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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1893-01-01 · N° 1. (1.1.1893) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 1. (1.1.1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 — weltliche und theologisoho Stadium umfasst. Lasset mich vielmehr den Wortlaut unseres Satzes umkehren nnd sagen theologisohe and weltliche Studium. Diese kleine Veränderung bedeutet etwas wesentlich anderes, denn dem ersten Wortlaut gemäss müssen wir zuerst; das Qruudwerk und dann das Gerüst besitzen. (Fort.8. folgt.) ן Litteraturberii'ht. j Recensionen. Rawicz, Dr., A. Bezirksrabbiner in Sohmieheim. | Der Traktat Sanhedrin. Verlag von J. A. Hofmann, Frankfurt a. M. 1892. (X,544 S. u. Register.) Der Verfasser hat bereits früher die Traktate Megillah und Rosch Haschanah übersetzt udü wenn er so weiter aut Tagelohn arbeitet, dann kann der von vielen Seiten geäusserte Wunsch, deu ganzen Talmud übersetzt zu sehen, schneller in Erfüllung gehen, als man dachte. Zwar wollen wir dieses Buch nicht nach der bettelhatten Art des ״Sachverständigen“ des ״liter. Centralblatts“ L. Str. anzoigen, dennoch köunen wir es nicht durchweg loben. Jener Maun würde ohne Zweifel nioht verfehlen zu bemerken, dass es S. 54 Zeile 17 von oben für ״den“ heissen müsse ..dem“, er würde ferner aus dem reichen Schatz seiner Recensionsexemplare die Unvollatäudigkeit der Bücherliste S. II nach weisen, kurz die übliche Setzer- und Buchbindargelehrsamkeit •utwiokelu. Aber der Verfasser betrachtet das Uebersetzen des Talmud denn doch als eine gar zu leichte Sache. Wenn die Uebersetzung von Rechtsbüchern mit ganz eigenthümlichen Begriffen, mit einer festen Terminologie überhaupt möglich ist, so müssen die Begriffe entweder beibehalten werden, oder eine möglichst congrueute deutsche’ Terminologie allererst geprägt und mit der Strenge des Originals festgehalten werden. Aber diese erste und wesentlichste Aufgabe hat der Verfasser gar nicht angegriffen, z. B. die Worte ,תנא אם־ und andere formale Begriffe werden bald so bald auders übersetzt. Schwerer wiegt, dass dei Verfasser auch die juristischen Begriffe nicht nur inconsequent, sondern falsoh übersetzt.! גזלות וחבלות sind nicht: ״BeraabuDgen und Verwundungen.“ Auoh einige Missverständnisse der Discussion siossen beieits aut den ersten Seiten aut, z. B. S. 7, für ״es wurde gelehrt“ muss es lmissen: ״also wurde gelehrt.“ Unfähig oder nicht willens präzis zu übersetzen wird der Herr Verfasser paraphrastisoh, was für die Misohna geradezu der Tod ist, deuu nun wird die Disoussion der Gemara über die formelle Redactiou undSatzooustruction der Mischnah ganz unverständlich. So hätte, ohne der Gemara vorzugreifen, übersetzt werden müssen: ״Civilprooesse vorjdreien — Unterschlagungen und Schädigungen vor dreien — voller Schadenersatz und halber Schadenersatz vor dreien — Erlegung des doppelten Werths, Erlegung des ■1 und öfaoheu Werthes vor dreien u. s. w.“ Alles andere gehört in den unentbehrlichen Gommentar. Es ist natürlich nicht mögliob, hier aut schmalem Raum die zahlreichen lrrthiimer des Verfassers auch nur aut deu ersten Seiten nachzugehen.*) Die Sprache der Uebersetzung ist stellenweise etwas unklar, dass *) Wir kouiuieu vielleicht aut Hunire* noch zurück, denn 1l;n Buch mtus dnrchstudiit werden zuweilen kein Mensch daraus klug werden kann, der es nicht längst aus dem Text ist. Hier eine Probe S. 9: ״Weil in der Mischnah die doppelte und 4—5 fache Bestrafung eines Diebes [soll heissen: Ersatz durch einen Dieb] gelehrt werden soll, das letzte, wenn er ein Thier gestohlen, es geschlachtet oder verkauft hat, gelehrt werden 8011, was auch nicht wie das Grundkapital entrichtet wird und ebenfalls kein blosser Ersatz des zugefügteu Schadens ist, darum lehrt m&a auch deu Ersatz der Hälfte des Schadens, den ein nichtstössiger Ochs anrichtet, was auch als Geld anzuseheu ist, das nicht wie das Grundkapital entrichtet wird“ u. s. w. Wir vermögen nur schwer deu Nutzen einer soleben Uebersetzung einzusehen. Wissenschaftlich ist sie im Grunde werthlos und der Verfasser hätte sich den gelehrten Anstrich durch sporadische Verweisungen aut Mechilts, Sif'ra, Jeruschalmi, sowie die Anführung von Varianten gänzlich ersparen köunen. Sollte die Uebersetzuug p op uläre Zwecke verfolgen, dann wäre statt der (unvollständigen) Einleitung des Samuel Hanagid, die ja nur eine Sammlung einzelner Beobachtungen ist mehr am Platze geweseu: Eine Einführung in die halachische Exegese oder eine genaue Definition der Grundbegriffe des Traktats oder eine chronologisoüe Uebersicht der Tauaim und Amoraim und ihre Gruudsätze und Ausprüche oder vor jeder Gemara: Inhalt und Gedaukengang. l'eun ganz entschieden müssen wir der verkehrten Anschauung entgegeutreten: ״Der Talmud bindet sich nicht au eine bestimmte Reihentolge, er kommt von diesem aut jenes, vom Hundertsten ins Tausendste, er Lehaudelt mitunter Dinge, die in gar keiuer Beziehung zum vorliegenden Gegenstand stehen. Im Gegeilt heil: Je mehr mau eindringt, um so mehr bewundert mau die Kaust der Redactiou Manche Abschnitte sind darin Meisterstücke, was besonders an einer Vergleichung mit dem Jerusohalmi, der tiüheren Stute der Redactiou, klar wird. Ferner wäre für populäre Zweckeeine fortlaufende Vergleichung des römischen und neueren Rechts sehr erspriesslioh gewesen. Frankens ״gerichtlicher Beweis“ hatte dem Verfasser Führer sein köunen. Möchten doch endlich diejenigen, die, wie früher so viel geschah, aus reiner Liebe zur Sache den Talmud studieren und deren giebt es gottlob noch immer iu Deutschland, sich an die Aufgabe macheu, die jetzt der Talmud verlangt. 1) Herstellung eines kntisohen Textes, also erst einmal Fortführung und Verwerthang des Erbes von Rabbinowitz. 2) Geschichte der H&lacha und flaggadad. 1• historisch.-kritischeQuellenscheiduug, die hier mit mehr Siiokerheit, Erfolg und Anerkennung vorgenoinmen werden kann als hei der Bibel, wo sie seit einem Jahrhundert so intensiv betrieben wird. Welch herrliches Arbeitsfeld bis weit ins nächste Jahrhundert hinein. Jacob-Göttingen. Waldhauseu, Dr,, Robert. Jüdisches Erwerbsleben. Skizzen aus dem sozialen Leben der Gegenwart. Verlag von Rudolf Abt in Passau. 1892. 90 S. Nur mit tiefem Groll kann der Jude, der noch nicht durch antisemitische Litteratur abgestumpft ist, dieses Buch aus der Hand legen. Sind i.ir wirklich so aller Niedertracht voll, die Vampyre Europa’s? Aber wer öfter iu jene Litteratur hineiugebliokt, der findet! lauter Bekannte wieder. Es ist immer dasselbe Kapital, mit dem sie wuchern. Das Theater — verjudet, die Musik — verjudet, die Presse — verdorben durch die Juden, du* Eisenbahnen — ausgebeutet durch die Juden, die Beamten — bestochen duroh die Juden,

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