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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-12-03 · N° 49. (3.12.1891) · p. Seite 191

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 49. (3.12.1891)
Date
1891-12-03
Page
Seite 191 (sequence 3)
Language
German
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r — 191 — die hebr. Jahresuhl 398 daneben. Joöl Zirkes dürfte wohl nach Kaufmanns richtiger Bemerkung besser Serke’s <'d. i. Sohn der Serke, Serohe) und ebenso Ralisoh S. 245, Bale’s (Sohn der Rale, Rahel) au schreiben sein. Daselbst § 5 ist nach K. T בחתימת nicht au übersetaen: ״mit Ermächtigung“, sondern: ״sammt den Unterschriften“. Zu S. 72, Anm. 2 verweist Herr Rabb. Fleissig aut Braohot 35 b במטותא מנייכו וכר (vgl. Raschij, woraus hervorgeht, dass schon in alter Zeit Nissan und Tischri Ferialmonate waren. Es ist nioht unwahrscheinlich, dass R. Löwe diese Stelle im Auge hatte, wodurch aber das über den Eunstausdruok ״Zwischenreit“ Gesagte nicht beeinträchtigt wird. (Forts, folgt.) Litteraturberichi Recensionen. צאיגה וראינה HI. Band. 57 Vorträge über Texte aus den nachmosaischen bibl. Büchern. Belehrnngs- und Erbaunngsbuch von Liebmann Adler, emer. Prediger in Chicago. Im Selbstverläge des Verfassers* 1891. Reiohbegabte und gottiunige Naturen sind nimmer müde, selbst in ihrer Ruhestellung in vorgerücktem Alter fruohtbar und segensreich zu wirken. Dies er• weist sioh wiederum an dem ehrwürdigen Herrn Lieb• mann Adler, der seiner unlängst erschienenen kernigen vortrefflichen homiletischen Arbeit, über die w r in 4Alu.geaohät«tcn.Litt.TBL. No. 13. mit innerer Rainedigung au referiren Veranlassung nahmen, einen neuen Band von Vorträgen, gediegen, ideenreioh, neu und überraschend, wie seine Vorgänger, folgen lässt. Der Plan, ausser dem Pentateuch und der üblichen Haph• tarah auch die übrigen Schriften der Reihe naoh in der Synagoge zur Verlesung zu bringen und für Kanzelreden zu verwerthen, wird ja wohl auch in manchen jüdischen Gotteshäusern Deutschlands befolgt; doch in England und Amerika, wie uns mit• Ktheilt wird, ist diese löbliche Usance, wohl der axis der Landeskirohe folgend, 80 ziemlich allgemein und von nicht berechenbaren wohlthätigen Consequenzen. Die Synagogenbesucher werden dadurob nicht blos mit allen Büchern der heiligen Schrift vertraut, sondern lernen auch die reichen Schätze kennen, die diese enthalten, gewinnen dieselbe lieb und lernen die Bibel als die religiöse Fundgrube und das heilige Vermäohtniss der ״Versammlung Jaoobs* ehren, hoohhalten und vertheidigen. In Deutschland ist es leider anders: die Indifferenten und Materialisten, deren Zahl leider gross ist in Jsrael, haben fast gar kein Fundamentalbuoh, und die Hyper- oder Blindorthodoxen haben deren za viele: Talmud, Schulohan Aruoh, Casuistik und wer weiss, was nooh alles and — auch die Bibel. Ja die Bibel zu allerletzt; darin liegt das Uebel and die Ursache der Flucht oder der Sohwäche des Glaubensbewusstseine und Missionsgefühls im Jaden und in der Jüdin deutscher Nationalität Und dies presst uns noch einen andern Stossseufzer aus Wie für das frühere Werk in Herrn Schiff, 80 hat unser greiser ehrwürdiger Verfasser für seine gegenwärtige Arbeit in Herrn Lazarus Si 1 b er mann (8. die auch sonst interessante Vorrede) einen opferwilligen Mäoen gefunden. Jüdische Gelehrte in Deutschland müssen oft ihre litterarisohen Erzeugnisse in ihrem Schreibpulte unveröffentlicht liegen lassen, oder deren Drucklegung dareh ihre eigenen spärlichen und abgesparten, abgedarbten Mittel bewirken. Und doch ist es jetzt so wahr wie in alten Zeiten, was der Midrasch zu 5. M. 32,18 bemerkt, dass unsere Studien und Erkenntnisse nur dann wohl• bestellt und gefördert sind, wenn der mit Gütern gesegnete, gesohäftstreibende Sebulau dem in der Studierstube forschendea und arbeitenden Isaschar hilfreich zur Seite steht und die Bahnen ebnet. Das aufrichtige Lob, das wir den früheren Vorträgen gezollt, müssen wir bezüglich der vorliegenden wiederholen. Die Ideen dieser Hotnilien oder Exhorten — denn so und nioht ״Reden“ möchte ich diese Vorträge benennen — sind ebenso lebensvoll, aus dem palsirenden Leben gegriffen, aber nioht bereits ab- und breitgetretene Gedanken, sondern originell, wie die Spraohe gesund, kräftig, packend, bisweilen freilich etwa9 zu drastisch, an Abraham ä santa clara, streifend. Allerdings stossen wir, was diese letzter• anbetrifft, in manchen Worten und Redewendungen auch auf Anglicismen. Wenn man, wie der Verf. eine so lange Reihe von Jahren in fremdem Laude lebt und stets in fremder Spraohe spricht und hört, so kann es nicht fehlen, dass die Muttersprache dadurch ein wenig gefärbt wird. Wir unterlassen es, Beispiele anzuführen. Ausserdem finden sich manohe Ausdrücke und Redewendungen, die wohl dem vorwiegend praktischen Amerikaner mundgerecht, dem mehr empfindsamen Deutschen dagegen nioht ganz kanzelgerecht erscheinen dürften; doch sind diese Ausnahmen gauz unwesentlich, denn im Allgemeinen ist die Sprache des beredten Verf. äusserst oorreot, klar, bindig, plastisch und edel. Wir müssen der Wahrheit gemäss bekennen, dass wir . nicht etwa .alle Reden von Anfang bis Ende, sondern in jedem dieser drei Bände nur einige Vorträge gelesen haben; das genügt aber für einen nioht Unerfahrenen anf diesem Gebiete ein oompetentes Urtheil zu fällen und wessen Geisteskind der Mann oder sein Werk ist, za erkenuen. Mehrere Erscheinungen auf diesem Gebiete, sonst verdienstlioh, inhaltsreich, auch wohl formvollendet, wollen aber durch Witz glänzen, zeichnen sioh naoh Art der alten Maggidim durch equilibristisohe Sprünge aus; ich halte diese Art der Homiletik mit den Worten der H. Sch. umzuspringen, für einen Rückschritt, für Toaste lasse ioh mir das gefallen, an heiliger Stätte, auf der Kanzel, wo wir das Wort Gottes verkünden sollen, dürfen wir es nicht durch sprühende Witzeleien parodiren. Auch unser Verfasser zeigt sprühende Geistesfunken, aber nicht Witzeleien, und darum schätzen wir sein Werk 80 hoch. Für die Beibehaltung der ארבצה מינים (S. 145) würden wir anders plaidiren, als wie der geistvolle Herr Verf. es thut. Wir würden vielleicht gesagt haben: da die Erderzeugnisse der verschiedenen Länder und Himmelsstriche so verschieden sind, so ist es der Einheit der Idee und der Glaubenspraxis wegen am opportunsten und rationellsten, bei den alten Symbolen zu verbleiben, die doch nicht blos altersgrau, sondern auch innig und sinnig sind und sioh lür alle Zeiten so beweisen werden. Auf S. 157 scheint aus der Herr Verf. gegen die Herren Merzb.icher und Sam. Adler nioht ganz gereoht zu sein. Ein Gebetbuch-Redaoteur hat andere Gesichtspunkte und Pflichten voi Augen und zu befolgeu, als wie der Prediger. Dieser kann erklären: Worte und Gedanken anders deuten, modifioiren, umschreiben; der Gebet - Verfassende hat das soblicht lesende und betende Publikum vor Augen, das ohne den exegetisch geschulten Prediger in der Jonah-Leotiire am Versöhnungstage sioh nicht zurecht finden, viel-

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