Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 2. (7.1.1893)
- Date
- 1893-01-07
- Page
- Seite 7 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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7 tages in der betreffenden Rede fehlen. Ans dem jerasalem. Talmud*) und aus dem Midrasch Rabba4) hätte aber Dr. Freudenthal ersehen köunen, das es noch im 3. Jahrhundert ü. Z Sitte gewesen war, an gewöhnlichen Sabbaten überdas Buch Jona zu sprechen und dass das Buch Jona fleissig gelesen worden ward. Lewi, neben Jehuda b. Nacbmani Hiilfspredigei5) des R. Jochanan, hält dem zum Sabbatgottesdienst versammelten Publikum bis zur Ankunft R. Joohanans einen Vortrag über Jona und R. Jochanan, der mittlerweile in cas Lehrhaus eingetreten war, setzt den Vortrag über Jona fort. Da aber R. Jochanan über die Abstammung des Propheten eine abweichende Erklarimg ausspri:׳ht, bittet Lewi seinen Collegen Jehuda b. Nachmani, welchem die Funktion zum Predigen am nächstfolgenden Sabbate gehörte, er, J. b. N., möge ihm, Lewi, die Predigt am nächsten Sabbate ünerlassen, was J. b. N. auch bewilligt. Lewi predigt am räcbsten Sabbat wieder über Jona und sucht seine abweichende Erklärung mit der seines Lehr ersJochanau in Einklang zu bringen, was ihm, Lewi, so sehr gelungen war, dass R. Joohan&n, der mittlerweile wieder im Lehrhause erschienen war, entzückt von der neuen Erklärung seines Schülers, diesem, Lewi, zuruft ״Du bist des Glückes theilhaftig geworden, diese Erklärung ״stehend“ vorzutragen, du seiest fortan des Glückes theilhafiig, sie ״sitzend“*)vorzutragen“, womit das Recht zur Beanspruchung der Ordination verbunden war. Auch darin kann ich ihrem Prof. Dr. Freudenthal nicht beistimmen, wenn er a. a. 0. Anmerkug 4 annimmt, dass an den Fasttagen, deren die Mischna Taanith 11,1 erwähnt, bloss der Text zu den Mahnreden aus Jona genommen worden sei. Ich bin viel- “) Sukka ed. Krotoschin 55 a. *) Zu Genesis 49,13 ed Wilna 1378 cap. 98 $ 11. r'1 Val. Bacber, Agada der palästinensischen Amoräer I. S. 917 Aum. 3 und S. 292 Anm. 8. Levy’s Wörterbuch steht wir nicht zu Gebote; aber Bachet's Erklärung der מצס״צא קד,לא oder ציבורא genügt auch nicht. Ich glaube Lewi und Jehuda b. Nac• maui war n collectoren. Vgl. die Lexika zu den Kiichenschrittstellern 8. v. Urs Wort ״collector־* hat sich auch in den Lidrasctuui erhalten: בלל־ט״רים Pesikta rabbathi ed. Erieumauu 8. 7sa und Pesikta dr. Kahana ed. Baber S. 56 a Anm. 24U ms. Oxfort ist einfach in ר י□״ ,Dp כ ל“ zu emendiren, woraus daun auch die Coiruptelu: "דל ttud "3)ל zu erklären sind. Ebenso sind in der Deutung zu Hiob 5,5 Pesikta dr. Kahana ed. Buber 8. 70b (wo in den Anmerkungen die Parallelen verzeichnet sind) המצימתים collecta, die Bctversammlung; clr. Lexika s. v. (Kohut’s Aruch undi'ürst’s griu/11.-hebräisches Glossar stehen mir gleichfalls nici.t zu Gebote). Vielleicht sind auch die 3 קרואים, Midrasch ltabba zu Genesis 29,2; ed. Wilna cap. 70, § 8, welche bereits Aruch ed. Landau s. v. קרא und David Luria a. 1. Anmerkung 5 liir GemeindeluDctionäre halten, mit den ״collectornr' bezw. מצ0ת א קהלא identisch. Das ir.ig iche Wort ist aber nicht griechisch, wie Musaphias. v. meint (xöptot), sondern rein hebräisch gleich קרואי הצדה Numeri 1,16; 26,9, was die Targumim mit: מצרצי und: מזנוני der כני״צתא d. i• 8ynag<!ge, übeisetzeu. Vgl. meine 2 Artikel über *die Synagogen in der Talmudzeit“ Littbl. J hrg. 1884, welche gleichfalls zu meinem gegenwärtigen Thema gehören. ״) Ich lese mit David Luria Anm. 19 und Wolf Einhorn, commentar zu Rabba 1. c.,,זביתה מימרינה יקים תזכי מימרינד מיתיב:, wozu ausser der von Luria und Eiuhorn citirteu Stelle Jorus. Horajoth tolio 48a noch zu vgi. ist: Babli Chuliin tolio bla, wo R. Jochanan erzählt, während Rabh שימש בישיבה, habe er, J., gewesen בצבירה, feiner Jerus. 8ab0at tolio 12c: Rabbi Kleasar h. 81111011 uud Rabbi Jehuda 1., der Patriarch. Hiernach ist der Ausdruck: בני קיו0י״“ in dem Responsum des Ga»11 Aiuram b. Schesclma, llesp. der Gaouim •d• Lyn 1864 8. 21h No. 56, den der sei. Graetz Gescb. V,2 3. 433 ,.ratuselhaft“ tiudet, zu erklären. AulftUeud ist auch, dass Giaetz in der im Jahre 1871 erschienen 2. Auiiago nicht angegeiji-ii hat, dass das botrelloude Responsum bereits im Jahre 1364 in der Lyker Sammlung gedruckt worden sei. mehr der Ansicht, dass an den fraglichen Fasttagen das ganze Bach des Propheten Jona im Urtexte verlesen worden ward, darum hatte der Bussprediger in seiner auf die Verlesung folgenden Ermahnangsrede bei dem Citate auf Jona, 3,8 - 10 nicht nöthig aasdrücklich besonders za bemerken, wem er das betreffende Citat entnommen habe. Hatte man dooh soeben das Buch des Propheten Jona verlesen and war die Stelle sämmtliohen Zuhörern noch gegenwärtig. Dagegen musste bei dem Citate aus J081 2,13, welches den Zuhörern minder bekannt war, gesagt werden, ob das fragliche Citat den Büchern Mosis oder den Propheten oder Hagiograppen entnommen sei. ובקבלה ist daher nioht, wie es bisher von den Commentatoren aufgefasst worden ist, adversativ sondern oopulativ zu nehmen: ״ ובקבלה הוא אומרferner heisst es bei den Propheten“ oder naoh der Lesart der Mischna im Jeruschalmi: ״ ובקבלה מהו אומרand wie heisst es ferner in deu Propheten“7), womit also die von einem Glossator Rasohis aufgeworfene Frage ihre Antwort findet. Dieser häufige liturgische Gebrauch ״das Buch des Propheten Jona“ mag es nun mit sich gebracht haben, dass es von den übrigen elf kleineu Propheten getrennt worden ward and als selbstständiges Buch cirkulirte8). (Schluss folgt ) Litteratur bericht. Recensionen. The Jewi8h Qa&rterly Review, edited by D. Abrahams and C. G. Montefiore, Vol. V, Nr. 14. London D. Natt. 1892. Das vorliegende Heft der Jewish Review ist wie seine Vorgänger, reioh an interessanten literarischen Beiträgen. Letztere haben zu ihreu Verfassern nicht allein einige der alten bewährten Mitarbeiter, wie die Herren Neubauer, Bacher und Soheohter, sondern auch einige neue, die gediegenes Material liefern. Darunter ist besonders hervorzuheben eia Aufsatz unter dem Titel: ״The Jews in the works of (he Church Fathers“ (Die Jaden in den Werken der Kirchenväter), der einen Gegenstand bespricht, welcher bisher nur wenig von jüd. Gelehrten behandelt worden ist. Der Verfasser — H-rr S. Krauss — führt vorläufig blos drei dieser Kirchenväter und deren Werke seinen Lesern vor, nätnlioh Justin Martyr, Clemens v. Alexaudrieu und Origeues, hat aber die Absicht, den Gegenstand tortzusetzen uud noch andere die Revue psssireu zu lassen. ’) Vgl. die Busspredigt Mardechai’s im Targum scheni zu Ester 4,1 (ed. Cassel 8. 51). Das Taigum setzt bereits ein• veränderte Praxis voraus, denn es lässt das Seftr Thora i■ einen 8ack hüllen und mit Asche bestreuen, während di• Mischna und der jerusalemische Talmud nur vom Bestreuen dar Buudeslade weiss. Der bahyl. Talmud tolio 16a (vgl. Rabbinovicz 1 & דהדומי סופי־ים. Anm. 1 u. 2 uud Asuiai ברכי יוסף zum א״ח cap• 679, § 2) kennt gleichfalls das Bestreuen de• 8efers mit Asche; aber vom Bekleiden des Seters mit einem Sacke, weiss aucn der babyi. Talmud nichts. •) Die gebrauchten Schritttexte wurden bekanntlich mit interessanten Randbemerkungen versehen (vgl. in du: ״Justin Martyer uud die Agada“ 8. 41; Prauxl-Graotz Mouatsh. 1873 S. 202 und im ״Uittbl.“ v. Jahrg. S. 159 Aum. 151, woduroh das Buch Jona eiuon grösssreu Umfang angenommen hatte, weshalb der Grund, deu dar babyi. Talmud Baba Batura tolio 14b für die Vereinigung sammtlicuer 12 älaiueu Propliotou augiabt, lür Jona nicht in Betracht kam.