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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1891-12-03 · N° 49. (3.12.1891) · p. Seite 192

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
20 (1891)
Issue
N° 49. (3.12.1891)
Date
1891-12-03
Page
Seite 192 (sequence 4)
Language
German
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mehr irregeführt werden kann. Unser Herr Verfasser ulaidirt freilich sehr geistreich frir die unverkürzte Vorlesung des Buches Jonah; aber haben sich denn alle Gemeinden eines Liebmann Adler za erfreuen, entbehren nicht die meisten selbst eines mittelm&ssigen Predigers, Schrifterklärers? Wenn daher die Herren Merzbacher and Sam. Adler in ihrem Andacbtsbache einen Theil des Baches Jonah wegge• lassen haben, so hat sie wohl das triftige Motiv geleitet, dass es für die Befriedigung und Erweckung des religiösen Bedürfnisses am Versöhnungstage rathsamer ist, nur dasjenige zu geben, was für alle Synagogenbesucher und Andachtsbeflissene von 1111• bezweifeltem Werthe und mächtiger Wirkung ist, als manches, wenn auch von hochpoetischem Werth, anzufügen, das nur geeignet ist, die Kritik herauszufordern. Eine Bemerkung kann ich zum Schluss nicht unterdrücken. Der Name צא גה וראינה gefallt mir durchaus nicht, unter diesem Titel denkt man sich gewöhnlich eine ן vorzugsweise für Frauen und Mädchen geeignete Leetüre, während die drei Bände dieses Namens viel : mehr noch gereiften Denkern zu empfehlen sind. Jüngeren Amtscollegen, denen oft die Wahl des Textes und des Thema’s Anfangs viel Schwierigkeit bereitet, werden sowohl die vorliegenden 57, wie die früheren Vortrage unseres ehrwürdigen Goilegen Adler als fruoht- und nutzreich und darum sehr willkommen erscheinen. Dr. Wiener-Üppeln. Die Agada der palästinensischen Ainoräer. Erster Band: Vom Abschluss der Mischna bis zum Tode Jocbanans. (220 bis 279 nach der gew. Zeitrechnung., Von Dr. Wilhelm Bacher u. s. w. Besprochen von B. Königsberger. (Fortsetzung) Die Sühne K Chija'a (S. 48—57). Ich möchte hier der ziemlich verbreiteten Annahme entgegentreten, als müsse man aus dem Fehlen des Titels ״Rabbi“ — abgesehen von den ersten Tannaitengesehlechtevn — einen Beweis dalür deduciren, dass der betr. Tannaite und namentlich Amoraor nicht die j Ordination (סמיכה) erhalten. Das dürtte besonders bei Chis-; kijah, dem ■Sohne R Chijah’s, unzutreffend sein. Wie wäre J es denn sonst zu erklären, dass er Leiter einer Schule (vgl, | תנא דבי חוקיה) gewesen, die auf dem Gebiete der Midraschj litt erat ur von hervorragender Bedeutung gewesen sein soll?! ln kurzer, aber treffender Ausführung hat u.A.Sachs in seinen | ״Beiträgen“ II. S. 85, über die Veranlassung zum Gebrauche dieses Titels gehandelt. — Bezüglich Chiskijah’s dürfte vielleicht , folgende Angabe am Platze sein: Wenn auch R. Jochanau : (vgl. Seder hadd. II, 49a-b) sein Schüler gewesen sein 8011, so > ist doch aus anderen Umständen ersichtlich, dass er zu ihm bald in das Verhältniss eines תלמיד חבר trat. Auch mag R. Jochanan also seinen Genossen von R Jannai haben nennen hören. Als nuuR Joch, später den Grund zum jerusaleuai&chen Talmud legte, gedachte er dabei seines älteren Freundes in der s. Z. gepflegten vertraulichen Form, mit der er ihn anzureden pflegte. Die babylonischen Schulen, welche seinen (R. Chiski)a)1’s) Ausspruch nur durch palästinensische Referenten kannten, wussten oft nicht genau auzugeben, ob der bez. Ausspruch von K. CI 1 selbst oder einem Mitgliode seiner Schule stammte und blieben daher auch in der allgemeinen Angabe תנא דבי חוקיה dabei, C11. ohne den Titel ר׳ zu erwähnen (So ist, wie ich bereits in meinen ״Quellen“ 1, 70 Antn 3, ausgeführt, der Umstand zu erklären, dass es statt des , .תנא דכי (im Babli) im Jer piäciser . . תני ר׳ lautet. Diese Notiz ist 8. 52 Anm. <i bei Bacher uachzutrageu.) — Wäre aber רבי wirklich das Ordinationsdiplom, dann dürtte, nach Bacher, auch K Jannai, den er (S. 95 Amu 2) von Eli abstammeu lässt, , nicht ordinirt worden sein, da Rah Cbananjab und Kak Ile- > tchajah (so ist richtig [vgl. liabb. Cbauanelj zu lesen) ihren 1 Lehrer K. ■Jochanan über die Unterlassung ihrer Ordination! damit beruhigen, dass sie erklären, sie stammten von Kli ab! und dürlteu (nach 1. Sam. 2,51) nicht ordinirt werden. Und : doch iühren auch sie einen Titel (Synh. 14a). — Und schliess- ׳ Verantwort. Redactour Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck: Bendix lieh steht, wie Bacher (48 Anm. 4) selbst angiebt, bei Jehudah sehr oft der Titel ר׳• Zu S. 49 Anm 4 vgl. noch Seder hadd. und הנהית הי "ח, Beide streichen nur das ר׳ bei מי (ו״) חוקיה« Aber selbst zugegeben, dass auch bei der Anrede R. Jochanan'8 der Titel ך׳ fehlt, sogeht doch aus שנית רנן hervor, dass Ch. sein Lehrer war. (Bei Rabb. Chan, fehlt .der Titel an 'c'ien Stellen.) ib. Anm. 5. Zu der aut R. Jochanan angewandten Bezeichnung: רית דין בר אינש vgl. besondere den gleichen Ausdruck, den Rabbi mit Bezug aut R. Chanina b. Chama (naobzutragen zu Bacher 8. 2) in Gegenwart des Antoninus gebraucht, Abod. sar. 10 b S. bes. Rabl). Chan dazu. — Die Uebersetzung des positiven כגון דין בר איניש «Das ist ein Mann!“ ist nicht correct; vgl. Rabb. Chan. (1131)) — Bei dieser Gelegenheit möchte ich aut Bacher’s Ag d. Taon II, 453, Anm. 2, zurückkommend, bemerken, dass die von Lewy aufgestellte Behauptung der mit Rabbi verkehrende Antoninus sei kein Kaiser, sondern ein röm. Statthalter gewesen, durch gen Stelle sehr an Bedeutung gewinnt Sonst brauchte er sich wohl kaum zu fürchten und die ihn begleitenden Sklaven zu tödten. — Zu S. 51, Anm 1 Nicht dem Plural דמי (Gen. 4,10) ist eine Begründung für eine Ableitung (,,מלמד) des Midrasch’s zu entnehmen, dass Kain seinem Bruder gar viele Wunden beibrachte, bis er an den Hais gelangte und ihn dadurch tötete; sondern es war, wie mir scheint, tür diesen Gedanken die gleichfalls in der vorhergehenden Mischnah angeführten Schrittworte massgebend, in denen von einer schreienden Stimme des Blutes die Rede ist. Das schien darauf hinzuweisen, dass durch die Verletzung desjenigen Körpertheiles der Tod herboigetührt wurde, wo der Sitz der ätirnmo war, zumal sich der Plural צועקים aut רמי zu beziehen scheint. Zu S 52, Anm. 2. Der (wahrscheinlich spätere) Zusatz מלה חתימה ומלה מסימה dürtte sich mit Rücksicht aut־ die Doppeltbriii ״Lied der Lieler“ erklären lassen. Ist es schon als ״Lied“ etwas ״Verschlossenes“ (חתומה), da es nur bildlich gebraucht werde, so ist. noch hinzuget'ügt, dass es weit schwerer zu erfassen ist, weil das Wort שירים es noch mehr abschliesst; es ist gleichsam eine ״allegorische Allegorie“. Auch am Antang des Sonar chadasch zum Hohel heisst es: שיר השירי דא'הי ר ז א דרתיכא. ib. Anm. 4. Im Jalkut zu Ezech. 31 (§ 372) wo nur R. Jehudah (ohne כרכי! als Gewährsmann angegeben ist, wird auch die Identification von הובי*תי האכלתי angegeben; dort heisst es nämlich:,ר׳.יהודה אומי הוכיתי כתיב אין עושים כסות וגו« ib. Auin. 6 Unter Hinweis aut Lewy und Hoftmann sohüesst sich Bacher wegen dos Ausdrucks 'תנא דבי חזק, der Meinuug an, dass Ch. wie sein Vater Chija eine Midrasch- Sammlung redigirt habe. Schon in meinen ״Quellen", I, 111, habe ich es ausgesprochen, dass es eine unerwinsene Bekauptung sei, es habe ebensoviele Midraschwerke gegeben, als « תנא דבי citirt werden. Vielmehr durfte nur ein maagebender Codex existirt haben, den ein jeder Lehrer in seiner Schule benutzte und bisweilen nach eigenen Traditionen etc ergänzte. I« תנא רבי ist entweder nichts Andres, als der ״Tanna“, der, ohne ein Gelehrter zu sein, die betr. Miachnajoth and Baraithoth auswendig wusste, oder der reservirende Ausdruck für den Ursprung eines Midraschcitates, dessen Autor man nicht mehr genau kannte ) Dadurch wird namentlich die Verlebenheit gehoben, in der sich Lewy befindet, wenn er S. 28f.einer hier als ‘תנא דכי חזק gemachten Mitthoilung anderswo als תנא דבי ר״יש begegnet. (Fortsetzung folgt.) Litterarische Notizen. 1. Paris. Moise Schwab von der Nationalbibliothek lässt ein Separatabdruck aus der ״Geographischen Rundschau“ veranstalten, welcher den Titel führt: ״Itinöraire juif d’Espagne a Chine au IX. siecle“. Die Brosohüre enthält Reisebeachreibangen eines andalusischen Juden, Namens Soliinan nach Art Eklads,. des Daniden, welcher am Anfänge des 9. Jahrhunderts eine Reise um die Welt gemacht, um die 10 Stämme aufzusachen. Er reist von Chartagena ab, geht nach Sicilien, nach Malta, nach Aegypten, nach Arabien, wendet sich gsgen Indien und China und kommt durch Russland wieder nach Europa. 2. Aacena Herr Salomou Marpurgo hat die Spuren Uber die Entstehung der Sage vom ewigen Juden verfolgt und hierbei ein Document entdeckt, welches ein gewisser Antonio di Francesco d’Andrea in Florenz gegen 1412 geschrieben hat. Dieser war damals 21 Jahie alt und beschreibt die grosse Bestürzung, welche wahren 1 der Zeit von 1411 bis 1415 in Folge des Erscheinens eines ewigen Sängers sich über ganz Italien verbreitete. Aeltere Autoritäten setzten die Zeit des Auftretens dieses Sängers in den Zeitraum zwischen 1416 bis 1118. 3. Durch die Mittheoung des Herrn Prof. Brugsch in No 47 des ״Litt.-Bl.“, dass im Aegvptischen ״rorne" Mensch bedeutet, ergiebt sicli tür אכרם die Bedeutung ״V ater der Menschheit.“ B. K. Hu hn(tr. D. L. Wollt) Magdeburg. Verlag: Hob. Friese, Leipzig

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