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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-12-17 · N° 51. (17.12.1891) · p. Seite 198

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 51. (17.12.1891)
Date
1891-12-17
Page
Seite 198 (sequence 2)
Language
German
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— 198 — Weisen der trüberen Zeit sind der Herrschaft ausgewichea, wenn sie nioht de« Unterhalts wegen d arauf angewiesen waren, in unserer Zeit aber drängen die sich weise Dankenden, die nichts Gutes zu schaffen wissen, nach der Herrschaft über die Gemeinde, nicht um Gottes willen, sie'erkaufen sioh die Hoheit um Geld und bringen noch den, der es annimrat, in Verscbuldnng.“ Die Strafpredigten des R. Salomo Ephraim Lenozyo (S. 78 f.) ergänze ich mit dem Hinweise anf dessen שפתי דעת (Prag 1621), wo zu פ׳ נשא (p. 72a) fetadclt wird, dass man in allen Trinkhäusern fromme Jeder singe. ״Sie rechtfertigen sioh zwar damit, dass sie Gott preisen, aber Gott verlangt die Gosin• nung und sie pelien nur auf den Genuss aus.“ Derselbe Tadel findet sich daselbstJEnde מסעי ‘B (p. 93b), wo überdies bemerkt wird, dass man über dem Trinken die traurige Lage Israel’sin der Diaspora vergesse. Datelbst wird der Ausdruck הפורטים על פ* הנכל. (Amos 6, 5; damit erklärt, dass man (beim Ab6ammeln) PfVnnige (פרוטות) in das Jnstrument (נבל) werfe. Noch einmal, zu כי תצא p. 103, kommt er auf die Trinkgelage za sprechen und tadelt auch diejenigen, die, ohne selbst zu trinken, dabei sioh aufhalten und die Zeit dem Thorastudium entziehen. Das freobe Benehmen junger Männer gegenüber älferen wird za דברים p. 79b als ein Gebrechen des Zeitalters getadel׳. Schliesslich bringe ioh hier eine Stelle aus der Vorrede des getauften Jaden Christian Gersciy zu seinem Buobe ״Cbeleo oder Talmndisoher Jüdensohatz“ (Helmstadt 1610), mir von Herrn Dr. Bloch geliehen, zum Abdruck, in weloher er die Melodie von Frage und Antwort beim Talmudlernen in Noten darstellt mit dem unterschriebenen Text: Fraw wie gebt jr die Hering? Umb drey Pfenning? . Das ist za thewer, umb einen Pfenning? Das ist za wolfeil, daramb umb zwene Pfenning. [jZum biblischen Geschichtsunterricht PT Bücher haben ihre Sohioksale, auoh Biblische Gesohiohten. Man nehme die Erzählung ״Elia auf dem Berge Karmel“ (1. B. Kön. 18), unstreitig eine der paokendsten, auf das Gemüth der Jugend mäohtigen Eindruck machenden Erzählungen. Wie sehr aber zur Zeit nooh gegen eine der obersten pädagogisahen Forderungen, dass aller Unterricht wahr und klar sein müsse, gefehlt wird, mögen einige kurze Bemerkungen im Nachstehenden für die Leser dieses Blattes darthun. Der Mittelpunkt der ganzen Erzählung ist bekanntlich der Streit, wer Gott sein sollte in Israel, ob יהר oder כעל, d. i. ob der wahre jüdisohe oder der fremde, fal80he Gott. Ein Wunder j entscheidet den Streit, der mit der Anerkennung des 1 wahren Gottes endet. Es liegt auf der Hand, dass j es da der sohärfsten Ausprägung des Gegensatzes! auoh in Benennung der Beiden in deutscher Bearbei- { tung bedarf. Und im Urtext ist das der Fall. Es ן zeugt von wohldurohdachter Angelegtheit des Ganzen, , dass dem Elia, als dem Vertreter des wahren Gottes, da j wo er ihn anruft, wo er zum Volke uud den Baals-! propheten von ihm spricht, durchweg das T׳»tagramm in den Mund gelegt wird, welches eben der bezeichnendset, am strengsten sondernde Name für Gott im ( Hebräischen ist. Dafür nun in deutscher Bearbeitung Herr“ zu setzen in Gegenüberstellung mit Baal, I as seiner Etymologie nach doch such niouts anderes! ist als ״Herr“ — und der kundigere Schüler weiss j das — ist zum mindesten doch eine Verdunkelung des Gegensatzes, wie es in der ziemlioh verbreiteten ״Bibi. Gesoh.“ von N. A. Levy geschieht und leider auoh in der neuesten Bearbeitung der ״Kinderbibel“ von B. Badt beibehalten worden. Da wie dort liest man: ״Ist der Herr der wahre Gott“ und am Schlüsse ״Der Herr ist Gott“, und bekanntlich geht diese ganze — zuerst wohl Lutherische — Uebersetzang auf die Septuaginta zurück, die durohweg, wie schon Frankel im ״Einfluss u. 8. w.“ p. 27 hervorgehoben, für das Tetragramm xäpto; setzen. Fr. meint zwar a. a. 0., dass ' eä wohl in der dem Griechischen eigenen Bedeutung ״Herr, Herrsoher“ geschehen sei. Aber ioh wüsste nioht, in weloher soust. Denn auoh das von den Palästinensern, von deueu es die LXX nach Fr. überkommen, ans Scheu vor dem Aussprachen des Tetragramms dafür gesetzte אדני bedeutet dooh nichts an- , deres. Vom exegetischen und selbst vom pädagogisehen Standpunkt mag ja da, wo es unbesohadet der Bestimmtheit uud Deutlichkeit des Ausdruoks geschehen kann, d. i. überall da, wo von Gott allein die Rede ist, dagegen nichts einzuwenden sein, dass, wie es ja auoh meist in Schule und Gotteshaus ge-׳ sohieht, kurzweg dafür ״Herr“ gesetzt wird. Anders aber in Fällen, wie in dem erwähnten. Da befriedigt ״Der Herr ist Gott,“ abgesehen von dem mangelnden Gegensatz, sohon deshalb nioht, weil ״Herr“‘ und ״Gott“ in der Vorstellung des SohülerB so ziemüoh zusammenfallen, also Subjekt und Prädikat eins sind. Hier steht nooh immer Büdinger unübertroffen dader in seiner ״Die kleine Bibel“ das allein spraoht lioh und sachlich Befriedigende in den mit Reoht fet, gedruckten Worten: ״Der Ewige ist der wahre Gott!“ darbietet. Das ist der Etymologie gemäss, das auoh ein genauer Gegensatz zwisoheq VT and כעל in deutscher Bearbeitung. T. Litteraturbericht Receusionen. Ludwig Gorel, Das Blutmärohen. Seine Entstehung und Folgen bis zu den jüngsten Vorgängen' auf Korfu. Berlin 1891. Gnadenfeld & 00. 46 S. Sohon ist ״Korfu“ nioht mehr die letzte Episode aus der blutigen Geschichte des Blutmärohens. Die Grieohen in der Türkei und die rassenfreundliohe Be-! völkerung einer bulgarische n Stadt haben schou seitdem zweimal eine neue Auflage dieser uralten Lüge gegeben und sogar iu unserem engeren Vaterlande' (Preussen) spukte auoh wieder vor einigen Wochen das mittelalterliche Gespenst und bekam Fleisob und — es fehlte nur wenig dazu, auoh — Blut. Der Gesohiohte eines solchen, in einem so eminenten Sinne historischen Märchens naohzugehen, ist nioht nur für Autor und Leser interessant, sondern auoh für das Bannen dieses Aberglaubens selbst von hohem Interesse. Im Jahre 168 v. Ohr. begegnen wir dem Märchen zum ersten Male. Es hatte damals. eine andere Gestalt: Der famose König AntioohusEpiphanes will nämlich im Allerheiligsten de» jerus. Tempels einen gefangenen Grieohen gefunden haben, der von der Priestersohaft mit allerlei Leokerbissen gemästet wurde, um später als Sündenbook für das israelitische Volk geopfert zu werden. (!!) Es wäre aber durchaus falsch, wollte man, wie es u. A. auoh Gorel thut, auoh nur im Geringsten dieses Einzelvorkommnis mit der späteren Kette von Blutbesohuldigungen, welche wie ein blutrother Faden die gesammte Geschichte des israelitischen Volkes durchzieht, in Zusammenhang bringen. Dieses hat einen ganz anderen Charakter, einen anderen Grund. War jenes nur feindselige Gehässigkeit gegen die jüdisohe Nation, 80 liegt diesem vor Allem der Aberglaube' zu Grande. Mit Blut zaubert

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