Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 20 (1891)
- Issue
- N° 50. (10.12.1891)
- Date
- 1891-12-10
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/6492408-5990872-5991374--2390-5369016- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
195 — «eien, die zumeist jedes Verständniss für den hebr. Stil mit seinen Parallelen und fremdartigen Gleichnissen verloren haben.“ Daher die freie z. t. oommentarisohe Uebersetzung. ״Raüical vorzugehen war ich bei den geschiehtliehen Haphtaroth gezwungen, denn sie interessiren (sic!) wenig oder garnicht. Ha» dein sie von Persouen, dann lassen sie sich noch zu religiösen Zwecken ausbeuten (siel), doch mit Schilderungen über den Tempelbau — lässt sich schon (sic!) gar nichts anfangeu.“ ■ Bedauerlich zugleich und komisch i«t diese zarte! Rücksiob eines Theologen auf den — duroh Zeitungsleetüre verdorbenen — Geschmack der ,modernen“ Leute. Ihm soll die Kraft imd der Schwung, die Tiefe und der Reichthum prophetischer Rede geopfert werden, damit nur ja nicht das ungemein reizbare ästhetische Gefühl der etwa anwesenden sog. Gebildeten irritirt w6rde. Was aber erhalten wir als Ersatz? Der Verfasser ist um die Naivetät zu beneiden, in der er von den Schwierigkeiten des Uebersetzens — und zumal aus dem Hebräischen in’s Deutsche — auch nicht die entfernteste Ahnung hat. Er besitzt weder hinreichende Kenntniss der hebräischen nooh der deutschen Sprache, weder Geschmack noch Urtheil. Die Sprache der Uebersetzung ist von einer Geschmacklosigkeit und Mattheit, Stillosigkeit und geradezu übersät mit den gröbsten grammatischen Fehlern, wie es bei jüdischen Scribenten leider nicht gar selten ist. Hier einige Beispiele: Jes. 5, 7. (Jom Kippur S. Iti3.) Aus der erschütternden Drohrede des Propheten wird folgende Gardinenpredigt: ״Wahrlieh! Ihr findet am Fasten Verguügen (sio!), um damit eure Gewissensbisse zu unterdrücken! Ihr fastet ja nur, um dann zu zanken (!), mit der Bosheit Faust einander anzufallen. — Meint ihr, darin bestehe mein auserwählter Festtag, dass ihr — eure Köpfe gleich den) Rohr schüttelt(?). Fasten allein genügt nicht! etc.“ Ein anderes Beispiel aus demselben Propheten, gegen leu sich Herr Z. besonders sohwer vergangen, (8. 14, c. 54, 55): ״Jedes Schwert, gegen Dich geschmiedet, wird fruchtlos (!), jede Lästerzunge, gegen Dich gsrichtet (!), wirst Du Lügen strafen. Das sei das Erbgut der Knechte Gottes, das ihr Verdienst (!) von mir. Darum kommet alle, ihr Mittellosen, Dürftige und Hungrige! kommet, hier bei Mir, eurem Gotte, ist (!) Nahrung .... Neiget euoh (!), kommet zu mir .... 80 wirst auch Du, Israel, unbekannten Völkern zuruten, fremde Nationen zu Dir hineilen u. s. w.“ Damit vergleiche man das Hebräische, um alle die Gedankenlosigkeiten, Schiefheiten und Verkehrtheiten der Uebersetzung vor Augen zu haben. Dem Leser mögen diese wenigen Proben genügen. Dieses sind also die für den Gottesdienst geordneten und frei übersetzten Haphtaroth. Wir würden das Buch wortlos zu dem Wertlosen geworfen haben, mit dem der jüdische Büchermarkt so reich gesegnet wird, wenn 1. der Verfasser sich nicht auf dem Titel einen studirten Theologen nennte und sich noch obendrein zu berühmeu scheint, drss ihm keinerlei Uebersetzung zur Vorlage diente — also alles eigenes Verdienst, — sondern er nur manchmal die Zunzbibel und bei den Haphtaroth der Festtage Heidenheim zur Hand nahm. Eine schöne Ausrüstung für einen wissenschaftlich gebildeten Rabbiner! 2. Wenn er nioht das Vorwort schlösse: ״Gelingt es meinem Werkohen, als Handbuch in den Gemeinden eiugeführt zu werden, daun hat es seinen Zweck voll• ständig erreicht“. Wir sehen keinen Zweck und bezweifeln das Gelingen. Dr. J a 0 0 b - Göttingen. Die Agada der palästinensischen Amoräer. Erster Band: Vom Abschluss der Misohna bis zam Tode Jochanans. (220 bis 279 nach der gew. Zeitrechnung.) Von Dr. Wilhelm Bacher u. s. w. Besprochen von B. Königsberg er. (Fortsetzung) Zu S. 55, Anm. I). Im Jalkut z. St. heisst es präciser: פה עיקם רהם. Zu S 5fi, Anm. 1 Im Jalkut z. St. (g 245) steht אמר ר' חזק'• Hier steht auch richtig mit Bezug aut' den angeführten Beleg aus Jes 39,2 (nicht 58, wie im Jalkut) ומשמח statt ומשמש. Zu S. 58 (R Jonathan b Eleasar) Anm. 2. Dem Veit, lag die ed. Buber Midr. Schoch, tob nicht, vor. In dieser, wie in den collationirten Mas. steht richtiger ר, יונתן איש דבירה (vgl. Buber Note 48) Im Jalk ed. Warsch. 18711 heisst es richtig 0 — .איש הבירה». Ar.m. 3. Eia ר׳ אחא שר הבירה wirn auch B hathra 14•; erwähnt: הלבה הצלה ר״א ש״ה II לפני הבמים לאושא• Zu S. 61 Anm 3 Bei. der Deutung von פרח — פרע vgl u. A. I Sam. 17, 7, wo das K’thib וחץ u. das K’ri ועץ lautet; desgl. Pesiktha (ed. Buber) 162b בערביא אהתין לחתירתא עתירתא (Jalk.II, §246 קורץ) (s. hierzu die interessante Note 110 Buber’s). — (Vgl. W. Bacher, A. ibu. Esra als Grammatiker, S. 55 Anm. 8. 9 und Sachs, Beiträge II. 5>unt. Zu S 62 Anm. 4 Dass Über das Antlitz desjenigen, der seinen Nächsten ans Gerechtigkeitsliebe zurechtweist, ״der Faden der Huld gezogen wird,“ bedeutet, dass der ל וביה, wenn er sich auch anfangs damit begnügen muss, ״hinter G >tt. zu stehen,“ sich durch seinen Idealismus glücklich zu tiihlen, allmählich auch desjenigen Gunst und Beifall erlangen wird, den er offen zurechtgewiesen. (Spr 28, 23.) Zu 8 72 Anm. 1. Die Beziehung des betr. Gleichnisses aus Pe«iktha (156b) zu den zehn Busstagen wird kiar, wenn man Rosrh hasch. 18a zum Vergleiche heranzieht, wo durch I. Sam. 25, 38 bewiesen wird, dass das das בהיותו קרוב sich 1 auf die 10 Tage der Busse bezieht. 1 il> Anm. 2. Vgl. Jalkut II, § 508 Dort ist Samuel b. Nachm. Autor. Die Darstellung unterscheidet sich kaum , vor der im Talmud; nur fehlt gegen den Schluss die Bezugnähme aut Isaak’s Opferung Zu S. 73 Aum. 2, Auch im Jalk II g <>54 ist K Jonathan allein genannt ib. Amu In Schoch, tob. ed Buber richtig א״ר שמואל בר נהמני בשם ר׳ יונתן. Im Jalk. ed. Warschau u. ed Venedig heisst, es: כלפי משה אמדי שהוא עני ממעשים טובים ממנו '. Dann wäre עני im Sinne von עני zu nehmen. Zu S 74 Aum 3. vgl meine demnächst erscheinende Schritt: ״Aus Masorah und Talmudkritik,“ § 2, wo ausführlich darüber gehandelt wird. Ebenso wie bei dem vorliergeu Ohiskija (S. 37 drei Bei- , spiele) sind auch liier S. 70 t. mehrere Exempel der Exegese : R. Jonathan’s angeführt, die -ich auf die Praxis erstrecken, aber dennoch in inrei׳ Form den (leist der Agada athmon. Hier wäre auch ein Ausspruch R. Jonathan’s, mitgetlieilt von R. Sam. b. Nachm , zu Schir 3, 7 einzufügen, im Jalk z. St. (aus Waj. r.1 angeführt: Stets soll der, welcher sich selbst richtig prüten will, sich vorstelleu, als läge ein Schwert zwischen seinen Hütten, während die Hölle unter ihm geöffnet ist. (Synh. 7a(b. Vorher (Synh.) 2 gleich tradirte Sentenzen zuPs.82, 1 u. 12,6 Zu S. 70 Anm a Die Fortsetzung des Streites zwischen Juda und Joseph bis zum Erscheinen des Messias dürfte a,.t den Kampf von משיח בן דוד und מי בן יוסף m beziehen sein. Zu S. 85 Anm 2 Vgl. die Notiz im Jalkut, II g 731. Dort ist רב יהודה als Tradent genannt Ohne die Lesart des Babli ändern zu können, möchten wir darauf hioweisen, dass die Angabe im Jebatnoth, woher auch Jaik geschöptt haben wird, dadurch entstaudea sein kann, dass ein gleich eiugeleiteter Ausspruch nactüolgt Im Jalk. fehlt dieser. Dafür ein besonderer Schlusssatz, der, wie es scheint, die Talmudjünger vor der speculativen Philosophie warnen soll. ib. Anm. 7. Die Ableitung des איל״גין von tXi'('.ov scheint mir nicht richtig zu sein. Erwägt man, dass es im Jalk präciser אומה heisst und im Midr. Sam.,ש'פרע משרד "TO. so ist es nicht unwahrscheinlich, dass nach der im Midrasch verbreiteten Annahme, dass jede Nation, ja selbst jeder der Schöpfungstage seinen Anwalt iin Himmel iiat, das שר nicht aus einer irrthümlichen Ideutilicirnng von *אילוני udd )אנגלי (ÄyyeXoi;) entstanden ist, sondern dass אילוגין SöX&yos ist. was ״Fürsprecher“ bedeutet. li. Hoschaja (S. 89 —1081. S. 89 Amu. 3. Zu der aut R. Jochauan b. Sakkai von Hillel angewandten Bezeichnung ואב לחכמה vgl. Sukkali 28a mit Tr. Sofrnu 16, 9.