diesem Verse (Ps. 08,30) ממקדשיך dasselbe bedeutet wie ממה שעשה במקר׳, d.' h. das Gott zu fürohten ist, (nämlich vou deu Frevlern) wegeu seiner unbestechlichen Gerechtigkeit, geht aus dam hervor, was er an seinem Heiligthume geth&n hat. Derselbe Gedanke begegnet uus Pa. 9,48 uud 99. (Fortsetzung folgt.) JLitterarische Notiz. In drin ersten von Herrn Dr. Grün-Prag in vor. Nr. mitgetheilteu Briete von Zunz an R&paport wird der Tod eines gemeinschaftlichen Freundes beklagt. Ej dürfte dies vielleicht der iu Görs 1855 verstorbene Gelehrte Isaac S amuel Reggio i gewesen sein. M. Bp. Veiantwoitl. ltedacteur Dr. ltahmer, Magdeburg. Druck :Bendix&Huhn (tr. D. L Wollt) Magdeburg. Verlag:Rob Friese. Leipzig

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